Forum: Wissenschaft
Qualität in der Wissenschaft: Liebe Leserin, lieber Leser,
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quark2@mailinator.com 18.05.2019, 23:20
10.

Wir haben mMn. im ganzen System die falschen Anreize. Sie helfen den Etablierten, behindern Newcomer und abweichende Meinungen, bremsen den Fortschritt von Leuten, die gerade eine brilliante Phase haben und benachteiligen Grundlagenforschung gegenüber anwendungsorientierter Wissenschaft. Das Ergebnis kann man schon bei den Psychologen sehen, die ganze Jahrzehnte an angeblichen Erkenntnissen neu prüfen müssen und ich bin sicher, andere werden folgen. Dieser ganze Publikationsdruck führt zu Unmengen "Papier", aber nicht unbedingt zu wirklich bahnbrechenden Erkenntnissen. Ich sehe nur niemanden, der daran was ändert.

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Newspeak 19.05.2019, 06:49
11. ....

@9

"das lernen die nachwuchswissenschaftler heutzutage nicht mehr. und sie verweigern sich teilweise tital, denn das gibt ihnen ja mehr zeit, selbst was zu schreiben."

Ja, stimmt. Mir hat als Nachwuchswissenschaftler auch niemand beigebracht, so ein Gutachten zu schreiben. Allerdings kennt man den Stil durch die Gutachten zu eigenen Artikeln. Als Reviewer wird man ja nur deshalb genommen, weil einen jemand vorschlägt, oder weil der Editor eigene Artikel von einem zum passenden Thema findet. Theoretisch sollte man das als Doktor, der man dann normalerweise ist, selbst hinbekommen. Praktisch wäre es trotzdem schön, wenn die Alten einen nicht immer als Einzelkämpfer am ausgestreckten Arm verhungern lassen würden. Ich habe nebenbei noch keine Anfrage abgelehnt. Ich weiss, dass mir das nicht nutzt, aber für mich gehört es dazu, ich will ja auch,
dass Gutachter für meine Artikel gefunden werden, das ist schwierig genug in einem Orchideenfach und mit Nichtmainstreamforschung. Ich kann es aber nachvollziehen, wenn andere ablehnen. Man wird in diesem System nur als Egoist Professor, nicht zuletzt weil einen alte Professoren, die mit drei halbseitigen Artikeln ihre Professur erhalten haben, nach h-Index 10 bis 20 fragen. Meiner Meinung nach ist die Nachkriegsgeneration von Professoren mehrheitlich selbst nicht dazu imstande, die Ansprüche zu erfüllen, die sie an Andere stellt, und gehört in den Zwangsruhestand versetzt. Jedenfalls predigt man Wasser und trinkt selbst den Wein und verheizt rücksichtslos den Nachwuchs.

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peullmann 19.05.2019, 08:02
12. Anmerkung

Die Jagd nach sogenannten Raubtier-Science sowie bedenkliche Entwicklungen im Wissenschaftsbetrieb zeichnen sich schon lange ab.

In zunehmenden Maße gelten in der Wissenschaft neben einer totalen Ökonomisierung die Gesetze der Massenmedien und des Mainstreams.

Unser Wissenschaftssystem, die Massenmedien sowie die Gesellschaft durchwandern Umwälzungen unter den Stichworten Ökonomisierung, Medialisierung und Effizienzsteigerung mit gewaltigen Veränderungen der jeweiligen Finanzierungs- Kommunikations- und Qualitätssicherungsstrukturen.

Daneben spielen Eitelkeiten, Karrieredenken bzw. das Durchschauen von Kausalitäten bei den bezahlten Veröffentlichungen eine Rolle.
Eitelkeiten und gefälschte Studien im Wissenschaftsbetrieb sind keineswegs die Ausnahme.

Sogenannte Fachzeitschriften und tatsächliche Fachzeitschriften veröffentlichen Studien in Blick auf die massenmediale Wirkung sowie Umsatzsteigerung.
Die wissenschaftlicher Relevanz bleibt auf der Strecke. Bedient werden die eigene Eitelkeit, die Sensationslust sowie die vorher angeheizten Vorlieben des Mainstreams .

Wo liegen die Ursachen der Fehlentwicklungen?
Auf der wissenschaftlichen Ebene meines Erachtens in den perversen Anreizsystemen, quasi in der Fehlsteuerung der Karrierewege und Belohnungssysteme in der akademischen Forschung.
Wissenschaftler glauben positive, am besten noch aufregende Studien, publizieren zu müssen.
Je häufiger sie vom wissenschaftlichen Nachwuchs und Kollegen zitiert werden, desto erhöht sich ihre Chance auf Karriere, eventuell auf eine Lebenszeitprofessur (Tenure-Track-Stellen).

Eine weitere Ursache ist aus meiner Sicht der zu beobachtende Rückzug des Staates aus seiner Bildungsverantwortung.

Bei der jeweiligen Veröffentlichung bleibt oft die Prüfung (Peer Review)und letztlich die Qualität auf der Strecke.

Oft werden solche Veröffentlichungen vom jeweiligen Arbeitgeber toleriert.

Häufig beobachtet man subjektive vom Mainstream beeinflusste Veröffentlichungen welche managerorientierten Ansätzen folgen und Auswirkungen auf das Verhalten der Wissenschaftler in der Forschung und Lehre haben.

Soll heißen, wer viel publiziert erhofft sich auch mehr Geld,Anerkenntnis und Karriere. Qualität spielt da meiner Ansicht nach keine Rolle mehr.
Hier wäre es angebracht das Pseudo-Qualitätsmanagement solcher Zeitschriften zu entlarven.

Um solche Auswüchse im Keim zu ersticken halte ich bereits in der Ausbildung die Vermittlung von Methodenkompetenz, klare ethische Bewertungskriterien, Qualitätsbelohnung sowie nachvollziehbare Kriterien der Leistungsbewertung für erforderlich..
Insoweit sollte man auch vom „vergötterten“ Impact Faktor, welcher die Anzahl der Zitierungen als Beurteilungskriterium für wissenschaftlicher Publikationsleistungen verwendet, Abstand nehmen.

Pit

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spon-facebook-1035483455 19.05.2019, 10:16
13. Die Arbeit von Hahn & Strassmann,

"Ueber den Nachweis und das Verhalten der bei der Bestrahlung des Urans mittels Neutronen entstehenden Erdalkalimetalle",

wurde am 22. Dezember 1938 bei der Zeitschrift "Die Naturwissenschaften" eingereicht und am 6. Januar 1939 publiziert.

Im Jahr 1944 erhielt Otto Hahn fuer diese Arbeit den Nobelpreis fuer Chemie. Die Begruendung lautete:

"for his discovery of the fission of heavy nuclei."

Wer haette im Jahr 1916 das Manuskript "Die Grundlage der allgemeinen Relativitaetstheorie" von Albert Einstein begutachten koennen? Die dazu in der Lagen gewesen waeren, waren z.B. seine Kollegen Max Planck und Max von Laue.

Was "peer review" wert ist, belegt der Hendrik Schoen-Skandal (siehe https://en.wikipedia.org/wiki/Schön_scandal). Ich empfehle nur, sich die Liste der "Withdrawn journal articles" anzuschauen.

Der Begriff "peer-review" ist alles andere als ein Markenzeichen.

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bdroege 19.05.2019, 10:56
14. für Impfgegner & Alternativ-"Mediziner" unverzichtbar

Die Raubtier-Journale sind unverzichtbar um fragwürdige "Studien" zu veröffentlichen die die eigenen Standpunkte belegen. Wenn zu positiv über Vitamin B17 oder MMS berichtet wird sollte man das Jiurnal meiden. In Deutschland ist der Kopp-Verlag führend wenn es um die Veröffentlichung erfundener Studien geht.

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TS_Alien 19.05.2019, 12:31
15.

Der gesamte Wissenschaftsbetrieb gehört auf den Prüfstand. Es werden viel zu viele Dissertationen mit wissenschaftlich wenig Gehaltvollem akzeptiert (Indiz: Die Fachwelt interessiert sich nicht für solche Dissertationen). Darüber hinaus gibt es Fachbereiche aus dem gesellschaftlichen Kanon, die eher Meinungen als Fakten präsentieren. Bei der statistischen Auswertung hat sich in vielen Bereichen ein 5 %-Niveau etabliert, obwohl das für wichtige Ergebnisse viel zu hoch ist. Darüber hinaus sind statistische Ergebnisse ohne eine plausible Erklärung für den beobachteten Effekt oftmals nur Zahlenspielereien.

Fake-Journale sind nur ein kleines Problem. Die Wissenschaft muss insgesamt ehrlicher und besser werden, vor allem in den oben genannten Bereichen. Sonst werden irgendwann einmal auch die richtigen Forscher es schwer haben, mit ihren Ergebnissen durchzudringen.

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