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Schwarmintelligenz: Wie falsche Antworten zur Wahrheit führen
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Ein Schwarm ist nicht zwingend intelligent. Insbesondere bei Ja-Nein-Fragen liegen Gruppen immer wieder daneben. Nun berichten Psychologen über einen Trick, mit dem sie trotzdem die richtige Antwort finden.

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cassandros 26.01.2017, 14:14
10.

Zitat von Ringmodulation
Ein statistischer Beweis ist kein mathematischer Beweis.
Gilt bei dir:
"ein mathematischer Beweis" = "Beweis eines mathematischen Satzes" ?
das gilt außerhalb der reinen Mathematik nicht.

Die "Kritik" von #1 manifestiert sich in der Aussage, etwas sei "mathematisch bewiesen" worden. Erkennbar gemeint ist, daß etwas "mit Hilfe der Mathematik" (hier: Statistik) bewiesen worden sei.

Also ein rein semantisches Problem.

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magic88wand 26.01.2017, 14:14
11. Genau

Zitat von krautrockfreak
Sie ist auch weiß und kupferfarben und ... Sie ist überwiegend blau, aber nicht nur blau. Und nun? Eine korrekte Fragestellungen ist also wichtig.
Diese Frage ist eigentlich weniger eindeutig als die mit Rostock. Ich bin immer wieder überrascht, wie unpräzise Journalisten und selbst Profis von Meinungsforschungsinstituten Fragen stellen. Da steckt z.B. in der Frage eine implizite Annahme, die man nicht teilt. Oder eine Antwort "Ja" oder "Nein" kann man nicht für alle Fälle gelten lassen - der Fragesteller hat aber möglicherweise nur einen speziellen Fall im Sinne.

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straightly 26.01.2017, 14:17
12. ... ich nehme mal stark an...

... dass der Autor das Verfahren selbst nicht so ganz verstanden hat.
Da ich aus dem Artikel (abgesehen von den in anderen Kommentaren bereits genannten Ungereimtheiten) nicht ganz schlau geworden bin, habe ich mal nach dem genannten Leiter der Studie gegooglet um mehr darüber herauszufinden. (wiederum auch kein schlechter Trick, den Artikel so unvollständig zu halten - so habe ich gleich selbst überlegt wie das funktionieren könnte (btw: bin immerhin drauf gekommen))

Dabei habe ich einen Artikel im "Spektrum der Wissenschaft" gefunden, der das sinnvoll und zusammenhängend, verständlich erklärt, sodass ich mich nicht mal durch englischsprachige Magazine durchlesen musste. Der Trick ist simpel - diejenigen "Experten", die sowohl die korrekte Antwort wissen, als auch um die oft falsch angenommene Laienmeinung, verringern den Mittelwert der "Sicherheitsfrage". Kontext: Bei einem älteren Vorgänger der Studie war die zweite Frage "Sind Sie sicher?". Da sich aber sowohl der Wissende als auch der Glaubende bei solchen Fangfragen sehr sicher ist, funktioniert gerade bei dieser Art Fragen, wo die falsche Antwort derart intuitiv richtig scheint, die neue Variante wesentlich besser. Dies konnten die Forscher statistisch zeigen (sicherlich nicht mathematisch beweisen)

Ich weiß nicht, ob ich hier Links einfügen kann, daher:
"Drazen Prelec spektrum der wissenschaft" googlen!

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AufJedenFall 26.01.2017, 14:37
13.

Natürlich gibt es keine "statistisches Beweise", weil man mit statistischen Methoden nichts beweist, was auch gar nicht deren Ziel ist. Man möchte nur das möglichst wahrscheinliche herausfinden, was schon eine Herausforderung für sich sein kann. Im Text wird dann erzählt, dass die Forscher mathematisch bewiesen hätten, dass ihre Regel funktioniert. Das haben sie auch getan, aber halt nur für ihr Modell, was zu Grunde gelegt wurde. Und dieses hat wohl noch Optimierungsbedarf, wenn in der Praxis Ergebnisse entgegen dem "bewiesenden" entstehen. Entsprechend ist die Formulierung "mathematisch Bewiesen" nicht komplett falsch, man sollte eben den Rahmen für die Gültigkeit des Beweises mit angeben.

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7eggert 26.01.2017, 14:37
14.

Zitat von Ringmodulation
Am meisten ärgert mich, dass behauptet wird, etwas sei mathematisch bewiesen, aber durch die Praxis widerlegt worden. Wenn da stünde "statistisch bewiesen", wäre mir das egal. Aber mathematisch, das akzeptiere ich nicht. Mathematik ist kein Glücksspiel.
Auch dann wäre es falsch, denn Statistik-Lektion 1: Korrelation != Kausalität.

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fpa 26.01.2017, 14:39
15. Ist die Kontrollfrage so wirklich richtig wiedergegeben?

Zitat von peter_1974
Ich dachte ich hätte es verstanden. Und dann kamen die Beispiele... "...Diese zweite Prognosefrage funktioniert wie eine Art Sicherheitsüberprüfung: Nur wenn der Anteil der Ja-Stimmen mindestens so groß ist wie die Prognose für die Ja-Stimmen ist Ja tatsächlich die Lösung. Sonst ist Nein richtig...." Wenn in dem Meck-Pomm-Beispiel alle Teilnehmer von ihrer Antwort überzeugt sind, antworten doch 60% mit Ja -> 0,6 Ebenfalls 60% sagen "100% sagen Ja" und 40% sagen "100% sagen nein". Dann kommt am Ende ebenfalls 0,6 raus. Wie bei jeder Verteilung der "Prognose-Wahrscheinlichkeit", so lange sie über beide Gruppen nur gleichverteilt ist - d.h. die Richtig- und die Falsch-Gruppe gleich "selbstkritisch" ist. Damit haben wir 0,6>=0,6 und die Sicherheitsfrage wäre erfüllt, das falsche Ergebnis als richtig akzeptiert. Die Aussage "Damit liegt der Mittelwert der Prognose für Ja aber sehr wahrscheinlich über dem Anteil der Ja-Stimmen - die Sicherheitsüberprüfung schlägt fehl. " wäre doch nur dann richtig, wenn die 40% mit der richtigen Antwort "selbstkritischer" wären als die 60% mit der falschen Antwort. Warum sollte das der Fall sein? Oder habe ich da irgendwo einen Denkfehler drin?
Zumindest müsste wohl die zweite Frage: "Was glauben Sie, wie viele der anderen genauso antworten wie Sie?" wohl noch durch eine dritte Frage: "Wie sicher sind Sie sich, das Ihre Antwort richtig ist, ergänzt werden?"

Die Antwort auf die dritte Frage gibt doch eher einen Hinweis darauf, ob die eigene Antwort eher geraten oder gewusst ist. Das hieße im Beispiel, dass die Gewissheit über die Richtigkeit der eigenen Antwort bei den "Schwerin-Antwortern"größer sein dürfte als bei der "Rostock-Gruppe".

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bernhardbussek 26.01.2017, 14:51
16. Die richtige zweite Frage,

sollte wie folgt lauten. Wie sicher bist Du , dass Deine Entscheidung stimmt? Wenn unsichere Antworten ausgefiltert werden, wird das Mehrheitsvotum auch bei Ja/Nein Fragen sehr gute Ergebnisse liefern. Bei dem angeführten Beispiel der vielzitierten Viehauktion wird vergessen auf einen wichtigen Umstand hinzuweisen. Damals waren fast alle Teilnehmer bis zu einem bestimmten Grad Experten. Wer zu einer Mastviehauktion ging, war sehr wohl in der Lage sich eine fundierte Meinung über das Gewicht des Ochsen zu bilden.
Schwarmintelligenz funktioniert wunderbar, wenn sich diejenigen zurückhalten die von dem entsprechenden Gebiet keine Ahnung haben!

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fpa 26.01.2017, 15:04
17. Gute Idee

Zitat von straightly
Ich weiß nicht, ob ich hier Links einfügen kann, daher: "Drazen Prelec spektrum der wissenschaft" googlen!
werde ich heute Abend mal machen. Jetzt nur kurz:

Meine dritte Frage aus Beitrag 16, hieße, die Zweifel an meinem eigenen Wissen einzuschätzen, was mir z.B. sehr leicht fallen würde.

Die ursprüngliche Kontrollfrage, also meine zweite Frage aus #16, bedeutet hingegen (1.) meine Zweifel am Wissen anderer zu benennen, und (2.) dazu noch eine Prognose darüber abzugeben, wie viele von den nicht-wissenden anderen bornierte Nicht-Wisser sind, und wie viele von ihnen sich dann wieder durch reines raten statistisch aufteilen würden. D.h. die Einschätzung der Antworten auf diese zweite Frage ist ziemlich komplex.

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iimzip 26.01.2017, 15:12
18. Ja, aber...

''Schwarmintelligenz funktioniert wunderbar, wenn sich diejenigen zurückhalten, die von dem entsprechenden Gebiet keine Ahnung haben!'' Das ist dann aber keine Schwarmintelligenz mehr, sondern (wie selbst geschrieben) Expertenmeinung. - Auf diese Weise versuchen ja auch die Cleverles bei WWM, die unbeleckten "Rater" rauszuhalten, damit hinterher nicht A-D mit je 25% dastehen...

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ichliebeeuchdochalle 26.01.2017, 15:18
19.

Einer der vielen Artikel, bei denen ohne eigene Prüfung des Verfassers eine bestimmte Meinung einseitig aus Sicht des Protagonisten dargestellt wird. Das Zwei-Quellen-Prinzip des seriösen Journalismus wird absichtlich unterlassen. Damit ist der Inhalt des Artikels wertlos.

Warum sollten die Probanden wissen, daß Rostock die größte Stadt ist? Wer das schon weiß, weiß dann auch, daß es nicht die Hauptstadt ist. Gegen-These: Die Probanden nennen Rostock, weil sie öfter den Namen dieser Stadt gehört oder gelesen haben als den Namen Schwerin oder Wismar. Wer in NRW wohnt und Medien nutzt, weiß, daß Köln zwar viel größer ist als Düsseldorf. Aber er weiß auch, daß Köln nicht die Hauptstadt ist. Weil es ihm pro Tag, pro Woche, pro Monat dutzende Male in den Medien begegnet.

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