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Verbotene Verhütungsspritzen: Mehr als 600 Gynäkologen unter Verdacht
DPA

Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen mehr als 600 deutsche Frauenärzte. Diese hatten über einen Großhändler günstige Verhütungsspritzen für ihre Patientinnen besorgt. Der Haken: Die Medikamente waren hierzulande nicht zugelassen.

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mensch-maennlich 29.11.2013, 14:55
70.

Zitat von inci2
Das ist natürlich absoluter Quatsch. Keine Arzthelferin bestellt Medikamente einfach so, wie Druckerpapier oder Rezeptblöcke. Da sagt schon der Arzt bestellt das mal. Interessant wäre auch zu erfahren,......
Ich vermute mal der Grund ist ganz einfach. Solche Zulassungen müssen von den Herstellerfirmen beantragt werden. Und so einen Antrag unterlassen die natürlich mit Absicht, weil man dann das Medikament (unter genau diesem Markennamen) ebend nicht einfach in einem anderen Land verwenden kann.

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tomhagen 29.11.2013, 18:07
71. Hallo Binnenmarkt: wer ist bitteschön geschädigt, und wo liegt der

Geschädigt sind anscheinend nur 2 Pharmariesen (Bayer und Pfizer), da deren Produkte über den österreichischen Markt eingekauft wurden unter den dortigen Namen, anstatt auf dem hiesigen unter dem deutschen Namen - zu einem Bruchteil des hiesigen Preises. Laut dem Artikel aber identische Substanzen mit einer Zulassung in dem dortigen Markt, die unter einem anderen Namen auch hier zugelassen sind.
Vielleicht auch noch ein paar Apotheker, welche hier eine Spanne hätten machen können - dafür hat ein zypriotisch-englisch-spanischer Händler einen Teil der Marge eingestrichen.

Zunächst einmal: willkommen im EU-Binnenmarkt! Alles sind EU-Länder, wieso sollte der Handel nicht entsprechend zugelassen sein?
Weiterhin: was ist daran auszusetzen, wenn Ärzte Ihren Patienten einen entsprechenden Service anbieten, und sogar noch günstigere Preise anbieten können? Ist ein Arbitrage-Geschäft, und wenn der Patient das gut findet: so what?
Zu guter Letzt: diese Nummer zeigt, dass das hiesige Pharma-Apotheker-Kartell offensichtlich krankhaft zu hohe Spannen hat, wenn solche Arbitrage-Geschäfte für alle unmittelbar beteiligten Sinn machen.
Was sollte dagegen einzuwenden sein? Ein Problem mit der "Arzneimittelsicherheit" scheint nicht zu bestehen, eher mit Kungel-Preisen und Marktausnutzung.
Am lustigsten finde ich den Hinweis einiger Kommentatoren, dass Apotheken offensichtlich doch einen Beitrag zur Arzneimitteltherapiesicherheit leisten - welchen denn in diesem Beispiel? Indem sie zum deutlich höheren Preis ein Verhütungsmittel unter einem anderen Markennamen over the counter verkaufen? Oder glaubt irgendjemand, dass ein Apotheker (oder ein dort angestellter Verkäufer) bei Vorlage eines Privatrezeptes eines Arztes dem Kunden ein zeitlich aufwendiges Beratungsgespräch aufdrängen würde, gegen dessen Willen?

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joachim_m. 01.12.2013, 05:31
72. optional

Zitat aus Artikel:

"Ich sehe das nicht recht ein", sagt Gynäkologin Sabine W. Sie habe ja gar nicht gewusst, bei wem ihre Arzthelferinnen die Spritzen orderten. Viele Frauenärzte machen ihre Sprechstundenhilfen verantwortlich. Diese seien für die Bestellungen zuständig gewesen.

Zitat Ende

Ich lache mich kaputt: Wem gehört eigentlich die Arztpraxis, wer ist der Chef: die Arzthelferin? "Herr Richter, ich bin unschuldig, dass mein Patient gestorben ist, meine Arzthelferin hat gesagt, ich müsse Zyankali spritzen, das würde helfen." werden diese Leute wohl bei nächster Gelegenheit sagen, oder was? Natürlich muss sich der Arzt über ein Medikament informieren, dass er einem Patienten verabreicht, nicht nur, damit er keine nicht zugelassene Medikamente verwendet, er muss sich schon deshalb kundig machen, weil er die Risiken und Nebenwirkungen kennen muss, damit er weiß, worauf zu achten ist. Und dabei würde ihm auffallen, dass ein Medikament nicht zugelassen ist.

Bei manchen Medizinern frage ich mich, ob die wirklich die Verantwortung verstanden haben, die ihr Beruf mit sich bringt: Doktor spielen ist leicht, das kann jedes Kind, aber ein Arzt zu sein, der der Bezeichnung gerecht wird, erfordert mehr als nur gut Chef spielen zu können: Verantwortungsbewusstsein ist das Stichwort.

Ich weiß nicht, was die Gesetze in diesem Bereich hergeben, aber wenn es nach mir ginge, bekämen die alle einmal für drei Jahre die Approbation entzogen, damit sie einmal Zeit hätten, darüber nachzudenken, was der Begriff bedeutet: verantwortliches Handeln des Arztes.

Da fällt mir ein altes BGH-Urteil an, wo man damit argumentierte, dass ja überall in den Krankenhäuser inzwischen die medizinischen Standards nicht mehr eingehalten werden; der Patient war, ich weiß es nicht mehr genau, hinterher entweder tot oder schwer geschädigt, sprich behindert. Der Kommentar des BGH auf diesen Schwachsinn nachdem Motto, wenn alle fahrlässig handeln darf ich das auch: lautete zu Recht sinngemäß: Auch eine allgemein verbreitete Fahrlässigkeit macht diese rechtlich nicht zulässig.

Und für die Auswahl der Medikamente sind nach wie vor die Ärzte und nicht die Arzthelferinnen zuständig; diesen Satz sollte sich die hier zitierte Ärztin einmal ganz fett gedruckt an die Wand ihres Sprechzimmers nageln, im Rücken der Patienten, damit sie es immer sieht, wenn ein Patient vor ihr sitzt!

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