Forum: Wissenschaft
Streit um teure Hepatitis-C-Pille: Der Preis fürs Überleben
Giovanni Ferro

Sovaldi ist das erste Medikament, das viele Hepatitis-C-Patienten heilen könnte. Doch eine Pille kostet 700 Euro, Krankenkassen befürchten Milliardenkosten. Für Patienten wie Giovanni Ferro ist es die Hoffnung auf ein besseres Leben.

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Robeuten_II 17.01.2015, 13:34
50.

Zitat von Kris
Solidaritätsprinzip der gesetzlichen Krankenkassen aus. Als vor ein paar Monaten hier schon mal berichtet wurde habe ich beim Leistungsmanagement meiner privaten Krankenversicherung (DKV) angerufen und gefragt, ob man im Falle einer Hep-C-Erkrankung - entsprechende Indikation vorausgesetzt - Sovaldi erstatten würde. Antwort: Klar! Die Kosten einer Sovaldi-Therapie seien ein Schnäppchen gegen die lebenslangen Kosten einer Hep-C. Außerdem sei ein privater Krankenversicherer rechtlich gar nicht in der Lage, eine medizinisch notwendige Therapie mit Sovaldi nicht zu erstatten, nur weil sie teuer ist. Dann guckt man mal nach und findet bei den Rechtsgrundlagen der PKV: §192 VVG (für privat Versicherte) (1) Bei der Krankheitskostenversicherung ist der Versicherer verpflichtet, im vereinbarten Umfang die Aufwendungen für **medizinisch notwendige Heilbehandlung wegen Krankheit** [...] zu erstatten. §193 VVG (Versicherungspflicht, Mindestleistungen) [...] die mindestens eine Kostenerstattung für ambulante und stationäre Heilbehandlung umfasst [...] und bei der Rechtsgrundlage für die ach so supersolidarische GKV: §12 SGB V (für gesetzlich Versicherte): (1) Die Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und **wirtschaftlich** sein; sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten. Leistungen, die nicht notwendig oder **unwirtschaftlich** sind, können Versicherte nicht beanspruchen, dürfen die Leistungserbringer nicht bewirken und die Krankenkassen nicht bewilligen. Also, bei der laufenden Diskussion stelle ich mir die folgenden Fragen: 1. wer kann nicht richtig rechnen ? Die (gewinnorientierte) DKV oder die gesetzlichen Kassen? 2. kommt es nur mir so vor oder hängt an der Gesundheit der gesetzlich Versicherten tatsächlich ein Preisschild, das an der privat Versicherter nicht hängen darf?
1) Sie, wie auch die DKV, haben natürlich recht - es RECHNET sich schlicht, einmal richtig Kohle für Sovaldi rauszuhauen, und dafür ein X-faches an Folgekosten zu sparen
2) GKV-Vertreter kleben so sehr mit der Politik zusammen, daß sie eben nicht rational handeln, sondern einfach nur die aktuellen Kosten drücken wollen...

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Robeuten_II 17.01.2015, 13:40
51.

Zitat von Ridcully
wie beschreiben, dann haben wir da neben dem berechtigten Streben nach Gewinn auch ein ganzes Stück (erzwungene) internationale Solidarität...
Tja, bis Indien das Patent für Imatinib für ungültig erklärt hat, wurden die paar tausend Inder mit Philadelphia-Chromosom-positiver CML (Blutkrebs) "für lau" behandelt worden - schlußendlich natürlich querfinanziert durch die hier realisierten Monatskosten von über 2000 Euro.
Nun freuen sich die linken Gutmenschen, daß Novartis sich dank des Patentdiebstahles aus diesem compassionate use zurückgezogen hat, und der gemeine Inder jetzt "nur" noch 120 Euro pro Monat zahlen muß - ergo, ein Großteil der Patienten nun sterben wird. Aber, Hauptsache, big pharma kriegt auf die Fresse!
BTW: Fast alle großen Pharmafirmen machen solche Programme, und quersubventionieren z.B. mit den HIV-Medikamenten-Erlösen aus USA und Europa die deutlich günstigere Abgabe in afrikanischen Ländern...

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Robeuten_II 17.01.2015, 13:42
52.

Zitat von kumi-ori
Bis Wirkstoffe wie Sofosbuvir entwickelt worden sind, wurden viele Jahrzehnte geforscht, und das hat nun mal Geld gekostet. Auch die bisherigen Misserfolge muss man ja in die Gesamtkalkulation einrechnen. Die Deutschen zahlen klaglos 50.000 Euro für ein Auto oder 800 Euro für ein i Pad, aber Gesundheit soll es gefälligst zum Spartarif geben. Wahrscheinlich wird es darauf hinauslaufen, dass die neuen Therapien in Deutschland nicht auf den Markt kommen, weil hier die Akzeptanz nicht vorhanden ist. Die deutschen Patienten und ihre Ärzte quälen sich lieber mit den "bewährten" Therapien oder sie heilen sich durch "gesunde und stressfreie Lebensweise" und ein authentisches Körperbewusstsein.
1) Ja, es ist schon irre - Autos können gar nicht teuer genug sein, 3x Urlaub im Jahr muß ebenfalls sein, aber Gesundheit ist "für lau"
2) Ist doch schon passiert - es war sogar eine deutsche Firma, die bewußt eine neue Therapie in D nicht auf den Markt gebracht hat, um sich nicht weltweit die Preise zu versauen - wie von den Politikern gewünscht, wird D langsam aber sicher zum Dritteweltland. Mach ja nix, solange diese Herren und Damen sich dann z.B. in der Schweiz behandeln lassen können ;-(

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Premiumbernd 17.01.2015, 13:43
53. An alle die den bösen Kapitalismus

und Profite mal wieder hier niedermachen. Meine lieben linken Kuckucksheimbewohner, ohne Kapitalismus und Aussicht auf Profit würden wir diese Diskussion gar nicht führen. Dann hätte niemand Geld, Wissen, Zeit und Arbeit in die Entwicklung dieses Medikament gesteckt. Aber das ist euch ja zu hoch.

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Robeuten_II 17.01.2015, 13:44
54.

Zitat von tnamaid
Was da nicht passt ? Es werden halt NICHT alle 300.000 Leute transplantiert - Für die Kassen ist es billiger, die Leute auf der Transplantionsliste sterben zu lassen, als allen eine Heilung zu ermöglichen.
Sie wollen doch nicht etwas behaupten, die GKV-Vorstände wären zynisch? Das sind doch - im Gegensatz zu big pharma - die Guten!!!

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marcaurel1957 17.01.2015, 13:46
55.

Zitat von scottbreed
Ist der Kapitalismus das schlechteste System was es gibt.. weil alles muss sich rentieren und aus jedem Mist muss man das maximale an Gewinn machen ohne Rücksicht auf Verluste... hier trifft genau der Satz zu der für dieses System passend ist. nur wenn du Geld hast darfst du weiterleben wenn du arm bist dann must du sterben..
Na ja, im Sozialismus stellt sich diese Frage dann garnicht....man hätte das Penicillin noch nicht erfunden und wenn dann gäbe es eine Warteliste von 5 Jahren.

Der Kapitalimus mag ja seine Problem haben, aber er ist effektiv und sorgt deshalb für Wohlstand.

Natürlich muss das Problem gelöst werden, aber dies geht nicht mit Revolutionen oder Enteigenungen, sondern nur in Verhandlungen mit dem Unternehmen

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Sibylle1969 17.01.2015, 13:46
56. Der Manager der Pharmafirma...

...argumentiert mit der wirtschaftlichen Stärke eines Landes, um den hohen Preis zu rechtfertigen. Aber Kosten von 200.000 € für die Therapie eines einzigen Patienten sind auch in einem reichen Land nicht gerechtfertigt. Bei 200.000 € und 300.000 Hepatitis-C-Patienten in Deutschland macht das 60 Milliarden Euro nur für diese Patienten. Zur Erinnerung: Das gesetzliche Krankenversicherungswesen ist ein solidarisches System, das ist auch gut so. Jeder zahlt ein, damit auch eine eventuell teure Behandlung von der Gemeinschaft finanziert werden kann. Ich habe gerade gegoogelt, dass pro gesetzlich Versichertem ca. 3600 € pro Jahr an Kosten anfallen. Bei ca. 75 Mio gesetzlich Versicherten macht das Gesamtkosten von ca. 270 Mrd € pro Jahr. Würden nun nur 50% der Hepatitis-C-Patienten mit dem neuen Medikament behandelt, so kostet das zusammen schon 30 Mrd €, d.h. allein dieses Medikament würde für eine Kostensteigerung von 10% sorgen, und jeder Kassenpatient müsste im Jahr im Schnitt 400 € an höheren Beiträgen aufbringen. Ich hoffe, dass die Krankenversicherungen es schaffen, da einen deutlich niedrigeren Preis zu verhandeln. Selbst bei einem Preis von nur 20 € pro Tablette verdient die Pharmafirma noch gutes Geld.

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marcaurel1957 17.01.2015, 13:46
57.

Zitat von ferdi111
Land ist das Medikament billiger...nur nicht in Deutschland! Wer dieses System immer noch nicht verstanden hat, soll sich endlich mal informieren und nicht immer so eine Mist daherquatschen! Der Preis hängt von der Dummheit der Bürger bzw. Regierung ab und nicht, weil die Herstellung so viel kostet! Deshalb und nur deshlab kostet in Frankreich zum Beispiel jedes Medikament durchschnittlich 30 % billiger!
unter anderem deshlab, weil schin mal 20% Mehrwertsteuer dort nicht erhoben werden....

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dreandas 17.01.2015, 13:47
58. Marketingausgaben vs. Forschungsaufwand

Wie hoch sind die Ausgaben der Pharmaindustrie für Marketing im Vergleich zu den Aufwendungen zur Erforschung neuer Wirkstoffe und Medikamente? Hat vor Jahren der Spiegel hierzu nicht Erhellendes berichtet, dass für jeden Euro, der in die Forschung investiert wird, drei Euro für Werbung und Marketing ausgegeben werden?

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derHamlet 17.01.2015, 13:48
59.

Zitat von Robeuten_II
Ohne den ach so bösen Kapitalismus hätte es Sovaldi nie gegeben!!!! Wieviele Medikamente hat denn der glorreiche Sozialismus hervorgebracht?!?
Guten Tag Robeuten_II,

Ziel unsres Wirtschaftssystems ist, möglichst billig zu produzieren und großen Profit herauszuschlagen, ohne Rücksicht auf Ressourcen und Menschen.

Wenn Sie in meinen Laden kommen würden und ich würde Ihnen sagen diese Lampe, die ich hier habe ist sehr gut, aber die Lampe im Geschäft gegenüber ist viel besser, dann würde ich nicht sehr lange im Geschäft bleiben. Das funktioniert nicht, wenn ich unter ethischen
Gesichtspunkten handeln bzw. Handel treiben würde, es würde nicht funktionieren.

Die Floskel, der Handel, die Industrie und der Markt sorgt sich um die Menschen und deren Bedürfnisse, ist nicht wahr, es ist eine Lüge. Die Industrie und der Handel können es sich nicht leisten, ethisch zu sein.
Das System ist nicht geschaffen, dem Wohlergehen der Menschen zu dienen.

Das System ist gleichgültig, ob Faschismus, Sozialismus, Kapitalismus, Kommunismus, der grundlegende Mechanismus ist immer noch Geld,
Arbeit und Wettbewerb.
Die Realität ist, dass der Mechanismus aller Länder, der des Monetarismus ist.
Wir leben in einer Gesellschaft, in der Profit ein Fetisch ist.

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