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Psychologie der Zerstörung: Zum Glück sind wir keine Pilze
Elmer Martinez/ AFP

In den vergangenen 200 Jahren ist die Macht des Menschen, seine Lebenswelt zu zerstören, exponentiell gewachsen. Nun aber verstehen wir nicht nur, was wir anrichten, sondern endlich auch uns selbst.

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waldschrat_72 12.05.2019, 17:08
1. Ridley Scott´s Aliens..

.. das sind wir. Der Homo Sapiens. Eine Art, die einzig dazu konstruiert ist, der eigenen Expansion willen alles andere zu besiedeln, dadurch zu beeinflussen und schließlich zu beschädigen bis zum Exodus. Um dann weiter zu ziehen in weiterer Expansion. Bis jedes begrenzte System kollabieren muss. Der Mensch verhält sich, im kosmischen Maßstab betrachtet, geradezu viral planetenschädigend. Anthropogenes Terraforming eben. Die Tatsache, dass er über die Folgen seines Handelns reflektieren kann, macht den Menschen nicht vernünftiger. Ich bin zutiefst überzeugt, dass es in einigen Millionen Jahren die Erde noch geben wird. Den Menschen jedoch nicht mehr.

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view3000 12.05.2019, 17:26
2.

Mir fällt dazu nur dieses Zitat von Albert Einstein ein: „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

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abc_bis_z 12.05.2019, 17:27
3. Nachdenklichkeit / Hysterie / moralische Maßstäbe im Ungleichgewicht

Diese Kolumne von Christian Stöcker hat mich nachdenklich gemacht. Danke dafür. Auch ich möchte nicht die Klimaapokalypse - weder in naher noch in ferner Zukunft. Was mir allerdings zunehmend sauer aufstößt, ist die quasi-religiöse, hyper-moralische Hysterie, die sich bei den "Kilmaempörten" wie ein Buschfeuer breitmacht und langsam aber sicher anfängt, jedes Maß zu verlieren. Beispiel aus meinem eigenen Leben: ich habe kein Auto und bislang auch keine Kinder, ich ernähere mich zunehmend immer fleischfreier und bin in meinen 40 Lebensjahren ganze 6x geflogen. Mein CO2 Abdruck (oder im Jargon der "Kilmaempörten" zu bleiben: mein Sünden-Register) ist also kaum messbar. Dennoch kann ich nicht (mehr) ganz normal zwischenmenschlich-kommunikativ von einer meiner seltenen Urlaubsreisen (mein 6. Flug jetzt) erzählen - ohne mir doch jetzt tatsächlich schon 2x den Erhobenen-Zeigefinger von 2 Menschen mit "Haltung" eingehandelt zu haben. Das Ganze nimmt langsam Züge an, die ins Groteske reichen.

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Tom Joad 12.05.2019, 17:44
4.

Zitat von waldschrat_72
.. das sind wir. Der Homo Sapiens. Eine Art, die einzig dazu konstruiert ist, der eigenen Expansion willen alles andere zu besiedeln, dadurch zu beeinflussen und schließlich zu beschädigen bis zum Exodus. Um dann weiter zu ziehen in weiterer Expansion. Bis jedes begrenzte System kollabieren muss. Der Mensch verhält sich, im kosmischen Maßstab betrachtet, geradezu viral planetenschädigend. Anthropogenes Terraforming eben. Die Tatsache, dass er über die Folgen seines Handelns reflektieren kann, macht den Menschen nicht vernünftiger. Ich bin zutiefst überzeugt, dass es in einigen Millionen Jahren die Erde noch geben wird. Den Menschen jedoch nicht mehr.
Manchen Menschen bereitet es eine perverse Freude, sich die Apokalypse auszumalen. Hilfreich ist das aber nicht. Es gibt nämlich tatsächlich Gründe für verhaltenen Optimismus. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: In den 70er Jahren waren viele unserer Flüsse stinkende Chemie-Kloaken, inzwischen kann man z. B. im Rhein wieder baden. In den 80er Jahren gab es aufgrund des Waldsterbens Prognosen, in einigen Jahrzehnten gäbe es in Deutschland keinen Wald mehr - aber dann wurde die Industrie dazu verdonnert, Entschwefelungsanlagen einzubauen, und inzwischen besteht das Problem so nicht mehr. In den 90er Jahren hat die Menschheit dank des internationalen FCKW-Verbots sogar zum ersten Mal eine selbst verursachte globale Katastrophe, die des Ozonlochs, abgewendet. Schwarzmalerei bringt niemanden weiter.

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_gimli_ 12.05.2019, 17:55
5.

Solche Beiträge veranschaulichen, warum technischer Fortschritt heute fast ausschließlich in den USA passiert. Auch dort wird massiv im Bereich Umweltschutz geforscht, man geht aber das ganze Thema erheblich weniger religiös an wie in Deutschland (und in der EU insgesamt). Dafür machen sich Leute Besoz und Musk daran, konkrete Pläne für die Expansion der Menschheit ins Weltall zu schmieden und umzusetzen. In Europa hätte man erst mal die CO2-Bilanz berechnet und es hätte wieder geheißen: "Mit dem Geld könnte man so viel Gutes für die Armen auf der Welt tun." Ja, könnte man, es würde aber die Menschheit Null weiterbringen. Gentechnik, KI (auch Siemens Mindsphere wird in den USA entwickelt), Cloud, Raumtechnik, passiert alles in den USA. Ich bin oft drüben (hab ein Arbeitsvisum) und wenn ich nochmal 30 wäre, hätte ich meine Zelte dort aufgeschlagen. Ich mag eigentlich die Mentalität der Menschen in den USA nicht so sehr, aber da wird Zukunft gestaltet, im Gegensatz zum zögerlichen und ängstlichen Europa.

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geri&freki 12.05.2019, 18:26
6. Gründe für verhaltenen Optimismus?

Zitat von Tom Joad
Manchen Menschen bereitet es eine perverse Freude, sich die Apokalypse auszumalen. Hilfreich ist das aber nicht. Es gibt nämlich tatsächlich Gründe für verhaltenen Optimismus. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: In den 70er Jahren waren viele unserer Flüsse stinkende Chemie-Kloaken, inzwischen kann man z. B. im Rhein wieder baden. In den 80er Jahren gab es aufgrund des Waldsterbens Prognosen, in einigen Jahrzehnten gäbe es in Deutschland keinen Wald mehr - aber dann wurde die Industrie dazu verdonnert, Entschwefelungsanlagen einzubauen, und inzwischen besteht das Problem so nicht mehr. In den 90er Jahren hat die Menschheit dank des internationalen FCKW-Verbots sogar zum ersten Mal eine selbst verursachte globale Katastrophe, die des Ozonlochs, abgewendet. Schwarzmalerei bringt niemanden weiter.
An dieser Stelle könnte man sich auf den Verweis beschränken, sich einfach nur einen Gutteil der nachfolgenden Kommentare anzusehen, um zu dem bitteren Schluss zu kommen, dass selbst verhaltender Optimimus völlig fehl am Platze ist!
Und was Ihre Beispiel anbetrifft: Einen nicht unerheblichen Teil der Gewässerverschmutzung hat man nicht entschärft, sondern einfach in ferne Länder - insbesondere solche der sog. 3. Welt - verlagert.
Das immisionsbedingte Waldsterben hat man zwar durch Entschwefeldungsanlagen, Katalysatoren und flächendeckenden Kalkungen der Waldböden erheblich entschärft. Dafür sind zahlreiche andere Bedrohungen, insbesondere durch invasive Arten (z.B. Eschentriebsterben), Orkane, Trockenheit und - sekundär - erhöhte Waldbrandgefahren hinzukommen. Mit anderen Worten: Wir erzeugen schneller neue und immer mehr Probleme, als dass wir bestehende lösen können.
Und das Ozonloch? Warten wir es ab. Abgerechnet wird zum Schluss!

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dieter-ploetze 12.05.2019, 18:30
7. die liste unserer schwaechen

eine interessante auflistung unserer schwaechen. es stimmt auch , dass wir erstmals die angerichtete zerstoerung und was noch folgen kann, wird, begreifen koennen. das ist aber, meiner ansicht nach, nur ein ganz kleiner pluspunkt, der noch nicht allzu viel hoffnung macht.
dem begreifen des einzelnen steht nun leider die traegheit der masse gegenueber. das beinhaltet, auch wenn der einzelne begreift, richtet er noch lange sein verhalten an der masse aus. dann wird es so wie immer kommen, erst wenn die katastrophen zunehmen, immer mehr menschen davon betroffen sind, wird es wirkliche veraenderungen geben koennen. ein glueck waere es, wenn dann die zeit noch reichen wuerde.

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dieter-ploetze 12.05.2019, 18:39
8. @ waldschrat_72 jede population stoesst angrenzen

Zitat von waldschrat_72
.. das sind wir. Der Homo Sapiens. Eine Art, die einzig dazu konstruiert ist, der eigenen Expansion willen alles andere zu besiedeln, dadurch zu beeinflussen und schließlich zu beschädigen bis zum Exodus. Um dann weiter zu ziehen in weiterer Expansion. Bis jedes begrenzte System kollabieren muss. Der Mensch verhält sich, im kosmischen Maßstab betrachtet, geradezu viral planetenschädigend. Anthropogenes Terraforming eben. Die Tatsache, dass er über die Folgen seines Handelns reflektieren kann, macht den Menschen nicht vernünftiger. Ich bin zutiefst überzeugt, dass es in einigen Millionen Jahren die Erde noch geben wird. Den Menschen jedoch nicht mehr.
wirklich jede population stoesst an grenzen. im tierleben sehr anschaulich zu beobachten. der mensch mit der uebervoelkerung
haelt sich nur noch kraft seines geistes, sich damit neuen gegebenheiten anzupassen und der dazu gehoerigen technik mit der noch grenzen verschoben werden konnten und vielleicht auch noch koennen, am leben. aber auch das koennte nun an seine grenze gelangt sein.

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waldschrat_72 12.05.2019, 18:53
9. Perverse Freude. Das ist nett. Danke sehr.

Zitat von Tom Joad
Manchen Menschen bereitet es eine perverse Freude, sich die Apokalypse auszumalen. Hilfreich ist das aber nicht. Es gibt nämlich tatsächlich Gründe für verhaltenen Optimismus. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: In den 70er Jahren waren viele unserer Flüsse stinkende Chemie-Kloaken, inzwischen kann man z. B. im Rhein wieder baden. In den 80er Jahren gab es aufgrund des Waldsterbens Prognosen, in einigen Jahrzehnten gäbe es in Deutschland keinen Wald mehr - aber dann wurde die Industrie dazu verdonnert, Entschwefelungsanlagen einzubauen, und inzwischen besteht das Problem so nicht mehr. In den 90er Jahren hat die Menschheit dank des internationalen FCKW-Verbots sogar zum ersten Mal eine selbst verursachte globale Katastrophe, die des Ozonlochs, abgewendet. Schwarzmalerei bringt niemanden weiter.
Jetzt antworte ich Ihnen mal das Folgende, Sie Zweckoptimist: Es macht mir weder Freude, noch bin ich deshalb pervers, hier mal schonungslos aufzuzeigen, was wir gerade in globalem Maßstab gesehen anrichten. Die Tatsache, dass Sie hier bei uns in Deutschland mittlerweile wieder in den Flüssen baden können, ist im Übrigen dem jahrelangen zähen beruflichen Einsatz von Leuten wie mir zu verdanken. Das sind aber nur Pyrrhussiege im Vergleich zu dem, was bald auf uns zurrollen wird, wenn wir nicht sofort die Notbremse ziehen. Und damit meine ich insbesondere die Folgen eines unkontrollierbar werdenden globalen Klimawandels, der sich droht, auch noch negativ rückkoppeld zu verstärken. Und die Folgen eines Artensterbens, wie es auf der Erde zuletzt vor 60 Millionen Jahren stattgefunden hat. Diesmal ist jedoch kein Asteroid, und auch kein Supervulkan der Auslöser. Sondern der Mensch, der sehenden Auges am eigenen Ast sägt, auf dem er sitzt.

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