Forum: Wissenschaft
Reformen für den Nobelpreis: Der Nobelpreis hat ein Frauenproblem
Steffen Trumpf/ DPA

Dieselbe Prozedur wie im letzten Jahr: Bei den Nobelpreisen wurden wieder nur ältere, weiße Männer ausgezeichnet. Erst 2069 wird man erfahren, ob überhaupt Frauen nominiert waren.

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mark.muc 10.10.2019, 14:34
120. SPON hat Ein Männerproblem

Wie fast alle hier erkannt haben, ist dieser Artikel intellektuell armselig. Also versuchen wir es doch auch einmal mit dem SPON Sprech. Vielleicht verstehen die dann!

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worlorn 10.10.2019, 15:00
121.

Zitat von mark.muc
Evtl. ist dem Autor ja auch aufgefallen, daß es seit Jahrzehnten nur sehr wenig deutsche Preisträger gab, dies aber im ersten Drittel des letzten Jahrhunderts deutlich anders war. Dies hat vermutlich mit der Vertreibung vieler Spitzenforscher durch die Nazis zu tun und wirkt bis heute nach.
Genauso ist es. Was vielleicht viele bei der heutigen angelsächsisch dominierten Kultur nicht wissen, in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jhrdrts. war D das führende Land in Wissenschaft und Technik. Göttingen war so was wie das Weltzentrum der Mathematik (Hilbert, der Mathematikpapst, Minkowski, der die Raumzeit eingeführt hat, nicht Einstein, Klein, Weyl mit bahnbrechenden Arbeiten für die mathematischen Grundlagen der modernen Quantenmechanik, Emmy Noether, das wohl größte weibliche mathematische Genie jemals, bekannt vor allem durch das "Noethersche Theorem", das Symmetrie als Leitidee der modernen Physik etablierte), so wie heute etwa Princeton, Berlin führend in der Physik (Einstein, Planck, v. Laue, Nernst, Meitner etc.). Als die Nazis an die Macht kamen, begannen unverzüglich die Säuberungen der Universitäten von Juden und Jüdischstämmigen, die sicher um 30% der intellektuellen Führungsschicht ausmachten. Auch "reine Arier" wie Max Born wurden wegen ihres jüdischen Ehepartners bedrängt und ins Ausland getrieben. Zudem verließen völlig Unbetroffene wie Schrödinger wegen der Zustände das Land. Der Aderlass war ungeheuer und zerstörte die Blüte in kurzer Zeit. Bis heute hat sich unser Land nicht davon erholt und wird es vielleicht niemals tun. Für Juden ist es sowieso unakzeptabel und generell werden wir nun mal als nicht besonders offen ggüb. Fremden betrachtet. Kein gutes Klima für Forschung.

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faz-leser 10.10.2019, 15:06
122.

Die Reaktionen in diesem Forum zeigen deutlich, dass die Forderungen nach GleichSTELLUNG an Stelle von GleichBERECHTIGUNG nicht zielführend sind. Im Ergebnis sind die zum Teil überzogenen Forderungen nach GleichSTELLUNG für das berechtigte Anliegen nach GleichBERECHTIGUNG wahrscheinlich sogar schädlich. Es wird Zeit, dass die zum Teil selbsternannten Kämpfer für Frauenrechte sich bzw. ihre eigenen Ziele hinterfragen. Unter Umständen brauchen inzwischen in Deutschland sogar schon eine Diskussion, die wirklich auf GleichBERECHTIGUNG anstelle von systematischer Benachteiligung einzelner im Sinne einer wie auch immer definierten Quote hinausläuft. Es würde SPON gut zu Gesicht stehen, auch dieser Fragestellung einmal auf den Grund zu gehen.

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multi_io 10.10.2019, 15:14
123.

Zitat von Gwylim
Schade, dass die Autoren es versäumt haben einige Frauen zu nennen, die ebenfalls den Nobelpreis verdient hätten. Gibt es denn z.B. Forscherinnen in der Batteriebranche die bahnbrechendes entdeckt haben. Die Autoren sind doch bestimmt Kenner der wissenschaftlichen Szene und hätten uns ein wenig aufklären können.
Jennifer Doudna (UC Berkeley) ist sicherlich eine Kandidatin für den Medizin-/Physiologie-Nobelpreis. Ich bin nicht vom Fach, aber ich würde vermuten, dass sie ihn früher oder später bekommen wird. Aber sowas ist halt eine Ausnahme. Wenn nur 5 bis 10 Prozent der Forscher und Professoren im naturwissenschaftlichen Bereich Frauen sind, dann kann man nicht erwarten, dass auf einmal 50% der Nobelpreisträger dort Frauen sind. Und das ist dann auch nicht die Schuld des Nobelkomitees.

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thomasschöffel 10.10.2019, 15:29
124. Sind Sie die Quotenfrau oder können Sie wirklich was ?

Geschlechtergerechtigkeit ? Gerechtigkeit ? Was soll daran gerecht sein, wenn wir wen auch immer dazu verpflichten, überall zu 50% Frauen einzusetzen ? In den Vorstandsetagen und Verwaltungsräten hört sich das ja noch alles gut und schön an. Aber wie sieht es denn aus, wenn wir mal die soziale Leiter etwas herabsteigen ? 50% aller Fernfahrer müssen (!) ab dannunddann Frauen sein und 50% aller Bauarbeiter auch? Wie muß man sich das denn vorstellen ? Bei der Zeugnisvergabe sagt dann die Lehrerin, daß Chantal in Zukunft kleine Brötchen als Bäckerin backt oder Paula muß in die Produktion und Marie-Chantal darf in Zukunft als Matrosin Rost auf Frachtschiffen kloppen? Und umgekehrt muß es ja dann auch sein: Muß Kevin Krankenpfleger werden obwohl er lieber Laster fahren würde? Muß Bernd Babysitter werden, obwohl er lieber Bäcker würde? Wo soll das hinführen, wenn es nicht bei der Rosinenpickerei nach Superjobs bleiben sollte? Mir schwant Böses.

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mark.muc 10.10.2019, 15:30
125.

Zitat von worlorn
Genauso ist es. Was vielleicht viele bei der heutigen angelsächsisch dominierten Kultur nicht wissen, in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jhrdrts. war D das führende Land in Wissenschaft und Technik. Göttingen war so was wie das Weltzentrum der Mathematik (Hilbert, der Mathematikpapst, Minkowski, der die Raumzeit eingeführt hat, nicht Einstein, Klein, Weyl mit bahnbrechenden Arbeiten für die mathematischen Grundlagen der modernen Quantenmechanik, Emmy Noether, das wohl größte weibliche mathematische Genie jemals, bekannt vor allem durch das "Noethersche Theorem", das Symmetrie als Leitidee der modernen Physik etablierte), so wie heute etwa Princeton, Berlin führend in der Physik (Einstein, Planck, v. Laue, Nernst, Meitner etc.). Als die Nazis an die Macht kamen, begannen unverzüglich die Säuberungen der Universitäten von Juden und Jüdischstämmigen, die sicher um 30% der intellektuellen Führungsschicht ausmachten. Auch "reine Arier" wie Max Born wurden wegen ihres jüdischen Ehepartners bedrängt und ins Ausland getrieben. Zudem verließen völlig Unbetroffene wie Schrödinger wegen der Zustände das Land. Der Aderlass war ungeheuer und zerstörte die Blüte in kurzer Zeit. Bis heute hat sich unser Land nicht davon erholt und wird es vielleicht niemals tun. Für Juden ist es sowieso unakzeptabel und generell werden wir nun mal als nicht besonders offen ggüb. Fremden betrachtet. Kein gutes Klima für Forschung.
Die Basis für die beiden wichtigsten Revolutionen in der Physik (Quantenmechanik & Relativitätstheorie) wurden beide in Deutschland (nicht "von den Deutschen") gelegt, weil Deutschland für eine kurze Zeit vor allem in Göttingen und in Berlin sehr weltoffen war. Sowohl Frauen wie Emmy Noether als auch Personen aus den verschiedensten Ländern (wie viele der von Ihnen erwähnten, oder auch z.B. John v. Neumann ) waren in enger Diskusion miteinander verbunden. Hilbert und Poincare (Paris) lassen sich siherlich zu der Gruppe der 10 wichtigsten Mathematiker der letzten 200 Jahre zählen. Aber wievielen Deutschen mag der Name Hilbert etwas sagen? Zudem gab es seinerzeit auch eine sehr rege Szene in Wien. Das ganze wurde flankiert von einem starken philosophischen Interesse an diesen Entwicklungen (Wiener Kreis). Ähnliches zeigte sich auch in anderen Gebieten (Bauhaus). Wir sollten uns auf diese Tradition (natürlich gerade nicht im Sinne einer Deutschtümelei besinnen). Zu Emmy Noether: Das Andenken an Emmy Noether wird von allen Mathematikern dieser Welt gepflegt. Dieses krude reden über die alten weißen Männer in der Wissenschaft ist unangebracht und schadet.

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quark2@mailinator.com 10.10.2019, 16:27
126.

Zitat von mark.muc
Wie fast alle hier erkannt haben, ist dieser Artikel intellektuell armselig. Also versuchen wir es doch auch einmal mit dem SPON Sprech. Vielleicht verstehen die dann!
Es gab zuletzt eine Umfrage zur Leserzufriedenheit. Da gab es die Frage, ob SPON zu männerlastig wäre (oder so ähnlich). Die Frage allein ist nicht neutral und zeigt klar, was gewollt ist. Man merkt es immer wieder, an vielen Punkten, von der Bild- und Themenauswahl bis zu den 2 Kolumnen pro-frau ohne auch nur 1 für die Männer zu haben, etc. Witzigerweise liefert SPON damit genau den Beweis dafür, daß es nur fair ist, Gleichstellung nicht nur für Frauen sondern auch für Männer zu fordern, also z.B. das das Ministerium endlich auch für uns da ist und auch sonst staatlich finanzierte Strukturen geschaffen werden. Z.B. sollten ja wohl Gleichstellungsbeauftragte nicht immer nur Frauen sein und das bei gleicher Eignung Frauen die sicheren Jobs beim Staat bekommen, ist nicht nur ökonomisch ungerecht, sondern verschiebt auf Dauer auch die Machtbalance. Etc. Interessant, daß es ausgerechnet einen Kommentar zu den Nobelpreisen braucht, damit wenigstens ein paar kritische Stimmen dazu auch mal veröffentlicht werden.

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Crom 10.10.2019, 16:35
127.

Zitat von quark2@mailinator.com
So eindeutig, wie Sie es kommentieren, ist es aber vielleicht nicht. Wenn man in der Wikipedia dazu nachliest (also die Artikel zu den beiden Forschern und dann noch drum herum), bietet sich ein uneinheitliches Bild, insb. soll wohl Liese Meitner selbst nicht der Meinung gewesen sein, den Preis gemeinsam mit Hahn verdient gehabt zu haben. Auch nach längerem Suchen im Internet konnte ich kein klares Bild dazu gewinnen, welche rein wissenschaftlichen Beiträge klar auf Liese Meitner zurückgehen, die eindeutig zu diesem Anspruch führen würden. Allerdings ist auch das Gegenteil nicht dabei und die Einzelmeinungen der Forscher rund herum sind eben widersprüchlich. Ich war ausgezogen, genug Belege zu finden, um die Sprache in der Wikipedia dazu eindeutiger für Liese Meitner ändern zu können, aber was ich gebraucht hätte, war leider nicht da.
Zudem wurde Lise Meitner ja sogar mehrmals vorgeschlagen und zwar von Männern, sogar von Otto Hahn selbst. Man sollte auch bedenken, dass heutzutage es meist drei Preisträger je Kategorie gibt, das war früher noch anders.

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kufu 10.10.2019, 16:44
128.

Zitat von querulant_99
Die Spitzenforscher schmücken sich meist mit fremden Federn. Das habe ich so während meiner Diplomarbeit erlebt. In den Laboren stehen nähmlich nicht die Herren Professoren sondern nur ihre HiWis. Ich wurde damals nur von einem seiner Doktoranden betreut. Mein Professor hat sich eigendlich nie im Labor blicken lassen. Nachdem ich meine Diplomarbeit abgeliefert hatte, meinte er, man könne meine Ergebnisse vor einem erlauchten Kreis von Professoren auf der Deutschen Physikertagung vortragen. Das hat mein Professor dann auch veranlasst, und sich selbst natürlich als Co-Autor präsentiert, während ich, ganz nervös, meine Ergebnisse vortrug. Zugegeben, die Ergebnisse waren nicht ganz so spektakulär, als dass ich dafür den Nobelpreis verdient hätte. Wenn's anders gewesen wäre, hätte heute mein Professor den Nobelpreis erhalten und nicht ich, denn die Ergebnisse wurden ja an seinem Institut erarbeitet.
Gratulation, dass Sie Ihre Arbeit ganz ohne den Prof hinbekommen haben. Sicher hatten Sie auch die Idee für das Thema und haben das Labor und die Arbeitsgruppe aufgebaut. Sollte das aber Ihr Prof gemacht haben, dann hat er einen wesentlichen Anteil an der wissenschaftlichen Leistung und ist zurecht Koautor. Das soll allerdings Ihre Leistung nicht schmälern, mehr als einen Beitrag für die DPG-Tagung und evtl. eine Veröffentlichung kann man von einer Diplomarbeit nicht erwarten. Trotzdem handelt es sich dabei, von Ausnahmen abgesehen, um wissenschaftliches Arbeiten unter Anleitung und mit geteilten Meriten.

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RPGNo1 10.10.2019, 17:42
129. Etwas Polemik

Zitat von im_ernst_56
Wollen Sie damit sagen, dass die Autoren, wenn ihrer Forderung nach Öffnung der Archive des Nobelpreiskomitees entsprochen würde, sie mit den so gewonnenen Informationen nichts anfangen könnten, weil sie fachlich nicht beurteilen können, ob jemand auf dem Gebiet der Physik und Chemie zu Recht öder zu Unrecht übergangen wurde? Das wäre aber ein starkes Stück!
Mein Beitrag enthält einen Schuss Polemik.

Aber ich bin doch irritiert, wenn zwei Geisteswissenschaftler scheinbar felsenfeste Aussagen über eine Preisvergabe in Naturwissenschaften treffen wollen, in denen sie nie praktisch gearbeitet oder geforscht haben, wenn ihre Publikationslisten korrekt sind. Da halt ich den Wissenschaftshistoriker Ernst-Peter Fischer (Studium der Mathematik, Physik und Biologie) doch für weitaus glaubwürdiger.

https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Peter_Fischer

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