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Unterwasserarchäologie: Aquanauten im James-Bond-Anzug
Nuytco Research

ilek 17.09.2014, 11:45
1. Schönes Projekt - Aber das mit dem Tauchanzug ist einfach falsch

"Ohne die Panzerung aus Aluminium könnte kein Taucher 300 Meter tief tauchen". Selbstverständlich geht das, Offshore-Taucher, z.B. auf Ölbohrinseln machen das regelmäßig.
Der Unterschied ist, dass in den Panzeranzügen Normaldruck herrscht, die Taucher können also direkt auftauchen und an der Oberfläche einfach aus dem Anzug aussteigen. Das ganze wird aber mit einer extremen Unbeweglichkeit erkauft. Im Prinzip ist so ein Anzug wenig mehr als ein Ein-Mann-U-Boot.

Beim Offshore-Tauchen dagegen atmet man wie beim Sporttauchen Luft in Umgebungsdruck, in 300m also 31 bar. Dieser Druck herrscht dann im ganzen Körper. (Genaugenommen ist das keine normale Luft, sondern ein Gemisch aus Helium (das den giftigen Stickstoff ersetzt) und je nach Tiefe sehr wenig Sauerstoff). Die Taucher tragen ganz normale Anzüge ohne Druckverstärkungen (teilweise aber mit Heizungen).

Der Nachteil dieser Methode ist, dass man sich sehr viel Zeit zum Auftauchen nehmen muss - bis zu 2 Wochen. Die Taucher leben daher längere Zeit in einer Druckkammer mit Einsatzdruck (zu Beispiel die Tiefe des Wracks). Zum Ende des Einsatzes wird der Druck in der Kammer langsam wieder runtergefahren.

Diese Techniken (fachlich heißt das auch Sättigungstauchen), werden schon länger auch von Unterwasserarchäelogen eingesetzt, da ja auch meistens längere Zeit an der gleichen Stelle und Tiefe (Fundort) gearbeitet wird.
Hört sich insgesamt ein wenig nach Show an um Finanzierer zu finden...

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Cugel 17.09.2014, 12:25
2.

Natürlich ist der Anzug Show, um Aufmerksamkeit und damit Unterstützung einzuwerben, aber daraus wird in dem Artikel auch kein Geheimnis gemacht. Nötig ist er auf keinen Fall, wenn das Wrack damals von Schwammtauchern entdeckt wurde...

Was mich aber wundert: wie naiv muss man sein, um anzunehmen, dass nach mehr als hundert Jahren von den allgegenwärtigen Wrackplünderern noch irgendetwas übrig gelassen wurde?

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iNSTEIN 17.09.2014, 12:25
3.

Da ist nichts mit mal eben am Bein kratzen, kein guter Ort für Klaustophobiker. Faszinierend und unheimlich zugleich. Felix Baumgartners Sprung wäre aus ähnlichem Grund fast gescheitert.

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xtechnokratx 17.09.2014, 12:34
4.

Irgendwie haben es die Jungs um 1900 auch ohne moderne Technik geschafft.

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kom.philbier 17.09.2014, 13:05
5.

"Bis hinab in Tiefen von 300 Metern - weit jenseits dessen, was bisher für Taucher erreichbar war" 300 Meter ist sicher zu tief für Sporttaucher, für professionelle Taucher aber durchaus erreichbar - mit Ausrüstung die den Taucher dem vollen Umgebungsdruck aussetzt. Siehe zum Beispiel:

http://de.wikipedia.org/wiki/Tieftauchen_(Gerätetauchen)

und/oder

http://www.dolacek.de/tiefe01.htm

und/oder

http://en.wikipedia.org/wiki/Nuno_Gomes_(diver)

und/oder

https://web.archive.org/web/20081005073910/http://www.comex.fr/suite/ceh/histo/histo anglais.html

Diese - und andere - Quellen kann man ganz locker im Verlauf von 5 min Recherche auffinden. Die Aussage ist also vor allem journalistisch gesehen ein Trauerspiel.

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kernspalter 17.09.2014, 13:20
6.

@ilek: Vielen Dank, Sie sind mir zuvorgekommen.

@Cugel: Nun ja, laut wikipedia liegt das Wrack auf 45 m, üblicherweise heisst das "ab 45 m", also je nach Höhe des Schiffs ca. zwischen 45 und 55 m unter der Oberfläche, und geografisch am Arm der Welt.

Ich würde davon ausgehen, daß das gute, wenn auch nicht optimale Voraussetzungen für eine Erhaltung sind.

@xtechnokratx: Ja, aber sie haben mit toten und gelähmten Tauchern dafür bezahlt, weil wir Menschen damals die physikalischen und physiologischen Ursachen der Taucherkrankheit noch nicht verstanden hatten.

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Oberleerer 17.09.2014, 22:34
7.

Ich frag mich, wie lange man das aushält, wenn man versehentlich da reinkoffert :)

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spon-facebook-10000239462 21.09.2014, 10:15
8.

Gehärtetes Aluminium? Jedem Werkstoffingenieur sträuben sich die Nackenhaare angesichts solcher Begriffe. Das zeigt, dass hier lediglich eine Menge heisser Luft hinter dem Artikel steckt, das Sommerloch sollte doch langsam vorbei sein.

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FNagel 30.10.2014, 09:51
9.

@spon-facebook-10000239462: Von Unterwasserarchäologen und Journalisten kann man vernünftigerweise nicht die Sachkenntnis eines Werkstoffingenieurs erwarten. Falls Sie einer sind, so haben Sie die Gelegenheit, uns hier über Aluminium aufzuklären, nicht genutzt. Nun, dann halte ich mich eben an die Wikipedia-Artikel "Aluminiumlegierung", "Duraluminum" und "Ausscheidungshärtung", in denen erklärt wird, daß und wie Aluminium, wenngleich aufgrund anderer Prinzipien als Stahl, gehärtet werden kann und sehe, daß hierin kein Anlaß zur Kritik an dem Artikel besteht.

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