Forum: Wissenschaft
Streitgespräch über Wissenschaft in den Medien: "Die sollten sich schämen!"
Corbis

Milliarden fließen in die Forschung, drumherum ist ein mächtiges Marketing entstanden. Dennoch wirkt Wissenschaft oft langweilig. Im Streitgespräch rechnen drei Experten ab - mit unfähigen Werbern, zahmen Journalisten und arroganten Professoren.

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burrhus 15.02.2015, 17:00
10. Wissenschaft ist komplex und vorsichtig

Was die drei Kollegen nicht im Entferntesten klar berücksichtigen ist, dass Wissenschaftler, wenn sie ernsthaft sind, vorsichtig in ihren prognostischen Aussagen sind,wie es z.B. beim Thema "Global Warming" gerade nicht der Fall ist, weshalb das so gut in den Medien läuft.
Die befragten Kollegenn selbst repräsentieren eine Nische, die in der Öffentlichen Wahrnehmung kaum wahrgenommen wird. Erst mal selbst überzeugend das eigene Thema in der Öffentlichkeit setzen (Stichwort "gelebte Praxis") bevorman sich zum Teil realitätsfernen Statements herabläßt, weil man gerade mal vom Spiegel interviewt wird. Wissenschaft sollte stolz darauf sein nicht in den medialen Nichttigkeits-Aufblähquark sich einzurühren wie eine Bambi-Gala.
Ein Kollege

P.S.: Man bittet Journalisten um das Vorablesen der Artikel doch meist nur, um sachliche Fehler zu vermeiden, da Themen komplex sind und auch Wissenschaftsjournalisten keine so großartigen Allrounder sind, um jedes Thema exakt darzustellen. Echte Wissenschaft ist halt meist Ergebnis höchst komplexer Prozesse und nicht in fernsehgerechten30- Sekunden-Happen portionierbar.

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MtSchiara 15.02.2015, 17:04
11. Wissenschaft und Journalismus

Es ist tatsächlich so, daß das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Medien suboptimal ist. Der wesentliche Grund dafür liegt darin, daß viele Journalisten nur rudimentäre Wissenschaftskenntnisse haben, wobei am gravierensten ist, daß viele Journalisten nicht verstanden haben, worum es sich bei einer "Wissenschaftlichen Aussage"überhaupt handelt.

Viele Journalisten glauben, es handele sich bei einer wissenschaftlichen Aussage um die Aussage eines Menschen mit einem Diplom in einem naturwissenschaftlichen Fach, oder um eine behauptete Mehrheitsmeinung von Menschen mit einem wissenschaftlichen Abschluß oder in einer angeblich wissenschaftlichen Funktion. Tatsächlich handelt es sich bei einer wissenschaftlichen Aussage aber um eine Aussage, die unter Anwendung der wissenschaftlichen Methode zustandegekommen ist - unabhängig von wem. Es handelt sich also um eine allgemein testbare wissenschaftliche Hypothese, die sich weltweit in zahlreichen Tests bewähren konnte.

Wenn man sich die Aufnahmeprüfung der renommierten Henri-Nannen-Journalistenschule ansieht und sieht, welch geringer Wert wissenschaftlichen Kenntnissen in der Journalistenausbildung überhaupt beigemessen wird ( bei Henri-Nannen betreffen zwei Prozent der Fragen tatsächlich Wissenschaft, wobei nicht nach der Naturwissenschaftlichen Methode gefragt wird), dann versteht man auch, warum dies so ist.

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kalif1978 15.02.2015, 17:11
12. Das Problem ist die Arroganz

Die drei "Experten" haben das eigentliche Problem hier und da zwar angeschnitten, aber nicht auf den Punkt gebracht.
Die Leute haben kein Interesse an den Wissenschafften, weil fragen nicht gerne gehört werden und in Frage stellen überhaupt nicht geduldet wird. Da wird eine Theorie aufgestellt, die man als gemeinüblich erklärt und wenn jemand daher kommt, der diese Theorie in Frage stellt oder sogar kritisiert gibt es von den Wissenschaftlern immer nur drei mögliche Szanarien der Reaktion
1. Im besten Fall wird nur abgewunken und es wird damit ingnoriert
2. Die etwas härtere Variante ist, das man ausgelacht wird und damit auch nicht mehr so ganz ernst genommen wird.
Und3. Es wird als hanebüchen abgetan und man damit bestenfalls als Spinner hingestellt, oftmals auch als Hasardeur. Was dann auch das lächerlich machen miteinbezieht.

Übrigens hatte ich noch gelernt:" Der Disput tut gut". Warum geht das bei den Wissenschaften nicht mehr?

Also warum soll sich jemand mit gesundem Menschenverstand sowas antun?

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achim mohn 15.02.2015, 17:24
13. wdr

Ich stimme zu, dass im Fernsehen fast ausschließlich erklärt wird, und das auf oft erschreckend niedrigem Niveau. Da kommt zwar Quarks & Co auch mal mit Kritik, aber sonst ist da sehr wenig.

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spontanistin 15.02.2015, 17:25
14. Fragen unerwünscht!

Echte Wissenschaft hinterfragt permanent und stellt das Erforschte immer wieder in Frage. In einer immer fragmentierteren Arbeitswelt hat aber die Mehrheit ohne permanent Fragen zu stellen einfach roboterhaft und fehlerfrei ihren Job zu verrichten (entsprechend Job description und SOPs) , damit das künstlich geschaffene und immer anfälliger werdende System nicht kollabiert. Also wird echte Wissenschaft immer etwas für eine privilegierte Elite bleiben. Es sei denn, man gewöhnt den Kindern nicht schon im Kindergarten und in der Schule das neugierige Fragen ab.

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gerhard38 15.02.2015, 17:26
15.

Kann mir jemand erklären welche Schlüsse man aus dem Inhalt dieses Gesprächs ziehen soll? Da wurde aber auch nicht ein brauchbarer Vorschlag präsentiert, der bei dem Durchschnittsbürger das Ansehen und das Interesse an Wissenschaft steigern könnte.

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Auchleser 15.02.2015, 17:26
16. Abhängigkeit von Projektmitteln

Aus dem verlinkten Artikel zum Wissenschaftsmarketing:
"Es gebe einen immer größeren Wettbewerb zwischen den Universitäten und dem Zwang zu einer besseren Selbstvermarktung."

Das Übel ist die immer größere Abhängigkeit von Projektmitteln wegen fehlender Grundfinanzierung und die Abhängigkeit der Wissenschaftler vom Nachfolgeprojekt wegen des befristeten Arbeitsvertrages nach dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz.

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thebitch 15.02.2015, 17:29
17. Der gefrustete Herr Fsicher

Tja, so ist das mit den alten Maennern,

und dabei wuerde doch der Herr Fsicher auch gerne

mal Erfolg, eine Frau, ein Hotelzimmer und ein Auto!
Ach ja, die Einladung hab ich ganz vergessen.

Und das ist unsere "Wissenschafts-jornalismus" Elite!

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Munku 15.02.2015, 17:35
18. es würde helfen

es würde helfen, wenn die Wissenschaftsjournalisten sich selbst eingestehen würden, dass sie von aktueller Forschung keine Ahnung haben. Wie auch, aktuelle Forschung kommt nunmal heiss aus dem Ofen, ist aber mundgerecht nur warm zu servieren.

Es kann auch nicht Aufgabe der Forscher sein, dem lieben Nachbarn zu rechtfertigen, warum sein Labor 2 Millionen gekostet hat - oder ob man mit dem vielen Geld nicht hätte Krippenplätze bauen können.
Forschung entsteht aus dem politischen Willen, ein Teil seines derzeitigen Wohlstandes für den Wohlstand der Zukunft zu opfern (oder besser ausgedrückt zu investieren). Die Politik soll einfach sagen wieviel sie investieren will, und die Forscher sollen darunter im Wettbewerb stehen welche Projekte am erfolgsversprechenden finanziert werdern sollen.

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Newspeak 15.02.2015, 17:38
19. ...

Ich verstehe nicht, warum nicht einfach jeder seinen Job macht und seiner Kernkompetenz nachgeht?

Vor 50 Jahren haben sich Wissenschaftler dadurch ausgezeichnet, daß sie im Labor standen oder zumindest ausreichend Zeit hatten, um mit ihren Mitarbeitern zu diskutieren, über Probleme nachzudenken, Theorien auszuarbeiten und alles zusammenzuschreiben, sowie die Erkenntnisse in der Lehre weiterzugeben.

Heute sind sie vor allem damit beschäftigt Mittel einzuwerben, sich selbst zu verwalten, alle möglichen Reformen umzusetzen, sich selbst darzustellen, lauter Dinge, die Spezialisten besser könnten, für die die jahrzehntelange wissenschaftliche Ausbildung nicht verschwendet wäre und die auch wirklich Substanz hätten, jenseits von öffentlichkeitswirksamer Kosmetik.

Dasselbe bei Journalisten, früher gründliche Recherche, größere Unabhängigkeit, mehr Zeit, heute alles schnell, schlampig und nur auf Außenwirkung bedacht. Heute geschrieben, morgen schon vergessen. Auch darf man bezweifeln, ob solche Journalisten ernsthaftes Interesse an Wissenschaftlern und ihren Themen gewinnen könnten. Wissenschaftler sind allerdings in der Mehrheit immer noch sensibel dafür, wenn es jemand nicht ernst meint und Zeit verschwendet. Daher kommen dann wohl die als arrogant wahrgenommenen Rückmeldungen. Abgesehen davon, daß niemand gerne Jahrzehnte in seine Ausbildung investiert, nur um sich dann als Prof. immer noch gängeln lassen zu wollen. Das muß man auch mal berücksichtigen.

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