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Selbstbild: Innenansichten der Psyche

Uns selbst erscheint es stabil und klar, Forscher sehen in ihm ein sich ständig wandelndes Mosaik des Geistes: das Ich. "Gehirn und Geist"-Autor Steve Ayan erklärt, warum persönliches Erleben und Wissenschaft so weit auseinander klaffen - und warum unser Selbstbild so leicht manipulierbar ist.

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amrak 26.07.2010, 11:38
10. Glücksempfinden im Innen- oder Außenverhältnis?

Zitat von LouisWu
So ist es also wünschenswert, geistig behindert zu sein, weil man dann glücklicher ist? Halten Sie es für den höchsten Sinn des Daseins, "glücklich zu sein"? Sollte das der Fall sein, so ist "Glück" mittlerweile mit geeigneten Drogen und Medikamenten relativ einfach zu erreichen. Das wäre sicher passend für eine Gesellschaft, die den Hedonismus zur Quasi-Staatsreligion erklärt hat, jeder Konfrontation daher um jeden Preis ausweicht und von Bürgern mit immer schlechteren Nerven gebildet wird.
Eine interessante Gegenüberstellung. Da frage ich mich, was Sie unter Glück verstehen. Ihr schriftlich definiertes Glück stimmt lediglich im Kern überein, genauer gesagt dem behandelten Begriff selbst, besteht aber aus zwei gegensätzlichen Teilen, was die innerlichen Prozesse angeht. Insbesondere mit Hauptaugenmerk auf die von Ihnen hergestellte Verbindung zum höchsten Sinn des Daseins empfinde ich Ihre Aussage als "plakative Außenpolitik":

Ein Mensch mit angeborerer geistiger Behinderung verbindet Glück mit innerer Ruhe; gebunden an das Gefühl, in die "Vergleichsgruppe Gesellschaft" integriert zu sein. Dem ständigen Innen-Außen-Abgleich unterworfen besteht sein Ziel nicht im Erreichen eines Glückszustandes, sondern im Erhalt der inneren Ruhe. Dies ist einer der Grundpfleiler seines Lebensgefühls, der ihn am "normalen" Leben -soweit wie möglich- überhaupt teilhaben läßt.

Eine Person, die die Emotion Glück versucht mit Drogen oder Medikamenten zu erlangen gibt sich einer Illusion hin. Sie glaubt, das Empfinden selbst sei das Ziel und ist bestrebt etwas zu füllen, was dem eigenen Leben zu fehlen scheint. Dies um jeden Preis zu erhalten bedeutet Abhängigkeit. Kurrioserweise ebenfalls an die Reflektion gebunden, die sich an der Gesellschaft orientiert. Ihr Streben nach "Integration" verläuft ins Leere, weil sie sich durch ihr erstrebtes Lebensgefühl selbst neben die Gesellschaft stellt. Die Vorstellung einer sozialen Zugehörigkeit ist vollkommen verschoben, wird in Gesellschaft gleichgesinnter jedoch als Wahr empfunden.

Innenansicht: Mit Hauptaugenmerk auf Aufmerksamkeit und Sichtweise auf sich und andere leben beide in ihrer "eigenen Welt". Der auffälligste Unterschied zeigt sich jedoch in der Reaktion auf plötzliches Eintreten eines inneren Ungleichgewichtes. Beispielsweise fühlen sich beide angegriffen und reagieren als negatives Fallbeispiel instinktiv aggressiv. Während die erste Gruppe sich nach Eskallation zurückzieht, um ihr Gleichgewicht wieder herzustellen, rechtfertigt die zweite Gruppe ihre Unzulänglichkeit mit der Aussage: "Ich war nicht ich selbst!" In Bezug auf den Artikel ein für mich bedenkliches Wortspiel.

Außenansicht: Die Reaktion auf beide Fälle läuft in der Regel darauf hinaus, dass die erste Person als minderwertig beurteilt eingewiesen und die zweite unter dem Vorwand "Selbsterkenntnis" und der Gelobung nach "Besserung" freigesprochen wird. So lauten die Richtlinien der anderen Menschen, der etablierten sozialen Norm.

Was hat das für Sie als eine der scheinbar außenstehenden Personen im direkten Vergleich mit Glück zu tun und welche Bedeutung hat das für Ihr eigenes Selbstwertgefühl?

PS: Ich entschuldige mich für die fehlenden Fachwörter, mit der sich die theoretische Partei ausdrückt. Meine Frage bezieht sich auf die Praxis. Darum bitte ich Sie direkt im Vorfeld, sich nicht an begrifflichen Definitionen aufzuhängen.

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Wurst_1 26.07.2010, 14:23
11. @Scheidungskind

In Experimenten konnte tatsächlich herusgefunden werden - dass Glück nicht beständig ist. Aber auch, was man tun muss, um glücklich zu leben.
Deshalb ist die Glücksforschung wichtig: weil sie Wege aufzeigt, wie man glücklich leben kann und auch welche Wege nicht wert sind, weiter verfolgt zu werden

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helbig 27.07.2010, 12:30
12. Titel

Zitat von Scheidungskind
Oder wie ist es sonst erklärbar, dass die Glücksforschung das Glück nur für einen kurzzeitig erreichbaren Zustand hält? Mag ja für viele Menschen so sein - allein je einfacher ein Mensch gestrikt ist, umso zufriedener ist er - und dies jeden Tag! Ich behaupte gar, jeder von Geburt an geistig behinderte Mensch empfindet mehr Freude, als ein noch so gebildeter, erfolgreicher und hochbezahlter Manager und dies auch noch unabhängig von aktuellen familiären Verhältnissen. Dies mag den Idealen unserer Gesellschaft widersprechen - darum kümmert sich die Psyche aber nun mal nicht. Und so werden weiter Wahrsager, Astrologen und andere "einfühlsame Dienstleister" das Vertrauen weiter Bevölkerungskreise genießen.
Dazu passt wieder mal Hectors Reise:

5. Manchmal bedeutet Glück, etwas nicht zu begreifen.
7. Es ist ein Irrtum zu glauben, Glück wäre das Ziel.

Aber sind Bildzeitungsleser wirklich glücklicher?

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Scheidungskind 14.08.2010, 23:41
13. Lest Bild!

Zitat von helbig
Aber sind Bildzeitungsleser wirklich glücklicher?
Sie streben wenigstens nicht danach, ein gutes Image zu haben. Die haben die Ruhe weg und es nicht nötig, sich als gebildet o.Ä. darzustellen, um sich selber aufzuwerten und besser zu fühlen.

Zitat von Wurst_1
In Experimenten konnte tatsächlich herusgefunden werden - dass Glück nicht beständig ist. Aber auch, was man tun muss, um glücklich zu leben. Deshalb ist die Glücksforschung wichtig: weil sie Wege aufzeigt, wie man glücklich leben kann und auch welche Wege nicht wert sind, weiter verfolgt zu werden.
Das mag für Menschen zutreffend, sinnvoll und nötig sein, die nicht von sich aus glücklich sein können, weil sie etwa traumatisiert, depressiv oder ähnliches sind und sich innerlich leer und angreifbar fühlen.

Es gibt jedoch viele Menschen, die abseits der täglichen Sorgen stets optimistisch und gut gelaunt sind und im Inneren überzeugt sind, dass alles ein gutes Ende nehmen wird und dass man sich auf Freunde und Bekannte verlassen kann. Sie sind nicht ambitioniert oder cool aber gefühlvoll, hilfsbereit und bodenständig.

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