Forum: Wissenschaft
Rechtfertigt der Kampf gegen Hunger die Gentechnik?

Gen-Nahrung ist in Forscherkreisen höchst umstritten, ein großes Argument der Befürworter ist die Bekämpfung des Welthungers. Aber rechtfertigt dies die Nutzung von Gntechnik?

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harm ritter 18.04.2009, 09:38
1.

Ich finde diese Frage außerordentlich schwierig zu beantworten. Ich bin imgrunde auf jeden Fall für die Forschung, aber ich bin dagegen, leichtsinnig alles aus dem Labor auf die Felder auszubringen. Ein ehrlicher Bauer, der ohne Gentechnik auszukommen versucht, kann doch inzwischen kaum noch "gentechnikfrei" auf seine Säcke schreiben, weil der Mist von überall hergeweht wird. Wir bräuchten ein Gesetz, das Monsanto in solchen Fällen schadenersatzpflichtig macht, dann wäre Monansanto nämlich in kürzester Zeit pleite.

Also: Ja zur Forschung, nein zu unüberlegten Experimenten!

Überhaupt gibt es auch genügend Ideen, wie man den Hunger ohne Gentechnik bekämpfen kann. Daß der Hunger jedem Christen, Moslem, Hindu oder wasauchimmer übel aufstoßen sollte, setze ich mal als Grundlage voraus.

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Jochen Binikowski 18.04.2009, 10:06
2.

Es wird immer wieder behauptet, Gen-Lebensmittel seien billiger also solche aus herkömmlicher Herstellung.

Das könnte sich bei näherer Betrachtung als Trugschluß entpuppen. Angenommen, GMO-Mais ist tatsächlich billiger in der Herstellung, sagen wir mal 50 EURO die Tonne, dann sind das 0,05 EURO pro KG. Da Mais ein Grundstoff für verarbeitete Lebensmittel ist, macht diese GMO-Verbilligung (so es sie denn wirklich gibt) vermutlich nur einen Anteil im Promillebereich vom Endpreis aus. Und das auch nur wenn der Landwirt sich die 50 EURO nicht selber in die Tasche gesteckt hat.

Oder nehmen wir als Beispiel die Milch. Um wieviel Cent erhöhen sich die Produktionskosten, wenn statt Gen-Soja aus abgeholzten brasilianischen Urwäldern in Deutschland oder Europa hergestellte Futtermittel verwendet werden? Ich hatte vor einiger Zeit in einem Landwirtschaftsforum gefragt, warum in Europa die Bauern nicht nach der Gerste-Ernte Bohnen pflanzen und damit einen Teil des Import-Sojas ersetzen. Die Antwort war, das mit dem Gen-Soja ist etwas billiger...

Aus Sicht der Endverbraucher geht es also, wenn überhaupt, nur um minimale Preisunterschiede. Wenn dann die knallharte Kennzeichnung eingeführt wird, gibt es ein Desaster für GMO-Produkte. Fakt ist, dass eine sehr große Mehrheit der Bevölkerung für diese Kennzeichnung ist. Damit lassen sich im großen Stil Wählerstimmen gewinnen. Was nützen den Politikern die Schmiergelder der Agro-Industrie, wenn sie nicht wiedergewählt werden? Denen ist das Hemd näher als die Hose.

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Softship 18.04.2009, 10:18
3.

http://forum.spiegel.de/showpost.php...postcount=1288
Zitat von moorduide
Macht euch die Erde untertan, aber dafür müssen wir erst noch das kleine Einmaleins lernen, und dazu gehört auch Gentechnik. Wie fangen mal gerade an, die Natur ansatzweise zu begreifen.
Gerade weil sie erst gerade anfangen, die Natur ansatzweise zu begreifen, sollten wir nicht darin rumpfuschen. Wir wissen noch nicht, welche Konsequenzen das haben kann.
Da verweise ich gerne auf
http://de.wikipedia.org/wiki/Dichlor...ltrichlorethan

Jetzt soll der genmanipulierter Mais das Pestizid gleich integriert haben. Können wir wirklich sicher sein, dass die Vorteile, die diese Genmanipulation haben könnte, nicht von einer Katastrophe überschattet werden könnte?
Nein, sicher können wir nicht sein. Also sollten wir andere Methoden finden, den Hunger zu lingern.
Es reicht eben nicht, dass die "Bedenkenträger" & "Angsthasen" nicht beweisen können, dass Schäden entstehen.
Die Beweis muss erbracht werden, dass keine Schäden entstehen können.

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fantalupi 18.04.2009, 10:28
4.

Zitat von sysop
Gen-Nahrung ist in Forscherkreisen höchst umstritten, ein großes Argument der Befürworter ist die Bekämpfung des Welthungers. Aber rechtfertigt dies die Nutzung von Gntechnik?
Nein, das ist keine Rechtfertigung.

Eigentlich stehen alle hierzu relevanten Informationen im Wiki-Link:
http://de.wikipedia.org/wiki/Welthunger

Mein Lieblingsbeispiel ist die Fleischproduktion:

"... Nur etwa 10 % des verfütterten Getreides wird dabei in Fleischmasse umgewandelt, die restlichen 90 % sind für die menschliche Ernährung verloren. ..."

In dem Artikel wird deutlich, wie unterschiedlich die Ursachen sind und dass wir durch unsere Politik maßgeblich für die Probleme mitverantwortlich sind.
Das Welthungerproblem kann politisch gelöst werden.
(Bei uns über besser durchdachte Entwicklungshilfe und Aufklärung über wirtschaftspolitische Zusammenhänge)

Natürlich sind von Armut und Hunger betroffene Gebiete ideale Probanten für Konzerne, die mit gentechnisch veränderten Lebensmitteln spekulieren. Wer satt ist, ist weniger risikobereit.
Aber diese Konzerne haben kein Interesse daran zu helfen eine Infrastruktur aufzubauen, die die entsprechenden Länder unabhängig werden läßt.

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Satiro 18.04.2009, 10:44
5.

Zitat von Jochen Binikowski
Fakt ist, dass eine sehr große Mehrheit der Bevölkerung für diese Kennzeichnung ist. Damit lassen sich im großen Stil Wählerstimmen gewinnen. Was nützen den Politikern die Schmiergelder der Agro-Industrie, wenn sie nicht wiedergewählt werden? Denen ist das Hemd näher als die Hose.
Fakt ist auch, dass es leichter ist mit dem Strom zu schwimmen als gegen ihn.
Aus diesem Grunde wird auch die Bevölkerung, besonders wenn mal wieder Wahlen anstehen, selbst wenn man es persönlich besser weiß, in ihren irrationalen Ängsten und Vorurteilen bestärkt statt aufgeklärt.

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harm ritter 18.04.2009, 10:49
6.

Zitat von Satiro
Fakt ist auch, dass es leichter ist mit dem Strom zu schwimmen als gegen ihn. Aus diesem Grunde wird auch die Bevölkerung, besonders wenn mal wieder Wahlen anstehen, selbst wenn man es persönlich besser weiß, in ihren irrationalen Ängsten und Vorurteilen bestärkt statt aufgeklärt.
Warum sind die Hersteller von Genfood denn gegen eine Etikettierung? Ja, warum wohl?! Ich meine, das wäre doch nur das Fairste und ein Mindeststandard, daß ein Verbraucher weiß, was er da ißt. Nee, nee, so leicht kommen die mir aus der Bredouille nicht raus -- wer sich schämt, öffentlich zu dokumentieren, was er da tut, hat eine Leiche im Keller, und das weiß er sehr genau.

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Jochen Binikowski 18.04.2009, 11:02
7.

Zitat von Satiro
Fakt ist auch, dass es leichter ist mit dem Strom zu schwimmen als gegen ihn. Aus diesem Grunde wird auch die Bevölkerung, besonders wenn mal wieder Wahlen anstehen, selbst wenn man es persönlich besser weiß, in ihren irrationalen Ängsten und Vorurteilen bestärkt statt aufgeklärt.
Über 75% der Bevölkerung ist gegen Genfood. Warum das so ist bleibt unerheblich. Es ist nun mal so. Deshalb ist mit einer knallharten Kennzeichnung das ganze Thema sofort vom Tisch.

Die Agrarkonzerne wissen das und deshalb versuchen sie mit allen Mitteln, diese Kennzeichnung zu verhindern.

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manka 18.04.2009, 11:10
8.

Zitat von SysOp
Gen-Nahrung ist in Forscherkreisen höchst umstritten, ein großes Argument der Befürworter ist die Bekämpfung des Welthungers. Aber rechtfertigt dies die Nutzung von Gentechnik?
Nein. Erst wenn alle anderen bekannten Mittel ausgeschöpft wurden und wir den Welthunger noch immer nicht in den Griff bekommen, wäre es zu rechtfertigen.

Zitat von moordruide
Und woher wollen sie das wissen, wenn sie schon vorher Nichtwissen zugegeben haben? Kann es auch Jahrhunderte oder Jahrtausende sein? Oder eine gewisse Menge an Fortpflanzungszyklen??
Nicht mein mangelndes fachliches Wissen um Gentechnik ist entscheidend dafür ob ich für weitere Forschung statt voreiliger industrieller Nutzung bin, sondern die Aussagen der Wissenschaftler die die fachliche Kompetenz besitzen dies zu fordern.

Zitat von moordruide
Genveränderte Lebensmittel sind schon ein Jahrzehnt auf dem Markt. Und bisher ist nichts gesundheitsgefährdendes bekannt oder je beschrieben wurden.
Dann überprüfen Sie Ihre Fähigkeit entsprechende Berichte wahrzunehmen und zu würdigen. Selektive Wahrnehmung ist der Grund weshalb Sie diese nicht zur Kenntnis nehmen.

Zitat von moordruide
Und wenn ich genverändertes Fleisch oder Getreide essen will, dann hole ich mir das eben in Frankreich oder sonstwo.
Das bleibt Ihnen frei gestellt. Doch zwingen Sie nicht andere Ihrem Beispiel zu folgen.

Zitat von moordruide
Ein deutsches Verbot ist unwirksam, nur nette Wahlpropaganda.
Das Wahlpropaganda ein Grund für die aktuellen Beschlüsse ist habe ich selbst schon geschrieben. Das diese Beschlüsse deshalb falsch sind wage ich weiterhin zu bezweifeln. Das deutsche Verbot ist in jedem Fall schon deshalb wirksam, weil es verhindert das gentechnisch verändertes Saatgut flächendeckend in Deutschland angebaut wird UND eine breitere Debatte über die Zulassungspraktiken angestossen wurde. Forschung im Bereich der Gentechnik wird damit in keiner Weise behindert.

Zitat von moordruide
Ich habe jedenfalls keine Angst, auch nicht vor Mutationen, ich lebe weitgehendst angstfrei und gut.
Dann schreiben Sie nicht anders lautend immer wieder von unkontrollierbaren Mutationen der Natur denen kontrollierte Gentechnik vorzuziehen ist, dann wirken Sie gleich etwas glaubwürdiger.

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de.nada 18.04.2009, 11:25
9.

Zitat von harm ritter
Ich finde diese Frage außerordentlich schwierig zu beantworten. Ich bin imgrunde auf jeden Fall für die Forschung, aber ich bin dagegen, leichtsinnig alles aus dem Labor auf die Felder auszubringen.
Das macht ein jeder sysop so, mit der Fragestellung, sonst kommt keine richtig kontroverse Diskussion zustande.

Es gibt aber auch Leute die prinzipiell gegen Forschung sind und die die Leichtsinnigkeit der Forscher nur im besten Fall als Gegenargument benutzen.
Also ist auch Ihrer gut gemeinten Aussage schwierig zuzustimmen.
Zitat von harm ritter
Ein ehrlicher Bauer, der ohne Gentechnik auszukommen versucht...
Hier geht eine grundsätzlich Diskussion schon los.
Seit vor ca. 5000 Jahren Menschen den wilden Weizen kultivierten, ist praktisch Gentechnik im Spiel. Technik aber nicht im Sinne von Werkzeugeinsatz. Das macht auch die Fragestellung wirklich sehr schwierig, denn die Technik des kreuzens von Pflanzen ist angewandte Gentechnik gegen den Hunger seit "anno Feuerzeug".

Was direkte Genmanipulation an Pflanzen bewirkt, ist ohne Detailkenntnisse eigentlich von keinem Laien zu erklären, also auch nicht entscheidbar hinsichtlich der Folgen.

Zitat von harm ritter
Also: Ja zur Forschung, nein zu unüberlegten Experimenten!
Das ist ein richtiges Expertenthema, zu dem sich kaum mehr als solche Aussagen treffen lassen, wenn man nicht wirklich viel über gentechnische bewirkte Veränderungen von, was auch immer, weiß.

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