Forum: Wissenschaft
Vernetzte Menschheit: Wie wir zu Insekten werden

Ich bin erreichbar, also bin ich: Vernetzung macht die Gesellschaft der Zukunft aus, prognostiziert Medienwissenschaftler Norbert Bolz. Chips im Körper werden direkte Hirn-zu-Hirn-Kommunikation ermöglichen - mit drastischen Folgen für die Menschheit.

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Neurovore 11.05.2009, 15:15
70. ...

Zitat von Zuul
Da trägt ein "Medienwissenschaftler" ... es gibt übrigens keine Wissenschaft der Medien, höchstens eine Ansammlung quasi-akademisch verbrämter, woanders geklauter Hypothesenversatzstücke ... er trägt also vor, welche Vision er von der Zukunft hat...
Was "Medienwissenschaftler" á la Bolz angeht, leben wir ja praktisch schon in einem Insektenstaat: Mit einem chemischen Kniff schmuggeln sich die Raupen einer Schmetterlingsart in Ameisennester ein, um von den Ameisen durchgefüttert zu werden.

Und offensichtlich kann man inzwischen auch absolut hohles Geschwallere als journalistischen Artikel verkaufen; Mimikry ist alles. Aber zum Artikel: die in der ersten Hälfte postulierten Zukunftsszenarien konnte man schon vor etlichen Jahren bei William Gibson nachlesen. Traurig ist, daß aus modernen, gerade aktuelle Jugendbewegungen (hier studivz und wie andere Hilfs-Freundschafts-Netzwerke auch immer heißen) sofort irgendeine gesellschaftliche Entwicklung abgeleitet werden muß. Und dann auch noch mit derart technik- und biologiefremden Lötzinn wie "Der direkten Hirn-zu-Hirn-Kommunikation".

Neneeeee, es ist schon erschütternd, wenn Bolz mit seinen monokausalen Erklärungen und peinlichen Argumenten Aufmerksamkeit in anderen Medien bekommt; daß SPON da jetzt auch mitmacht und dann auch noch unter "Wissenschaft"....tststs

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sponsucht 12.05.2009, 13:59
71. Peter Russel - Auf dem Weg zum globalen Gehirn

Zitat von schweineigel
Schon zur Erfindung des Telefons haben die Leute spekuliert: Jetzt sind Kriege überflüssig - Die Leute können sich anrufen, und Missverständnisse ausräumen. Und genau so wird es mit der globalen Vernetzung sein!
Ich würde sagen, diese Spekulationen waren so unsinnig nicht:
http://de.wikipedia.org/wiki/Rotes_Telefon

Auch wenn mir der hiesige Artikel nicht sehr gefällt, finde ich das Thema sehr spannend. Auch für mich ist das alles der logische nächste Schritt in der Geschichte der Menschheit. Mein Favorit ist Peter Russel (Auf dem Weg zum globalen Gehirn):

Deutsch:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/2/2080/1.html

mehr auf Englisch:
http://www.peterrussell.com/index2.php

Das meine Stimme per Telefon ans andere Ende der Erde weniger lang benötigt als manche motorischen Befehle in meinem Gehirn ist schon faszinierend. Das surfen im Netz empfinde ich nicht selten als Zustand der absoluten losgelöstheit vom hier und jetzt. Man verliert jegliches Zeitgefühl. Wenn nicht irgendwann die Augen trocken und der Rücken verspannt werden, würde ich vermutlich teilweise tagelang ohne Schlaf herumsurfen.

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kundrie 14.10.2010, 12:16
72. Drogenrausch

Zitat von sponsucht
Das meine Stimme per Telefon ans andere Ende der Erde weniger lang benötigt als manche motorischen Befehle in meinem Gehirn ist schon faszinierend. Das surfen im Netz empfinde ich nicht selten als Zustand der absoluten losgelöstheit vom hier und jetzt. Man verliert jegliches Zeitgefühl. Wenn nicht irgendwann die Augen trocken und der Rücken verspannt werden, würde ich vermutlich teilweise tagelang ohne Schlaf herumsurfen.
Surfsüchtig. Sponsucht, du liest dich wie die moderne Variante eines Opiumrauchers. Man kann übrigens seine motorische "Leitung" ganz gut trainieren, dafür sollte man ab und zu aber auch aus den virtuellen Weiten wieder auftauchen.

Mich lässt die "Zukunftsvision" in dem Artikel kalt, es ist halt eine dieser ekstatischen Nerdphantasien, in denen aus etlichen Vorlagen aus Buch, Film, Fernsehen... eine Utopie zusammengeträumt wird, weil man in der Realität zu faul ist, selber und physisch für seine Bedürfniserfüllung zu sorgen oder mit dem realen Umfeld zu interagieren. Also Realitätsflucht - technologisch.

Ich möchte mit 95% der menschlichen Hirne der Jetztzeit wirklich NICHT vernetzt sein und ihre Gedanken hören können, nein, ums Verrecken nicht, und das meine ich durchaus wörtlich. Aber solange dieser Techno-Utopismus völlig verdrängt, dass ihre virtuellen Welten einen durchaus unvirtuellen Energiebedarf haben, um zu existieren, und solange das Energiegewinnungsproblem so ungelöst ist wie heute und die Entwicklung alternativer Energien durch den Megalobbyismus der Atomkraftwichser wieder um Millionen Jahre Halbwertszeit zurückgeworfen ist - bleibt für die Verhinderung der totalen Vernetzung ja eine verdammt schlichte und anwendbare Möglichkeit:

Einfach mal den Strom abschalten!

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