Forum: Wissenschaft
Vermeintliche Alleskönner: Forscher streiten um Stammzellen aus dem Hoden

Deutsche Wissenschaftler meldeten vergangenes Jahr einen sensationellen Fund: Aus dem Hoden erwachsener Männer wollen sie Stammzellen gezüchtet haben. Nun attackieren prominente Forscher die Ergebnisse heftig. Ihrer Meinung nach halten die Zellen nicht das, was sie versprechen.

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ReneMeinhardt 07.07.2009, 14:54
1. Attacke hin oder her

für mich sind diese Quasiwissenschaftler einfach nur die heutigen Frankensteins, und das mit Millionen Euronen vom Staat gestützt. Einfach nur pervers. Warum spritzen sie sich denn diese Zellen nicht selbst unter die Haut, warum müssen lebende Mäuse her? Für jede so zu Tode gequälte Maus fordere ich das Leben eines solchen Wissenschaftlers.

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Newspeak 07.07.2009, 18:27
2. ...

Zitat von ReneMeinhardt
für mich sind diese Quasiwissenschaftler einfach nur die heutigen Frankensteins, und das mit Millionen Euronen vom Staat gestützt. Einfach nur pervers. Warum spritzen sie sich denn diese Zellen nicht selbst unter die Haut, warum müssen lebende Mäuse her? Für jede so zu Tode gequälte Maus fordere ich das Leben eines solchen Wissenschaftlers.
Wie naiv ist dieser Standpunkt denn? Haben Sie sich überhaupt über die wissenschaftlichen Arbeiten informiert, die Sie so pauschal abwertend kritisieren? Haben Sie mal darüber nachgedacht, wieviele menschliche Leben frühere Experimente an Mäusen im Rahmen der Pharmaforschung schon gerettet wurden? Ich lasse Ihnen gerne Ihre Meinung, aber dann verzichten Sie bitte auch aus freien Stücken auf jede medizinische Behandlung, die auf Grundlage von Tierversuchen entwickelt worden ist, wenn Sie das Ganze für so verwerflich halten. Aber wenn es um das eigene Leben geht, werden vermutlich auch Sie eine Ausnahme machen. Das finde ich dann allerdings charakterlich verwerflich.

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ReneMeinhardt 07.07.2009, 18:36
3. Antwort

Natürlich habe ich darüber nachgedacht. Es gibt einfach zu viele Beispiele, die die Nichtübertragbarkeit solcher Experimente auf den menschlichen Körper beweisen. Letzten Endes kommen die wahren Erfolge erst nach Erprobung am Menschen, also kann man sich die Tierversuche doch gleich sparen. Für mich ist das fehlende Mitgefühl bei tierischem Leid eine fatale Charakterschwäche.

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Newspeak 07.07.2009, 18:54
4. ...

Zitat von ReneMeinhardt
Natürlich habe ich darüber nachgedacht. Es gibt einfach zu viele Beispiele, die die Nichtübertragbarkeit solcher Experimente auf den menschlichen Körper beweisen. Letzten Endes kommen die wahren Erfolge erst nach Erprobung am Menschen, also kann man sich die Tierversuche doch gleich sparen. Für mich ist das fehlende Mitgefühl bei tierischem Leid eine fatale Charakterschwäche.
Ok...wenn Sie dann auch akzeptieren, daß bei Weglassen aller Tierexperimente und direkter Erprobung am Menschen vielleicht 30 bis 60% der "Testobjekte" das Zeitliche segnen. Das Risiko einer durchschnittlichen Medikamentenentwicklung besteht nämlich zu 95% daraus, daß sich irgendein unerwünschter Nebeneffekt im Tierversuch zeigt, angefangen von einer kurzfristigen lokalen Irritation bis hin zu Exitus durch multiples Organversagen. Beispiele dafür gibt z.B. das Experiment, das vor einiger Zeit in London durchgeführt wurde und bei dem sechs Personen ohne intensivmedizinische Behandlung kaum überlebt hätten.

Wissen Sie was ich für eine fatale Charakterschwäche halte? Den Menschen ethisch betrachtet unter das Tier einzuordnen, d.h. aus Mitleid mit dem Leid der (zumeist süßen) Tiere, das Leid der Menschen zu relativieren. Das ist charakterlich auch nicht besser, als den Menschen zu überhöhen und das Leid der Tiere zu leugnen.

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Schnurz321 07.07.2009, 18:55
5. ...

Zitat von ReneMeinhardt
Natürlich habe ich darüber nachgedacht. Es gibt einfach zu viele Beispiele, die die Nichtübertragbarkeit solcher Experimente auf den menschlichen Körper beweisen. Letzten Endes kommen die wahren Erfolge erst nach Erprobung am Menschen, also kann man sich die Tierversuche doch gleich sparen. Für mich ist das fehlende Mitgefühl bei tierischem Leid eine fatale Charakterschwäche.
Haben Sie Quellen dafür, dass Tierversuche unnütz sind?

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janus kopp 07.07.2009, 23:19
6. Artikel

Der Artikel ist großartig. Sehr gut und detailliert recherchiert. Ich erinnere mich, dass Herr Skutella in der Vergangenheit - nach Veröffentlichung seines besagten Artikels - schon öfters durch Spiegel online zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung befragt und dann in Artikeln zitiert wurde. Jetzt kommt raus, dass er so ein großer Experte wohl gar nicht sein kann und womöglich seine Ergebnisse zumindest stark überinterpretiert hat. Da frage ich mich, warum so ein kritischer Beitrag erst jetzt kommt. Aber immerhin...

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dr_tone 07.07.2009, 23:57
7. Gehts noch, Herr Lubbadeh?

Was, bittschön, soll denn dieser Artikel? Seit wann ist es üblich, dass wissenschaftliche Arbeiten nicht unter Wissenschaftlern, sondern in der Öffentlichkeit diskutiert werden?

Wohlgemerkt, hier geht es nicht um wissenschaftliches Fehlverhalten, wie Fälschung oder Datenklau. Es geht auch nicht um irgendwelche wissenschaftliche Neuigkeiten, etwa einen der zahlreichen Durchbrüche in der Stammzellforschung. All das wäre eventuell von Interesse für die Öffentlichkeit.

Aber nichts von dem. Hier geht es ausschlieslich um einen innerwissenschaftlichen Diskurs. Die Vertrauenswürdigkeit der Daten von Herrn Skutella steht ja (bislang) ausser Zweifel. Hier geht es allein darum, ob die Folgerungen, die er bzgl. der Pluripotenz gezogen hat, etwas zu vorschnell oder weit gegriffen waren. Eine Frage, deren Beantwortung erstens vom Standpunkt abhängt, weil es keine einheitlichen Kriterien für Pluripotenz gibt, und die zweitens reichlich akademisch ist. Entscheidend ist, was man mit den Zellen von Herrn Skutella machen kann.

Aber darum geht es eigentlich gar nicht. Hier geht es um den Vorgang. Was in drei Gottes Namen hat das im Spiegel verloren? Seit wann geht ein Wissenschaftler zu einer Tageszeitung: "Hallo, Herr Wissenschaftsredakteur, ich habe da vor einem halben Jahr eine Veröffentlichung gelesen, die kommt mir ein bisschen fehlinterpretiert vor!"? Warum bringt der Spiegel sowas?

Ein Blinder kann sehen, dass es hier darum geht, Herrn Skutella zu desavouieren; und die Frage ist berechtigt, wieso Sie, Herr Lubbadeh sich für derlei vor den Karren spannen lassen?

Herr Skutella hat diese Sache vor einm halbeen Jahr veröffentlicht. Komischerweise werden die Zweifel jetzt laut, just eine Woche nachdem Herr Schöler eine eigene Veröffentlichung zu pluripotenten Stammzellen aus dem Hoden rausgebracht hat. Nachtigall, ick hör Dir aber sowas von.

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janus kopp 08.07.2009, 20:35
8. na ja

Hallo dr_tone,
ich finde, der Artikel hat schon seine Berechtigung, weil Spiegel Online eben schon oft Herrn Skutella als Stammzellexperten konsultiert hat - nachdem er sich durch diese Arbeit profiliert hatte. Insofern ist das ein Artikel in eigener Sache, vielleicht ein bischen aus schlechtem Gewissen heraus.
Außerdem ist das Thema Stammzellforschung kein wissenschaftliches Thema wie jedes andere, sondern ist politisch aufgeladen. Wenn also - in Deutschland - Arbeiten rauskommen, welche die Wissenschaftler in der öffentlichen Aufmerksamkeit nach oben spülen, denen sie dann Millionenbeträge and Forschungsgeldern verdanken, die sich dann aber leider als nicht haltbar erweisen - möchte ich das wissen.

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richie 09.07.2009, 00:35
9. Was kommt raus?

Zitat von janus kopp
Jetzt kommt raus, dass er so ein großer Experte wohl gar nicht sein kann und womöglich seine Ergebnisse zumindest stark überinterpretiert hat.
Woraus entnehmen Sie diese Weisheit?
Meinen Sie im Editorial Board von Nature sitzen nur Idioten, die beim Reviewing nicht genau hinsehen?
Erst recht wenn es sich um eine Erstpublikation in einem neuen Fachgebiet geht?

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