Forum: Wissenschaft
Schreibzwang: Wie Konkurrenzdruck die Forschung gefährdet

In der Forschung gilt: Erfolgreich ist, wer viele Fachartikel veröffentlicht. Der Konkurrenzdruck hat aber teils bizarre Folgen, wie eine Studie jetzt nahelegt: An besonders produktiven Standorten kommen Wissenschaftler demnach fast nur noch zu positiven Befunden.

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Transmitter 22.04.2010, 10:27
1. Gefälligkeitswissenschaft

Zitat von sysop
In der Forschung gilt: Erfolgreich ist, wer viele Fachartikel veröffentlicht. Der Konkurrenzdruck hat aber teils bizarre Folgen, wie eine Studie jetzt nahelegt: An besonders produktiven Standorten kommen Wissenschaftler demnach fast nur noch zu positiven Befunden.
In Deutschland ist eine wiss. Gutachtenindustrie beachtlichen Ausmasses entstanden, die jedes gewünschte "wissenschaftliche" Ergebnis liefert. Insbesondere Forschungsergebnisse zu Klimaveränderungen werden bereits mit Vorabresultaten bestellt und erstellt. Die seriöse Forschung schweigt dazu, weil sie sich nicht mit den "Geldgebern" in Behörden und staatlichen Institutionen verderben will. Denn die bezahlen wirklich gut.

Die klassische Gutachterleistung ist jedoch immer noch das Heidelberger "Passivraucher-Gutachten", das eine Mortalität von 3000 Fällen jährlich allein in Deutschland nachweist. Das Ding ist wirklich lesenswert und als akad. Schmankerl nur zu empfehlen. Da lacht der Forscher über alle vier Backen. Tagelang.

Dieses Elaborat wird ganz sicher eines Tages in einem akad. Kriminalmuseum ausgestellt werden. Unter "kurioses".

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Viva24 22.04.2010, 10:33
2. Wer schreibt bleibt!

Das lernen doch die Wissenschaftlern von den Politikern, oder?

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Quintus 22.04.2010, 10:44
3. The Trouble with Physics

Sehr lesenswert zu diesem Thema:
The Trouble with Physics Lee Smolin
Das Problem ist bekannt und ist leider sehr ernst zu nehmen.

Der Erfolgsdruck auf junge Wissenschaftler ist so hoch, dass diese quasi gezwungen werden fragwuerdigen (Mode)Trends zu folgen, Ergebnisse massiv zu beschoenigen und kritischen Denken massiv einzuschraenken.

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horch 22.04.2010, 10:58
4. O.o ???

Zitat von Transmitter
Die klassische Gutachterleistung ist jedoch immer noch das Heidelberger "Passivraucher-Gutachten", das eine Mortalität von 3000 Fällen jährlich allein in Deutschland nachweist. Das Ding ist wirklich lesenswert und als akad. Schmankerl nur zu empfehlen. Da lacht der Forscher über alle vier Backen. Tagelang. Dieses Elaborat wird ganz sicher eines Tages in einem akad. Kriminalmuseum ausgestellt werden. Unter "kurioses".
Wohl eher nicht. Die Berechnung von Morbidität und Mortalität durch Risikofaktoren mit Hilfe attributabler Fraktionen ist eine etablierte Methode. Mehr ist dazu wohl nicht zu sagen.

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silenced 22.04.2010, 11:31
5. <->

Wie war das doch gleich?
"Erforschen Sie mal die Nebenwirkungen bei Einsatz von A auf B & C. Ach, und übrigens: Das hier sind die Ergebnisse die sie erhalten müssten."
Verwunderlich ist es nicht, steckt doch oft viel zu viel Geld in den 'Forschungen' womit man es sich gar nicht erlauben kann da für die Auftraggeber negative Ergebnisse zu erhalten.

Unsere tolle Gesellschaft basiert nunmal auf Lügenmärchen, damit muß man sich einfach abfinden. ;)

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Dumme Fragen 22.04.2010, 11:56
6. Tja...

Zitat von Quintus
Der Erfolgsdruck auf junge Wissenschaftler ist so hoch, dass diese quasi gezwungen werden fragwuerdigen (Mode)Trends zu folgen, Ergebnisse massiv zu beschoenigen und kritischen Denken massiv einzuschraenken.
Ja, den Unterschied merk man schon in der Ausbildung: als ich Freshman in den USA unterrichtet habe, wurden die gleich im ersten Semester in "PR" geschult: die Ergebnisse ihrer Laborarbeit in Posterform bringen und in einem Vortrag vorstellen. Alle schriftlichen Arbeiten mußten in "paper"-Form eingereicht werden (soll heissen, sie mussten sich von Anfang an am publizieren versuchen). Ausserdem haben sie gleich lernen müssen, wie man mit der wichtigsten Software (allen voran: Photoshop) arbeitet...

Das lernen hierzulande die Studenten oftmals erst bei der Promotion...

Was ich besonders gut fand: die Schulung im "kritischen Denken". Hier in D gibt es fast nur "Faktenhuberei" - unkritisches Auswendiglernen von Fachbuchwissen. DORT wurde es hinterfragt, auf neue Problemstellungen angewendet usw. Dumm nur, dass die meisten Studenten durchs TV vorgeschädigte Hirne hatten...

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hasi888 22.04.2010, 13:58
7. interessant...

...bezieht sich das auch auf die zitierte Studie der Univ Edinburgh oder haette man das Ergebnis auch publiziert, wenn kein Zusammenhang aufgefallen waere?

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hallorenkugel 22.04.2010, 15:21
8.

Das Problem mit den positiven Frioschungsergebnissen betrifft fast ausschließlich Mediziner. Die denken, ein Ergebnis ist nur etwas wert, wenn es "positiv" ist. Der Artikel schreibt richtig, daß auch "negative" Ergebnisse relevant für das Fortkommen der Forschung ist. Naturwissenschaftler kennen diese Einteilung nicht, jedes Ergebnis ist wichtig.
z.B. Frage des Naturwissenschaftlers: Warum wandert Zelle B Richtung Knochenmark ?
- Anwort z.B.: Gradient von Molekül x ist zuständig: wird publiziert.
- Anwort z.B.: Gradient von Molekül x wurde getestet, spielt aber keine Rolle: wird publiziert (auch interessant, da x sonst eine große Rolle bei solchen Wanderprozessen spielt)

- Nun der Mediziner: Lockt ein Gradient von Molekül x die Zellen B ins Knochenmark ?
- Bei Antwort ja: wird publiziert
- Bei Antwort nein: wird nicht publiziert (für manche Mediziner existiert hier nicht nur ein "negatives" Forschungsergebnis, sondern gar keines, sie denken dann, es wäre nichts rausgekommen, alles war umsonst)

Lächerlich, Mediziner lernen es einfach nicht, obwohl Naturwissenschaftler mit ihrer Art des Umgehens mit Daten bzw. Egebnissen eigentlich so besser und häufiger in der Lage sind, zu publizieren, da es für sie einfach nur Ergebnisse gibt, für den Mediziner aber nur die "positiven" und er daher mehr Probleme hat, Daten zusammenzubekommen. Das erklärt wohl auch den teilweise sehr hohen Druck, die Mediziner ihren Mitarbeitern eineseits machen und die Nachlässigkeit in Korrektheit und Statistik, mit der sie publizieren.

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Ernst Wurscht 22.04.2010, 15:25
9. Karriere in der Wissenschaft

Wie man sich als intelligenter Mensch eine Karriere in Forschungsbetrieb antun kann werde ich nie verstehen.

* Seilschaften u. Neider überall
* Echte Stellen Mangelware. Prinzip Hoffnung auf eine feste Stelle.
* Extrem mies bezahlt. Selbst den Ruhm erntet der Chef: Paper für andere schreiben, als Coautor nicht erwähnt,..
* Pseudoforschung um Gelder einzutreiben, Auftragsforschung für Firmen die man nicht ab kann.
* Idiotische Tätigkeiten: Siehe Pseudo- u. Auftragsforschung, Lehre, Verwaltungsmolloch.
* Nomadenleben
Da ist ja Schiffschaukelbremser attraktiver.

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