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Turbo-Anpassung: 2000 Stabheuschrecken im Evolutionstest
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Entstehen unter gleichen Umweltbedingungen immer ähnliche Lebewesen? Biologen haben zumindest bei Stabheuschrecken Anzeichen dafür gefunden. Das könnte indirekt auch etwas über die Entstehung von Leben auf fernen Planeten verraten.

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Alaaf 19.05.2014, 12:57
1. Selektionsdruck

Zitat von sysop
Schon in der nächsten Generation im Jahr darauf hätten sich die Tiere an ihre neue Heimat genetisch angepasst - und vor allem taten sie es bei bestimmten Merkmalen auf identische Weise.
Das klingt so, als ob das ein aktiver Prozess wäre. Das ist aber nicht der Fall. Unter Selektionsdruck setzen sich die einfach nur die Individuen durch, die Muationen tragen, welche ihnen einen Vorteil verschaffen. Dass die gleichen Selektionsbedingungen zu ähnlichen veränderten Eigenschaften führen, dürfte daher kaum verblüffen. Das ist als Konvergenz in der Evolution doch schon lange bekannt.

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relies 19.05.2014, 12:58
2.

Ohne dass ich jetzt Bio- oder Zoologe wäre, kommt es mir aber doch vor, als wäre auf dem Foto eingangs des Artikel keine Stabheuschrecke, sondern eher eine "normale" (oder wie immer die dann heißt) Heuschrecke zu sehen...

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matijas 19.05.2014, 13:06
3. Darwin + Lamarck?

Muss man also Darwin mit Lamarck ergänzen, der ja die Theorie vertrat, dass Umwelteinflüsse die Arten-Entwicklung in bestimmte, funktional wichtige Richtungen triggern.

Interssant ist die Sache auch, weil immer noch behauptet wird, Veränderungen zu Lebenszeiten würden nicht per Gen weitergegeben. Obwohl diese These wohl angesichts der Entdeckung der epigenetischen Schalter zu wackeln beginnt.

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Zorpheus 19.05.2014, 13:09
4.

Anpassung nach einer Generation? Das dürfte doch eigentlich nur durch Auslese passieren.
Das würde heißen, dass die genetischen Merkmale die man für charakteristisch für die eine Variante hält auch in der anderen Variante vorhanden sind, nur halt weniger häufig. Natürlich führt die Selektion dann zu dem selben Ergebnis.
Ich habe gerade erst einen Artikel über eine Studie gelesen, die zu einem anderen Ergebnis kam:
http://news.sciencemag.org/biology/2...on-predictable
Danach bilden sich zwar ähnliche Merkmale unter gleichen Bedingungen heraus, jedoch durch verschiedene Mutationen.

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rr1805 19.05.2014, 13:45
5.

Zitat von matijas
Muss man also Darwin mit Lamarck ergänzen, der ja die Theorie vertrat, dass Umwelteinflüsse die Arten-Entwicklung in bestimmte, funktional wichtige Richtungen triggern.
Nein, auf keinen Fall. Die Theorie von Lamarck ist eine Transformationstheorie und grundlegend anders.
Zitat von
Interssant ist die Sache auch, weil immer noch behauptet wird, Veränderungen zu Lebenszeiten würden nicht per Gen weitergegeben. Obwohl diese These wohl angesichts der Entdeckung der epigenetischen Schalter zu wackeln beginnt.
Da muss man sehr gut aufpassen. Vererbt werden kann nur das, was bei der Fortpflanzung schon vorhanden ist. Wer keine Kinder mehr bekommt, kann nichts mehr vererben. Umweltbedingte Eigenschaften erwirbt man aber meist erst in der Zeit nach der Fortpflanzung.

Bestimmte epigenetische Veränderungen können vererbt werden, können in der nächsten Generation aber auch wieder rückgängig gemacht werden. Das eine bedingt das andere!

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der.tommy 19.05.2014, 13:47
6. @alaaf

Nein das ist eben nicht so klar. Natürlich zwingt der selektionsdruck die Tiere zur Anpassung. Evolution ist aber keine Einbahnstraße und mitnichten deterministisch. Es ist somit also durchaus eine erstaunliche Erkenntnis, dass die Anpassung an neue Lebensräume immer zu ähnlichen Resultaten zu führen scheint (es ist nämlich nicht gesagt, dass diese Anpassung die einzig mögliche ist!)

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rr1805 19.05.2014, 13:59
7.

Zitat von Zorpheus
Anpassung nach einer Generation? Das dürfte doch eigentlich nur durch Auslese passieren.
Die Evolution ist viel komplizierter, als gemeinhin angenommen wird. Variation und Selektion sind die klassischen Mechanismen. Es gibt aber noch eine dritte, das ist die Kanalisierung durch Umweltfaktoren in der Embryonalgenese. Das heißt, die Genetik bestimmt nicht eindeutig die Entwicklung, sondern lässt verschiedene Pfade offen, deren Auswahl im Verlauf der Entwicklung von Umweltfaktoren bestimmt wird, als sogenannte Kanalisierung. Das Entscheidende daran ist, dass diese Auswahl nicht nur auf Individuen, sondern auf ganze Populationen zutrifft, wenn das Habitat sich verändert. Genau das ist in diesem Experiment gegeben.

Das ist natürlich keine Erfindung von mir, sondern ist altbekannt in der Biologie, entdeckt von Hal Waddington und Iwan Schmalhausen, aber lange Zeit vernachlässigt worden. Erst in letzter Zeit ist diese Erkenntnis wieder in den Vordergrund gerückt als evolutionäre Entwicklungsbiologie. Man müsste zu Variation und Selektion analog auch Kanalisation hinzunehmen.

Kanalisierung.

Waddington hat selbst keine Mechanismen beschrieben, die zu Kanalisierung führen. Heute kennt man solche. So wirkt etwa Modularität fördernd für Kanalisierung. Module können definiert werden als hochintegrierte Einheiten, die unabhängig sind von anderen Einheiten. Module können .....

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scatterbrain78 19.05.2014, 14:12
8. nachlässig

Zitat von relies
Ohne dass ich jetzt Bio- oder Zoologe wäre, kommt es mir aber doch vor, als wäre auf dem Foto eingangs des Artikel keine Stabheuschrecke, sondern eher eine "normale" (oder wie immer die dann heißt) Heuschrecke zu sehen...
wie der Kommentar meines Vorredners beweißt, muss man nicht Biologie sstudiert haben um zu erkennen, dass es sich auf dem Foto keineswegs um eine Stabheuschrecke handelt. Leider ist es kein Einzelfall bei SPON, dass ein Aufmacher-Bild nicht zum Thema passt. Das sollte gerade in der Rubrik Wissenschaft nicht passieren.

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Ulfster 19.05.2014, 14:27
9. Kalzium oder Metalle?

Im Text findet sich unter anderem folgende Formulierung:
"(...) die bei der Bindung von Kalzium oder Metallen wie Eisen bedeutsam sind." - Damit wird zumindest dem Sach-Unkundigen vermittelt, das (Erdalkali-)Metall Kalzium gehöre NICHT zu den Metallen. Wenn sich die Rubrik "Wissenschaft" auch an Nicht-Fachleute wenden soll (und diesen Eindruck hatte ich bislang), wäre es wünschenswert, derart unsaubere Formulierungen zu vermeiden. Mit "(...) die etwa bei der Bindung von Metallen wie Kalzium oder Eisen bedeutsam sind." wäre das nicht passiert ...

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