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Sprachforschung: Warum Deutsche so viele Wörter für Schnee kennen
Corbis

Die Deutschen haben mehr Wörter für Schnee als andere - das liegt nicht nur am kühlen Klima: Eine Untersuchung zeigt, warum Begriffe entstehen.

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rreniar 19.04.2016, 13:42
10. Andere Sprachen - Dialekte...

Zitat von themistokles
Vielen Dank, sehe ich ganz genau so. Wir kennen Schnee. Alles anderen Wortkombinationen sind Eigenschaftsbeschreibungen von unterschiedlichen Schneesorten. Dies es auch so in anderen Sprachen gibt.
Ja, ich seh's genauso. Im Deutschen kann man Wörter schnell neu bilden, indem man Eigenschaft und Substantiv oder verschiedene Substantive zusammenzieht. Andere Sprachen sind da weniger flexibel und da gibt's dann statt eines einzelnen Wortes einen ganzen Satz um eine Sache zu beschreiben. Diese Sätze und Wortzusammensetzungen werden aber nicht als eigenständige Wörter gezählt.

Zum anderen finde ich es ein wenig problematisch mundartliche Ausdrücke für Schnee "Sulz" (?) einfach mal so dem Hochdeutschen zuzuschlagen. Da kann man dann munter diskutieren, was noch Dialekt ist und was schon als eigene Sprache gilt. Jedenfalls sind diese Wörter ja erstmal nur regional verbreitet und wurden dann eher von Meterologen und Schneeforschern verbreitet um einzelne Schneearten zu klassifizieren. Das liegt dann aber weniger am Klima als am wissenschaftlichem Arbeiten.

Vermutlich besitzen die Inuit auch eine Menge Wörter für Schnee, das Verbreitungsgebiet dieses Volkes erstreckt sich ja auch über eine große Fläche und es dürfte mehrere regionale Sprachen und Dialekte geben. Ob der Durchschnittsinuit aber auch eine Vielzahl unterschiedlicher "Schneewörter" in seinem täglichen Leben gebraucht ist eine andere Sache.

Insofern erscheint mir der wissenschaftliche Wert der im Artikel erwähnten Studie doch etwas zweifelhaft.

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spondk 19.04.2016, 13:54
11. Eskimos

Die Eskimos hat mehr als 70 verschiedene Wörter für Schnee

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Tiananmen 19.04.2016, 14:01
12.

Zitat von dasdondel
Das halte ich für falsch : zum Beispiel gibt es in jeder Sprache ein Wort für "Mutter", gerade weil (fast) jeder eine Mutter in seiner unmittelbaren Umwelt hat. Es gibt das Wort Mutter, weil es Mütter gibt, gäbe es keine Mütter, dann gäbe es auch kein Wort dafür. Umgekehrt gilt : es gibt keine Worte, für Dinge, die es nicht gibt. möglicher Einwand : "Weltraumbahnhof" - gibt's nicht ? Moment ich mal's mal auf ein Stück Papier.
Also, ich glaube, dass Ihr Beispiel es genau trifft. Es gibt ein Wort für Mutter; Mama, Mutti differenzieren keine verschiedenen Arten von Müttern. Bei Schnee gibt es eben verschiedene Arten, die Konsistenz, Tragfähigkeit, etc. beschreiben. Es ist von Bedeutung, ob ich auf meinem Weg mit Sulz oder Harsch rechnen muss. probieren Sie´s mal aus. Der spezielle Blutschnee leitet zum entsprechenden Regen über: mit Saharasand vermischter Regen (obgleich es das Phänomen auch mit Rotalgen geben soll). Egal, spülen Sie die Rückstände vorsichtig von Ihren Autodach, bevor Sie wischen. Wenn´s keine Algen sind, dann gibt es Kratzer. Bei Regen haben wir den Gewitter-, Sprüh-, Land-, Platz-, Schnee-, Dauerregen, Graupel, Hagel und wahrscheinlich regional noch andere. Wir sollten unsere britischen Freunde dazu fragen ;- )

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g_bec 19.04.2016, 14:21
13. Nicht ganz.

Zitat von rreniar
Ja, ich seh's genauso. Im Deutschen kann man Wörter schnell neu bilden, indem man Eigenschaft und Substantiv oder verschiedene Substantive zusammenzieht. Andere Sprachen sind da weniger flexibel und da gibt's dann statt eines einzelnen Wortes einen ganzen Satz um eine Sache zu beschreiben. Diese Sätze und Wortzusammensetzungen werden aber nicht als eigenständige Wörter gezählt. ...
Wortkombis sind wohl eher doch eigenständige Wörter. Als Gegenbeispiel: "Mutter"
Eine Schwiegermutter ist keine Mutter für das Schwiegerkind in diesem Sinne, obwohl sie eine Mutter ist. Und eine Großmutter nur im übertragenen Sinne (nämlich als Mutter der Mutter). Auch eine Pflegemutter ist nicht zwingend eine Mutter im ursprünglichen Sinne ebenso wenig wie eine Herbergs- oder gar Puffmutter. Auch eine Stiefmutter ist, traut man den Märchen der Gebrüder Grimm, eher das Gegenteil einer Mutter. Und alle Wörter sind deshalb eigenständige Wörter, die durch Zusammensetzung entstanden sind.
So ist Blutschnee also auch ein eigenes Wort (vor allem im Vergleich zum Pulver- oder Neuschnee;-).

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wandfarbe 19.04.2016, 14:27
14.

Ich verstehe den Sinn dieser Untersuchung nicht: ich nehme das Wort Schnee und setze ein beschreibendes Adjektiv vorweg. Dann ist doch die Zahl der Adjektive maßgeblich, es bleibt aber immer beim Schnee. Oder sind Essiggurke und Salzgurke nebst Salatgurke auch drei verschiedene Wörter für die Gurke?

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querulant_99 19.04.2016, 14:28
15.

Zitat von spondk
Die Eskimos hat mehr als 70 verschiedene Wörter für Schnee
Ich habe kürzlich gelesen, “Eskimo“ sei nicht mehr politisch korrekt, wenngleich ich die Begründung nicht nachvollziehen konnte.

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forza_del_destino 19.04.2016, 14:46
16. Könnte es sein,

Zitat von querulant_99
Ich habe kürzlich gelesen, “Eskimo“ sei nicht mehr politisch korrekt, wenngleich ich die Begründung nicht nachvollziehen konnte.
alle Inuit sind Eskimos, aber nicht alle Eskimos sind Inuit?

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münchen1975 19.04.2016, 14:54
17. Ein urbaner Mythos

Bei der Behauptung, die Eskimos (oder Inuit, wie man heute politisch korrekt zu sagen hat) hätten dutzende von Wörtern für Schnee, scheint es sich eher um eine seit hundert Jahren wiederholte Zeitungsente zu handeln, die im Laufe der Zeit immer größere Dimensionen annahm. Dazu gibt es einen eigenen Wikipedia-Artikel, unter https://de.wikipedia.org/wiki/Eskimo-Wörter_für_Schnee :

Zitat von
Zuerst erwähnt wurde die Thematik 1911 von dem Ethnologen und Sprachwissenschaftler Franz Boas. Boas war Kulturrelativist und wollte u. a. mit diesem Beispiel zeigen, wie verschiedene Völker die phänomenale Welt über die Sprache unterschiedlich klassifizieren. Er nannte zunächst vier unterschiedliche Lexeme, die ihm zufolge „Schnee am Boden“, „fallender Schnee“, „driftender Schnee“ und „Schneewehe“ bezeichnen, und kontrastierte sie mit Englisch snow, dem angeblich einzigen Wort für das Konzept in dieser Sprache. Damit wollte er zeigen, dass sich in dem Vokabular der verschiedenen Sprachgemeinschaften Züge ihrer Kultur und Lebensweise widerspiegeln. (...) Diese Überlegungen wurden von den Medien aufgegriffen und popularisiert. Im Laufe der Zeit vermehrte sich die vermeintliche Anzahl der Wörter für Schnee im vermeintlichen Eskimo von vier auf 100 Wörter.
Zudem sind die Eskimosprachen (Ja, es gibt nicht nur eine einzige!) polysynthetisch. Was das bedeutet, wird mit folgendem Zitat aus Kathrin Passigs Erzählung Sie befinden sich hier anschaulich erläutert:

„Eskimos haben, wie einfallslose Mitmenschen an dieser Stelle gern in die Konversation einwerfen, unzählige Wörter für Schnee. Vermutlich soll damit auf die abgestumpfte Naturwahrnehmung des Stadtbewohners hingewiesen werden. Ich habe keine Geduld mit den Nachbetern dieser banalen Behauptung. Die Eskimosprachen sind polysynthetisch, was bedeutet, dass selbst selten gebrauchte Wendungen wie „Schnee, der auf ein rotes T-Shirt fällt“ in einem einzigen Wort zusammengefasst werden. Es ist so ermüdend, das immer wieder erklären zu müssen.“

Der Artikel nennt auch eine Anzahl deutscher Wörter für verschiedene Schneearten: Neuschnee, Altschnee, Pulverschnee, Harsch, Bruchharsch, Eisschnee, Pappschnee, Feuchtschnee, Sulzschnee, Schneematsch, Faulschnee, Griesel und Firn.

Insgesamt haben die Eskimos wohl auch nicht viel mehr Wörter für Schnee als andere Völker.

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anders_denker 19.04.2016, 15:13
18. WEnn Pulvriger schnee frisch gefallen ist ist er Neuschnee

aber auch noch immer Pulverschnee. Ab wenn ist er nur noch Pulverschnee? Und wenn er antaut verklebt wird er zu Pappschnee, der nachts durch die Kälte verharrscht. Am folgenden Tag taut er dann durch regen durch und alles ist voller Sulz... jo mai!

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brehn 19.04.2016, 15:28
19. hui

Die wollen also allen Ernstes behaupten, man würde für Sachen welche häufiger im persönlichen Umfeld vorkommen ausgeprägtere Beschreibungsmöglichkeiten haben als für Sachen welche sogut wie garnicht vorkommen? Unglaublich, bahnbrechend....zzZZzz

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