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"Sojus"-Raumschiffe: So hält Russland seine All-Taxis fit
AFP

Wenn Alexander Gerst demnächst ins All fliegt, ist er in einem russischen "Sojus"-Raumschiff unterwegs. Die ersten Modelle flogen vor mehr als 50 Jahren. Ist das ein Problem?

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zeichenkette 25.05.2018, 16:26
1. Tja, da gibt es nur ein Problem

Der russischen Raumfahrt fehlt das Geld für jegliche Neuentwicklungen. An großen Plänen herrscht kein Mangel, aber schon bevor letztes Jahr das Raumfahrtbudget um 30% gekürzt wurde, fehlte es an allen Ecken und Enden und jetzt erst recht. Und der Lastesel der russischen Raumfahrt (Proton) macht nicht nur eine Fehlschlagquote von fast 10% in den letzten Jahren zu schaffen, sondern jetzt auch die Konkurrenz von SpaceX. 2018 gibt es gerade noch einen einzigen kommerziellen Start auf einer Proton. All das wundert einen nicht weiter, denn mit einer Wirtschaftsleistung auf der Höhe der von Italien kann Russland einfach keine großen Sprünge machen. Viel mehr als Weiterverwendung von sowjetischer Technik der vergangenen Jahrzehnte ist da einfach nicht drin. Was nicht heißen soll, dass die Sojus kein tolles Raumfahrzeug wäre für den Zweck, für den sie gebaut ist (drei Leute mit minimaler weiterer Fracht in eine Erdumlaufbahn zu bringen).

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dechi1961 25.05.2018, 16:55
2. der unterschied

seit jahren versuchen die amis einen kugelschreiber zu entwickeln, der unter null-schwerkraftbedingungen funktioniert. die russen nehmen einfach einen bleistift

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rus.-ukrain.-deutscher 25.05.2018, 17:15
3.

Zitat von zeichenkette
Der russischen Raumfahrt fehlt das Geld für jegliche Neuentwicklungen. An großen Plänen herrscht kein Mangel, aber schon bevor letztes Jahr das Raumfahrtbudget um 30% gekürzt wurde, fehlte es an allen Ecken und Enden und jetzt erst recht. Und der Lastesel der russischen Raumfahrt (Proton) macht nicht nur eine Fehlschlagquote von fast 10% in den letzten Jahren zu schaffen, sondern jetzt auch die Konkurrenz von SpaceX. 2018 gibt es gerade noch einen einzigen kommerziellen Start auf einer Proton. All das wundert einen nicht weiter, denn mit einer Wirtschaftsleistung auf der Höhe der von Italien kann Russland einfach keine großen Sprünge machen. Viel mehr als Weiterverwendung von sowjetischer Technik der vergangenen Jahrzehnte ist da einfach nicht drin. Was nicht heißen soll, dass die Sojus kein tolles Raumfahrzeug wäre für den Zweck, für den sie gebaut ist (drei Leute mit minimaler weiterer Fracht in eine Erdumlaufbahn zu bringen).
Ich muss mich immer wieder fragen warum so viele im Westen, so wenig über Russland wissen. Der Ersatz für die Sojus steht schon in den Startlöchern und der unbemannte Test der "Federazija" beginnt ab 2021 und der erste bemannte Flug soll voraussichtlich 2024 stattfinden.
https://www.youtube.com/watch?v=iGr26nWRY-A

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genezyp kappen 25.05.2018, 17:38
4. Urban legend nicht auszurotten

dechi1961: "seit jahren versuchen die amis einen kugelschreiber zu entwickeln, der unter null-schwerkraftbedingungen funktioniert. die russen nehmen einfach einen bleistift" - Nein, weder noch. Der besagte Kugelschreiber ist von der privaten Firma Fisher Space Pen Co auf eigene Kosten entwickelt worden (vollendete Vergangenheit) und ist seit Jahrzehnten im Handel erhältlich. Diese Kugelschreiber wurden dann, zu Stückkosten von 6 (in Worten: sechs) US-Dollar pro Stück, sowohl von der NASA, als auch später von der sowjetischen Weltraumbehörde für sowjetische Raumflüge gekauft. Ein Bleistift, der in der Schwerelosigkeit elektrisch leitende und atemwegsgängige Krümmel erzeugt, ist in einer Raumkapsel eine der schlechtesten Lösungen. Aber dir urban legend von ach so dummen Amerikanern und ach so pragmatischen Russen ist wohl nicht auszurotten. Übrigens, bevor die Russen amerikanische Space Pens kauften, haben sie in ihrer Kapseln keine Bleistifte, sondern Filzstifte eingesetzt.

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spon-facebook-10000015195 25.05.2018, 17:53
5. Gerst ist sympathisch

Ich finde Alex Gerst super. Das ist ein richtig sympathischer Typ. Ich wünsche ihm alles Gute auf seiner neuen Mission. Und warum sollte eine Sojus Kapsel samt Rakete schlecht sein. Man kann es auch von der anderen Seite sehen - die Technik der Sojus-Reihe funktioniert schon 60 Jahre. Da teile ich Alexander Gersts Meinung. Es muss nicht alles bling-bling sein und überall hochauflösende Anzeigen haben. Es reicht wenn es gut funktioniert und das tut, wofür es gebaut wurde.

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quark2@mailinator.com 25.05.2018, 19:23
6.

Zitat von rus.-ukrain.-deutscher
Ich muss mich immer wieder fragen warum so viele im Westen, so wenig über Russland wissen. Der Ersatz für die Sojus steht schon in den Startlöchern und der unbemannte Test der "Federazija" beginnt ab 2021 und der erste bemannte Flug soll voraussichtlich 2024 stattfinden. https://www.youtube.com/watch?v=iGr26nWRY-A
Danke für den Link. Interessanter Film. Hoffen wir mal, daß die neue Angara/Federacija-Rakete es auch auf diese beeindruckende Sicherheitsbilanz der Soyus bringen wird. Tja, Russland baut diverse Startplätze aus, entwickelt neue Raketen und Raumschiffe ... auch Korea und Japan haben ihre Programme, Indien, China, die USA sowieso. Und Deutschland ... wir reden uns ein, die französische Ariane wäre irgendwie europäisch ... Ja, ich weiß, Deutschland liefert Zeugs dafür und bezahlt auch dafür und irgendwann dürfen wir auch mal mitfliegen. Aber am Ende des Tages hat ausgerechnet das Land, das die ersten funktionierenden Großraketen schuf (aus niederträchtigen Gründen, schon klar) und dessen Know-How beide Großmächte nutzten, nichts in der Hand, was selber fliegen kann. So wie es ja inzwischen auch bei Flugzeugen und Hubschraubern ist. Insofern sehe ich keinen Grund, den Fortschritt Russlands gering zu schätzen. Gerade auch in Anbetracht der dortigen Probleme finde ich es eher beeindruckend, wieviele Fortschritte sie weiter machen.

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die_drei_fragezeichen 25.05.2018, 20:34
7. Tja, da gibt es wohl tatsächlich ein Problem...

Anstatt sich für Alex Gerst zu freuen fängt an zeichenkette oberlehrermäßig hier unkompetent über Sachen zu äußern, die nichts mit dem Thema zu tun haben. Zuverlässigkeit im Weltraum hat die oberste Priorität, die 40 Jahre ohne Unfälle ist eine Leistung, die noch lange ihres Gleichen suchen wird. Und Sie fangen hier an über russische Raumfahrt her zu ziehen. Wie armselig. Was haben Sie denn so großes in Ihrem Leben vollbracht? Ich tippe mal nicht viel, denn Menschen die etwas erreicht haben wissen, dass nicht die Abwesenheit von Problemen, sondern die Fähigkeit sich ihnen zu stellen für den Erfolg entscheidend ist.

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thomas_linz 25.05.2018, 23:59
8. Zeichenkette hat doch Recht

Die russische Raumfahrt krankt am Geld, Proton, Sojus5, Angara. Das ist aber nicht nur in Russland ein Problem. Auch die NASA ist inzwischen in einigen Kompetenzen Steigbuegelhalter und Know How Lieferant fuer die Privatwirtschaft. Schlecht ist das nicht unbedingt. Und wenn es um Nichtanerkennung von Leistungen geht, da kann man bei SpaceX ein Lied davon singen.

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mcpoel 26.05.2018, 12:08
9. Wie beim KFZ

Das ist wie beim KFZ. Leider greifen Gesetzgeber oft ein, und fördern komplexe Elektronik. Warum ist“alt“ denn immer schlecht, wie die Überschrift suggeriert? Altes ist oft zuverlässiger, weil es sich bewährt hat. Beispiel: gestern blieb ich liegen, weil mein Firmenfahrzeug plötzlich nicht mehr auf‘s Gaspedal reagierte. Bei älteren Motoren hätte man noch manuell das Fahrzeug nach Hause bekommen (Seilzug...). Bei soviel Elektronik müßte ich mir erst einen teueren Diagnoserechner kaufen (OBD genügt da nicht...), um überhaupt zu wissen, wo man anfangen kann, das Problem zu finden. Und man erinnere sich an die Fahrzeuge der 80er: rosteten, aber der Technik war transparent und mit mäßigem Aufwand reparierbar. Sowas brauchen wir wieder!

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