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Steile These: Nein, Intelligenz wird nicht ausschließlich von Müttern vererbt
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"Von diesem Elternteil erben Kinder ihre Intelligenz", "Sorry Männer, aber Intelligenz wird von Müttern vererbt" - diese Meldung macht gerade die Runde. Da ist nicht viel dran.

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germ 14.10.2016, 16:59
70. Mich

Zitat von frenchie3
an was die Eltern intelligenter Kinder glauben. Letztlich hilft es wenig intelligent auf die Welt zu kommen wenn man das nicht ausbauen kann, sprich Forderung und Förderung. Dazu soziale Leitung um keine kriminellen Genies aufzuziehen. Irvendwie wird Intelligenz überbewertet, man braucht die ja nicht mal um in Amerika Präsidentschaftskandidat zu werden
hat mal eine Frau sehr beeindruckt, die eine durchschnittliche Bildung hatte, aber eine beindruckende "Bauernschläue" besaß. Oder ist Bauernschläue nichts anderes als Intelligenz?

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michael.staedtler 14.10.2016, 17:00
71.

"... die so schön klingt, dass man sie schlecht ignorieren kann"

Wie ist das denn bitte zu verstehen? Wenn Intelligenz von Männern nicht vererbt wird ist das "schön"? Nun, jeder hat seine eigene Ansicht, der Satz ärgert mich jetzt aber schon!

"Obwohl das X-Chromosom nur 3,4 Prozent der menschlichen Gene enthalte..."

Ehrlich, ist das so? Damen werden aus nur 3,4 % der menschlichen Gene konstruiert? Dann kann ich verstehen wenn man dort gerne möglichst entscheidende Gene lokalisieren möchte :)

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reuanmuc 14.10.2016, 17:19
72.

Zitat von michael.staedtler
Ehrlich, ist das so? Damen werden aus nur 3,4 % der menschlichen Gene konstruiert? Dann kann ich verstehen wenn man dort gerne möglichst entscheidende Gene lokalisieren möchte :)
Die Gene von Mensch und Schimpanse unterscheiden sich nur in 1,5% der Gene, zwischen Mensch und Maus sind es nur 5%! Die Gemeinsamkeiten sind viel größer als die äußeren Unterschiede. Man darf die Genregulation nicht vergessen, die bei der embryonalen Entwicklung eine entscheidende Rolle spielt. Einzelne (Regulator)Gene können dadurch einen ganzen Entwicklungspfad mit vielen Einzelmerkmalen verändern, indem sie eine Reihe von Genen an- oder abschalten, besonders in frühen Entwicklungsstadien. Dazu gibt es illustrative Experimente an der Fruchtfliege (Drosophila). Ein solches Regulatorgen gibt es auch bei der Entwicklung der Augen (PAX6), das hoch konserviert ist, d.h. in der Evolution weit zurück reicht und in vielen Tierstämmen vorhanden ist.

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michael.staedtler 14.10.2016, 17:44
73.

Zitat von reuanmuc
Die Gene von Mensch und Schimpanse unterscheiden sich nur in 1,5% der Gene, zwischen Mensch und Maus sind es nur 5%! Die Gemeinsamkeiten sind viel größer als die äußeren Unterschiede. Man darf die Genregulation nicht vergessen, die bei der embryonalen Entwicklung eine entscheidende Rolle spielt. Einzelne (Regulator)Gene können dadurch einen ganzen Entwicklungspfad mit vielen Einzelmerkmalen verändern, indem sie eine Reihe von Genen an- oder abschalten, besonders in frühen Entwicklungsstadien. Dazu gibt es illustrative Experimente an der Fruchtfliege (Drosophila). Ein solches Regulatorgen gibt es auch bei der Entwicklung der Augen (PAX6), das hoch konserviert ist, d.h. in der Evolution weit zurück reicht und in vielen Tierstämmen vorhanden ist.
Der Satz war mehr als Scherz bzgl. der puren Anzahl der Gene auf X- und Y- Chromosom gedacht :)

Ich bedanke mich für die ausführliche und informative Antwort! Dies motiviert mich, mein Wissen in diesem interessanten Fachgebiet zu erweitern.

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reuanmuc 14.10.2016, 18:03
74.

Zitat von michael.staedtler
Der Satz war mehr als Scherz bzgl. der puren Anzahl der Gene auf X- und Y- Chromosom gedacht :)
Das hatte ich mir schon gedacht. Daher meine Antwort, die etwas off topic war. Aber das ganze Gebiet ist hoch interessant und viele Erkenntnisse dazu sind noch sehr jung. Zur Genetik der Intelligenz und zu IQ-Tests empfehle ich Eric Turkheimer.
http://people.virginia.edu/~ent3c/vita1_turkheimer.htm

Besonders empfehle ich dieses Dokument:
http://people.virginia.edu/~ent3c/papers2/Articles for Online CV/Nisbett(2012) .pdf

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Günter Rudolphi 14.10.2016, 18:24
75. Intelligenz ist ein sehr vielschichtiger Begriff

und neben den Genen hat auch die Umwelt über Erfahrung und Erziehung / Bildung usw. einen Einfluß, statistisch und prozentual gesehen.
Intelligente Eltern werden auch diesen nichtgenetischen Anteil erhöhen wollen. Daneben darf m.E. das geschlechtsspezifische Verhalten bei der Partnerwahl nicht vernachlässigt werden, das dürfte auch noch in alle Statistiken eingehen, da das nicht nach dem reinen (statistischen) Zufallsprinzip erfolgt. Wie sehen statistisch die Relationen bei der partnerschaftlichen Intelligenzverteilung aus?
Würde der mütterliche Anteil denn so deutlich überwiegen, könnten sich Frauen statistisch betrachtet auch weniger intelligente Partner suchen, Männer müßten sich dagegen besonders intelligente Frauen als Partnerinnen suchen. Das scheint sich aber so nicht abzubilden in unseren Gesellschaften, damit aber scheint die männliche Intelligenzvererbung doch nicht so signifikant gering zu sein.
Als Exempel: Kinder aus Eltern mit Mann IQ 110 und Frau IQ 90 müßten also weniger intelligent sein als Kinder aus Eltern mit Mann IQ 90 und Frau IQ 110, bei dieser Hypothese.

Gibt es denn auch dazu noch Studien mit signifikanten Ergebnissen, keinen Zufallsergebnissen?
Denn sonst hätten sich Studien auf ganz dünnes Eis begeben und wären m.E. mehr für gewisse "Gender-Studies" geeignet, aber nicht für wirklich seriöse Wissenschaft.

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tl-hd 14.10.2016, 18:37
76.

Zitat von michael.staedtler
Ehrlich, ist das so? Damen werden aus nur 3,4 % der menschlichen Gene konstruiert?
Das kann man so nicht sagen. Es ist ja nicht so, dass auf dem X-Chromosom die Gene lägen, die für die weiblichen Geschlechtsmerkmale verantwortlich sind. Vielmehr liegen auf dem Y-Chromosom die Gene, die (wie bereits von anderen Foristen erwähnt auch über Genregulation) dafür verantwortlich sind, dass männliche Geschlechtsmerkmale ausgeprägt werden. Das zeigt sich daran, dass Menschen, die nur ein X-Chromosom (und kein Y-Chromosom) besitzen, phänotypisch (also vom Erscheinungsbild her) weiblich sind, die so genannten Turner-Frauen (mit Genotyp X0).

Der Unterschied zwischen Mann und Frau wird durch die Geschlechtshormone Testosteron bzw. Östrogen bestimmt. Das wird dadurch offensichtlich, dass die Gabe des jeweils anderen Hormons bei einem Menschen die typischen sekundären Geschlechtsmerkmale des anderen Geschlechts erzeugt (z.B. schwillt einem Mann, dem man Östrogen spritzt, die Brust).

Die Bedeutung der Genregulation für den Phänotyp zeigt sich dabei darin, dass in der Biosynthese der Geschlechtshormone Männer beim Testosteron "aufhören", während Frauen dieses Hormon noch zum Östrogen umwandeln. Dieser Schritt vom Testosteron zum Östrogen ist also beim Mann abgeschaltet, obwohl er in seinem Erbgut alle dafür notwendigen Gene besitzen muss (schließlich hat er das Erbgut einer Turner-Frau plus dem Y-Chromosom).

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tl-hd 14.10.2016, 18:43
77.

Was soll den "Mitose-DNA" sein? Meinen Sie vielleicht mitochondriale DNA? Die hat mit Mitose nichts zu tun, sondern liegt außerhalb des Zellkerns in den Mitochondrien. Diese werden allein über die Eizelle (und somit ausschließlich in mütterlicher Linie) vererbt, sind aber meines Wissens nicht direkt and der Mitose beteiligt. Nur weil beide Begriffe mit "Mito" beginnen, muss da noch kein Zusammenhang sein.

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tl-hd 14.10.2016, 18:56
78.

Zitat von michael.staedtler
Der Satz war mehr als Scherz bzgl. der puren Anzahl der Gene auf X- und Y- Chromosom gedacht :)
Das Problem sind weniger solche Scherze, sondern diejenigen, die das unreflektiert lesen, die Aussage im Hinterkopf behalten, sich dann bei nächster Gelegenheit daran erinnern, aber den scherzhaften Kontext vergessen. Das muss gar keine böse Absicht sein, sondern kann auch schnell mal unbewusst passieren. Daher halte ich es für wichtig, wenn solche Aussagen richtig gestellt werden - gerade in einer Zeit, in der die Unterschiede zwischen Männern und Frauen ein intensiv diskutiertes Thema sind.

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tl-hd 14.10.2016, 19:01
79.

Zitat von tl-hd
Was soll den "Mitose-DNA" sein? Meinen Sie vielleicht mitochondriale DNA? ...
Da ist wohl bei der Zitierfunktion etwas schiefgelaufen. Mein obiger Beitrag bezieht sich auf den Beitrag #65 von Sumerer.

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