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Spanische Grippe : Forscher finden Erklärung für verheerende Pandemie
AP/ National Museum of Health

50 Millionen Menschen tötete die Spanische Grippe von 1918 bis 1920. Forscher haben nun eine Erklärung für den verheerenden Verlauf gefunden: Ausgerechnet jungen Erwachsenen fehlte demnach die Immunität gegen das Virus.

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vogtnuernberg 29.04.2014, 16:04
1. Widersprüchlich

Einerseits wird gesagt, die jungen Menschen waren nicht immun gegen den H1N1 Erreger daher lag die Letalität relativ hoch.

Auf der anderen Seiten wird aber gesagt, dass die meisten an den bakteriellen Infektionen der Lunge starben. Diese bakteriellen Erreger waren aber doch nicht "neu", sondern es handelte sich um gängige Erreger, gegen die eigentlich Immunität hätte bestehen müssen?

Dieser Widerspruch besteht für mich immer noch.

Könnte es nicht vielmehr sein, dass gerade in Europa, wo das Virus am heftigsten wütete aufgrund der schlechten Versorgungslage eine allgemeine Immunschwäche der Menschen vorherrschte?

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vogtnuernberg 29.04.2014, 16:05
2. Widersprüchlich

Einerseits wird gesagt, die jungen Menschen waren nicht immun gegen den H1N1 Erreger daher lag die Letalität relativ hoch.

Auf der anderen Seiten wird aber gesagt, dass die meisten an den bakteriellen Infektionen der Lunge starben. Diese bakteriellen Erreger waren aber doch nicht "neu", sondern es handelte sich um gängige Erreger, gegen die eigentlich Immunität hätte bestehen müssen?

Dieser Widerspruch besteht für mich immer noch.

Könnte es nicht vielmehr sein, dass gerade in Europa, wo das Virus am heftigsten wütete aufgrund der schlechten Versorgungslage eine allgemeine Immunschwäche der Menschen vorherrschte?

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Byrne 29.04.2014, 16:22
3. Irrtum

Zitat von vogtnuernberg
Einerseits wird gesagt, die jungen Menschen waren nicht immun gegen den H1N1 Erreger daher lag die Letalität relativ hoch. Auf der anderen Seiten wird aber gesagt, dass die meisten an den bakteriellen Infektionen der Lunge starben. Diese bakteriellen Erreger waren aber doch nicht "neu", sondern es handelte sich um gängige Erreger, gegen die eigentlich Immunität hätte bestehen müssen? Dieser Widerspruch besteht für mich immer noch. Könnte es nicht vielmehr sein, dass gerade in Europa, wo das Virus am heftigsten wütete aufgrund der schlechten Versorgungslage eine allgemeine Immunschwäche der Menschen vorherrschte?
Nein, das ist kein Widerspruch. Die Grippe wird durch ein Virus ausgelöst. Gegen viele Viren kann man sich entweder durch Impfung oder schon durchlebte Infekte Immunisieren. Bei Bakterien geht dies nicht. Salopp gesagt: der halbwegs gesunde Mensch, der normalerweise die bakterielle Lungenentzündung mit Ach und Krach wegstecken kann, geht an dieser zugrunde, wenn der Körper durch das Grippevirus stark geschwächt ist und deshalb die körpereigenen Abwehrkräfte die Bakterien nicht mehr in den Griff bekommen.

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xebudig 29.04.2014, 16:26
4. Ein wenig von allem ..

Das Immunsystem vollbringt keine Wunder und wenn es eine Infektion bekämpft ist es weniger effizient gegen eine andere paralelle Infektion. Die klassische Tuberkolose z.B. ist für einen gesunden Menschen "nahezu harmlos". Sie verbreitet sich aber gerne in Krankenhäusern und Alterheimen.
Auch hat die spanische Grippe keineswegs nur in Europa gewütet, sie ist nur hier am besten dokumentiert.
Alles ain allem kamen alle genannten Faktoren zusammen. Kriegszeiten mit schlechter Ernährung und eine neue Grippevariante die das Immunsystem unter starken Stress gesetzt hat (dies war das Ergebnis füherer Untersuchungen. Scheinbar löst der Virus bei Erstinfektion ohne Vorimmunität eine besonders starke Immunantwort aus).

Zitat von vogtnuernberg
Einerseits wird gesagt, die jungen Menschen waren nicht immun gegen den H1N1 Erreger daher lag die Letalität relativ hoch. Auf der anderen Seiten wird aber gesagt, dass die meisten an den bakteriellen Infektionen der Lunge starben. Diese bakteriellen Erreger waren aber doch nicht "neu", sondern es handelte sich um gängige Erreger, gegen die eigentlich Immunität hätte bestehen müssen? Dieser Widerspruch besteht für mich immer noch. Könnte es nicht vielmehr sein, dass gerade in Europa, wo das Virus am heftigsten wütete aufgrund der schlechten Versorgungslage eine allgemeine Immunschwäche der Menschen vorherrschte?

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mcvitus 29.04.2014, 16:27
5. Wissenschaft

will nicht glauben sondern wissen!

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joe87 29.04.2014, 16:29
6. optional

@vogtnuernberg
Durch die Infektion mit der Grippe kann das Immunsystem so beeinträchtigt werden, dass es anfällig für Erreger wird, mit denen es unter normalen Umständen keine Probleme hätte. Daher verschreibt ein Hausarzt in besonders schlimmen Fällen zusätzlich Antibiotika um dies vorzubeugen.

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ionenkanalarbeiter 29.04.2014, 16:34
7.

Zitat von vogtnuernberg
Einerseits wird gesagt, die jungen Menschen waren nicht immun gegen den H1N1 Erreger daher lag die Letalität relativ hoch. Auf der anderen Seiten wird aber gesagt, dass die meisten an den bakteriellen Infektionen der Lunge starben. Diese bakteriellen Erreger waren aber doch nicht "neu", sondern es handelte sich um gängige Erreger, gegen die eigentlich Immunität hätte bestehen müssen? Dieser Widerspruch besteht für mich immer noch. Könnte es nicht vielmehr sein, dass gerade in Europa, wo das Virus am heftigsten wütete aufgrund der schlechten Versorgungslage eine allgemeine Immunschwäche der Menschen vorherrschte?
Ist kein Widerspruch. Durch die Grippeviren wird das Immunsystem geschwächt. Als Folge haben Bakterien, mit denen das Immunsystem normalerweise fertigwerden würde, leichtes Spiel. Das Protein PB1-F2, eine Frameshift-Variante des PB1-Gens von Influenza, scheint da involviert zu sein. Da gibt es auch Publikationen drüber. Suchen sie mal nach "Influenza A Virus PB1-F2 Protein Contributes to Viral Pathogenesis in Mice" von Zamarin et al. (2006), Journal of Virology. Bei diesem Protein gibt es verschiedene Varianten, bei denen man einen Zusammenhang mit der Pathogenizität gefunden hat. Die Publikation müsste ich aber erst suchen.

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2Naturwiss 29.04.2014, 18:13
8.

Warum traf es denn besonders 25-29 Jahre alte Menschen? Warum nicht auch viele 0-20 Jahre alte? Diese hatten sicher auch noch keinen Kontakt mit dem Erreger. Die Theorie macht keinen Sinn.

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cassandros 29.04.2014, 18:28
9. Hilfst du mir, Influ? - Ja, is' gut, Pneumo!

Zitat von ionenkanalarbeiter
Ist kein Widerspruch.
Soweit richtig.
Zitat von ionenkanalarbeiter
Durch die Grippeviren wird das Immunsystem geschwächt. Als Folge haben Bakterien, ....
Das ist fraglich.

Die pandemische Influenza von 1918 zeichnete sich durch eine besonders hohe Virulenz des Erregers aus.
Influenzaviren befallen die Schleimhäute der Atemwege.
Bei der Massenvermehrung und Freisetzung der Viren gehen die Mukosazellen zugrunde!
Dadurch ist eine Eintrittspforte für Sekundärerreger gegeben! Hier ist die Ursache für die große Zahl sekundärer baktiereller Pneumonien zu suchen.
Es kam also zu einer übermäßigen Schädigung des schon angegriffenen Lungengewebes mit fatalen Folgen.

Eine vorhandene zumindest partielle erworbene (adaptive) Immunität gegen das Influenzavirus hätte zu einem weniger fulminantem Verlauf der viralen Infektion mit einer weniger ausgeprägten Schädigung des die tiefen Bronchien und die Lungen auskleidenden Epithels geführt.

Eine "Überforderung" des Immunsystems durch die Viren, sodaß keine "Reserven" für den Kampf gegen Bakterien mehr gegeben sind, ist infolge der Funktion des adaptiven Immunsystems eine abwegige Annahme!
(So wird zum Beispiel die Bildung von Antikörpern gegen Viren einer- und Bakterien andererseits aufgrund der Spezifität der Antigen/Antikörper-Wechselwirkung von jeweils anderen und unabhängigen Klonen B-lymphozytärer Plasmazellen bewerkstelligt. Eine destruktive Interferenz dieser Effektormechanismen ist per se nicht anzunehmen.)

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