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Schweinepest: Im Kampf gegen die Seuche 836.865 Wildschweine erlegt
DPA

Nachbarländer melden die Ausbreitung der Schweinepest - noch kann sich Deutschland gegen die tödlichen Tierseuche schützen. Einen wichtigen Beitrag leisten Jäger - und ein neuer Elektrozaun.

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S.Albrecht 03.01.2019, 09:06
10. Was läuft hier schief?

"Hauptrisikofaktor für die Ausbreitung bleibt der Mensch" (Institut für Tiergesundheit).
"Die Jäger haben einen erheblichen Teil zur Prävention der Afrikanischen Schweinepest beigetragen" (Deutscher Jagdverband).
Wie passt das jetzt zusammen? Und wie passt das damit zusammen, dass ich bislang noch nicht gelesen habe, dass in nur einem einzigen konkreten Fall nachgewiesen ist, dass ein Bestand durch Wildschweine und nicht durch den Menschen über Transporte infiziert wurde? Wenn es so einen Fall gibt, korrigiert mich bitte und postet hier mal einen Link dazu. Das eigentliche Problem, die Ursache für die große Angst, durch eine Infektion des Bestandes großen "wirtschaftlichen" Schaden zu erleiden, nämlich die Intensivhaltung mit ihren Tausenden Tieren auf engstem Raum, bei denen sich die bei einer Infektion sofort alle Tiere betroffen wären, stellt hingegen niemand in Frage. Es könnte uns ja ans Billigschnitzel gehen. Statt dessen in epischem Ausmaß Wildschweine abschießen und Aktivität vorschützen. Und militärstrategisch anmutende Verteidigungsstrategien mit streng abgeriegelten Kernzonen und Pufferzonen drumherum. Da stimmt doch etwas nicht.

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quark2@mailinator.com 03.01.2019, 09:12
11.

Zitat von _gimli_
Um den Schwarzwildbestand in Deutschland zu senken, müssten erheblich mehr Wildschweine geschossen werden. Das sagt sich allerdings leichter, als es getan ist. Viele Jäger tun sich schwer, die Quoten zu erfüllen, weil Wildschweine nicht ganz einfach zu bejagen sind und das Fleisch in einigen Gegenden Deutschlands wegen der Cäsiumbelastung (hat natürliche Ursachen) nicht verkauft werden darf. Pro Jahr werden in Deutschland übrigens 1,2 Mio. Rehe geschossen. https://www.jagdverband.de/jagdstatistik
Alles gut und schön, aber das sind dennoch 850.000 Lebewesen und die werden mit Sicherheit nicht alle perfekt in den Kopf geschossen. Da werde ich ja wohl mal mein Mitgefühl äußern können. Und natürlich erstreckt sich selbiges auch auf die Rehe, zumal wir es durch Ansiedlung der Wölfe geschafft haben, denen das Leben zu versauen, also den Rehen. Ich weiß, daß die Welt kein Ponyhof ist, aber wenn eine Tierart nun durch eine Seuche und unsere Reaktion darauf so unter Druck gerät, dann tun mir die Biester halt leid.

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widower+2 03.01.2019, 09:12
12. Gerne!

Zitat von Pless1
Der beste Grund für die Bejagung: Das Schwarzwild ist eine natürliche Ressource gesunden und schmackhaften Fleisches, ganz ohne (Massen-) Tierhaltung, importierte Futtermittel oder Antibiotikaeinsatz. Mehr Bio geht nicht, ein artgerechteres Leben ebenfalls nicht. Wie sollten daher alle mehr Wild aus heimischen Regionen essen.
Nur ist Wildschweinfleisch aus deutschen Beständen nur höchst selten im Handel zu finden. Und wenn doch, dann zu Preisen, die weit jenseits dessen liegen, was sich Otto Normalverbraucher öfter leisten kann.

Eigentlich müsste Wildschwein bei derartig gestiegenen Abschussquoten ja billiger werden. Davon merkt man aber noch nichts.

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Koda 03.01.2019, 09:31
13. Wieviele Tiere wurden denn zuvor geschossen? Ohne Schweinepestfurcht?

Wurden die 865000 Tiere nur geschossen, weil sie die Schweinepest hatten bzw. dass man befürchtet hat, sie könnten sie haben, oder wären sie auch so geschossen worden, weil sie sonst aufgrund der Zahl keine eigenen Reviere mehr in den Wäldern gefunden hätten und in Städte und Dörfer abgewandert wären?

Vor allem: macht es Sinn, Wildschweine in Wäldern zu jagen, die nicht an Raststätten liegen bzw. wo es keine Mülleimer gibt oder Menschen verseuchtes Essen oder Futter hinterlassen?

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Hollowmen 03.01.2019, 09:40
14.

Zitat von quark2@mailinator.com
Ich weiß, daß die Welt kein Ponyhof ist, aber wenn eine Tierart nun durch eine Seuche und unsere Reaktion darauf so unter Druck gerät, dann tun mir die Biester halt leid.
Keine Sorge, der Schwarzwildbestand ist dadurch nicht gefährdet, den hat der Mensch durch den exzessiven Anbau von Futterpflanzen (Mais) für Biogasanlagen schon enorm in die Höhe getrieben.

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_gimli_ 03.01.2019, 09:59
15.

Zitat von widower+2
Nur ist Wildschweinfleisch aus deutschen Beständen nur höchst selten im Handel zu finden. Und wenn doch, dann zu Preisen, die weit jenseits dessen liegen, was sich Otto Normalverbraucher öfter leisten kann. Eigentlich müsste Wildschwein bei derartig gestiegenen Abschussquoten ja billiger werden. Davon merkt man aber noch nichts.
Den Grund finden Sie hier: https://www.welt.de/regionales/bayern/article154639428/Bayerns-Pilze-und-Wildschweine-strahlen-immer-noch.html

Ich kenne Gegenden Bayerns, in denen 80% der geschossenen Schweine als Sondermüll gehandhabt werden. Dementsprechend gering ist die Motivation der Jäger, Schweine zu erlegen.

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Pless1 03.01.2019, 10:05
16.

Zitat von widower+2
Nur ist Wildschweinfleisch aus deutschen Beständen nur höchst selten im Handel zu finden. Und wenn doch, dann zu Preisen, die weit jenseits dessen liegen, was sich Otto Normalverbraucher öfter leisten kann. Eigentlich müsste Wildschwein bei derartig gestiegenen Abschussquoten ja billiger werden. Davon merkt man aber noch nichts.
Wenden Sie sich einfach an die Jäger in Ihrer Region, Ansprechpartner finden Sie recht einfach im Internet, beispielsweise "Kreisjägerschaft [Name des Landkreises]" oder "Hegering [Name des Ortes]" googeln oder über die Seiten des Landesjagdverbandes Ihres Bundeslandes einsteigen.

Die Preise für die Wildschweine sind im Keller, die Jäger bekommen teilweise deutlich unter 1 € / Kilo, wenn man ganze Stücke an den Wildhandel abgibt. Früher war mal 5 € / Kilo ein gängiger Preis. Liegt natürlich auch an der Qualität. Ein rauschiger Keiler kann allenfalls in Tierfutter verarbeitet werden, ein Frischling oder Überläufer (also die Jungtiere, die den größten Teil der Jagdstrecke ausmachen) sind allerdings Delikatessen! Da die genannten Preise für ganze Stücke aber noch die Schwarte und die Knochen und das Haupt beinhalten sind ausgelöste Edelteile (also aus den Keulen, Schultern oder Rücken) natürlich teurer. Das ist auch echt Arbeit, das alles zu zerwirken. Trotzdem dürften Sie bei den Jägern vor Ort keine Probleme haben, für 10 Euro / kg einen tollen Wildscheinbraten zu bekommen. Aus Gehacktem vom Wildschwein kann man übrigens auch prima Burger machen, Wild muss nicht immer "klassisch" zubereitet werden.

Dass zwischen den Abgabepreisen der Jäger auf dem platten Land (hoher Angebotsdruck) und den Marktpreisen beim Endverbaucher in den Metropolregionen ein hohes Gefälle besteht hat mitterweile auch die Fleischindustrie erkannt, Tönnies und Co. kaufen aktuell in großem Stil ganze Jagdstrecken auf und tun dabei so, als ginge es ihnen nur darum, die Jäger bei der Abwehr der ASP zu unterstützen. Dabei nutzen sie ihre Vertriebsstrukturen einerseits, um die hohe Spanne abzugreifen und andererseits, um die Etablierung einer verkürzten Lieferkette an der Industrie vorbei zu unterbinden. Wenn sowohl Jäger als auch Verbraucher schlau sind, gehen sie diesem Plan nicht auf den Leim. Aber das ist leichter gesagt als getan, denn wer nach einer Drückjagd plötzlich 50, 70 oder gar über 100 Sauen vor sich liegen hat der braucht unmittelbar Abnehmer. Die kann man nicht nach Feierabend selbst verarbeiten und sich dann erst einmal in die eigene Kühltruhe packen, um sie vor Weihnachten optimal an eine Hand voll Stammkunden zu verteilen.

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_gimli_ 03.01.2019, 10:07
17.

Zitat von viceman
guter vorwand , die wildschweinbestände zu reduzieren. das ist sicher auch notwendig, denn die wölfe konnten da , bisher , auch wenig erreichen ... aber rein für die verhinderung der weiteren ausbreitung ist das reiner aktionismus . solange menschen - auch und gerade in deutschen städten - wildschweine füttern...
Die Reduktion der Wildschweinbestände steht seit längerem auf der Tagesordnung: https://www.mainpost.de/regional/wuerzburg/Ganzjaehrig-Jagd-auf-Wildschweine-Die-Schonzeit-wird-abgeschafft;art735,9893899
Wie schwierig das ist, zeigt die im verlinkten Artikel zu findende Aussage des Jägers: 30 Stunden für ein Wildschwein ist nicht für alle Gegenden repräsentativ, aber 15-20 Stunden sind es im Schnitt überall. Da hilft nur Drückjagd, aber die ist natürlich nicht immer und überall möglich.
Zum Thema Wölfe und Wildschweine: Wölfe sind kluge Tiere. Die greifen sich als erstes die wenig wehrhaften Tiere, also Rehe, Hirsche und Muffelwild. Um eine ausgewachsene Bache machen sie einen großen Bogen. Die Verletzungsgefahr ist zu groß und jeder Verlust schwächt das Rudel. Ich habe selbst schon gesehen, wie zwei Wölfe sich einem Dachs genähert haben und schnell abdrehten, als der in Angriffsposition ging und seine Zähne zeigte.

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_gimli_ 03.01.2019, 10:12
18.

Zitat von Koda
Wurden die 865000 Tiere nur geschossen, weil sie die Schweinepest hatten bzw. dass man befürchtet hat, sie könnten sie haben, oder wären sie auch so geschossen worden, weil sie sonst aufgrund der Zahl keine eigenen Reviere mehr in den Wäldern gefunden hätten und in Städte und Dörfer abgewandert wären? Vor allem: macht es Sinn, Wildschweine in Wäldern zu jagen, die nicht an Raststätten liegen bzw. wo es keine Mülleimer gibt oder Menschen verseuchtes Essen oder Futter hinterlassen?
Um Ihre Frage zu beantworten: https://www.jagdverband.de/jagdstatistik
Bisher wurden immer um die 600.000 Wildschweine pro Jahr geschossen. Der Bestand explodiert allerdings seit Jahren. Um hierzu mal eine Hausnummer zu nennen: Ohne Bejagung würde sich der Wildschweinbestand aufgrund der günstigen Nahrungsverhältnisse (Stichwort Maisanbau) und des Klimawandels (Stichwort milde Winter) pro Jahr in etwa VERDREIFACHEN.
https://www.jagdverband.de/content/aktuelle-jagdbilanz-589417-wildschweine-bundesweit-erlegt

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quark2@mailinator.com 03.01.2019, 10:12
19.

Zitat von bernd0963
ist für mich der massenhafte Abschuss von Wildtiere ! Das Hauptproblem ist und bleibt die Massentierhaltung und das nicht nur bei Schweinen, wir sollten ALLE mal über unsere Ernährung nachdenken und noch mehr über den "Billig - will ich Wahn" der fast jeden im Lande erfasst hat!
Äh, die Leute kaufen nicht billig, weil sie das wollen, sondern oft genug, weil sie es müssen. Und seit China etc. sich bessere Lebensmittel leisten kann, verschwinden diese halt aus dem Zugriff ärmerer deutscher Verbraucher. Es sollte doch aufgefallen sein, daß die Autos in DE nicht mehr alle so neu sind, wie noch 1990, oder ? Ja, off topic und ich sag auch nix mehr.

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