Forum: Wissenschaft
Politische Ideologien: Was heißt eigentlich "konservativ"?
DPA

Zwei Männer haben in den vergangenen Wochen mit Thesen zu Konservatismus für Aufsehen gesorgt: ein ehemaliger Google-Entwickler - und der CSU-Politiker Alexander Dobrindt. Aber was meinen die beiden mit dem Begriff?

Seite 14 von 15
kuschl 15.01.2018, 13:11
130. Konservativ gewinnt

Die Konservativen können doch ganz beruhigt sein! Junge, kräftige Männer mit einem stockkonservativen Welt und Gesellschaftsbild wandern doch gerade ein! Wo ist also das Problem?

Beitrag melden
Fuxx81 15.01.2018, 13:14
131. Konservendosen

"Konservativ" kommt von "konservieren", also "erhalten". Man will also etwas erhalten bzw. bewahren. Was genau das ist, ergibt sich aus dem Kontext. Ein Mensch kann auf einem Gebiet sehr konservativ sein, auf anderen dagegen sehr progressiv.

Beitrag melden
acusticusneurinom 15.01.2018, 13:20
132.

Zitat von zeisig
Es geht darum, das Bewährte so lange wie möglich zu erhalten.Und ja, es geht auch darum, daß alles seine Ordnung hat und daß man seine Heimat so erhält, wie sie uns gefällt. Un wenn Sie sagen, "Der progressive weiß, dass wir in einer sehr komplexen Welt leben, die sich obendrein ständig ändert..." dann sage ich, es gibt Bereiche, die können trotz allem Wandel so bleiben wie sie sind. Und darum kämpfen wir Konservativen.
......die Gratwanderung vom Kampf zur Ideologie ist fließend, daher ein Teil-Zitat aus diesem Strang:

@klmo:
Zitat von
Es ist wie mit den Religionen und ihren Begriffswelten. Der Begriff wird nicht falsch, wenn Menschen Begriffe missbrauchen oder verfälschen.
Wenn Konservatismus als "Kampfbegriff" mißbraucht wird, dann wird schnell eine Ideologie daraus.... .

Wohin das Beharren auf (konservativen) Dogmen führt, hat die Menschheit in ihrer Geschichte (und da ist die Inquisition nur das übelste Beispiel) nur allzu oft leidvoll erfahren müssen - darüberhinaus: Stillstand bedeutet oft genug - Rückschritt.

Beitrag melden
klmo 15.01.2018, 13:24
133.

Zitat von kuschl
Die Konservativen können doch ganz beruhigt sein! Junge, kräftige Männer mit einem stockkonservativen Welt und Gesellschaftsbild wandern doch gerade ein! Wo ist also das Problem?
Sehr gut erkannt. Eigentlich müssten die Linken hier eher verzweifeln!

Beitrag melden
mostly_harmless 15.01.2018, 13:25
134.

Keine Ahnung, wie man Dobrindt ernst nehmen kann. Der Mann hat nachgewiesen, dass er in allem, was er in den letzten Jahren versucht hat, massivst überfordert ist. Der Mann hat ausreichende Fähigkeiten, um den Geflügelzüchterverein eines Dorfes zu leiten, mehr aber auch nicht.

Beitrag melden
klmo 15.01.2018, 13:37
135.

Zitat von acusticusneurinom
......die Gratwanderung vom Kampf zur Ideologie ist fließend, daher ein Teil-Zitat aus diesem Strang: @klmo:Wenn Konservatismus als "Kampfbegriff" mißbraucht wird, dann wird schnell eine Ideologie daraus.... . Wohin das Beharren auf (konservativen) Dogmen führt, hat die Menschheit in ihrer Geschichte (und da ist die Inquisition nur das übelste Beispiel) nur allzu oft leidvoll erfahren müssen - darüberhinaus: Stillstand bedeutet oft genug - Rückschritt.
Wenn Sie die christliche Lehre nicht kennen, verwechseln sie schnell etwas.
Der Grundtenor des Christentums ist die Nächstenliebe. Steht der Inquisition diametral entgegen. (Siehe auch die christliche Prämisse der Vergebung.)
Ergo, ich kann nicht etwas verteufeln, wenn ich den religiösen Grundsatz nicht als wesentliche Aussage kenne.
Der Rest ist Fälschung und Umdeutung, worin unsere Kirchenväter jeden Politiker in den Schatten gestellt haben.

Beitrag melden
spon-facebook-1425926487 15.01.2018, 13:50
136. Klassenkampf reloaded

Konservativ heisst bewährte Dinge bewahren und bedeutet im täglichen Deutschen Polit-Zirkus, dass man nicht sofort jeden hingeworfenen Brocken aufgreifen muss, erst Recht nicht zu einem Zeitpunkt, wo man noch gar nicht beurteilen kann, ob volle Kraft voraus den Fortschritt- oder vielleicht im Gegenteil den Absturz und damit Rückfall in der eigenen Geschichte bedeutet auf ein Menschenbild, zu dem wir nie wieder zurückkehren wollte. Leider sind die Sozialisten dieser Tage wieder einmal die, die mit dem Betonfuss aufs Gaspedal treten und das ohne Konzept, ohne Plan und ohne Sicht. Sicher ist nur eines, sollte der Karren eines Tages wieder einmal im Dreck, oder schlimmer noch am Abgrund hängen, werden nach Meinung der Linken wie iüblich wieder "die Anderen" (also die Konservativen) daran schuld sein, sie jedoch nicht, selbst wenn sie 15 Jahre lang direkt an der Regierung beteiligt waren.

Beitrag melden
spon-facebook-1425926487 15.01.2018, 13:54
137.

Zitat von acusticusneurinom
Stillstand bedeutet oft genug - Rückschritt.
Die Machtergreifung der Nazis 1933 würde ich nicht unbedingt als "Stillstand" interpretieren, was die Folgen aus dieser "Bewegung" waren, sind allgemein bekannt. Wieso denken eigentlich so viele Leute, dass der Wagen, nur weil er rollt, automatisch auch in die richtige Richtung rollt?

Beitrag melden
marcelo 15.01.2018, 14:00
138. Definition

Als Konservativen sehe ich mich in aller erster Linie als Realist und Rationalist, mit nüchternen Blick auf das (Welt)-Geschehen, frei von ideologischen Zwängen und Dogmen. Daraus resultiert, dass ich die Modernisierung eben für keinen (Mehr)-Wert als solchen halte. Sie muss sich immer einer kritischen Betrachtung stellen. Das fängt im Kleinen, bei Dingen wie Mode und Lifestyle an: Muss ich wirklich jeden Mist mitmachen? Nein sicher nicht. Konservatismus erfordert daher auch ein gewisses Selbstbewusstsein, eine gewisse Haltung, eben nicht auf jeden Zug aufzuspringen, nur um im Trend zu sein und als ach so modern wahrgenommen zu werden. Mit Blick auf die Neuerung stellt sich der Konservative letztlich zwei Fragen: Ist das neue wirklich besser und vor allem: Ist es überhaupt umsetzbar?
Von daher ist für mich Konservatismus (ebenso wie Liberalismus) auch nichts, was man seriös im politischen rechts/links-Spektrum verorten kann. Beides ist losgelöst davon. Ein Linker kann glaubwürdig konservativ sein, ein Rechter glaubwürdig liberal. Helmut Schmidt und Hans-Dietrich Genscher wären hier die ersten beiden Namen, die mir in den Kopf kommen.
Dieser realistische und rationale Blick auf die Dinge ist der politischen Linken mit den Jahrzehnten leider komplett abhandengekommen, weshalb Sie schlicht nicht mehr ernst zu nehmen sind. Ideologie wird über die Realität gehoben und zweitgenannte bestmöglich ignoriert oder umgedeutet. Beispiele gibt es zu genüge: Energiewende, Migrationspolitik, Europapolitik.
Ein schwacher Trost, dass man in vorgenannten Themen als Konservativer immer Recht hatte. Erschreckend ist allerdings: Es macht keinen Unterschied. Wenn die Realität und die Fakten nicht mitspielen, wird halt ideologisch nachgebessert, verdreht, umgedeutet.

Beitrag melden
Patrik74 15.01.2018, 14:01
139. Kann man nicht

Zitat von klmo
Sie ideologisieren zu sehr und übersehen dabei das Wesentliche. Nehmen wir die Wissenschaften, wo (erkannte) Gesetzmäßigkeiten konservativen Charakter haben. (Siehe auch Naturkonstanten) Trotzdem weiß jeder Wissenschaftler, dass neue Erkenntnisse ein Korrektiv zulassen muss. (Hier steht der progressive Aspekt als Ergänzung im Vordergrund.) Und nur so funktioniert Wissenschaft. Kann man auch auf die Gesellschaft übertragen.
In der (Natur-)Wissenschaft leiten sich die Gesetze von wiederholbaren Beobachtungen ab. Wenn ein Apfel x Sekunden braucht, um aus einer gewissen Höhe vom Ast zu fallen, dann wird es immer wieder so tun, gestern, heute, morgen, übermorgen; und selbst wenn man das Experiment 1 Millionen Mal wiederholt, wird sich daran nichts ändern, insbesondere wird er nie nach oben fliegen.

Bei Gesellschaft ist das anders. Galt jahrhundertelang, dass Frauen dem Mann unterzuordnen sind, und Schlagen eine valide Erziehungsmethode ist, änderte sich das - dank progressiver Kräfte, entgegen dem erbitterten Widerstand gegen die Bewahrer des "bewährten" - diametral. Heute steht das (zurecht) unter Strafe.
Das ist es eben, was konservative oft nicht verstehen: Was sie für "bewährt" halten, erweist sich in der historischen Perspektive als falsch - auch Leibeigenschaft hat sich über Jahrhunderte "bewährt".
Lustigerweise denkt jede neue Generation von konservativen, dass das, was sie nun verteidigen, auf ihrem Mist gewachsen wäre und schon immer "urkonservativ" war, und "die Linken" alles kaputtmachen wollen, was uns lieb und teuer ist. Tatsache ist aber, dass sie es weiterentwickeln. Und das, was heute neu ist, wird später "urkonservativ".

Das ist irgendwie putzig, aber man muss einsehen, dass das Konservative nie die Oberhand gewinnen darf, sonst landet man in der Erstarrung.

Beitrag melden
Seite 14 von 15
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!