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Regulierung im Digitalen: Lob der Langsamkeit
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Die rasend schnelle Digitalisierung lässt die Gesetzgebung alt, langsam und manchmal ein bisschen vertrottelt aussehen. Vielleicht sollten wir das Regieren einfach den Maschinen überlassen?

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JaIchBinEs 08.04.2018, 12:56
20. Fuzzylogik und C#-Nullable-Typen

Zitat von keine-#-ahnung
Das ist ein wenig voriges Jahrtausend :-) ? Informieren Sie sich mal über Quantencomputer ...
Ein Quantencomputer basiert auch auf binären Basiszuständen, den sogenannten Qubits (siehe Wikipedia-Artikel).
Auch die Fuzzylogik und der Tristate-Boolean („Falsch“, „Wahr“, „Unbekannt“) haben praktische Bedeutung (Regelungstechnik, Datenbankentwurf), nicht zuletzt die neuronalen Netze mit ihren unscharfen Parametern wie hier bereits erwähnt.
Das ist alles kein Hexenwerk.
Das Problem jeder IT ist aber die Schnittstelle zur Aussenwelt, wo eine Bewertung im Kontext der Struktur oder Situation erfolgen soll.
Beispiel:
Ein perfekter Haarzählalgorithmus liefert den Wert 3.
Im Kontext einer Suppe ist das sehr viel, für einen Menschenkopf sehr wenig.

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ex_Kamikaze 08.04.2018, 13:25
21. Es geht den angeblichen Kritikern

der langsameren Gesetzgebungen doch nur darum, für die neue IT-Welt die völlige Regulierungslosigkeit des Manchesterkapitalismus für ihre Branche herbeizubeten. Dafür werden Unsummen in Medien und Kampagnen gesteckt. Und eben in Parteien wie die FDP.
Vielmehr sollten wir darauf achten, das die Grundlagen unserer Gesellschaft nicht durch lebensfremde und naive Nerds im Verbund mit steinreichen IT-Unternehmern und Kapitalgebern zerstört wird. Im Gegenteil sollten wir die bestehenden Gesetze rigoros durchsetzen - also Apple und Co Steuern zahlen lassen wie alle Anderen und sie zwingen die bestehenden Datenschutzgesetze einzuhalten und die Persönlichkeitsrechte zu achten.
Es geht also nicht um Fortschritt - sondern um Kapitalismus. Aber Wirtschaft muß dem Menschen dienen, nicht umgekehrt. Falls es doch dazu kommt gibt es bald keine Wirtschaft und keine Menschen mehr. Denn Maschinen haben keine Bedürfnisse...

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charlybird 08.04.2018, 13:27
22. Machen wir es mal ganz böse:

Wenn die Wirtschaft mehr oder weniger verlangt, dass Technologie ''zuerst'' kommt, wird es so sein.

Auch wenn ethische Gründe, ja selbst Kritik an der Durchführbarkeit und eine beweiskräftige Aufklärung darüber existierten, es würde nichts nützen.

Von Großteilen der Wissenschaft und versammelter Intellektualität wird man wahrscheinlich moralischen Beistand erfahren, aber die aktuelle Politik wird sich immer am ''Markt'' orientieren, selbst wenn eine SW die Regierungsgewalt übernähme, denn wenn man den Politikern verspricht, pro forma zu bleiben, werden sie sich dafür entscheiden.

Aber vielleicht sehe ich auch zu schwarz. :-)

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querulant_99 08.04.2018, 14:47
23. Richtig!

Zitat von chalchiuhtlicue
Liest man sich Christian Stöckers Kolumnen durch, so kommt man rasch zu der Ansicht, dass künstliche Intelligenz sogar auf ihrem primitiven heutigen Stand wahrscheinlich besseren Journalismus bieten würde. ;)
Ein von KI gesteuerter Journalismus kame nie auf die Idee, Donald Trump soviel Aufmerksamkeit einzuräumen. Da würde man stattdessen mal erfahren, was unsere Europa-Parlamentarier so den ganzen Tag treiben.

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onelastremarktoall 08.04.2018, 16:01
24. Passen zu dem Thema ist auch...

...ein Beitrag in der SZ: Smart Contracts - Wenn der Algorithmus Selbstjustiz übt (http://www.sueddeutsche.de/digital/smart-contracts-wenn-der-algorithmus-selbstjustiz-uebt-1.3934283).

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Velociped 08.04.2018, 16:13
25. Nicht nur langsam sondern auch verkehrt

Die Politik reagiert langsam. Das ist nicht neu. Sicherlich ist Deutschland erst recht verschlafen und Frau Merkel entdeckte das Internet, als dieses längst in der Midlife-Crisis war.
Das Problem ist aber, dass wir die Technologie nun kaputt regulieren. Das Internet gab uns ein ungekanntes Maß an Meinungsfreiheit. Fast jede Information ist inzwischen online verfügbar und jedeR kann bei uns online publizieren. Die Folge ist, dass nicht nur unsere Presse und unsere Regierung Fakenews in die Welt setzen können, sondern dass dies nun alle können. Die Politik reagiert damit mit einer ungekannten Einschränkung der Meinungsfreiheit. Private Anbieter werden zu Zensurbeauftragte, denen hohe Strafen bei unzureichender Zensur drohen.
Kryptografie bietet uns eine wirklich sichere Form der Kommunikation. Briefe wurden auch in der BRD massenweise geöffnet. Das Grundgesetz wurde ignoriert und schließlich für die Geheimdienste durch entsprechende Gesetze ausgehebelt. In Deutschland muss jeder Telekommunikationsdiensteanbieter eine Abhörschnittstelle für die Geheimdienste bereitstellen, über die diese dann unerkannt alle Kommunikation abrufen können - und wohl dies auch tun. Das ist kein Gerücht und auch keine Verschwörungstheorie - sondern das steht im Gesetz (§ 110 TKG). Aktuell wird vor dem EuGH verhandelt, ob dies auch für alle Arten von Webdiensten und Softwaretools gilt. Wenn der EuGH da nicht die Grundrechte schützt, haben wir damit den totalen digitalen Überwachungsstaat - im Vergleich dazu war die Stasi-Überwachung nur vereinzelt und punktuell. Die Regierung reagiert auf die neue Technologie, in dem sie uns die neuen Freiheiten verweigert und sich selbst neue Macht zuschustert. Mit dem aktuellen Facebook-Skandal ergibt sich nun für die Regierung eine gute Gelegenheit, noch mehr Zensur und Kontrolle einzufordern.

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reichsvernunft 10.04.2018, 10:11
26. Das BGB...

... war eine enorme Kulturleistung, unter Juristen weltweit anerkannt und gefeiert - weil es das Kunststück geschafft hat durch Abstraktion und Auslagerung in die Rechtsprechung feste Rechtsgrundlagen für eine sich rasant wandelnde Welt zu anzubieten. Was man dazu braucht? Ein paar Hundert top-Juristen, die ihr Handwerk verstehen und auf Ebene der EU eine einheitliche, sinnvolle Rechtstechnik, deren Mangel man nahezu jedem Regelwerk dort ansieht. Recht für das Digitale Zeitalter zu schaffen ist ein internationales Großprojekt, nicht Alltagsgeschäft der Regierenden. So bleibt das Flickwerk und wird immer wieder schief gehen, und überstürzte Nachregulierung erzwingen.

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