Forum: Wissenschaft
Umstrittenes Herbizid: Behörde erlaubt erneut Glyphosat-Mittel
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Laut Koalitionsvertrag wollen SPD und Union die Anwendung von Glyphosat beenden - doch nun wurden 18 neue glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel zugelassen. Der Streit um den Stoff geht weiter.

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waldschrat_72 03.03.2019, 14:40
1. Kein Glyphosateinsatz im Pflanzenbau bedeutet erst einmal...

... Begleitflora wird wieder toleriert. Hieße, mehr botanische Artenvielfalt auf dem Acker, aber eben auch deutlich weniger Ertrag pro Flächeneinheit. Hieße wiederum, höhere Preise für Lebensmittel. Ich bin bereit, diesen Preis zu zahlen, habe jedoch meine Zweifel, ob das die Mehrheit der Verbraucher in Deutschland auch so sieht. Glyphosat ist ein sehr wirksames Vorauflaufmittel und schafft gegenüber Ackerkräutern vor Auflauf der Kultursaat "besenrein". So richtig problematisch für den Artenschutz ist m.E. jedoch erst der kombinierte Einsatz von Glyphosat mit hochwirksamen Insektiziden, insbesondere den Neonicotinoiden, die, anders als Gly- so gut wie gar nicht selektiv, sondern völlig indifferent wirken, sprich, jedwedes Insekt mehr oder weniger schädigen. Die grundlegend gesellschaftlich zu klärende Frage wäre doch erst einmal, ob wir eine nachhaltigere Landwirtschaft wirklich wollen und dann einen adäquat höheren Preis auch zu zahlen bereit sind. Bio fordern, aber nur konventionell bezahlen wollen, das würde nicht zusammengehen.

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Pinon_Fijo 03.03.2019, 14:59
2.

Der erste, von waldschrat_72 verfaßte Kommentar bildet m.E. die typisch deutsche Perspektive ab:
Im Ausland stellen sich die Verbraucher nicht die Frage, ob sie höhere Preise für Lebensmittel zu zahlen bereit wären, sie sind schlicht nicht in der Lage dazu. Und Begriffe wie 'nachhaltige Landwirtschaft' können nicht einmal wortwörtlich in andere Sprachen übersetzt, sondern bestenfalls umschrieben werden.
Wenn im Ausland doch gegen Glyphosat opponiert wird, dann aus rein wirtschaftlichen Gründen: Bei einem Glyphosat-Verbot hofft man endlich sein eigenes Zeug verkaufen zu können.

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BodoB. 03.03.2019, 15:00
3.

Beim Lesen des Artikels kam mir als erstes der Bericht über die Impfgegner auf der geichen SPON-Seite in den Sinn. Ohne wissenschaftlich fundierte Fakten scheinen auch beim Glyphosat die Verschwörungstheoretiker eine gute Grundlage zu finden. Ich bin beileibe kein Freund von Glyphosat, zähle mich eigentlich zu den Naturschützern und sehe die Bedrohung von Pestiziden für den Artenschutz als bedenklich an. Wenn ich aber sehe, dass Menschen entgegen den Empfehlungen zig staatlicher Lebensmittel- und Risikoabschätzungsinstituten anderen nicht-wissenschaftlichen Positionen mehr Glauben schenken - und staatlichen Institutionen infrage stellen ohne mit sich reden zu lassen - dann macht das für mich einen tiefen Eindruck von Verschwörungstheorie. Vielleicht müssen wir das Problem wissenschaftlich neu bewerten und klären, anstatt mit alten Fakten bzw Gerüchten zu argumentieren. Ich sehe mehr und mehr den Glaube an die Wissenschaft in Gefahr und damit eine zunehmende Abkehr von der Aufklärung. Sapere aude: Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! Wissenschaft hat sicher viele Fehler gemacht, ermöglicht es uns aber auch, so zu leben, wie wir es heute tun. Mit Esoterik werden wir die Welt nicht retten. Das gilt für Impfgegener wie für alle Wissenschafts-Leugner.

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von_oz 03.03.2019, 15:01
4.

Zitat von waldschrat_72
... Begleitflora wird wieder toleriert. Hieße, mehr botanische Artenvielfalt auf dem Acker, aber eben auch deutlich weniger Ertrag pro Flächeneinheit. Hieße wiederum, höhere Preise für Lebensmittel. Ich bin bereit, diesen Preis zu zahlen, habe jedoch meine Zweifel, ob das die Mehrheit der Verbraucher in Deutschland auch so sieht.
Von mir aus kann’s losgehen. Ich kaufe seit Jahren Obst und Gemüse im Biomarkt, um Umweltgiften wie diesen aus dem Weg zu gehen und nicht eine Landwirtschaft zu unterstützen, die weder Respekt vor der Natur noch vor dem Verbraucher kennt und zudem die Zukunft des Grundwassers und zahlreicher für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen wichtigen Tierarten für ein paar gesparte Euro aufs Spiel setzt.

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mirage122 03.03.2019, 15:06
5. Anwendung so schnell wie möglich beenden?

Stand das nicht so im Koalitionsvertrag? Offensichtlich stehen Herr Müller und Frau Klöckner über den Dingen und bestimmen unabhängig von schriftlichen Abmachungen. Auch diese beiden Herrschaften sind weitere Gründe für die SPD, endlich ganz knallhart Handlungsbedarf anzukündigen. Frau Klöckner hätte doch eigentlich andere Probleme, damit in ihrer Kantine endlich die notwendigen Vorschriften in Sachen Sauberkeit umgesetzt werden.

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hoeffertobias 03.03.2019, 15:13
6. Leider falsch!

Zitat von waldschrat_72
... Begleitflora wird wieder toleriert. Hieße, mehr botanische Artenvielfalt auf dem Acker, aber eben auch deutlich weniger Ertrag pro Flächeneinheit. Hieße wiederum, höhere Preise für Lebensmittel. Ich bin bereit, diesen Preis zu zahlen, habe jedoch meine Zweifel, ob das die Mehrheit der Verbraucher in Deutschland auch so sieht. Glyphosat ist ein sehr wirksames Vorauflaufmittel und schafft gegenüber Ackerkräutern vor Auflauf der Kultursaat "besenrein". So richtig problematisch für den Artenschutz ist m.E. jedoch erst der kombinierte Einsatz von Glyphosat mit hochwirksamen Insektiziden, insbesondere den Neonicotinoiden, die, anders als Gly- so gut wie gar nicht selektiv, sondern völlig indifferent wirken, sprich, jedwedes Insekt mehr oder weniger schädigen. Die grundlegend gesellschaftlich zu klärende Frage wäre doch erst einmal, ob wir eine nachhaltigere Landwirtschaft wirklich wollen und dann einen adäquat höheren Preis auch zu zahlen bereit sind. Bio fordern, aber nur konventionell bezahlen wollen, das würde nicht zusammengehen.
Kein Glyphosateinsatz würde erstmal bedeuten, dass Landwirte auf andere Herbizide zurückgreifen. Es gibt in der EU mehr als 400 zugelassene PflanzenschutzWIRKSTOFFE in unzähligen Kombinationen. Ausnahmslos alle anderen Herbizide sind was Mobilität, Toxizität gegenüber Säugetieren, Wirkdauer und Toxizität gegenüber Insekten im Verhältnis zur (gewünschten) Wirksamkeit angeht, deutlich schädlicher als Glyphosat. Ergo verbietet man entweder ALLE Herbizide oder man lässt Glyphosat zu. Alles andere wäre Frevel an der Natur. Wenn aber die Gesellschaft eine Landwirtschaft ohne Herbizide wünschte, gäbe es schon heute einen viel einfacheren Weg: biologische Landwirtschaft! Am Ende wird es aber wohl darauf hinauslaufen, dass Glyphosat in DE verboten (bzw. nicht zugelassen) wird, und die fordernde Gesellschaft kauft dann Billigware aus dem Ausland. Leider eine sehr unehrliche Diskussion auf dem Rücken der Landwirte.

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adal_ 03.03.2019, 15:13
7. Was ist mit dem Dutzend anderen Herbiziden?

Zitat von waldschrat_72
Kein Glyphosateinsatz im Pflanzenbau bedeutet erst einmal...... Begleitflora wird wieder toleriert. Hieße, mehr botanische Artenvielfalt auf dem Acker, aber eben auch deutlich weniger Ertrag pro Flächeneinheit. ...
Sind Sie sicher? Ich glaube eher, wenn Glyphosat verboten wird, greifen die Landwirte zu Kombipräparaten aus einem Dutzend anderer zugelassener Herbizide, die zusammen in etwa das Unkraut-Spektrum abdecken wie Glyphosat, zusammen aber viel giftiger wirken als das niedrig dosierbare Glyphposat.

https://de.wikipedia.org/wiki/Herbizid#Wirkungsspektrum_der_Herbizide

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zardoz77 03.03.2019, 15:17
8. Alternativprodukt

Wie heißt denn bitte das Alternativprodukt zu Glyphosat? Das konnte mir bis dato keiner sagen. Klar "dagegen ist immer einfach". Und bitte jetzt nicht "Bio" schreiben. Das ist eine Utopie. Niemand will so hohe Preise zahlen und viele können es auch nicht. Bio-Landwirtschaft zu 100% ist bei 7,5Mrd Menschen nicht mehr möglich. (am besten noch nach Demeter-Standards die ihrerseits am Nil anbauen und den Menschen dort Ackerfläche wegnehmen, das Zeug wird dann nach Deutschland importiert). So wie ich es verstanden habe, ist Glyphosat trotz aller Unkenrufe noch das mildeste Produkt auf dem Markt und bei sachgemäßer Benutzung wenig bis gar nicht in den Pflanzen zu finden. Klar kann man auch pro Acker 1000 polnische Spargelstecher umher schicken, die das Unkraut ständig rausrupfen, aber dann kostet der Apfel eben 10 Euro. Zusammen mit dem Demeter Hackfleisch für 17,98 € / kg und dem Tesla für 80.000 Euro frag ich mich, wer außer der grünen Klientel das bitte zahlen möchte? Also ich kanns nicht. Die Sache erst mal durchdenken, dann den Öko-Revoluzzer raushängen lassen.

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waldschrat_72 03.03.2019, 15:20
9. Danke, dass Sie sich auf meine Beitrag beziehen.

Zitat von Pinon_Fijo
Der erste, von waldschrat_72 verfaßte Kommentar bildet m.E. die typisch deutsche Perspektive ab: Im Ausland stellen sich die Verbraucher nicht die Frage, ob sie höhere Preise für Lebensmittel zu zahlen bereit wären, sie sind schlicht nicht in der Lage dazu. Und Begriffe wie 'nachhaltige Landwirtschaft' können nicht einmal wortwörtlich in andere Sprachen übersetzt, sondern bestenfalls umschrieben werden. Wenn im Ausland doch gegen Glyphosat opponiert wird, dann aus rein wirtschaftlichen Gründen: Bei einem Glyphosat-Verbot hofft man endlich sein eigenes Zeug verkaufen zu können.
Muss allerdings betonen, doch recht klar herausgestellt zu haben, dass ich mich in meinen Betrachtungen auf den deutschen Agrarsektort beschränkt habe. Was andere Länder in Sachen Glyphosateinsatz beschließen mögen oder auch nicht, ist überhaupt nicht Gegenstand gewesen. Meine "typisch deutsche Perspektive" ist mithin nicht typisch deutsch, sondern eine auf Deutschland begrenzte.

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