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Widerstand gegen Schul-Computer: Nicht hören, nicht sehen, nicht digitalisieren
DPA

Die Bundesbildungsministerin will Milliarden in Computer für Schulen investieren - und wird dafür heftig kritisiert. Die Argumente der Kritiker illustrieren, was in Deutschland schiefläuft in Sachen Digitalisierung.

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roughneckgermany 17.10.2016, 00:11
190.

1995/1996 gab es auf der von mir besuchten Realschule einen Computer mit Internetzugang. Erschreckend, dass die Digitalisierung 20 Jahre später im Schulleben noch so hinterherhängt. Andererseits kein Wunder, da Mittel im Bildungsetat laufend gekürzt werden. Es scheint in Deutschland leider in Richtung Stillstand zu laufen statt, wie es sinnvoll wäre, mit Sieben-Meilen-Stiefeln voranzuschreiten. Kurzer Fakt: Sogar der Schornsteinfeger kommt inzwischen mit Tablet zum Unterschreiben.

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oberfrange 17.10.2016, 00:14
191.

Ich unterrichte an einer Erwachsenenbildungsanstalt und meine Schüler hätten statt Tablets im Unterricht lieber renovierte Toiletten und ein vernünftiges Mittagessen an der Schule, wenn ich sie so frage...

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derbo73 17.10.2016, 00:20
192. Tatsache ist...

Deutschland liegt in vielen Bereichen der Digitalisierung als Kulturentwicklung deutlich hinten in Europa. Lehrer und ihre Verbände haben von Computern soviel Ahnung wie vom Auto reparieren. Bevor man allen Schülern Tablets in die Hand drückt, sollte man die gesamte Lehrerschaft auf Fortbildung schicken. Aber an Fortbildung haben die kein Interesse. Status Quo halten, mehr Besoldung fordern, Lehrpläne von gestern durchnudeln. Bildung der Jugend: egal, dann wird er/sie halt Busfahrer. Wir stehen vor einer tiefgreifenden Veränderung der Gesellschaften - in 15-20 Jahren weiß niemand mehr, dass Google uns die Wirklichkeit formt, wie ein PC funktioniert und dass Intelligente Netze uns täglich so subtil manipulieren, wie das kein Mensch kann. Spinnerei? Klar, soll ja auch keiner ernst nehmen und merken. Die digitale Bildung ist nicht nur eine Methode sondern auch ein Thema an sich. Vielleicht das wichtigste Thema unserer Zeit. Nur in Deutschland nicht, darum kommen von hier auch keine digitalen Innovatoren (nein, ein erfolgreiches Shopping Portal aufzubauen zählt nicht dazu).

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boje6 17.10.2016, 00:29
193. Kein bisschen überbewertet

Zitat von schlimmer1
Die heute angeschafften Geräte sind in ein paar Jahren altes Eisen. Man sollte bedenken, dass die meisten der heutigen Software-Entwickler selbst keine Computer, Tablets etc. im Unterricht hatten. In einem Bereich mit so schnell voranschreitendem Fortschritt kann schulische Ausstattung nur kurzzeitig auf der Höhe der Zeit bleiben. Von daher denke ich, dass Computer etc. an Schulen etwas überbewertet sind.
Schulcomputer dürfen getrost etwas veraltet sein, denn das bisschen Geklicke, was für einen multimedialen Unterricht vonnöten ist, bewältigt jedes Dual-Core-System mit links.
So was muss noch nicht einmal teuer eingekauft werden, die werden gerade zu tausenden in Privathaushalten ausgemustert.
Hinzu kommt: eine Zukunft ohne Computer müsste schon flächendeckend erbombt werden, sonst findet sie nicht statt.

Die besagten Milliarden wären bestens investiert in Fachpersonal, welches die Hardware billig beschafft, administriert und die Lehrerschaft mit fehlendem Basiswissen ausstattet... wär schon peinlich, wenn die Gören plötzlich alles besser wissen und auch noch Recht damit haben.

Ich persönlich glaube jedoch, dass besagte Milliarden von Unternehmen wie Dell oder HP ausgehandelt wurden, damit die mit fachfernen Quick&Dirty-"Lösungen" Staatsknete schaufeln können... unter dieser Regierung wird da keine wirklich innovative Investition stattfinden.

Ungeachtet dessen müsen natürlich auch künftige Generationen wissen, wie Handschrift und Kopfrechnen geht - sonst macht uns nämlich jeder popelige Stromausfall zu Insekten im Blindflug.

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Ge-spiegelt 17.10.2016, 00:55
194. Die Zukunft ist Internet of things und cognitive Computing

PC war vorgestern. Email gestern. Heute ist das Smartphone, allerdings nicht beschränkt auf Gaming, Facebook oder WhatsApp sondern als Interface zur digitalen Welt, PC Ersatz, Virtual Reality, Assistent und Universal Tool...
Das meiste davon sollte jeder beherrschen, aber dafür wird Schulung benötigt, die aber auch online sein kann.
Wer mehr möchte kann zum Beispiel mit Raspberry Pi und Linux arbeiten hin zum Internet of things.
Smartphones und zum Beispiel Linux veralten auch nach 4 Jahren nur wenig.
Zum Argument, dass die Schule kein Personal für die IT Infrastruktur hat: Das war auch gestern. Heute kann man Infrastruktur zentral warten oder man verlagert Alles auf zentrale Server oder in die Cloud.
Wenn es in Deutschland schnelleres und billigeres, mobiles Internet gäbe, bräuchte man auch nicht unbedingt WLAN, die 100 Milliarden UMTS Versteigerung lässt grüßen.
cognitive Computing ist der größte Hoffnungsträger aber auch Job Killer, vom Lehrer bis zum Arzt.
Natürlich muß in der Schule alles digital sein: Lehrmittel, Tests, Kommunikation. Online Kurse und Recherche inklusive, in Zukunft sogar online Mentoring durch cognitive Computing.
Bedienungs Skills reichen meist aus. Wichtig sind logisches Denken, analytische Fähigkeiten, Lernfähigkeit und Kreativität.
Nicht jeder muss programmieren können.
Trotzdem ist Papier und Stift und Whiteboard noch wichtig obwohl es auch digital sein kann.
Die Lehrer können durchaus noch old school sein solange sie das virtuelle Klassenzimmer beherrschen. Alu Hut Träger nein danke. Aber es muss viele neue Lehrer geben, die IT beherrschen und vermitteln können, dann steigen die Chancen auf einen Deutsches Zukunfts Unternehmen.

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m.m.s. 17.10.2016, 01:21
195. Neurophysiologische Belege

Es gibt auch bei einem denkenden Menschen keine neurophysiologischen Belege was er jetzt gerade macht, genausowenig wie das neurophysiologische EEG die Gedanken nicht lesen kann. Ein guter Pädagoge kann aber sehr wohl erkennen, was für den Unterricht sinnvoll ist und was nicht. Hier geht es um Pädagogik (Schule, Lernen, Wissen) und nicht um Neurophysiologie (Medizin, Migräne, Epilepsie). Es ist ja gerade in der Dummheit das herausragende Spitzenergebnis, dass wissenschaftliche Ergebnisse zu einer pseudowissenschaftlichen Masse zusammengefügt werden (Idiocracy, bitte ansehen). Insbesondere bei unbedarften Leuten, die den Unterricht mit Tablets und Laptops ersetzen wollen. Ja, ersetzen. Denn Computer können niemals einen guten Lehrer ersetzen, seien sie mit noch so zollgroßem buntem Bildschirm und noch so langweiligen Programmen ausgestattet. Dazu gibt es genügend Studien, dass die Qualität des Ergebnisses des Unterrichts hauptsächlich von der Stufe der guten Ausbildung des Lehrers abhängt. Gerade in der Unter- und Mittelstufe sind Computer komplett sinnlos. Da gibt es eben auch sinnvollerweise Handyverbot. In der Oberstufe ist Computer sicherlich in einer geringen Form sinnvoll, allerdings sollen da Mathematik, Physik, Chemie, etc. gelernt werden, nicht der WiFi-Anschluss an YouTube. Als Eltern möchte man, dass die Kinder etwas an der Schule für das Leben lernen, und der Computer gehört da sicher nicht zu den notwendigen Fächern. Der warme Geldsegen für die IT-Industrie ist wesentlich effektiver in human capital, Lehrerstellen investiert, da kommt dann auch aus dem Investment ein ordentlicher Return mit gut ausgebildeten jungen Erwachsenen heraus. Die Investition in Schul-WiFi, Schul-Vernetzung, Tablet für jedes Kind ist eine Verdummungsattacke anstatt einer guten Schulausbildung. Mich würde auch wundern, wieso die Altersdiskriminierung eines guten Lehrers irgendetwas mit der Pädagogik zu tun haben soll, da die pädagogischen Kenntnisse eben unabhängig vom Alter sind. Um die zu kennen muss man sich damit auch einmal auseinander setzen. Das ist harte Arbeit - und kann absolut nicht am Bildschirm schnell, schnell mit Klicki-Klicki und Bunti-Bunti erledigt werden!

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criticalsitizen 17.10.2016, 01:39
196. Kinder müssen Amazon Facebook und Googel lernen

denn der E-Kommerz meint es ja nur gut mit ihnen.
E-KOmmerz-Netz (früher das Internet) subventioniert mit Miliarden.
Vreitband für Alle, Armut für Alle, Digitale Agenda.

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criticalsitizen 17.10.2016, 01:46
197.

Zitat von Freifrau von Hase
"Woher will Wanka eigentlich all die Lehrer nehmen und nicht stehlen, die den Kids etwas über Algorithmen und die clevere Nutzung des Internets beibringen können, was die nicht längst schon selber wissen? :-)" Genau das ist ein Problem. Es ist zwar möglich, Informatik auf Lehramt zu studieren, aber machen das auch genug? Mal ehrlich: Viele Lehrer sind doch genau deswegen Lehrer geworden, weil sie unter anderem nach einem Beruf gesucht haben, der möglichst nichts/wenig mit Computern zu tun hat. Die Informatik-Lehrer sind dann häufig die Jüngsten im Kollegium, die nicht mehr vorbringen können, dass sie aufgrund ihres Alters mit "diesem ganzen Computerkrams" nichts am Hut haben. Also müssen die mal ein Wochenendseminar Informatik belegen und "unterrichten" dann. Dazu kommt, wie schon angesprochen, häufig die Technik. Die veraltet eben schnell und kein Schüler hat Lust, mit einem Gerät oder Betriebssystem zu arbeiten, das 10 Jahre alt ist und daheim schon lange nicht mehr benutzt wurde. Aber auch die Schüler sind nicht immer einfach: Generell ist das Interesse nicht allzu groß. Bei den Mädchen ist dann schon recht häufig zu hören, dass sie später sowieso nichts mit Informatik/Computern machen möchten.
Es geht ja nicht um "Computerkrams", sondern um das E-Kommerz-Netz, wo Kinder außer Konsumieren und ihre Daten preisgeben, ohne Inhalte, ohne Sinn.
Der E-Kommerz gehört nicht in die Schulen, beherrscht er doch das Netz und die Hirne der Befürworter.
Kaum einer hat überhaupt bemerkt, das es das "Internet" gar nicht mehr gibt. ES ist das E-Kommerz-Netz geworden, rechtsfreier Raum für E-Kommerz-Konzerne.

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hirsnemehism 17.10.2016, 02:04
198. Wozu noch?

Ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich NOCH(!) sinnvoll ist, Digitalisierung in der Schule zu unterrichten. Die Entwicklung geht sooo schnell voran, dass doch abzusehen ist, dass wirklich in absehbarer Zeit nur noch Fragen jeglicher Art, Aufträge etc. in den Raum (natürlich nur in Gebäuden und anfangs auch nur wenigen) gesprochen werden, und "den Rest" ein immer engeres Netz von Rechnern und Robotern erledigt. Dass sich genau das gerade ausbreitet, sieht man ja an der ständigen Werbung für z.B. die elektronische Haussteuerung. Das ist vielleicht JETZT noch exotisch,...JETZT NOCH! Die Vernetzung von ALLEM mit ALLEM steckt doch, so gesehen, noch nicht mal in den Kinderschuhen. ICH glaube, dass das, was man jetzt, oder in näherer Zeit noch lehren könnte, von der Realität schlicht überrollt wird. Von da aus sehe ich durchaus einen Sinn darin, die Finanzen, die die Digitalisierung an Schulen bezahlen sollen, wirklich eher in längerlebige Dinge, wie eben Bibliotheken zu investieren. Zumal sich einmal gedruckte Bücher auch nicht so einfach manipulieren lassen!

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unimog_andi 17.10.2016, 06:36
199. Dieselbe alte Leier, Herr Stöcker ...

der Computer als Heilsbringer in der Schule.
Seit ich vorüber 35 Jahren meinen ersten Computer zusammengelötet habe, kamen immer wieder glorreiche "Experten" darauf, dass man nur die Schulen mit Computern ausrüsten müsse und alles würde gut.
Und die Computer kamen ... und standen rum.
Kleiner Tipp aus dem Leben: Nur Computer nützt nichts, es braucht auch Lehrpersonal!
Und da es regelmäßig daran scheitert (schon im normalen Unterricht), läuft es in Deutschland zunächst mal nicht in Digitalisierung schief, sondern in Sachen Schulbildung.

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