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Vernetzte Menschheit: Wie wir zu Insekten werden

Ich bin erreichbar, also bin ich: Vernetzung macht die Gesellschaft der Zukunft aus, prognostiziert Medienwissenschaftler Norbert Bolz. Chips im Körper werden direkte Hirn-zu-Hirn-Kommunikation ermöglichen - mit drastischen Folgen für die Menschheit.

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Caspar Hübinger 11.05.2009, 00:06
10. Mit dem konsumistischen Manifest lag er auch daneben

Was soll das sein? Ein Artikel? Ich dachte, ein Artikel sei ein journalistisches Werk, und der Journalist der Wahrheit verpflichtet.
Naja, der Herr Bolz hat ja offensichtlich schon einmal daneben gelegen. Heißt es in dem kleinen Kasten im Artikel: "Mit seinem Buch 'Das konsumistische Manifest' und der darin vertretenen Theorie, dass der Konsum als eine Art Ersatzreligion eine Gesellschaft vor Fanatismus schütze, sorgte Bolz im Jahr 2002 für Aufsehen."
Jetzt ist 2009, wir konsumieren, was das Zeug hält, und sind damit, was die Zerstörung unserer Biospäre angeht, mindestens so fanatisch wie die anderen Fanatiker, die uns alle wegbomben wollen.
Wenn so ein Unsinn aus der Feder eines "führenden" Wissenschaftlers kommt, wer weiß, wohin uns das noch führt...

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kritisch bleiben 11.05.2009, 01:09
11. Es bleibt die Frage ob der Mensch das auch will?

Auch wenn vieles was der Artikel beschreibt Realität werden könnte, so bleibt meiner Meinung nach Anzumerken das der Mensch ein denkendes Wesen ist welches zu einem gewissen Teil durch seine Unangepasste Weise Profitiert und verliert. Die Gefahr dieser Vernetzung besteht nämlich das der Mensch ein komplett gläsernes Individium wird. Dies ist für Eliten des Landes egal welcher Richtung Ideal. Nur wenn man nicht in dieser Vernetzung ist, kann man nicht erfasst werden und ist damit auch nicht berechenbar. Dies dürfte für viele Menschen mehr erstrebenswert sein als die Vorteile der absoluten Vernetzheit zu genießen. Der Nachteil der absoluten Vernetzheit ist nämlich der Verlust der Privatsphäre bis in seinen hintersten Winkel sowie die absolute Kontrolle von Eliten über Meinungsbildung vom normalen Bürgern und dem ausschließen von anderen welche eine andere Meinung besitzen. Dies lässt sich nur verhindern wenn ich bewusst das öffentliche Auslesen von Meinungen und Interessen verhindere. Es wird interessant sein wie weit der Mensch mit geht und ob es auch Gegenprozesse in größerem Umfang geben wird. Das Ausbalancieren der Prozesse in Nützlichkeit oder doch zu viel Preisgeben der Privatsphäre, wird die nächsten 10 -30 Jahre nicht einfach sein und zu neuen Denkmustern führen.

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freewheeling 11.05.2009, 01:26
12. so isses ...

.
Herr Bolz hat natuerlich recht, die Entwicklung ist offensichtlich.

Naechster Schritt: Wie kann eine Revolution aussehen, um die individuelle Freiheit und Menschenwuerde wieder zurueckzugewinnen.

Vielleicht sollten wir unsere Kinder so erziehen, dass sie IT wirklich als das sehen was es ist, naemlich als ein Werkzeug, das dem Individuum dient und letztlich der Selbstbestimmung.
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Desmond Manchester II. 11.05.2009, 01:27
13. ...

Ich glaube auch, dass diese Chips kommen werden. Aber natürlich nicht für die gesamte Menschheit. Wer hätte Interesse daran, selbst wenn die Mittel verfügbar wären? Eher wird eine kybernetische Elite entstehen.

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Zyklotron 11.05.2009, 01:31
14. Ferngesteuertes Sklavenvolk

Eigentlich will ich aber gar keine hirnlose Ameise werden.

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Planet Earth 11.05.2009, 01:36
15. Kartoffelchips sind harmloser

Da hilft wahrscheinlich nur noch eine Gegenbewegung á la "Auf die Bäume ihr Affen". Macht jemand mit?

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artefáctico 11.05.2009, 03:32
16. Wann?

Bravo, ich bin erfreut über die visionären Gedankengänge, die der Autor da zeigt.
Natürlich ist das Thema kein neues, aber mit der Zeit und Moores Gesetz der sich alle 18 Monate verdoppelnden Anzahl der Transistoren auf einem Prozessor, wird es immer greifbarer. Die Informationsverarbeitung auf kleinstem Raum in der Nanotechnologie befindet sich dank militärischer und Weltraumforschung auf einem Niveau, das in nicht allzu ferner Zukunft Biochips für die zivile Verwendung ermöglichen wird, was heißt, unter wirtschaftlichen Bedingungen.
Der Vergleich der soziokulturellen Entwicklung des Menschen mit Insekten ist hier natürlich Kern des Anstoßes, aber nicht so falsch. Am Ende bleiben wir immer Menschen und diese Entwicklung ist unsere, egal ob vergleichbar mit Insekten oder anderen Lebensformen. Die heute schon erlebbare Individualisierung elektronischer Geräte, wie den Smartphones, wird sich in Zukunft auf kleinstem physischen Raum abspielen und der Welt des Konsums unbeschränkte Möglichkeiten eröffnen. Der Mensch wird durch seinen Chip immer online sein, durch Hirnstrommessungen erkannte Bedürfnisse und Wünsche übersetzen sich in Vorschläge nachts auf die Toilette zu gehen, perfekt abgestimmte Werbung, die Produkte und Dienstleistungen genau dann offeriert, wenn der Wunsch befriedigt werden soll und die Kommunikation von Gehirn zu Gehirn wird eine neue Dimension menschlichen Denkens hevorbringen. Denn damit wird der Traum oder Albtraum wahr, die Gedanken des Anderen lesen zu können, was eine Verschlüsselung des Denkens erfordert. Nämlich genau das zu denken, was man möchte, das der andere erfahren soll.Vor dem "inneren Auge" wird sich wörtlich jedes einzelnen Realität abspielen. Die gewünschte Umgebung wird auf die Netzhaut projiziert und auf dem Weg zur Arbeit geht man statt durch Betonschluchten durch costaricanischen Urwald. Damit man nirgends anstößt funktioniert das Programm natürlich wie ein Navigationsgerät, weicht man von der Route ab und nimmt nicht die U-Bahn, schlägt der Operator einen Alternativweg im Urwald vor, der dem in der wirklichen Welt entspricht. Sollten Einkäufe dann noch real getätigt werden, dient die virtuelle Realität zur Stressvermeidung, und Personen der Umgebung können beliebig zu- und abgeschalten werden, interkommunizierende Chips vermeiden ohne dass wir es merken Kassenschlangen und Kollisionen mit anderen Passanten.
Bleibt nur die Frage: Wann?

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Mephane 11.05.2009, 03:59
17. Technologische Singularität!

Was der Autor beschreibt, ist letztlich die erste Vorstufe einer sog. "Technologischen Singularität", in diesem Fall basierend auf der Verbindung und totalen Vernetzung von Mensch und Maschine.

Eine Technologische Singularität bezeichnet ein zumindest teilweise technologisches System, das in der Lage ist a) sich selbst zu modifizieren und b) sich Verbesserungen für sich selbst auszudenken. Eine der Varianten, wie dies zustande kommen könnte, wäre durch die Verbindung von biologischem Leben und Maschinen unter Ausnutzung der besseren Vernetzbarkeit letzterer. Damit könnte eine gesamte Spezies sich zu einem gigantischen Meta-Organismus mit einem für uns unvorstellbar intelligentem Meta-Bewusstsein entwickeln.

Ab diesem Zeitpunkt wäre jede Prognose über die weitere Entwicklung reine Spekulation. Auf jeden Fall würde sich der wissenschaftliche Fortschritt exponenziell beschleunigen. Das System würde für den Menschen unkontrollierbar, entweder da es vom Menschen unabhängig existiert (die reine KI-Singularität) oder den Menschen nur als Partikel vereinnahmt hat (kybernetische Singularität) und der Mensch lediglich zu einer Art Neuron eines gigantischen Supercomputers würde.

Inwieweit der Mensch selbst dann abgeschafft würde, sobald die Singularität ein effizienteres Neuron erfunden hat, lässt sich nicht vorhersagen. Unsere eigene Erfindung könnte uns letztlich für überflüssig halten und durch etwas effizienteres ersetzen.

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toskana2 11.05.2009, 04:41
18. blankes Entsetzen

Zitat von sysop
Ich bin erreichbar, also bin ich: Vernetzung macht die Gesellschaft der Zukunft aus, prognostiziert Medienwissenschaftler Norbert Bolz. Chips im Körper werden direkte Hirn-zu-Hirn-Kommunikation ermöglichen - mit drastischen Folgen für die Menschheit.
Zitat von DER SPIEGEL
"Von der politischen Aufklärungsutopie zur Mystik der Vernetzung..." "..Nur ein direktes Gehirn-Maschine-Interface könnte letztlich den Flaschenhals Mensch überwinden ..." "... New-Age- und Gaia-Propheten ....."
Hätte ich keine Kinder,
würde mich das Ganze einen feuchten Kehr interessieren!

Beängstigend finde ich:Wer in so einer Umgebung hinein geboren und groß wird,
dem wird das Bewusstsein des Menschseins fehlen.
Ich dachte immer, wir sind schon heute seelenlos.Weil das Funktionieren unser Leben beherrscht.
Doch der Fortschritt kennt offenbar keine Grenzen.
Die, die meinen, die Spezies Mensch trage den Keim der Selbstzerstörung in sich, werden Recht bekommen.

Einen Vorteil hat die Sache dennoch:
Wo keine Seele ist, kann keine Seele Schaden nehmen!
Auf zur fröhlichen Vernetzung!

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reiska 11.05.2009, 06:10
19. "Die Gedanken sind frei" - das war einmal

Darauf habe ich schon eine Weile gewartet. So ein Chip kann natürlich auch trefflich genutzt werden, um politisches oder soziales Verhalten von Menschen zu steuern. Wer wäre schon dagegen, wenn jemand mit Naziideen oder Mordgedanken vom Chip Signale erhält, die ein unangenehmes Gefühl erzeugen und ihn dadurch sofort an etwas anderes denken lassen. Per remote download lässt sich später natürlich auch jeder andere Gedanke unterdrücken oder forcieren.

"Die Gedanken sind frei". Das waren sie nur, weil sie sich BISHER nicht kontrollieren liessen.
Schöne neue Zeit!

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