Forum: Wissenschaft
Streit um teure Hepatitis-C-Pille: Der Preis fürs Überleben
Giovanni Ferro

Sovaldi ist das erste Medikament, das viele Hepatitis-C-Patienten heilen könnte. Doch eine Pille kostet 700 Euro, Krankenkassen befürchten Milliardenkosten. Für Patienten wie Giovanni Ferro ist es die Hoffnung auf ein besseres Leben.

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Hans Kakmann 17.01.2015, 12:10
20. @jujo

Im Januar 2012 übernahm der US-Konzern Gilead die Erfinderfirma Pharmasset für 11,2 Milliarden US-Dollar. Die Höhe der Ausgabe wurde unter Aussicht auf einen hohen Verkaufspreis des Medikamentes getätigt, der sich an den Kosten für die Interferontherapie orientiert. In den Industrieländern kann Gilead diesen Preise realisieren, in Ländern der dritten Welt nicht. Daher hat Gilead Sovaldi an sieben indische Generikafirmen lizensiert, die das Arzneimittel für ein hundertstel des US-Preises vertreiben wollen. Der britische Pharmakologe Andrew Hill schätzt die Produktionskosten auf 68 bis 136 US-Dollar für einen gesamten Behandlungszyklus über 12 Wochen.

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kumi-ori 17.01.2015, 12:12
21.

Bis Wirkstoffe wie Sofosbuvir entwickelt worden sind, wurden viele Jahrzehnte geforscht, und das hat nun mal Geld gekostet. Auch die bisherigen Misserfolge muss man ja in die Gesamtkalkulation einrechnen. Die Deutschen zahlen klaglos 50.000 Euro für ein Auto oder 800 Euro für ein i Pad, aber Gesundheit soll es gefälligst zum Spartarif geben. Wahrscheinlich wird es darauf hinauslaufen, dass die neuen Therapien in Deutschland nicht auf den Markt kommen, weil hier die Akzeptanz nicht vorhanden ist. Die deutschen Patienten und ihre Ärzte quälen sich lieber mit den "bewährten" Therapien oder sie heilen sich durch "gesunde und stressfreie Lebensweise" und ein authentisches Körperbewusstsein.

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Newspeak 17.01.2015, 12:16
22. ...

Nur im ersten Jahr der Zulassung darf der Hersteller den Preis selbst festsetzen.

Warum eigentlich? Bei solchen Medikamenten gibt es doch meistens überhaupt keinen Wettbewerb auf einem freien Markt, also kann sich auch kein vernünftiger Preis bilden, und zwar von Anfang an und prinzipiell nicht. Andererseits ist es die Kernaufgabe des Staates das Leben und die körperliche Unversehrtheit seiner Bürger zu schützen. Das dürfte wohl für Infektionskrankheiten und ihre Behandlung auch gelten. Jeder Patient, der geheilt wird, vermeidet nicht nur Folgekosten, sondern verringert auch das Risiko einer Weiterverbreitung.

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constantin3003 17.01.2015, 12:18
23. @scottbreed

Da wir in einem auf Geld basierenden System Leben, dessen Vorteile sicher auch sie genießen, muss sich eine Investition mindestens lohnen. Denn irgendwoher muss das Geld ja kommen! Dementsprechend ist die Aussage, es ist schlecht, dass sich alles rentieren muss, fragwürdig. Denn die fehlenden Einnahmen des Konzerns müssten zum Beispiel über Lohnkürzungen usw. komprimiert werden!
Trotzdem Stimme ich hier allen zu, dass derartige Preise nicht zu rechtfertigen sind.

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t.wallace 17.01.2015, 12:22
24.

Das nennt man Kapitalismus.

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Fleno 17.01.2015, 12:25
25. Und dann die Nebenwirkungen

In meinem beruflichen Umfeld stehen neben der Kostenfragen auch weitere Faktoren der Behandlung in der Diskussion. Ich kenne einen Patienten, der unter der Behandlung an den Nebenwirkungen verstorben ist. Natürlich wird einem dies vorher schriftlich alles mitgeteilt, doch waren die Qualen (Ablösen der Haut) schlimmer als die Langzeitwirkungen der Hepatitis C. Das es sich um einen unter Betreuung stehenden Menschen gehandelt hat, lässt einen Beigeschmack aufkommen. Die Kostenfrage war zu Beginn der Behandlung eher Nebensache, die Nebenwirkungen waren und sind das viel größere Thema.

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dajafung 17.01.2015, 12:27
26. Alternativkosten

Sollten sich die Daten der Studien bestätigen wären eine ganze Reihe von Hepatitis C Sybtypen zu kurieren.
Die anfallenden Kosten für eine womöglich kurative Behandlung dürften deutlich unter den Kosten von 2 Lebertransplantationen und den jahrelangen Weiterbetreuungen liegen - wie bei unserem Herrn Pfarrer.
Und ja ich bin der Meinung, dass selbstverschuldetes Elend nur begrenzt von der Gemeinschaft getragen werden sollte. Auch wenn man mich jetzt steinigt - wieso sollte eine bewußt und nachhaltig über Jahre zu Stein gesoffene Leber ersetzt werden?

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Kühlweida 17.01.2015, 12:27
27.

Die wenigsten scheinen zu wissen warum so ein medikament so teuer ist. Ein iphone kostet auch keine 600 euro produktionskosten. Um so eine pille zu entwickeln , arbeiten hunderte wissenschaftler um die zehn jahre. Die verdienen gar nicht so viel, aber die pharmafirma muss das zehn jahre lang vorfinanzieren. Und es geht sehr oft schief, wenn die pille nicht wirkt ist die investition futsch. Also hohes risiko, und das lohnt sich nur bei hohem gewinn. Ich gönne es den wissenschaftlern die hart arbeiten und gar nicht sociel verdienen. Weniger gönne ich es den managern und den farmareferente. Und ach ja, sovaldi rettet wirklich leben

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jujo 17.01.2015, 12:27
28. ...

Fragen Sie mal nach wenn Sie über siebzig sind!
Ich gebe Ihnen recht wenn bis dahin schon weit über 200tsd.€ für die Lebendhaltung für Sie ausgegeben wurden.
Wenn dem aber so ist, führen wir eine unnötige Diskussion?

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tnamaid 17.01.2015, 12:31
29. wird doch eigentlich billiger für die Kassen...

Eine Lebertransplantation kostet mit Vor- und Nachsorge zwischen 100.000 und 200.000 Euro. Der Pfarrer hatte 2 davon...
Dazu kommen noch die Ausgaben für die Versorgung bei Krankheitsschüben in den letzten 30 Jahren. Da würde ich aber mal locker auf Gesamtausgaben zwischen 500.000 und 1.000.000 Euro nur für diesen einen Patienten kommen, denke ich.
Und die Behandlung mit der Pille kostete 200.000 Euro.
Billiger wird's natürlich in Ländern mit schlechterem Gesundheitssystem: Da läßt man die Leute verrecken, bevor man soviel Geld für Sie ausgibt.

Ist doch eigentlich eine Win-Win-Situation für alle: Der Patient leidet nicht, die Kasse spart, die Firma verdient gut, Steuern sprudeln, die Ausgaben des gesundheitsystems sinken letztlich, Arbeitsplätze wurden geschaffen, Arbeitskraft der Patienten werden erhalten...

Was da nicht passt ? Es werden halt NICHT alle 300.000 Leute transplantiert - Für die Kassen ist es billiger, die Leute auf der Transplantionsliste sterben zu lassen, als allen eine Heilung zu ermöglichen.

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