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Religion versus Evolution: Wie die Sünde in die Welt kam

Woher kommt die Moral, woher die Sünde? Viele Wissenschaftler glauben, dass unsere Wertvorstellungen auf die Prozesse natürlicher Auslese zurückzuführen sind. Doch Theologen bestreiten das - für sie ist der Glaube nicht allein durch Evolution zu erklären.

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jubelbube 17.02.2010, 08:42
1. Ach was!

Zitat von sysop
Woher kommt die Moral, woher die Sünde? Viele Wissenschaftler glauben, dass unsere Wertvorstellungen auf die Prozesse natürlicher Auslese zurückzuführen sind. Doch Theologen bestreiten das - für sie ist der Glaube nicht allein durch Evolution zu erklären.
Theologen MÜSSEN das bestreiten - wer sägt schon gern auf dem Ast auf dem er sitzt (vor allem, wenn dieser so bequem ist)!

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Schleswig 17.02.2010, 08:57
2. organischen Chemie

Das ist doch eine ziemlich einfache Frage.
Wenn wir, und unsere Umwelt, uns nicht selbst erschaffen haben. Wer, oder was dann? Was liegt näher an übernatürliche Wesen zu glauben, die uns an Kraft und Wissen weit überlegen sind. "Sie" haben uns ja gefertigt.
Als der Glaube sich entwickelte gab es noch nicht das Wissen der organischen Chemie.

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Lars Hennings 17.02.2010, 08:58
3. Günter Dux befragen

In der erlauchten Liste fehlt nun gerade der, der in den letzten Jahren die überzeugendste Theorie zur Entwicklung der Menschen und ihres Bewußtseins vorlegte: die historisch-genetische Theorie von Günter Dux (z. B. Historisch-genetische Theorie der Kultur, Weilerswist 2000).
Er zeigt (basierend auf Piaget), wie in der Ontogenese jeden Menschens die Hirnentwicklung passiert und wie daraus in der Geschichte die Weltbilder und Logiken im Denken der Völker entstanden sind. Ursprungslogiken in ältester Zeit, in der alle Dinge als beseelt erkannt werden, weshalb z. B. Regenmachen sinnvoll erscheint, oder die doch im Zugriff eines Gottes existieren müssen, bis mit der Neuzeit der Wechsel zu einer prozessualen Logik möglich wird. Durch Reflexion des Bestehenden wird heute erkennbar, wie die Welt evolutiv - ohne Gott - entstanden ist.

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martinhlindemann 17.02.2010, 09:09
4. heidnische Naturreligionen kannten nicht solch "bipolaren" Umgang mit Moral und Sünde

Zitat von sysop
Woher kommt die Moral, woher die Sünde? Viele Wissenschaftler glauben, dass unsere Wertvorstellungen auf die Prozesse natürlicher Auslese zurückzuführen sind. Doch Theologen bestreiten das - für sie ist der Glaube nicht allein durch Evolution zu erklären.
Beziehen wir uns bei Moralvorstellungen nicht immer noch nur auf die recht junge Bibel. Doch sind Jüdische und christlich gesprägte Moralgebäude nur ein sehr junger Abschnitt der Erfahrung göttlicher Psyche in uns. Natürlich wuchsen in die Erfahrungen welt der völlig von der Natur abhängigen Menschen auch Strafvorstellungen herein. In den natürreligiös gepragten, jahrtausende alten Riten und Erfahrungen wurde auch bewusst(!) Raum für die Unterwelt gelassen, dem 'plutonische Prinzip' - im Dörnröschenmärchen die 13. Fee, im Abendmahlsgleichnis Judas, als 13. anwesende Person!

Götterglaube im Altertum und (griechischer) Antike hatte viel mehr etwas mit Deutung der individuellen menschlichen Psyche zu tun, die sychron zu den Planeten-"Götter"-Bewegungen verlief: "... wie im Himmel, so auf Erden" beten auch wir Christen noch.

Im Unterschied zu heute wurde das sog. "Böse" jedoch nicht so abgrundtief verfemt und ausgeklammert wie seit Hexenwahn und Inquisition ab dem 16. Jahrhundert. Es hatte seinen festen Platz. Durch Beschwörungen und Befriedung versuchte man, die "Rache der Götter/ der Urahnen" nicht allzu groß werden zu lassen. Doch die Unterwelt, der (auch psychologisch zu sehende) Hades gehört zur Welt der integrierten Göttermärchen fest hinzu. Als Spiegel der Seele. Dabei hatten die Menschen ein mindestens ebenso fein entwickeltes Gespür für 'Gut und Böse' - nur wurde es nicht so BIPOLAR bewertet wie heute - sondern demütiger hingenommen.

Hier ein recht (un-/)bekanntes Beispiel christlicher Astrologie, die über die 'Stern/e von Bethlehem' verbindende Wurzelen zur babylonischen (und megalithisch-europäischen) Sterndeuterei aufweist:
http://de.wikipedia.org/wiki/Diskuss...lich_-_Quellen

Empfehlenswert auch für Einsteiger das Busch von Claus Riemann 'Der tiefe Brunnen - Märchen und Astrologie'

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evolut 17.02.2010, 09:15
5. Schafe

Zitat von sysop
Woher kommt die Moral, woher die Sünde? Viele Wissenschaftler glauben, dass unsere Wertvorstellungen auf die Prozesse natürlicher Auslese zurückzuführen sind. Doch Theologen bestreiten das - für sie ist der Glaube nicht allein durch Evolution zu erklären.
Es wird immer solche und andere geben.
Die Unterwürfigen lassen sich von Haus aus auf den Arm nehmen, was in einer (dynamischen) Gruppe durchaus zum Vorteil werden kann, die anderen weniger. Gäbe es die einen oder die anderen nicht, müßte man sie erfinden.

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Klo 17.02.2010, 09:16
6. Moral, Religion und Evolution

Zitat von sysop
Woher kommt die Moral, woher die Sünde? Viele Wissenschaftler glauben, dass unsere Wertvorstellungen auf die Prozesse natürlicher Auslese zurückzuführen sind. Doch Theologen bestreiten das - für sie ist der Glaube nicht allein durch Evolution zu erklären.
Moral hat sich definitiv VOR Religion entwickelt, denn eine Art von Moral, welche die Gesellschaft als grundlegende Norm zusammenschweißt, haben die altsteinzeitlichen Urgemeinschaften mit Sicherheit bereits gehabt. Das ergibt sich schon aus der Notwendigkeit des Überlebenskampfes einer fest umgrenzten Einheit, nämlich der Sippe, oder Familie. Sie ist daher evolutionär sinnvoll und man darf davon ausgehen, dass diesbezügliche Verhaltensmuster für Sippen selektiv waren. Sippen ohne moralische Gesellschaftsgrundlage KÖNNEN gar nicht überlebt haben, denn die Biologie des Menschen hat schon und gerade in der Frühphase des organisierten Zusammenlebens grundlegende Normen zwingend erfordert.

Religion dagegen ist dafür weder erforderlich, noch irgendwie maßgeblich. Religion ist lediglich eine Art Ideologie, die aus der Suche nach Erklärung für das Unbekannte heraus entstanden ist. Es ist aber nicht anzunehmen, dass bereits die ganz frühen Sippen im Oldovan sich Gedanken über das Wesen der Dinge an sich und den Sinn des Daseins, oder ihre Herkunft gemacht haben. Schließlich haben auch die anderen Nachfahren unserer Vorfahren, die heutigen Primaten, durchaus eine Art Gesellschaftsordnung und Normen, die man als Frühformen der Moral bezeichnen muß, aber eine Religion haben sie mit allergrößter Wahrscheinlichkeit nicht. Schließlich huldigen sie nicht mit irgendwelchen irdisch sinnlosen Ritualen einem erkennbar überirdischen Zwangswesen. Das ist schon ein klares Indiz dafür, dass es Moral lange vor Religion gegeben hat.

Religion dürfte zudem sehr stark mit der Einnahme so genannter bewußtseinserweiternder Alkaloide zu tun haben. Alle Religion ist aus dem Schamanentum entstanden und daher eine schlichte menschliche Erfindung als Erklärungsmuster des zunehmend Unerklärlichen. Das ist auch der Grund, warum die frühen Hochkulturen ganz extrem religiös waren und die Religiosität im Nachfolgenden durch Aufklärung und Wissenschaft beim Erkenntnisfortschritt deutlich verdrängt wurde. Heute spielt Religion als Ideologie nur noch eine Nebenrolle und dient hauptsächlich der kulturellen Abgrenzung. Moral hat eine evolutionär sinnvolle Grundlage und ist die Basis der Evolution von Kultur, Religion dagegen nicht. Ohne Moral wird man schnell aus der Gesellschaft aussortiert, ohne Religion nicht. Eine Gesellschaft ohne Moral ist faktisch undenkbar, eine Gesellschaft ohne Religion keineswegs.

Das Klo.

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Johanna.1.15 17.02.2010, 09:42
7. So einfach

Zitat von Klo
Moral hat sich definitiv VOR Religion entwickelt, denn eine Art von Moral, welche die Gesellschaft als grundlegende Norm zusammenschweißt, haben die altsteinzeitlichen Urgemeinschaften mit Sicherheit bereits gehabt.
Religion hat sich definitiv VOR Wissenschaft entwickelt, denn eine Art von Religion, welche die Gesellschaft als grundlegende Norm zusammenschweißt, haben die altsteinzeitlichen Urgemeinschaften mit Sicherheit bereits gehabt. Das ergibt sich schon aus der Notwendigkeit des Überlebenskampfes einer fest umgrenzten Einheit, nämlich der Sippe, oder Familie. Sie ist daher evolutionär sinnvoll und man darf davon ausgehen, dass diesbezügliche Verhaltensmuster für Sippen selektiv waren. Sippen ohne religiöse Gesellschaftsgrundlage KÖNNEN gar nicht überlebt haben, denn die Biologie des Menschen hat schon und gerade in der Frühphase des organisierten Zusammenlebens grundlegende Normen zwingend erfordert.

Wissenschaft dagegen ist dafür weder erforderlich, noch irgendwie maßgeblich. Wissenschaft ist lediglich eine Art Ideologie, die aus der Suche nach Erklärung für das Unbekannte heraus entstanden ist. Es ist aber nicht anzunehmen, dass bereits die ganz frühen Sippen im Oldovan sich Gedanken über das Wesen der Dinge an sich und den Sinn des Daseins, oder ihre Herkunft gemacht haben. Schließlich haben auch die anderen Nachfahren unserer Vorfahren, die heutigen Primaten, durchaus eine Art Gesellschaftsordnung und Normen, die man als Frühformen der Religion bezeichnen muß, aber eine Wissenschaft haben sie mit allergrößter Wahrscheinlichkeit nicht. Schließlich huldigen sie nicht mit irgendwelchen irdisch sinnlosen Ritualen einer erkennbar überirdischen objektiven Erkenntnis. Das ist schon ein klares Indiz dafür, dass es Religion lange vor Wissenschaft gegeben hat.

Wissenschaft dürfte zudem sehr stark mit der Einnahme so genannter bewußtseinserweiternder Alkaloide zu tun haben. Alle Wissenschaft ist aus der Religion entstanden und daher eine schlichte menschliche Erfindung als Erklärungsmuster des zunehmend Unerklärlichen. Das ist auch der Grund, warum die frühen Hochkulturen ganz extrem religiös waren und die Religiosität im Nachfolgenden durch Aufklärung und Wissenschaft beim Erkenntnisfortschritt niemals verdrängt wurde. Heute spielt Wissenschaft als Ideologie nur eine Nebenrolle und dient hauptsächlich der kulturellen Abgrenzung. Religion hat eine evolutionär sinnvolle Grundlage und ist die Basis der Evolution von Kultur, Wissenschaft dagegen nicht. Ohne Religion wird man schnell aus der Gesellschaft aussortiert, ohne Wissenschaft nicht. Eine Gesellschaft ohne Moral ist faktisch undenkbar, eine Gesellschaft ohne Wissenschaft während der gesamten Menschheitsgeschichte.
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Man muss in Ihrem Beitrag nur "Religion" durch "Wissenschaft" ersetzen, dann stimmt's auch historisch.

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muwe6161 17.02.2010, 09:43
8. Warum so kompliziert!?

Zitat von evolut
Es wird immer solche und andere geben. Die Unterwürfigen lassen sich von Haus aus auf den Arm nehmen, was in einer (dynamischen) Gruppe durchaus zum Vorteil werden kann, die anderen weniger. Gäbe es die einen oder die anderen nicht, müßte man sie erfinden.
So ist es: Wenn eine Gruppe von Menschen glaubt das ich "Regen mit Beschwörungsformeln erzeuge" kann ich diese Gruppe vögeln oder ausbeuten. Zur Belohnung erhalten die Gevögelten und Ausgebeuteten eine Moral und einen Sinn des Lebens.
So einfach ist das.
Die Ontogenese moderner Sekten unserer Zeit, zeigt genau dieses Muster auf.

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Pelayo 17.02.2010, 09:44
9. !

Die Evolutionsbiologen bieten eine Erklärung für die Entstehung der Moral, unter Maßgabe der Naturgesetze.

Theologen hingegen erklären garnichts, sondern erzählen Geschichten und fordern, an diese zu glauben, ganz ohne rationale Erklärungen.
Wer ist wohl glaubhafter?

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