Forum: Wissenschaft
Wenn Menschen morden: "Das tut man kein zweites Mal. Denken wir"
Thamrongpat Theerathammakorn/ EyeEm/ Getty Images

Mit 18 Jahren erschießt Karsten B. einen Nebenbuhler. Als er aus dem Gefängnis freikommt, scheint alles gut - bis er erneut mordet. Der Kriminalpsychiater Hans-Ludwig Kröber hat untersucht, was "Mehrfachtöter" antreibt.

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s.l.bln 12.05.2019, 07:50
30. Als "Gutmensch"...

Zitat von kascha_2013
aber in den USA gibt es Strafen die solche Probleme ein für alle Male lösen. Ich für meinen Teil habe kein Problem damit, vielmehr habe ich ein Problem mit all diesen Gutmenschen und Allesversteher. Die Gesellschaft muß nachhaltig vor solchen Menschen geschützt werden.
...kann ich einzig Ihrem letzten Satz zustimmen.
Wer zweimal in komplett unterschiedlichen Zusammenhängen gemordet hat, ist klar ein Fall für die Sicherheitsverwahrung.
Die Todesstrafe, auf die Sie wohl abzielen, rückt die Gesellschaft auf die gleiche Stufe, wie die zu verurteilenden Mörder: Jemand hat etwas getan, das ich verabscheue, als töte ich ihn. So denken die auch, nur daß deren Auslöser ein anderer ist.
Meiner Meinung nach muß der Strafvollzug einer halbwegs emotionslosen Haltung folgen. Weder sollte er den Rachegedanken in sich tragen, noch sollte man sich in den Gedanken verlieben, jeden Täter wieder auf den guten Pfad führen zu wollen/können. In vielen Fällen geht das wohl gar nicht, weil auch physische Disfunktionen eine Rolle spielen können. Es gibt Untersuchungen, die gezeigt haben, daß ein hoher Prozentsatz von Gewaltverbrechen an einer nicht behandelbaren Minderausschüttung von Oxytocin leiden, wodurch diese Leute vermindert oder gar nicht zur Empathie fähig sind. Die begreifen fremdes Leid gar nicht, und können z.B. auf Fotos einen fröhlichen Menschen von einem traurigen kaum unterscheiden.
Die sind mit keiner Therapie der Welt zu erreichen.
Das eigentliche Problem mit der Todesstrafe ist aber, daß sie nicht reversibel ist und die Welt ist voll von Justizirrtümern.
Es mag Sie als Gegner des Humanismus nicht weiter kratzen, wenn hin und wieder ein Unschuldiger über die Klinge springt, mich aber schon.

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judas-adolf 12.05.2019, 07:53
31. #13, scherzischerzissimi

Chapeau! Dem ist nichts hinzuzufügen.

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judas-adolf 12.05.2019, 08:00
32. Mordraten

An alle, die die Todesstrafe in den USA glorifizieren: Bitte vergleichen Sie die Mordraten (pro 100.000 Einwohner) in Deutschland und in den USA. Und entscheiden dann in welcher Gesellschaft sie lieber leben möchten. Könnte es möglich sein, dass eine humanere, nachsichtigere Gesellschaft auch weniger Mörder hervorbringt, also mehr Sicherheit schafft, als das rigideste Justizsystem?

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brian75 12.05.2019, 08:23
33. Nr. 9 und 14

Vgl. hierzu Paragraph 41 SGB VIII.

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pauschaltourist 12.05.2019, 08:25
34.

Das Versagen ist in erster Linie nicht der Justiz sondern dem Bundesverfassungsgericht und der forensischen Psychatrie und nicht der Strafjustiz zuzuschreiben. Das BVerfG bestimmte vor einigen Jahrzehnten, dass die im Strafgesetzbuch normierte "lebenslange Freiheutsstrafe" nach Morddelikten nicht tatsächlich lebenslang durchgesetzt werden darf. Dies führt statistisch zur Haftentlassung von Mördern nach ca. 18 Jahren Freiheitsstrafe. Die Psychatrie hingegen bescheinigte den vorzeitig Entlassenen jeweils keine Rückfallgefahr und positive Sozialprognose. Sollte sich die im Artikel genannte Zahl.von 42 "Mehrfachtötern" auf "Mörder" beziehen, sind mind. 42 Familien von diesen eklatanten Fehlentscheidungen betroffen. Als Angehöriger würde ich die für die Fehlentscheidung verantwortlichen Psychiater verklagen. Vielleicht führen diese Klagen in der Folge zu einer angemessenen zurückhaltenden Entscheidungsfreude dieses Berufsstandes in ähnlichen Fällen.

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appendnix 12.05.2019, 08:30
35. Das ist ein Problem unserer Strafgesetzgebung

Bei Ländern, die auf Kapitalverbrechen die Todesstrafe anwenden, gibt es logischerweise dieses Problem, des Wiederholungstäters nicht. Deshalb bin ich bei eineindeutiger Beweislage (z.B. Täter-DNA plus Geständnis) bei schweren Verbrechen für die Todesstrafe. Außerdem bin ich insgesamt für eine deutliche Verschärfung der zu verhängende Strafen in Deutschland: nicht die Resozialisierung des Täters/der Täterin hat im Vordergrund zu stehen, sondern der Schutz der Gesellschaft vor diesen.

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Der Held vom Erdbeerfeld 12.05.2019, 09:23
36. Realistisch bleiben

In der Bundesrepublik Deutschland wurden bereits Zigtausende wegen Tötungsdelikten zu Haftstrafen verurteilt und entlassen, nachdem sie ihre Strafe abgesessen haben oder nach Prüfung der Sachlage vorzeitig entlassen wurden. Nur ein absoluter Bruchteil dieser Personen tötet erneut.
Es ist zwar richtig, dass im Grunde jeder Wiederholungstäter einer zu viel ist, aber das spricht doch eher für mehr Gründlichkeit bei der Beurteilung des Einzelfalls und mehr Nachsorge (nicht nur psychologisch, auch durch die Exekutive), als für das, einzige rechtsherum drehende Alternativdemokraten hier fordern - nämlich das grundsätzliche Wegsperren oder gar die Todesstrafe.
Verhindern zu wollen, dass resozialisierbare Menschen ins Leben zurückkehren oder Fehlurteile nicht endgültig sind, offenbart paradoxerweise genau die fehlende Empathie, die man auch bei Mehrfachmördern vorfindet.

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micca221 12.05.2019, 09:31
37. Die Verantwortung des Einzelnen

Es gibt ganz sicher ebenso viele Menschen, die haben das gleiche schreckliche Schicksal durchgemacht, den gleichen schwierigen Familienhintergrund, mit den gleichen schlechten Voraussetzungen, und morden dann trotzdem nie, begehen nie eine Straftat und leben ein in die Gesellschaft gut integriertes Leben. Was ist mit denen? Irgendwann hört die "Schuld" der Familie, Gesellschaft, etc. auf, und es beginnt die Verantwortung des Einzelnen. Vielleicht sollte man mal wieder etwas vermehrt darüber nachdenken.

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Aurora vor dem Schilf 12.05.2019, 10:05
38. Jugendstrafrecht

Rufe nach härteren Strafen sind verständlich, lösen solche Probleme bekanntlich jedoch nicht. Was hier in der Einzelbetrachtung plausibel erscheint – nämlich den Täter möglichst frühzeitig wegsperren und nicht mehr rauslassen – ist in der globalen Betrachtung jugendlicher Straftäter gar nicht mehr so plausibel. Mit der Forderung nach härteren Strafen würde man dann nämlich auch junge Menschen lange weg sperren - und sozial kaputt machen, die sich anschliessend gut in die Gesellschaft eingliedern. Der erzieherische Gedanke des Jugendstrafrechts ist eine Errungenschaft unserer Gesellschaft und nicht etwa ein zu beseitigen des Manko.

Gerade aber wenn das Jugendstrafrecht angewendet wird, wäre wünschenswert, das gefährliche Täter anschliessend nicht einfach auf die Gesellschaft losgelassen werden, so nach dem Prinzip „Versuch und Irrtum“. Was es hier braucht, sind Konzepte, wie sich das von bestimmten Tätern ausgehende Risiko weiter begrenzen lässt.

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marcaurel1957 12.05.2019, 12:45
39.

Zitat von Rechtsrum
Die "Resozialisierung" als oberstes Ziel ist schon grundsätzlich völlig falsch. Bei uns haben Gewalttäter mehr Rechte, als Opfer von Gewalttaten (falls diese Opfer die Tat überlebt haben). Die meisten Verhandlungen und Urteile sind für die Opfer reiner Hohn. Der Staat will natürlich sparen, es ist billiger, Straftäter wieder aus dem Gefängnis zu entlassen, als sie ein Leben lang wegzusperren. Schutz der Bevölkerung und Gerechtigkeit für die Opfer zählt bei uns nichts. Ein wegen Mordes (nicht Totschlag) Verurteilter sollte kein Recht haben, jemals wieder in Freiheit entlassen zu werden. Wer einmal töten kann, kann es immer wieder. Auch sollte bei Mord kein anderes Mass bei jugendlich Straftätern angelegt werden. Spätestens seit 2015 sieht man, dass unser Justizsystem keinerlei Autorität besitzt und eigentlich eine völlige Lachnummer ist. Man hat als Verkehrssünder, Schwarzfahrer, GEZ-Nichtzahler und Steuerhinterzieher eine höhere Chance ins Gefängnis zu kommen, als als Gewalttäter. Ausserdem sollten Gefängnisse eine Strafe sein und kein Sanatorium für vom Leben Benachteiligte. Aber, wie bei vielem, ist Deutschland hier eher eine internationale Lachnummer, die keiner Ernst nimmt - und inzwischen vielen Menschen im Land das Leben gekostet hat.
Ich stelle fest, Sie haben schlicht keine Ahnung von unserem Justizwesen und auch nicht von den dahinter liegenden ethischen Überlegungene.

Ganz sicher haben Sie nie eine Verhandlung gesehen und auch nie ein Urteil gelesen.

Strafe verfolgt mehrere Ziele, einmal natürlich Prävention aber natürlich auch Resozialisierung, die auch sehr häufig, je nach Delikt, funktioniert.

Das auch ein Mörder trotz lebenslänglich die Chance auf Freilassung haben muss, ist zu recht ein Aussfluss der Menschwürde. Immerhinnist auch die durchschnittliche Zeitdauer von 19 Jahren eine schwere Sanktion, wobei auch sehr viel längere Haftstrafen vorkommen.

Lachnummern sind eher Leute, die schwafeln ohne die geringste Sachkenntnis zu besitzen......

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