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Schrumpfende Bevölkerungen: Europäer bleiben babymüde

Schrumpfende und vergreisende Gesellschaften: In allen Ländern Europas sind die Geburtenraten zu niedrig, um die gegenwärtige Bevölkerungszahl zu halten. Weil die Ausbildung immer länger dauert, schieben viele Paare ihren Kinderwunsch auf - und setzen ihn dann nicht mehr um.

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holger.winter 11.01.2009, 20:02
20. Neue Bewegung

Zitat von Rainer Helmbrecht
Hallo ditoman, was mich bei Ihren Argumenten erstaunt ist, dass sie sich nicht mit Eltern- und Kinderglück auseinandersetzen, sondern mit den Problemen von Logistik und Flächendeckender Versorgung mit dem Produkt Mensch. Die liebe Frau v.d.L. denkt ja auch, dass sich Frauen dick machen lassen, um diese Kinder in Kindergärten, oder Krabbelgruppen zu geben. Die Betrachtung von Statistiken hat nichts damit zu tun, dass sich Eltern ein Leben lang verantwortlich fühlen (möchten) nicht um den Statistischen Durchschnitt zu erhöhen. In Deutschland hat man den Begriff Familie kaputt gemacht und eine Art rundum Versorgungsstation geschaffen. So dass der Anspruch von den Genen, der Erziehung, der Tradition von Familien, verloren ging. Kinder haben Ansprüche, Eltern haben Pflichten, aber warum solle man in diesen Vertrag einsteigen, wenn man sich da nur Läuse in den Pelz setzt. Hinzu kommt die Diskussion ob 10€ mehr im Monat Familien bereichern und das aufwiegen, was Kinder erfordern. Das Auffüllen der Rentenkasse wird kein ausreichender Grund sein, Kinder zu zeugen. Der Wunsch nach Kindern ist unabhängig von den Wünschen von Politikern, die Kinder nicht mögen, aber aus Staatspolitischen Gründen brauchen. Die Einstellung zu Kindern muss sich ändern. Wenn Kindergärten aus Wohngebieten gedrängt werden und Klagen gegen die Geräusche, die mit Kindern verbunden sind, möglich sind, dann kann man nicht erwarten, dass der Anteil an Kindern steigt. MfG. Rainer
Ich denke auch, das aus der Bevölkerung heraus, der Sinneswandel stattfinden muß. Es wieder en vogue sein, Kinder zu haben. Die Mafiabande, die vor 20 Jahre losgezogen ist, die Tradition der Familie zu zerstören, ist vorerst gescheitert. Es besteht durchaus die Möglichkeit, das in den Nationen und Regionen, die von der Wirtschaftskrise erfasst worden sind, ein unerwarteter Babyboom losbricht, wie es auch in New York geschehen ist nach den Anschlägen vom 09.11.2001.

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rivanov 11.01.2009, 20:13
21. Was iSt das PROBLEM???

Es ist einfach unfassbar...
gerade noch wurde darüber beklagt, dass zuviele Leute zur Welt komme, dass die Ressourcen immer knapper werden etc...(siehe hier: http://www.lemonde.fr/planete/articl...0067_3244.html)
und jetzt wird schon wieder Polemik gemacht darüber dass die Europäer zu wenig Kinder kriegen..
Das ist doch super so...warum sollte ein Volk sich immer weiter ausbreiten oder die Einwohnerzahl halten? Wer hat jemals gesagt dass es so sein muss???

Ich finde dies überhaupt nicht schlecht dass die Einwohnerzahl zurückgeht und ausserdem ist es mit dem Rest der Welt auch überhaupt nicht wichtig weil immer irgendwo mehr Kinder geboren werden und irgendwo weniger..

macht weiter so

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Dopamin 11.01.2009, 20:20
22. Ein generelles Umdenken ist nötig, aber auch gewollt?

Zitat von holger.winter
Ich denke auch, das aus der Bevölkerung heraus, der Sinneswandel stattfinden muß. Es wieder en vogue sein, Kinder zu haben. Die Mafiabande, die vor 20 Jahre losgezogen ist, die Tradition der Familie zu zerstören, ist vorerst gescheitert. Es besteht durchaus die Möglichkeit, das in den Nationen und Regionen, die von der Wirtschaftskrise erfasst worden sind, ein unerwarteter Babyboom losbricht, wie es auch in New York geschehen ist nach den Anschlägen vom 09.11.2001.
Nunja, seit Jahrzehnten wird gepredigt (geschlechtsunabhängig) man müsse dem Arbeitsplatz hinterherziehen. Hierdurch sind in den letzten Jahrzehnten Familienbande gedehnt worden und sicher hier und da auch zerrissen. Wer sich diesem "Job-Nomadismus" verweigert hat blieb (bleibt) erwerbslos und ist heute mit dem Image des "Schmarotzers" konfrontiert, das sich auch auf die (wenn vorhnanden) Kinder "überträgt"...

Ich befürchte der Schaden den familiäre Bindungen in den letzten Jahrzehnten genommen haben, ist irreparabel...

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Margrit2 11.01.2009, 20:36
23. nicht so hart

Zitat von SunSailor
Aha, wir Männer sind also nichts anderes als Märtyrer, die die holde Weiblichkeit von der Hölle des Arbeitens bewahren? In ihrem hoch veralteten Weltbild können keine Frauen existieren, die auch noch gerne arbeiten, was? Ich bin froh, dass meine Partnerin und ich uns sowohl Arbeitsleistung, als auch Erziehung zu gleichen Teilen aufteilen. Vielleicht würde es ihnen auch mal ganz gut zu Gesicht stehen, sich auch mal selbst um den eigenen Nachwuchs zu kümmern, als sich in die Arbeit zu flüchten?
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nicht gleich wieder so hart. Das ist das typische Deutschdenkmuster schwarz-weiß.
Falls sie mit gemeinsam teilen meinen, dass auch Sie weniger arbeiten oder Kinderzeit nehmen, so muß auch mal überlegt werden, welche Väter das können. Bis jetzt sind es vorrangig Lehrer, Sozialarbeiter- und pädagogen und sonstige Beamte.
Was tun z. B. Selbständige bei Ihrer Einstellung?
Soll der Arzt mal eben seine Praxis schließen, der Anwalt seine Kanzlei? Wenn die dann aus ihrer Kinderbetreuungszeit zurück kommen, haben sie keine Praxis/Kanzlei mehr, aber wir haben ein paar Hartz IV-Empfänger mehr und die Familie leidet Not. Kann ja wohl nicht das Erstrebenswerte sein, oder?
Also erst mal ein wenig durchdenken.
Und selbstverständlich ist der überzogene Feminismus mit Schuld. Aber auch vieles andere. Man will doch für nichts mehr Verantwortung übernehmen in einer Ich-Gesellschaft. Ich will Party, ich will - ich will, das ist doch der derzeitige Tenor unserer Gesellschaft.
Mit Mitte/Ende 40 laufen diese emanzipierten Frauen frustriert durch die Gegend, gehen einem im Büro enorm auf den Keks, weil sie nicht wissen, wofür und für wen sie eigentlich sich krumm legen. Was nützt die schöne Wohnung, wenn ich niemanden habe?
Sicher, auch Kinder wenn sie größer oder dann erwachsen sind, sind nicht mehr zu Hause. Aber sie sind da, wenn Sie verstehen wie ich das meine.
Dass wir ein paar weniger Menschen in unsrem Land werden, das halte ich nicht für so schlimm, waren wir ja schon mal. Wenn dann alle wieder Arbeit haben, die jungen Leute Perspektiven haben, dann kommen die Kinder auch wieder von selbst.
Also bessere Rahmenbedingungen schaffen, ein wenig weg vom Egoismus und es wird wieder.
Und auch die Ausbildungszeiten sind zu lang, man macht zu viele Zwischenräume, fängt zu spät an, das schadet insgesamt
Früher ging man mit 16 in die Lehre und war mit 19 feritg, heute "parkt" man in allen möglichen Schulen, wiel man keinen Bock auf Arbeit hat, fängt dann so langsam mit 20 mal an, schmeißt zweimal hin, das muß sich auch wieder umkehren

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wilko0070 11.01.2009, 20:41
24. Aus Korrelation folgt Zusammenhang (beim MPI)

"In den nordischen Ländern, wo die Kinderbetreuungsinfrastruktur gut ausgebaut ist und wo Männer sich mehr als in anderen Teilen Europas an der Kindererziehung und Hausarbeit beteiligen, fallen diese Entscheidungen leichter"

Der typische Fehler, der hier (mal wieder) vom MPI betrieben, wird, ist aus der Korrelation von hochaggregierten Maßzahlen (Geburtenrate, Kinderbetreuungsquote, männlicher Kindererziehungsanteil, etc.) einfach einen Zusammenhang zu schließen. Wenn man dies z. B. auf die USA anwenden würde (ein Land ohne staatliche Kindergärten, Kindergeld oder sonstige pronatalistische Maßnahmen), wie hoch müsste dementsprechend die Geburtenrate ausfallen?
(Sie liegt übrigens dort bei 2,1 Kindern je Frau und damit höher als in JEDEM europäischen Land.)
Natürlich spielt dort die Einwanderung der Hispanos eine entscheidende Rolle, wie ein Blick in die nach "Rassen" unterschiedene offizielle Fertilitätsstatistik zeigt. Aber dieser Einfluss der Immigranten auf die Fertilität trifft beispielsweise auch auf Frankreich zu (aus den ehemaligen Kolonien, vor allem Algerien); die europaweit höchste Fertilität des Landes hat relativ wenig mit der gut ausgebauten Kinderbetreuungsinfrastruktur zu tun.

Ein schönes Beispiel für eine solche "Scheinkorrelation" ist übrigens der "Zusammenhang" zwischen Geburtenzahlen und Storchensichtungen in Südschweden (einfach einmal googlen).

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brunokoch 11.01.2009, 20:43
25. Falsch gedacht

Zitat von ditoman
Durch kluge Familien- und nicht-restriktive Einwanderungspolitik bei gleichzeitigem Produktivitätsforschritt besteht weder die Gefahr für die Rentenkasse noch dass die Deutschen "austerben"!
Da irren Sie sich aber gewaltig. Was ist Deutschland stark auf dem Rückzug ist, ist die gesellschaftliche Mittelschicht, dort werden am wenigsten Kinder geboren. Einfältigerweise könnte man natürlich behaupten mit großzügiger Einwanderung wären die Probleme in den Griff zu kriegen, aber das ist ein Irrtum, denn die weitaus meisten Einwanderer sind nicht gerade der Mittelschicht zuzuordnen. Die ausländische Mittelschicht macht längst einen großen Bogen um Deutschland, während die deutsche Mittelschicht entweder im Zeugungsstreik ist oder über Auswanderung nachdenkt.

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Iggy Rock 11.01.2009, 20:44
26. Denkwandel ist eine Notwendigkeit

Zitat von holger.winter
Die Wirtschaft hat bereits vor 20 Jahren festgestellt, das die verfügbare männliche Arbeitskraft nicht mehr ausreicht, um die gewünschten Wachstumsraten zu erreichen. Deswegen hat diese die "Reservearbeitskraft Frau" ins Visier genommen. Es wurde die Emanzipationsbewegung vor den Karren gespannt und den Frauen klar gemacht, wie toll es doch ist, in den Wirtschaftskreislauf einzutauchen.
Interessante und wahre These, Vermeidung der Hausmutter dient so auch um den Konkurrenzdruck im Arbeitsmarkt zu erhöhen. Was Wirtschaftseliten wollen, setzt das Volk trotzdem nicht so brav um, schauen sie an die Universitäten, Frauenüberschuss ist die Regel geworden, allerdings nicht hauptsächlich in den Fächern wo die Berufsaussichten gut sind. Auch der Staat hat ein Interesse daran, dass beide Partner arbeiten gehen und ihre Steuern zahlen, die Problematik mit den wenigen Kindern schiebt man auch so auf die Folgegenerationen.

Wahrscheinlich brauchen wir ein erneutes aufweichen der Regeln, her mit den klaren Regelungen für echte Hausmänner, soll sich ein Elternteil die Freiheit nehmen Kinder richtig zu erziehen, falls finanziell nötig auch mit ordentlichen staatlichen Bonizahlungen. Jene Krippendebatte ist das genaue Gegenteil von Freiheit, sie soll die Arbeitskraft beider Elternteile möglichst rasch frei machen, dient obendrein noch privat- und gemeinnützigen Betreibern solcher Einrichtungen als neues Arbeitsfeld. Kurios daran ist nur wer uns das alles eintrichtert, eine Frau die ihre Mutterrolle der Politik geopfert hat. Was ihre kleinen Kinder denken, erfährt der Wähler nicht.

Sie haben vollkommen Recht, was Frau Schwarzer an unserer Regierungschefin und der Union lobt, ist eine Mogelpackung, die sie wahrscheinlich, nach all den Jahren des Kampfes für die Frauenrechte, selber nicht mehr versteht. Wer kann es ihr allerdings verdenken, sie kennt die Situation doch gar nicht einmal, hat auch keine Ahnung wie sich Leute meiner jüngeren Generation wirklich fühlen. Wir haben eine Zeit der zerüttelten Ehen, der staatlichen Bevormundung, der Angst um Arbeitsplätze, des Klimawandels, der heftigen sozialen Unterschiede, des Rückzugs der Kirchen, des maroden Bildungssystems, dürfen regelmäßig lesen wie die Kleinsten bereits mit voller Härte auf den globalen Markt getrimmt werden, weil die irgendwann Rente und Schulden zahlen sollen. Wer will das noch dem eigenen Nachwuchs zumuten?

Rosig sind die Zukunftsaussichten nicht, genauso wenig wie reale Lohnsteigerungen, Kindern will man etwas bieten können und das können nur Leute in hohen Einkommenklassen, den in niedrigen ist das egal, die Mitte schaut in die Röhre.

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wilko0070 11.01.2009, 20:48
27. Jeder hat das Recht, seine Meinung frei zu äußern

Zitat von holger.winter
Die Wirtschaft hat bereits vor 20 Jahren festgestellt, das die verfügbare männliche Arbeitskraft nicht mehr ausreicht, um die gewünschten Wachstumsraten zu erreichen. Deswegen hat diese die "Reservearbeitskraft Frau" ins Visier genommen. Es wurde die Emanzipationsbewegung vor den Karren gespannt und den Frauen klar gemacht, wie toll es doch ist, in den Wirtschaftskreislauf einzutauchen.
Weshalb hat sich denn das BIP in den letzten Jahren dann fast verDREIfacht (bei geringer Änderung des Frauenanteils an den Beschäftigten)??? (siehe z. B. hier: http://de.wikipedia.org/w/index.php?...20080219003450 und hier: http://www.bpb.de/files/303OVV.pdf)

PS: In diesem Land hat naürlich jeder das Recht, einfach irgendwelchen Unsinn von sich geben, aber dann bitte nicht mit solch vielen orthographischen Fehlern!

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dederl 11.01.2009, 20:54
28. Hier ist das Problem

Zitat von rivanov
Es ist einfach unfassbar... gerade noch wurde darüber beklagt, dass zuviele Leute zur Welt komme, dass die Ressourcen immer knapper werden etc...(siehe hier: ) und jetzt wird schon wieder Polemik gemacht darüber dass die Europäer zu wenig Kinder kriegen.. Das ist doch super so...warum sollte ein Volk sich immer weiter ausbreiten oder die Einwohnerzahl halten? Wer hat jemals gesagt dass es so sein muss??? Ich finde dies überhaupt nicht schlecht dass die Einwohnerzahl zurückgeht und ausserdem ist es mit dem Rest der Welt auch überhaupt nicht wichtig weil immer irgendwo mehr Kinder geboren werden und irgendwo weniger.. macht weiter so
Wir haben uns hier in Europa einen besonderen Wohlstand geschaffen; wenn auch hin und wieder zu Lasten anderer Bevölkerungsteile auf dieser Erde. Da denke ich, können wir gerade in Europa investieren in die Aufzucht von Nachkommen. Wir wären auch in der Lage, diesen entsprechenden Wohlstand und entsprechende Bildung mitzugeben, damit Menschen in der Lage wären, verantwortungsvoll mit unserer Erde umzugehen. Stattdessen wäre es an anderen Orten dieser Erde durchaus angebracht, den Bevölkerungsanteil nicht so wachsen zu lassen.
Nun haben diese vermeintlich so weitentwickelten Gesellschaften, wie die europäischen das Phänomen, dass Kinder eine Reduzierung des Wohlstandes bedeuten und in eher archaischen Kulturen viele Kinder einen erhöhten Wohlstand bedeuten. Dies hängt mit der Sozialisierung der Alterssicherung zusammen. Ferner werden die Zeiten und Aufwände der Kindererziehung mit der Argument, es sein unchic, entzogen und für industrielle Tätigkeit verwendet.

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MamaVon2en 11.01.2009, 20:54
29. Gesellschaftliche Bedingungen stimmen nicht!

Hatte nicht der Spiegel vor einigen Wochen erst die demografische Entwicklung in Deutschland zum Thema? Daraus war ersichtlich - was im SPiegel keiner offen auszusprechen wagte - das es steigende Geburtenraten in Deutschland vor allem in den ländlichen Regionen gibt.
Hier ist das Leben mit Kindern noch bezahlbar, die Menschen sind weniger gestresst und haben Verständnis für Kinder, weil fast alle welche haben. So unsere Erfahrung.
In Großstädten läßt man Müttern gerne die Tür vor der Nase zuknallen, denn die haben ja Zeit, sind ja nur Mütter. Kinderabteilungen befinden sich meist in der obersten Etage und die Gänge sind so eng, dass man mit dem KiWa kaum durchkommt. Spielplätze sind verdreckt und kaputte Geräte werden nicht reapriert.
Wer soll da Lust auf´s Babykriegen bekommen?
Der Kommentar meines Schwiegervaters, als wir unser 3. Kind ankündigten: "K., soll ich dir ´nen Schnaps holen?" Hinterher wußte er noch zu berichten" Kinderkriegen ist ein Armutsrisiko, heute". Von mir als Akademikerin wird eben erwartet, nach 2 Kindern schnellstens wieder arbeiten zu gehen, damit ich die Rente derer bezahlen kann, die sie bereits in den 70er, 80er, 90er Jahren verjubelt haben.

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