Forum: Wissenschaft
Umweltdebatte: Sei kein Nimby, sei ein Nomp

Es gab diese Woche zwei gute Nachrichten: Die EU will Einwegplastik verbieten, und der Klimaschutz kommt endlich ein bisschen voran. Nicht allen gefällt das. Für diese Haltung gibt es ein Wort.

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frankreiser 23.12.2018, 10:29
1. Voll ins Schwarze

Sehr gut analysiert, Herr Stöcker, wie NIMBYs auf individueller und industrieller Ebene sich der Handlungsrealität verweigern. Und leider damit immer wieder erfolgreich den notwendigen ökologischen Umbau verzögern, viel zu oft verhindern. Bestes Beispiel sind tatsächlich die Windkraftgegner, die zwar zahlenmäßig sehr wenige sind, mit ihren Angstkampagnen jedoch flächendeckend den Zubau der saubersten und kostengünstigsten Energiequelle verhindern. Auch dieser, meist sehr konservativ-geprägten Gruppe steht ein politischer Hilfs-NIMBY bereit: Christian Lindner bzw. seine FDP, die wie keine andere Partei Windkraft mit unlauteren Argumenten bekämpft.

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karlo1952 23.12.2018, 10:31
2. Was ist gewonnen,

wenn wir im Promillebereich die Umwelt mit Milliardenaufwand schützen wollen, unsere gebrauchten Diesel dann aber in Polen und weiter im Osten die Luft verpesten. Oder der Plastikmüll von asiatischen Stränden in das Meer gelangt. Es wäre doch effektiver die Resourcen dort einzusetzen, wo sie am effizientesten angewendet werden können, nämlich in diesen betreffenden Ländern.

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vulcan 23.12.2018, 10:31
3.

Erstmal: Muss eigentlich jeder englische Begriff hier übernommen werden? "NImby"...ernsthaft?
Dann:
Es ist mit Sicherheit nichts falsch daran, Plastikprodukte und damit Plastikmüll zu reduzieren. Gern auch drastisch (Verpackungen!!); daran ändert auch die völlig gleichgültige Haltung nichts , die oftmals in den schon im Artikel genannten Ländern herrscht (das fängt übrigens schon in Südeuropa an).
Allerdings wäre ich sehr vorsichtig mit der Prognose, man könnte durch Produktumstellung 'neue Märkte' oder gar ein Umdenken erreichen. An den Strohhalm würde ich mich nicht klammern. Kunststoff ist einfach viel zu billig und in besagten Ländern/Gebieten existieren völlig andere Probleme - da kommt sowas wie Umweltschutz ganz hinten. Daher macht es auch weiterhin Sinn, Techniken zur Entfernung von Plastikmüll auf den Ozeanen zu entwickeln und zu bauen.
Die Reduzierung von Plastikmüll ist eine relativ einfache Maßnahme, die zwar auch Geld kosten wird, aber auf jeden Fall fortgesetzt werden sollte. Auch wenn nicht alle mitspielen - eine sinnvolle, umsetzbare Maßnahme im Gegensatz zu vielen sinnlosen und panischen Aktionismusverordnungen, die uns mit dem Label 'Klimaschutz' aufgedrückt werden (sollen).
Eins ist doch klar - die Menschheit kann das Klima nicht erhalten, wie es ist. Nicht auf dem Weg, auf dem wir sind; dem Weg zur absoluten Überbevölkerung der Welt mit Menschen. 50% Reduzierung wäre das Mindeste. Da das nicht geht, bliebe nur noch die Rückkehr zu reinen Agrarstaaten: Fahrzeugverkehr gen Null, Flugverkehr Null, Seetransport Minimum des Nötigsten (kein Plastikschnickschnack aus China), Stromerzeugung drastisch reduziert, Heizung rationiert, usw.
Klimaneutrale Stromerzeugung wäre vielleicht eine Lösung für einiges aber ansonsten sind die Aussichten m. E. eher negativ. Selbst die grünsten Politiker jetten einfach zu gern durch die Welt.
Also auch illusorisch, oder? Wir können da vielleicht ein bisschen was hinauszögern, aber am Ende wird sich das Klima wandeln, wie es will oder muss. Dem Planeten ist das eh egal - ich glaub nicht mal, dass wir auch nur annäherend so lange die Erde dominieren werden, wie es die Dinosaurier geschafft haben. Und selbst die sind irgendwann in Ungnade gefallen.

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twike-fahrer 23.12.2018, 10:36
4. Spitze

Wegen solcher Beiträge liebe ich den Spiegel. Weiter so, mehr solcher Artikel

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katrin456 23.12.2018, 10:42
5. Das Nimby-Phänomen...

...lässt sich problemlos auf alle Branchen übertragen und ist extrem bedenklich. Ein Stichwort sind Bürgerinitiativen, die eine gefährliche Emotionalisierung vorantreiben (oft angeführt von pensionierten Lehrern, aber das nur am Rande). Dort werden wissenschaftlich nicht nachweisbare Argumente und Behauptungen gestreut, gern mit Bezug auf gefürchtete Krankheiten (Krebs etc.), bis hin zu Morddrohungen und Ausschluss aus der Gemeinschaft für Befürworter eines Projektes, gegen das die Bürgerinitiative kämpft. Konstruktive Diskussionen und Lösungen oder Kompromisse scheinen da kaum mehr möglich. Die Initiative "Deutschland spricht" hat viele Dinge auf den Punkt gebracht - miteinander reden, konstruktives Streiten, all das sind Mittel für ein gesundes Miteinander, ohne dass die Fronten gleich von Anfang an verhärtet sind. Frank-Walter Steinmeier sagte dazu: "In Zugehörigkeit steckt Zuhören und gehört werden" - das sollten sich alle zu Herzen nehmen, sowohl Nimbys als auch Lobbyisten!

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Fred the Frog 23.12.2018, 10:53
6. Ausgetrickste NIMBYs

Wenn einer seinen Hinterhof bereitwillig für irgendetwas zur Verfügung stellt, passiert dreierlei:
1.) Die politischen Selbstdarsteller werden sich das "Finden einer Lösung" auf die eigene Fahne schreiben und wie gut die Argumente sind.
2.) Was auch immer im Hinterhof landet, es ist mehr oder größer als je vermutet, weil die meisten Projekte zwecks Durchsetzung kleiner und billiger gerechnet werden als je vorstellbar.
3.) Wenn die Politik einen leichten Erfolg feiert, weiß sie auch, dass es ein paar Dumme gibt, die alles mit sich machen lassen.
Einziges Motto gegen die politische Habgier: Wehret den Anfängen.

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karlwein 23.12.2018, 11:01
7.

Zitat von karlo1952
wenn wir im Promillebereich die Umwelt mit Milliardenaufwand schützen wollen, unsere gebrauchten Diesel dann aber in Polen und weiter im Osten die Luft verpesten. Oder der Plastikmüll von asiatischen Stränden in das Meer gelangt. Es wäre doch effektiver die Resourcen dort einzusetzen, wo sie am effizientesten angewendet werden können, nämlich in diesen betreffenden Ländern.
Schon der zweite Forumseintrag entpuppt sich als "Nimby". "Sankt-Florians-Prinzip" gefällt mir aber besser, es muss ja nicht alles aus dem Englischen übernommen werden.

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ramuz 23.12.2018, 11:06
8. Erklären Sie mir,

Zitat von frankreiser
.. Bestes Beispiel sind tatsächlich die Windkraftgegner, die zwar zahlenmäßig sehr wenige sind, mit ihren Angstkampagnen jedoch flächendeckend den Zubau der saubersten und kostengünstigsten Energiequelle verhindern.
.. warum Windkraftanlagen, meist ganze Parks davon, nie dort stehen, wo die Energie verbraucht wird, sondern weitab dieser meist auch dicht besiedelten Verbrauchsräume? Auch dann - bevor Sie mir das als Argument um die Ohren hauen - , wenn die prognostizierte (Wind-) Ausbeute und regelmässige Betriebsoption durch stetig wehende Winde ähnlich hoch, teilweise sogar höher als in den abgelegenen Gebieten wäre? Wer verhindert denn dort den "Zubau der saubersten und kostengünstigsten Energiequelle" ? Doch nicht etwa die dortigen Anwohner?
Beispiel in Bayern: München und die südlichen Gefilde um die Seen Ammersee, Starnberger See, Osterseen..

Jetzt bin ich gespannt. Sie scheinen mir mit Ihrer Äusserung selbst einer der städetbewohnenden Nimbys zu sein und weitab von Nomp?

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fuchsi 23.12.2018, 11:06
9. Alles auf die junge Generation setzen

Verbraucher haben eine Macht, wenn sie bestimmte Dinge nicht mehr kaufen. In meiner Jugend fuhren wir bedenkenlos Mofa, mit einem Motor, der im Benzingemisch direkt Motoröl verbrannte. Heute unmöglich. Wenn wir die nächsten Generationen anders erziehen, wird sich etwas ändern. Wichtig sind die jungen Lehrkräfte, noch in Ausbildung derzeit. Das Stichwort lautet Bildung für nachhaltige Entwicklung, das muss bereits in der Schule gelernt werden. Dann wird eines Tages Umweltschädliches gar nicht mehr hergestellt, weil es eh nicht mehr gekauft werden würde. Das ist sicher ein Stück weit eine Vision, aber wer hat einen besseren Plan?

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