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Wie halten Sie's mit der Mathematik?

Viele intelligente Menschen kann man mit Mathematik geradezu verscheuchen. Was haben Sie für Erfahrungen mit der Mathematik? Was fasziniert, was ärgert Sie an der Mathematik? Was halten Sie von Mathematik und Mathematikern?

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chalcedon 05.07.2006, 11:05
240.

Zitat von hjm
Lassen Sie uns an Ihrer Erkenntnis teilhaben! Wieso hassen manche das Fach Ihrer Meinung nach? Ich bin wirklich neugierig.
Das ist ganz einfach und keine Erkenntnis: weil sie es nicht verstanden haben z.B. wie man eine quadratische Gleichung umstellt und loest.
Wenn man eine kuenstlerische Ader hat, hat man haeufig keinen Sinn fuer das Logische.

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chalcedon 05.07.2006, 11:06
241.

Zitat von Bernd Schlüter
Mancher Physikerin stehen da die Haare zu Berge, zum Leidwesen mancher Friseure.
Nur einer Physikerin?

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vanton 05.07.2006, 13:18
242. In mir weckt sie den Spieltrieb...

Zitat von sysop
Viele intelligente Menschen kann man mit Mathematik geradezu verscheuchen. Was haben Sie für Erfahrungen mit der Mathematik? Was fasziniert, was ärgert Sie an der Mathematik? Was halten Sie von Mathematik und Mathematikern?
... ansonsten nur da wo sie mir nützt und da so einfach und wurschtig wie möglich.

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hjm 05.07.2006, 16:56
243.

Zitat von chalcedon
Wenn man eine kuenstlerische Ader hat, hat man haeufig keinen Sinn fuer das Logische.
Aber für das Kreative. Und Mathematik ist die wohl kreativste Wissenschaft, die es gibt. Ihre Möglichkeiten übersteigen die der Literatur, der Musik und der bildenden Kunst um die Mächtigkeit der Ordinalzahlen. Sage ich mal so als (halber) Mathematiker. Obwohl ich als solcher natürlich weiß, dass es die Menge der Ordinalzahlen, und damit die Mächtigkeit derselben, gar nicht gibt, weil es viel zu viele davon gibt. Aber wie auch immer, Mathematik ist die Wissenschaft, in der ALLES erlaubt ist und die sich an NICHTS messen und rechtfertigen muss.

Dummerweise ist es im Schulunterricht nicht erlaubt, die Koeffizienten einer quadratischen Gleichung "f" und "g" zu nennen. Und deshalb haben wir ein Problem.

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fpa 05.07.2006, 17:36
244.

Zitat von hjm
Und Mathematik ist die wohl kreativste Wissenschaft, die es gibt. Ihre Möglichkeiten übersteigen die der Literatur, der Musik und der bildenden Kunst um die Mächtigkeit der Ordinalzahlen. Sage ich mal so als (halber) Mathematiker. Obwohl ich als solcher natürlich weiß, dass es die Menge der Ordinalzahlen, und damit die Mächtigkeit derselben, gar nicht gibt, weil es viel zu viele davon gibt. Aber wie auch immer, Mathematik ist die Wissenschaft, in der ALLES erlaubt ist und die sich an NICHTS messen und rechtfertigen muss.
Klingt schön, ist aber leider nicht richtig. Sie vergessen die "Axiome" und die Forderung nach "Widerspruchsfreiheit". Künstlerische Kreativität verletzt nicht selten beides, baut oft vielleicht sogar darauf auf.

Lasse Sie mich letzteres an einem einfachen Beispiel erläutern. Der Künstler sagt zwei Einladungen zu, die irgendwann in der Zukunft zur selben Zeit an unterschiedlichen Orten stattfinden. Der Mathematiker schreit sofort "Widerspruch, geht nicht!". Der Künstler, so angesprochen, ist nur noch beleidigt, denn er hat momentan überhaupt kein Problem damit, dass die zwei Termine im Widerspruch stehen, also so gar nicht realisiert werden können.

Oder nehmen wir ein anderes Beispiel. Da denkt ein Künstlertyp über ein Studium nach, stellt Pläne auf, holt sich ein Vorlesungsverzeichnis, kauft sich schon Bücher usw. Vom Mathematiker darauf angesprochen, dass er zur Zulassung zum Studium vielleicht erst mal das Abitur nachmachen müsse, ist er nur noch beleidigt, und schimpft den Mathematiker einen Spielverderber, der nichts anderes im Sinn habe als Freude und Motivation des Künstlertypen zu zerstören.

Wenn Ihre These der kreativen Freiheit der Mathematik richtig wäre, würde der Mathematiker nicht auf das fehlende Abitur hinweisen, sondern Berechnungen und Ablaufpläne erstellen, wie man diese Hürde ohne die Mühe von Schule und Abitur umschiffen und trotzdem zum Diplom kommen könnte.

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hjm 05.07.2006, 18:40
245.

Zitat von fpa
Klingt schön, ist aber leider nicht richtig.
Doch!

Zitat von
Sie vergessen die "Axiome" und die Forderung nach "Widerspruchsfreiheit". Künstlerische Kreativität verletzt nicht selten beides, baut oft vielleicht sogar darauf auf.
Sehen Sie, das ist nämlich genau die falsche Vorstellung von Mathematik, die durch die Welt geistert. Die "Axiome" sind nämlich von Menschen gemacht, und genau das sind sie, die großen "Kunstwerke" der Mathematik und damit die Schöpfungen der großen Mathematiker. Und jeder noch so kleine Mathematiker kann für sich jederzeit die absolute Freiheit in Anspruch nehmen, Axiome nach seinen eigenen Vorstellungen zu schaffen. Und "Widerspruchsfreiheit" ist eine schöne Forderung, aber sie ist leider nicht wirklich fassbar, da unbeweisbar, außer bei sehr "einfachen" Werken. Gelegentlich fällt einmal ein größeres "Kunstwerk" in sich zusammen wie die Cantorsche Mengenlehre, aber das passiert mit anderen künstlerischen Werken manchmal auch, sie werden vergessen oder gehen verloren, weil sich niemand dafür interessiert. Die Freiheit der Kunst wird dadurch nicht berührt. Gerade darin liegt der Reiz der Kunst. Ein Kunstwerk zu schaffen, das lange lebt und großen Eindruck hinterlässt. Die Kunst der Mathematik besteht darin, Werke zu schaffen, die sich behaupten und die sich dann auch noch als nützlich erweisen. Diese Werke unterscheiden die großen Mathematiker von den unbedeutenden.

Zitat von
Lasse Sie mich letzteres an einem einfachen Beispiel erläutern. Der Künstler sagt zwei Einladungen zu, die irgendwann in der Zukunft zur selben Zeit an unterschiedlichen Orten stattfinden. Der Mathematiker schreit sofort "Widerspruch, geht nicht!". Der Künstler, so angesprochen, ist nur noch beleidigt, denn er hat momentan überhaupt kein Problem damit, dass die zwei Termine im Widerspruch stehen, also so gar nicht realisiert werden können.
Der Mathematiker hat damit auch kein Problem. Sie verwechseln ihn nämlich gerade mit einem Physiker. Auch ein häufig gemachter Fehler.

Zitat von
Oder nehmen wir ein anderes Beispiel. Da denkt ein Künstlertyp über ein Studium nach, stellt Pläne auf, holt sich ein Vorlesungsverzeichnis, kauft sich schon Bücher usw. Vom Mathematiker darauf angesprochen, dass er zur Zulassung zum Studium vielleicht erst mal das Abitur nachmachen müsse, ist er nur noch beleidigt, und schimpft den Mathematiker einen Spielverderber, der nichts anderes im Sinn habe als Freude und Motivation des Künstlertypen zu zerstören.
Was hat das mit Kunst bzw. mit Mathematik zu tun?

Zitat von
Wenn Ihre These der kreativen Freiheit der Mathematik richtig wäre, würde der Mathematiker nicht auf das fehlende Abitur hinweisen, sondern Berechnungen und Ablaufpläne erstellen, wie man diese Hürde ohne die Mühe von Schule und Abitur umschiffen und trotzdem zum Diplom kommen könnte.
Und hier verwechseln Sie die Kreativität eines Mathematikers im Reich der Behörden und Juristen mit seiner Kreativität im Reich der Mathematik. Außerdem stellt ein Mathematiker keine "Berechnungen" an. Das tun Physiker, Ingenieure, Statistiker, Soziologen, Meinungsforscher und Buchhalter. Aber keine Mathematiker.

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Silvia 06.07.2006, 06:45
246.

Zitat von hjm
Und Mathematik ist die wohl kreativste Wissenschaft, die es gibt.
Aber nur, wenn man sich stur an ganz bestimmte Regeln hält. Und von denen gibt es nicht eben wenige und einfach sind sie auch nicht alle, da viele Regeln ineinandergreifen. Deswegen hat es bei einem Großteil der Menschen schnell ein Ende mit der mathematischen Kreativität. ;-)

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adsum 06.07.2006, 10:54
247. Die Mathematik, genauer die Gemometrie machte mich zum absolut überzeugten Katholiken

Zitat von sysop
... Was haben Sie für Erfahrungen mit der Mathematik?
Die Mathematik, genauer die Geometrie machte mich zum absolut überzeugten Katholiken.
Wie das denn?
Mit 17 drückte ich noch mal die Schulbank in den 50er Jahren. Ich wollte unbedingt so etwas wie ein Chemiker werden.
Nachdem ich die Volksschule verlassen hatte und nie etwas über Chemie, Physik, höhere Mathematik etc gehört hatte, fiel mir ein Chemiebuch in die Hand mit zahlreichen Experimenten. Es faszinierten mich natürlich zu nächst nur die Experimente, wo es kracht, blitzt, stinkt etc, aber dann drang ich immer tiefer in die Materie dieser Naturwissenschaft ein. Schließlich war ich so fasziniert, dass ich dieses Fach einmal berufsmäßig auszuüben wollte, egal ob als Chemielaborant, Chemotechniker oder akademisch ausgebildeter Doktor der Chemie.
Diese Berufe waren nur zugänglich über Mittlere Reife oder Abitur.
Es gab damals in unserer Nähe nur ein Gymnasium, das in sechs Jahren zum Abitur führte und dieses Gymnasium war eigentlich zur Ausbildung von Spätberufenen katholischen Priestern gedacht, aber auch für Externe kostenpflichtig zugänglich, soweit es dafür noch einen Platz gab.
Nun zur Sache!
Unser Geometrielehrer begann seinen Unterricht immer mit dem Satz: In der Geometrie gibt immer nur eine Wahrheit, so wie es nur einen wahren Gott, nur eine wahre Offenbarung Gottes und nur eine wahre Religion gibt. Von den vielen Religionen kann es nur eine einzige wahre Religion geben.
Welche Religion das ist, müsst ihr selber herausbringen. Wenn man ein Dreieck konstruiert, egal welche Form das Dreieck hat, dann ist die Summe dieser Winkel immer 180°Grad. Wer etwas anderes behauptet, befindet sich im Irrtum. Das Dreieck kann in Amerika, Afrika, Australien, am Nordpol, Südpol, auf dem Mond oder sonst wo im Weltall konstruiert worden sein, alle kommen zu dieser einzig wahren Aussage. Dann folgte der Beweis dieser Aussage an den Schnittgeraden etc. etc. Und solche Aussagen wurden im Laufe der Jahre im Unterricht immer und immer wiederholt.

Ganz klar als 17-jähriger will man klare Aussagen. Ja oder Nein. Zwei parallele Gerade schneiden sich nicht im Endlichen, aber im Unendlichen und dort war Gott.

Jetzt ging es nur noch darum, in welche der vielen Religionen findet man die wahre Offenbarung Gottes. Die Religionen mit Vielgöttereien konnten es nun wirklich nicht sein. Da blieben nur drei Religionen übrig, die sich ja selbst als monotheistische Offenbarungsreligionen benannten (Judentum, Christentum, Islam). Gut das Judentum kann sich auf eine Offenbarung Gottes berufen (Altes Testament), aber sie wurde durch Jesus erneuert und ergänzt und sozusagen auf den neuesten Stand gebracht (Neues Testament). Der Islam begann ca. 600 Jahre nach Christus.Da störte mich die Ausbreitung des Glaubens mit Feuer und Schwert. Sicher zu einfach gedacht.
Aber ich sagte mir, wenn es tatsächlich einen Gott geben sollte, der von uns etwas wollte, dann müsste er schon ein einmaliges Exempel statuieren, dass es möglich macht, an seine Offenbarung wenigstens zu glauben.
Jesus hat unglaubliche Wunder bewirkt. Ist nach seinem Tod auferstanden. Hat sogar Tode erweckt. Hat die Feindesliebe gefordert. Kein Auge um Auge, Zahn um Zahn mehr, sondern Vergebung ist angesagt! Er hat gesagt, dass er Gottes Sohn sei. Er wurde von den Propheten vorhergesagt und dass man ihn töten werde, weil er nicht als Messias erkannt werde usw.
Er werde seine Kirche auf Petrus den Felsen aufbauen und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwinden. Er sei alle Tage bis ans Ende der Welt bei ihr und er sende den Geist der Wahrheit usw. So etwas gibt es in keiner anderen Religion. Ganz klar unser Geometrielehrer hat Recht. Wenn es nur eine wahre Religion gibt, dann kann es nur die katholische Kirche sein. So dachte ich damals als 17-jähriger und das mit Hilfe der Mathematik anhand der Geometrie.
Gruß
adsum

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Anna Föglein 06.07.2006, 11:00
248.

Zitat von Silvia
Aber nur, wenn man sich stur an ganz bestimmte Regeln hält. Und von denen gibt es nicht eben wenige und einfach sind sie auch nicht alle, da viele Regeln ineinandergreifen. Deswegen hat es bei einem Großteil der Menschen schnell ein Ende mit der mathematischen Kreativität. ;-)
Wieso, die Regeln darf sich ja auch jeder definieren wie er mag. Nur den Anspruch, irgendwie die reale Welt zu modellieren, muss man dazu aufgeben. :-)

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Martin Steffen 06.07.2006, 11:03
249.

Zitat von adsum
Wenn man ein Dreieck konstruiert, egal welche Form das Dreieck hat, dann ist die Summe dieser Winkel immer 180°Grad. Wer etwas anderes behauptet, befindet sich im Irrtum.
es sei dann man entscheidet sich dafuer, keine planare
Geometrie zu betreiben, sondern nicht-euklidische.
Aber vielleicht ist das an katholischen Instituten nicht
erlaubt :-)

Martin

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