Forum: Wissenschaft
Verbotene Verhütungsspritzen: Mehr als 600 Gynäkologen unter Verdacht
DPA

Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen mehr als 600 deutsche Frauenärzte. Diese hatten über einen Großhändler günstige Verhütungsspritzen für ihre Patientinnen besorgt. Der Haken: Die Medikamente waren hierzulande nicht zugelassen.

Seite 6 von 8
chb_74 28.11.2013, 14:33
50. Vertriebsweg

Zitat von SirTurbo
Ach... Ein Medikament das in Ö zugelassen ist wird hier in D unverträglich oder wirklungslos nur weil es nicht über die Abzock-Apotheken sondern direkt beim Facharzt vertrieben wird? Interessant.
Es wird dadurch "illegal", denn das Arzneimittelgesetz regelt in §47 klar den vertriebsweg: AMG - Einzelnorm - entweder hält man sich an die Gesetze oder man lässt es, aber wenn man sich nicht ans Gesetz halten mag, sollte man sich auch nicht darüber ärgern, wenn andere sich auch nicht daran halten und sollte es in Kauf nehmen. Heisst konkret: wer auf illegalem Vertriebsweg Arzneimittel hält, sollte akzeptieren, dass er Ware erhält, die vielleicht nicht aus der Originalquelle (=deklarierter Hersteller) stammt. Ein bisschen schwanger gibt es nicht, d.h. nur die Gesetzesteile beachten bzw. für sich reklamieren, die einem gefallen und anderes nicht ist völlig indiskutabel.

Davon ab: dass der Arzt an sich kein Dispensierrecht hat, sondern der Apotheker die Arzneimittel liefert, wurde bereit 1238 im Edikt von Salerno aus gutem Grund festgeschrieben. Es gibt keinen vernünftigen Grund, davon abzuweichen. Bei in Deutschland dispensierberechtigten Tierärzten sieht man doch, wohin das führt: nirgendwo in Europa werden so viele Antibiotika an Nutztiere verabreicht wie in D, u.a. weil eben die Tierärzte an den Tierarzneien satt mitverdienen. Wenn der Arzt verordnet UND verkauft, ist das ein ganz klassischer Interessenkonflikt, der wirtschaftlich oder therapeutisch mindestens mittelfristig nicht zum überwiegenden Nutzen des Patienten führt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
chb_74 28.11.2013, 14:47
51. Soso.

Zitat von NoTarget
Zuerst dient dieses Verfahren ganz offensichtlich der Durchsetzung überhöhter Preise im deutschen Markt. Davon abgesehen ist die Rechtswidrigkeit des Vorgangs überhaupt noch gar nicht festgestellt, da das von der Staatsanwaltschaft behauptete "in Verkehr bringen" (also Import+Handel mit dem Medikament), der einen Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz darstellen würde, womöglich gar nicht erfolgt ist....
ad 1.: Wie kommen Sie darauf, dass das Arzneimittel netto (!) teurer wäre, wenn es in Deutschland zugelassen wäre? Zum Vergleich von Preisen ist immer nur der Nettopreis heranzuziehen, und da die MwSt. in Europa zwischen 0 und 22% bei Arzneimitteln schwankt, ist das schon ein relevanter Aspekt. Wenn schon vergleichen, dann bitte seriös - von "ganz offensichtlich" kann hier keine Rede sein. ---
ad 2.: "Inverkehrbringen" setzt keinen Handel zwingend voraus, das ist eine Fehleinschätzung. Außerdem gibt es im AMG die klare Regelung zur Apothekenpflicht, siehe §43 (AMG - Einzelnorm), und die lässt für das hier betroffene Arzneimittel keinen Interpretationsspielraum, denn die Aussage ist "alle Arzneimittel (insbesondere verschreibungspflichtige) unterliegen der Apothekenpflicht, es sei denn, es gibt eine spezielle Ausnahme". Die gibt es hier aber nicht, ergo gilt Apothekenpflicht. Außerdem kommen die Regelungen zum Import von Arzneimitteln zum Tragen, hier insbesondere eben für nicht im Zielland zugelassene, die jeweils einzeln auf konkrete ärztliche Anforderung hin importiert werden müssen (es ist ja nicht grundsätzlich verboten, nicht im Land zugelassene AM einzuführen und abzugeben!). Auch das scheint mir nicht gegeben zu sein.

Hier sind von den Ärzten einfach so viele Einzelregelungen umgangen worden, dass es einem die Haare zu Berge stehen lässt; letztlich wurde viel von dem umgangen, was den Arzneimittelverkehr in Deutschland sicher machen soll. Alles zum Wohle der patienten natürlich...hahaha...fragt auch mal jemand, wieviel die Ärzte wohl (zu prüfen: illegalerweise?) am Verkauf verdient haben? ;-)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Jabagrafs 28.11.2013, 15:14
52.

Zitat von smilesuomi
dann erklären Sie mir doch einfach mal, warum ein Produkt die Reise von Österreich nach London nach Zypern und dann nach Deutschland macht. und jetzt erklären Sie mir doch bitte, wer die deutsche MwSt abgeführt hat. fangen wir mal in österreich an. Bei Export nach England kann der Großhandel dies ohne Umsatzsteuer tun. Vorab in Österreich geleistete Umsatzsteuer kan ......
Woher haben Sie das, dass die Spritzen über Grossbritannien und Zypern gegangen sind?
Das ist doch auch wieder eine Erfindung oder "Stammtischparole" von Ihnen, die durch nichts im Artikel belegt ist.
Die Rechnungen sollen aus Spanien gekommen sein, wieweit nun eine zyprische Firma und eine Dependance in GB eine Rolle gespielt haben, ist nicht näher bekannt.

Gerade, wenn den Ärzten ein Arzneimittel ohne anrechenbare Umsatzsteuer aus dem Ausland geliefert wird, kann der Arzt in D auch keine Vorsteuer geltend machen.
Aber vom Patienten muss er für die Arznei 19% MwSt berechnen und an den Staat abführen.
Wo soll da ein Steuerschaden entstehen, weil ggf. aus einem Land mit einem MwSt-Satz von 0% auf Arzneimittel geliefert wird?

Sie sollten sich grundsätzlich erst selber kundig machen, bevor Sie falsche Behauptungen in die Landschaft setzen und dazu auch noch andere Foristen fälschlicherweise auf niedrigem Niveau anmachen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
limubei 28.11.2013, 15:26
53. deutsches Sonderrecht in der EU

Sehr sehr seltsam! Der grosse freie EU MArkt ausgehebelt durch deutsche Sondergesetze geschmiert durch die Pharma- und Apothekenlobby.
Ähnliches gild für den deutschen Automarkt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
NoTarget 28.11.2013, 15:27
54. Genau

Zitat von chb_74
ad 1.: Wie kommen Sie darauf, dass das Arzneimittel netto (!) teurer wäre, wenn es in Deutschland zugelassen wäre? Zum Vergleich von Preisen ist immer nur der Nettopreis heranzuziehen, und da die MwSt. in Europa zwischen 0 und 22% bei Arzneimitteln schwankt, ist das schon ein relevanter Aspekt. Wenn schon vergleichen, dann bitte seriös - von "ganz offensichtlich" kann hier keine Rede sein. --- ad 2.: "Inverkehrbringen" setzt keinen Handel zwingend voraus, das ist eine Fehleinschätzung. Außerdem gibt es im AMG die klare Regelung zur Apothekenpflicht, siehe §43 ...
ad 1.: Dies ist relativ offensichtlich, da die Preisunterschiede von der die Staatsanwaltschaft Wuppertal ausgeht bei über 60% liegen. Diese Differenz ist nicht durch Mehrwertsteuerunterschiede zu erklären und entspricht auch der Tendenz, die bei unzähligen anderen Medikamenten zu beobachten ist.
Aspirin von Bayer kostet in Spanien ungefähr halb so viel wie in Deutschland...

ad 2.: Und genau so eindeutig ist das AMG eben nicht, wie ja bereits in den verlinkten Seiten mehr als ausführlich dargelegt wird.

In Zeiten in denen der BGH einen OLG Freispruch kassiert und für den exakt gleichen Sachverhalt, den das OLG als nicht strafwürdig angesehen hat, eine mehrjährige Haftstrafe wegen Verstoßes gegen das AMG verhängt ist sicher vieles klar. Die Regelungen des AMG aber ganz sicher nicht...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
fettiz 28.11.2013, 15:49
55. Aha, für Österreicherinnen geeignet

für Deutsche nicht. Das zeigt, wie uns die Phamabranche hierzulande mit dem Staat als Handlanger ausnimmt. Lobbyismus pur.
Ist das jetzt ziviler Ungehorsam oder eine Straftat?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
smilesuomi 28.11.2013, 16:12
56. lesen hilft...

Zitat von Jabagrafs
Woher haben Sie das, dass die Spritzen über Grossbritannien und Zypern gegangen sind? Das ist doch auch wieder eine Erfindung oder "Stammtischparole" von Ihnen, die durch nichts im Artikel belegt ist. Die Rechnungen sollen aus Spanien gekommen sein, wieweit.....
laut Artikel waren Firmen in GB und Zypern beteiligt. Da hilft es, wenn Sie nicht nur die Überschrift lesen. Und nochmal,warum wurden Firmen über Zypern, London und eben Spanien involviert statt direkt über Österreich. Die einzige Erklärung, die mir dazu einfällt, sind MwSt-Tricks. Aber Sie Eure Erleuchtetheit haben natürlich eine bessere Erklärung. Deswegen -bevor Sie mir hier Stammtisch vorwerfen ohne selbst irgendwas hier zu liefern - erklären SIe mir, warum bei einem Produkt aus Österreich Firmen in GB, Zypern und Spanien involviert werden. Und ja, das steht im Text,den Sie schon durchlese sollten....

Abschließend...wenn mein Niveau schon niedrig ist, dann ist ihres wohl bodenlos, das Sie noch nicht mal den Artikel lesen müssen/können...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
chb_74 28.11.2013, 16:17
57. Hmmm...

Zitat von NoTarget
...Diese Differenz ist nicht durch Mehrwertsteuerunterschiede zu erklären und entspricht auch der Tendenz, die bei unzähligen anderen Medikamenten zu beobachten ist. Aspirin von Bayer kostet in Spanien ungefähr halb so viel wie in Deutschland... ad 2.: Und genau so eindeutig ist das AMG eben nicht, wie ja bereits in den verlinkten Seiten mehr als ausführlich dargelegt wird.
Zu den Preisen: natürlich kostet Aspirin in Spanien auch netto weniger als in Deutschland, obwohl sämtliches EU-Aspirin aus ein- und derselebn Bayer-Fabrik kommt. Das hat was mit der Kaufkraft zu tun: Aspirin zu deutschen Preisen kann sich kaum ein Spanier leisten. Autos kosten in Spanien auch weniger als in Deutschland. Kaufleute nennen sowas "Mischkalkulation" und von den Unterschieden leben die ganzen Reimporteure verschiedenster Waren, sowohl bei Autos, als auch bei Arzneimitteln. Wenn Sie sich mal die Mühe machen, die Nettopreise gängiger Arzneimittel (und das ist wichtig, dass es die Nettopreise sind!) und die mittleren Einkommen oder wahlweise auch die Preise für andere typische Güter des täglichen Bedarfs gegenüberstellen, werden Sie feststellen, dass da eine Korrelation zu sehen ist (und jetzt machen Sie nicht den Fehler, den viele schlicht gestrickte Leute begehen und vergleichen nur einen einzigen Preis - "einer ist keiner" gilt auch in der Statistik. Ca. 10 repräsentativ ausgewählte Preise müssen es schon mindestens sein...). Das ist schön für deutsche Urlauber in Spanien und schlecht für spanische Urlauber in Deutschland, aber von "Abzocke" zu reden ist da verfehlt. Wer es in Deutschland billiger haben will muss auch offen sagen, dass es dann in ärmeren Gegenden teurer werden soll, denn für Luft und Liebe und ohne Profit arbeitet kein Unternehmer...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
smilesuomi 28.11.2013, 16:19
58. p.s. ich vergaß...

Zitat von Jabagrafs
Woher haben Sie das, dass die Spritzen über Grossbritannien und Zypern gegangen sind? Das ist doch auch wieder eine Erfindung oder "Stammtischparole" von Ihnen, die durch nichts im Artikel belegt ist. Die Rechnungen sollen aus Spanien gekommen sein,.....

was soll das Gebrabbel Ihrerseits wegen der Umsatzsteuer. Die Ärzte wurden aus Remscheid beliefert. Is das für Sie europäisches Ausland. Was Sie anscheinend nicht begreifen (wollen), dass nicht die Ärzte MwSt.-tricks veruscht haben, sondern anscheinend der Versender. Natürlich kann ich das nur vermuten und zwa aus folgenden Gründen:
1. Versendung von Österreich über London/Zypern laut Artikel (bitte nochmal gaaanz genaulesen)
2. Wer sich schon nicht ans AMG hält und hier eine Straftatbegeht, ist wohl nicht unbedingt sehr gesetzestreu. Und es gibt eben keinen anderen Grund für diese Europareise ausser MwSt. Wenn Sie inIhrer nicht vorhandenen Allwissenheit einen besseren Grund kenen, nur zu

Beitrag melden Antworten / Zitieren
chb_74 28.11.2013, 16:19
59. Sonderrecht?

Zitat von limubei
Sehr sehr seltsam! Der grosse freie EU MArkt ausgehebelt durch deutsche Sondergesetze geschmiert durch die Pharma- und Apothekenlobby.
Sie irren sich. Das deutsche AMG setzt nur EU-Richtlinien um. Der Pharmamarkt ist europaweit sehr weitgehend harmonisiert - es wäre auch einem österreichischen Arzt verboten, ein in Österreich nicht zugelassenes Arzneimittel aus Deutschland einzuführen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 6 von 8