Forum: Wissenschaft
Psychische Krankheiten bei Piloten: Verdrängen, verleugnen, verschweigen
AFP

Der Co-Pilot Andreas Lubitz war offenbar psychisch krank - und damit in der Branche nicht allein. Psychiater und ein Pilot berichten von starkem Leistungsdruck und einer Atmosphäre der Angst.

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carranza 28.03.2015, 08:53
50. Offen reden über Krankheiten am Arbeitsplatz?

Ich denke mal, da schaffen es gerade mal noch Grippe, oder Zahnschmerzen zum Gesprächsthema zu werden.
Und da man, sofern man deshalb krankfeiert, damit rechnen muß, schief angesehen zu werden, wird wohl kaum einer Schlimmeres über sich zur Sprache bringen.
Denn recht schnell ist mit einer Kündigung zu rechnen, dann gibts ein Jahr Arbeitslosengeld und dann wird man zum Sozialfall. - Wer will und kann das schon riskieren?

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interessierter Laie 28.03.2015, 08:55
51. das ist eine totale Illusion..

es gibt bestimmte Berufgruppen, die man davon nicht heilen wird. Piloten, Wissenschaftler, Ärzte, viele Manager, Unternehmer, Rennfahrer, Politiker und Sportler haben gemeinsam, dass ihr Beruf ihre Passion ist. Sie werden sich Probleme nichtmal selbst eingestehen, geschweige denn offen darüber sprechen. Es bedeutet nämlich, dass sie nicht mehr dürfen. Herr L. war so ein Kandidat. Den Druck machen sich solche Menschen selbst. Wenn man das nicht in Tests nachweisen kann, wird man das Problem nicht lösen.

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Amadablam 28.03.2015, 08:57
52. So so...

...jetzt haben es ja alle geahnt. Warum ist dann dieser Artikel nicht schon vor zwei Wochen erschienen?

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lanoia 28.03.2015, 08:59
53. Die Psyche von Piloten ist das Eine......

und wie sieht es mit der Psyche von Leitenden Techniker in einem Atomkraftwerk aus? Im Übrigen sind bei fast alle Psychotests die Konsequenzen von Antworten durchschaubar. (z.B. "Haben Sie manchmal Stimmungsschwankungen?", "Ist Ihnen manchmal alles zuviel?" "Können Sie sich manchmal selber nicht leiden?").......und dann noch...Wie sieht es denn mit Psychotests bei Zugführer und Busfahrer, Gefahrguttransporteure aus. Altenpfleger lassen wir mal weg.

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klemme1952 28.03.2015, 08:59
54. und.was sagt uns das?

Da wird festgestellt, dass der Leistungsdruck hoch ist und dass kaum jemand darüber spricht, wenn er Probleme damit hat.
Was ist daran verwunderlich? Selbst wenn man "darüber offen reden" könnte, die Verantwortung für das Leben von Hunderten von Fluggästen nimmt einem niemand ab. Und alle, die dort 'nur' verfahrenstechnisch beteiligt sind - als Vorgesetzte, Vorstände, Ausbilder oder Ärzte - müssen alles daran setzen, jede Schwäche im letzten und wichtigsten Glied der Kette, beim Piloten nämlich, frühzeitig zu erkennen. Und wenn dort Schwächen erkennbar werden, dann darf ein solcher Pilot nicht fliegen. Das kann gar nicht anders sein, und dies muss auch angehenden Piloten vermittelt werden. Trotzdem ist es für jeden, der darin seinen Traumberuf gefunden hat, ein Albtraum, und deshalb wird niemand sich selbst vorschnell für fluguntauglich erklären - mancher vielleicht unter keinen Umständen. Weil wir trotz dieser quasi System immanenten Tabuisierungstendenzen ein hohes Maß an Sicherheit haben, finde ich, dass Ausbildung und Management und die Arbeit der Piloten insgesamt doch - trotz der aktuellen Tragödie - sehr gut funktionieren.

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gardinchen 28.03.2015, 09:00
55. totschweigen

er hat völlig Recht, es wird totgeschwiegen. in allen Berufsgruppen. es ist wie ein Kampf gegen eine Windmühle. Bis die Betroffenen zur Einsicht kommen oder völlig verzweifelt ein Ende setzen.
Die Angst und die Scham vom Arbeitgeber, Freunden oder Partner in seinem Leiden entdeckt zu werden oder die Krankheit selbst zu erkennen und zu akzeptieren sind einfach riesengroß.

und ja, es ist ein Schock für alle Beteiligten, wenn sie das Ausmaß der Krankheit des Betroffenen erkennen.
und ja, man steht dem völlig machtlos gegenüber, solange der Betroffene keine Hi?fe in Anspruch nimmt.

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kv21061929 28.03.2015, 09:00
56. Der Gestank der maximalen Rendite fordert Opfer

Das neoliberale Wirtschaftssystem fordert für die Aktionäre und Vorstände eine immer höhere Rendite. Das geht nur zu Lasten der Mitarbeiter, der Sicherheit und der Umwelt. Angst und Druck wird erzeugt um Arbeitnehmer möglichst effektiv auszubeuten. Immer wird mit dem Arbeitsplatzverlust gedroht. Und wenn es, wie in diesem Fall Opfer fordert, so ist das öffentliche Bedauern der Verantwortlichen groß. Der Co-Pilot ist ein Opfer dieses Systems. Es ist in allen Branchen das gleiche menschenverachtende Spiel um Rendite für einige Wenige. Das neoliberale Gedankengut stinkt zum Himmel doch die verantwortlichen Politiker halten diesen Gestank für den großen Duft der weiten Welt der Reichen in dem sie sich so gerne sonnen.

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Glisch@gmx.de 28.03.2015, 09:02
57. Endlich

´mal wieder ein echter Spiegel! Gut dass Sie den Voyeurismus unterlassen, das übernehmen dann wohl wieder die verschnarchten Öffentlich Rechtlichen Selbstdarsteller...

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Thomas Schröter 28.03.2015, 09:02
58. Andere Unfallabläufe bisher nicht sicher ausgeschlossen

"Co-Pilot Andreas Lubitz war offenbar psychisch krank"

Bisher wird das von der behandelnden Klinik abgestritten. Es handelt sich somit um eine Vermutung und Spekulation bestenfalls um einen ersten Anschein.

Die bisher verfügbaren, sehr wagen Beweismittel schliessen andere Unfallabläufe nicht mit letzter Sicherheit aus insbesondere das Ausnutzen von in Datenbanken hinterlegten Merkmalen zur Verschleierung einer verdeckten Geheimdienstoperation.
Für eine solche könnte z.B. die Tatsache sprechen, daß offenbar die von Berlusconi gesteuerten Presseorgane nun versuchen den Fall politisch zu instrumentalisieren und auch der übrige politische Kontext das Fokussieren der öffentlichen Aufmerksamkeit weg von sonstigen Krisen durchaus einen politischen Nutzen versprechen könnte.

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nutella67 28.03.2015, 09:02
59. Bigger Picture

Die in dem Artikel angesprochene Problematik gilt für die gesamte Gesellschaft und nahezu alle Bereiche der Wirtschaft.
Leistungsdruck und ein auch von Politik und gesellschaftlichen Eliten gepflegtes Klima der permanenten Unsicherheit (Krisen, Verlust von Arbeitsplätzen, mangelnde Wettbewerbsfähigkeit...) führen eben dazu, dass so manche(r) eine Erkrankung verschweigt und sich weiter zur Arbeit schleppt.
Wir sollten eine generelle Debatte drüber führen wie wir in diesem Land mit den Menschen umgehen, die einfach nicht mehr können.

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