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Regulierung im Digitalen: Lob der Langsamkeit
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Die rasend schnelle Digitalisierung lässt die Gesetzgebung alt, langsam und manchmal ein bisschen vertrottelt aussehen. Vielleicht sollten wir das Regieren einfach den Maschinen überlassen?

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Radio-Gaga 08.04.2018, 09:05
1. Widerspruch

"Höchstrichterliche Urteile sind in funktionierenden Rechtsstaaten Updates für Gesetze mit Sicherheitslücken."
Nicht so in Deutschland!

Für die Abgrenzung von Werkverträgen zu illegaler Leiharbeit arbeitet der Zoll und die Bundesagentur für Arbeit mit einer Checkliste. Auch das LAG Berlin-Brandenburg setzte bei einer Klage wegen illegaler Leiharbeit gegen eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt 2015 diese Maßstäbe der obersten Rechtssprechung und der Rechtswissenschaft an und stellte illegale Leiharbeit fest.

2017 setzte sich das BAG über alle Grundsätze der eigenen Rechtssprechung und der Rechtswissenschaft hinweg und kassierte das Urteil des LAG Berlin-Brandenburg zugunsten der öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt. Bitteres Fazit des Kommentarors auf JURIS: "Arbeitnehmern, die im Rahmen eines Dienstvertrages in einem anderen Unternehmen eingesetzt werden, muss – außer in völlig eindeutigen Fällen – von der Geltendmachung eines etwaigen Anspruchs auf das fingierte Arbeitsverhältnis aus § 10 Abs. 1 AÜG abgeraten werden. Im Lichte der BAG-Rechtsprechung handelt es sich dabei regelmäßig um ein aussichtsloses Unterfangen. Die hier vorgenommene Verteilung der Beweislast ist deshalb mit dem Schutzzweck des AÜG nicht in Einklang zu bringen."
https://www.juris.de/jportal/portal/t/1tkj/page/homerl.psml?nid=jpr-NLAR000003818&cmsuri=/juris/de/nachrichten/zeigenachricht.jsp

Eine politisch unabhängige Software hätte an Stelle des BAG anders geurteilt und den Revisionsantrag dieser öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt richtigerweise abgelehnt.

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dirk.resuehr 08.04.2018, 10:01
2. KI und KI

Da stehen zwei Kürzel einander gegenüber, das eine steht für den kategorischen Imperativ, das andere für die
medial zelebrierte künstliche Intelligenz. Hier wird beklagt, daß sich Gesellschaft und Technologie schneller ändern als die Gesetzgebung. Das ist, pardon, keine neue Erkenntnis, war immer so. Siehe LBTG! Die künstliche Intelligenz wird immer gewaltig überschätzt, weil die Mehrzahl der Journaille von IT so viel nicht versteht.
Jeder weiß, daß Algorithmen in vielen Bereichen zum Einsatz kommen,. Sie können aber manches nicht entscheiden, oder sie entscheiden falsch. Da kommt das erste KI, der Kantsche Imperativ ins Spiel, der wohl, obschon über 200 Jahre alt(!); HEUTE NOCH GILT.Das ist das Dilemma der künstlichen Intelligenz:Wie programmiert man ethische Grundsätze, und wo und wer programmiert und kontrolliert sie? Weiter:Wie programmiert man Emotionen? Geht das überhaupt? Die künstliche Intelligenz mag besser und schneller rechnen können, als der Mensch, besser erinnern und speichern, nach Algorihmen logisch entscheiden, aber moral-ethisch falsch. Also bitte mit dem Hochjubeln dieser KI besser aufhören, so irrsinnig viel kann sie
nicht. Sie sollte den technisch-mathematischen Bereich nicht verlassen, da sie wohl nie ein Gewissen haben wird!

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mhwse 08.04.2018, 10:13
3. mechanisch ungerechte und unsinnige Folgeketten

sind ganz ohne Automaten möglich - schon dadurch dass Gesetze und Mitarbeiter von Behörden sich den übergeordneten Gesetzen unterwerfen müssen - und auch danach handeln, wenn offensichtlich die Schuld einen Dritten trifft.

Der unfreiwillige Verursacher aber dadurch in Haftung treten muss.

Dazu braucht es keinerlei Computer - und - Überredungsversuche sind jetzt schon zwecklos, wenn auch auf menschlicher Ebene Zustimmung, wegen der darstellbaren Ungerechtigkeit kommt..

Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass ein Automat, ein Recht - das den "Override" möglich machen würde - eher finden und ausführen würde, als ein einfacher Sachbearbeiter einer städtischen oder staatlichen Stelle.
Ein Automat muss seinen Chef nicht fürchten oder eine drohende Entlassung vermeiden, wenn er zu oft nachfragt ..

Man hofft, dass staatliche Vollstreckungsstellen durch den Einsatz von Menschen dort menschlicher würden - dem ist aber leider gar nicht so.

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robbery 08.04.2018, 10:20
4. Lieber Hr. Radio Gaga

Sie haben irgendwie das Thema anders verstanden als gedacht. Es geht um eine ausschließlich von Software Rechtsprechung und nicht um Auslegung der Gesetze. Der Autor nimmt ja genau diesen Punkt auf, dass keine SW alleine über einen Menschen richten darf. Mir ist ja sowieso schleierhaft wie ein ausschließlich deterministisches System, das auch noch faktisch fehlerbehaftet ist zu einem Fortschritt in der Rechtssprechung führen soll? Auch KI ist NUR SW und steckt mehr als in den Kinderschuhen. Oder hat schon mal ein KI System irgendeine Idee gehabt oder ein Schachspiel gewonnen, bei dem geschummelt wird? Das kann keine SW weil sie nur bei endlichen Randbedingungen funktioniert. Deshalb werden auch die Chinesen scheitern, weil sie durch ihr restriktives System genau das fördern was SW nie nachvollziehen kann: individuelle Kreativität! Zudem sollte jeder Diskutant hier einmal eine Produktiv SW erstellen, was zumindest in der Schule jeder lernen sollte! Meiner Meinung gehen wir wieder direkt auf was Vergleichbares wie die Internet Blase zu (Y2k) und jeder will es dann wieder gewusst haben! Facebook lässt grüßen!!

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onelastremarktoall 08.04.2018, 10:39
5. Das Problem des Pazifisten, der Dämmstoffe herstellt...

..., ist ähnlich gelagert, denn er weiss nicht, ob selbige beispielsweise in U-Booten eingesetzt werden.

Auch im Artikel ist wieder die Rede von den Algorithmen (im Zusammenhang mit der sogenannten KI), aber seit einigen Jahren drängt sich eine wesentlich kritischere Komponente in den Vordergrund: Vor 10 Jahren noch unvorstellbar grosse Datenmengen, die relativ preiswert und schnell verarbeitbar sind.

Es gibt nicht unüberschaubar viele Architekturen und Algorithmen, die im Umfeld des maschinellen Lernens eingesetzt werden, aber diese sind überwiegend in einem gewissen Rahmen universell einsetzbar: die gleichen Komponenten lassen sich für die Erkennung von Krankheiten einsetzen, wie auch für die Identifizierung von Personen, die durch Drohnen getötet werden sollen.

Es hängt ausschliesslich davon ab, welche Daten man einem derartigen System zum lernen zur Verfügung stellt.

Schon kurz nach 2000 gab es Untersuchungen bezüglich der Qualität von verschiedenen Algorithmen im Umfeld des maschinellen Lernens. Mit den damaligen - für heutige Verhältnisse lächerlich - Datenmengen zeigte sich, dass es auf den Algorithmus viel weniger ankommt, als man ursprünglich vermutete. Entscheidend ist die Menge zur Verfügung stehender Daten.

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keine Zensur nötig 08.04.2018, 10:41
6. Hurrraaaaa!

Wir überlassen den Maschinen das Denken!

Mal so ganz im Ernst - noch nie Terminator gesehen?

Was unsere Gesetzgebung angeht - oh, welch Lachnummer. Gerichte kicken nicht nur im Arbeitsrecht ihre eigenen Grundsatzurteile - auch in der Familiengesetzgebung, der Strafahndung usw. gelten vollkommen neue Maßstäbe - ganz im Sinne des Sozialismus Merkelscher Prägung als Kryptostalinismus. Alle schön die Klappe halten.

Und dazu - lieber Autor - wurde die Macht der maschinellen Arbeit erhöht, statt eingegrenzt. Tatsache ist, dass unter der letzten Groko Gesetze gemacht wurden, die der Totalüberwachung des Volkes gleichkommen. Der EU-Wahnsinn in Sachen Spitzelei geht bald per Smart-Meter bis in den eigenen Kühlschrank.

Dagegen sollte Justizia eigentlich vorgehen, da die bürgerlichen Grundrechte ausser Kraft gesetzt werden, statt sie zu schützen.

Was Langsamkeit angeht - ja, jeder sollte überprüfen, ob und wie er sein Leben entschleunigt - und dem Arbeitgeber auch mal mitteilen, dass Handy nicht 24h-Rufbereitschaft bedeutet.

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JaIchBinEs 08.04.2018, 10:45
7. Gesetzgebungsautomat

Ein Grundproblem für Systeme mit Informationsverarbeitung ist die Bewertung von messbaren Daten für die umgebende Welt.
Einen Prozessor kann nur eine „1“ von einer „0“ unterscheiden, welcher Wert aber „besser“ ist, ist durch den Kode des Programmierers festgelegt.
Selbst eine Meta-Ebene mit Algorithmen der Wissensverarbeitung muss irgendwie modelliert und vorgegeben werden.
Ein Entscheidungsautomat für die Gesetzgebung von Regierungen könnte gerechter sein, wenn man nicht nur die Bewertungsfunktionen der stärkeren bzw. ressourcenbesitzenden Teilnehmer einer Volkswirtschaft berücksichtigt.

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adamk 08.04.2018, 11:02
8.

Zitat von robbery
[...] Das kann keine SW weil sie nur bei endlichen Randbedingungen funktioniert. Deshalb werden auch die Chinesen scheitern, weil sie durch ihr restriktives System genau das fördern was SW nie nachvollziehen kann: individuelle Kreativität! [...]
Interessanter Gedanke.
Allerdings. Ist es nicht gerade Aufgabe eine (selbstlernenden) KI, diese endlichen Randbedingungen aufzubrechen? Neu Bezüge und Parameter zu erkennen und mitzuberücksichtigen? In ihrer Endlichkeit nur begrenzt durch Rechenkraft und Speicherkapazität.

btw. ... Als erstes wird die KI wohl lernen, dass man beim Schach betrügen darf und diese Technik selbst anwenden.

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mhwse 08.04.2018, 11:10
9. also KI

die kreativ komponieren oder Gedichte schreiben kann gibt es seit den frühen 1960er Jahren.

Auf dieser Grundlage basiert die Idee zum Film Odysse 2001 von Kubrik .. (gedreht vor über 50 Jahren .. ich habe ihn als Kind gesehen - inklusive dem was später iPad heißen sollte .. ich habe begonnen als Kind solche Dinge zu bauen - mein Eltern hielten mich - leider - für einen kranken Spinner .. )

Die Gefahr bei der KI ist nicht, dass sie nicht kreativ Gesetze auslegen kann oder auf neue unbekannte Fälle reagieren kann - das ist die Stärke von neuronalen Netzen - die können das.

Neuronale Netze werden auch im menschlichen Gehirn in der Ausbildung z.B. erst angelegt und trainiert ..
Manche (Musiker z.B.) - sprechen dann von göttlicher Eingebung - in Realität (also das was wir als kausal bezeichnen) - sind es die neuronalen Netze, im Gehirn - die eben ohne bewusstes (was immer das genau ist ..) Nachdenken - nach erfolgreichem Lernen - schnelle Lösungen anbieten. Gespürt als "Eingebungen".

Beim Autofahren z.B. - treffen wir Entscheidungen - ohne alle Parameter erst bewusst zu prüfen.
Geht gar nicht, weil das zu lange dauert.

Wenn man also diese neuronalen Netze nachbaut (kann man inzwischen gut) und trainiert - bekommt man ähnliche oder bessere Entscheidungen als der Mensch.

ABER: der Mensch hat noch eine Zusatzinstanz - "man wundert sich" - diese sich wundern - und abprüfen verhindert z.B., dass man Nachts einen LKW für ein Brücke hält - schlicht weil man weiß, dass dort keine Brücke sein kann ..

Im juristischen Leben hilft das aber nicht, denn dort wird rein mechanisch entschieden - und eben nicht nach Einschätzungen .. auf diese Hoffnung (die real so nicht erfüllt wird) spielt der Artikel an.

Auch (falsche) Schiedsrichterentscheidungen - bleiben gültig. Schon deshalb, um ewiges "Zocken" zu unterbinden.

Ist so, sonst wäre ich jetzt am Beach in der Sonne (ich hatte wie gesagt schon ein paar ganz gute Ideen und auch schon Geld - juristisch hatten die andern die bessern Karten .. ob es objektiv gerecht zu ging bezweifle ich bis heute) .. schon aus dem Grund wäre mal ein Systemwechsel ganz nett ..

Auch Verdacht auf Terror Bundes-Horst - der jetzt offiziell Scharia (gegen die Scharia) und Gedankenpolizei einführt macht die Sache nicht besser ..

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