Forum: Wissenschaft
Wie halten Sie's mit der Mathematik?

Viele intelligente Menschen kann man mit Mathematik geradezu verscheuchen. Was haben Sie für Erfahrungen mit der Mathematik? Was fasziniert, was ärgert Sie an der Mathematik? Was halten Sie von Mathematik und Mathematikern?

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hjm 06.07.2006, 19:44
260.

Zitat von Anna Föglein
Wieso, die Regeln darf sich ja auch jeder definieren wie er mag. Nur den Anspruch, irgendwie die reale Welt zu modellieren, muss man dazu aufgeben. :-)
Ganz genau. Denn "die reale Welt modellieren" ist das, was man gemeinhin Naturwissenschaft nennt. Mathematik ist aber keine Naturwissenschaft.

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Eliza 07.07.2006, 00:47
261.

Zitat von fpa
Lasse Sie mich letzteres an einem einfachen Beispiel erläutern. Der Künstler sagt zwei Einladungen zu, die irgendwann in der Zukunft zur selben Zeit an unterschiedlichen Orten stattfinden. Der Mathematiker schreit sofort "Widerspruch, geht nicht!". Der Künstler, so angesprochen, ist nur noch beleidigt, denn er hat momentan überhaupt kein Problem damit, dass die zwei Termine im Widerspruch stehen, also so gar nicht realisiert werden können.
Sone "Künstlerin" kannte ich áuch mal. Also, sie meinte, sie sei eine.

Sehr schlecht für die, die sie eingeladen und dafür etwas geplant hatten, das eventuell von ihrer Anwesenheit abhing. Ich fand diese Unzuverlässigkeit nicht künstlerisch sondern mehr egoistisch. :-(

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ios 07.07.2006, 01:36
262. Mathe in der Schule

Zitat von sysop
Viele intelligente Menschen kann man mit Mathematik geradezu verscheuchen. Was haben Sie für Erfahrungen mit der Mathematik? Was fasziniert, was ärgert Sie an der Mathematik? Was halten Sie von Mathematik und Mathematikern?
Wenn Sie mich dann so fragen...

Mathelehrer sind anders. (Bitte nicht ganz ernst nehmen;-))

Der typische Geschichtslehrer ist ein Langweiler, der es nicht mitbekommt, dass während seines Unterrichts ein Drittel pennt, das nächste die Hausaufgaben abschreibt, das letzte irgendwelche Faxen macht, die den Geschichtslehrer aber in seinen Ausführungen nicht weiter stören.

Der Deutschlehrer ist dem sehr ähnlich (daher die häufige Fächerkombination), findet aber immer noch ein paar Leute, die sich für die gerade besprochene Novelle oder die 8. in der Nazi-Zeit verwurzelte Lektüre interessieren.

Der Englischlehrer ist in der Regel der aufgeschlossene, coole und beliebte Typ. Er macht wenig Probleme, wird aber von niemandem wirklich ernst genommen. Die Disziplin in der Klasse geht gegen Null.

Diesbezüglich in den negativen Zahlenbereich geht es bei den Französischlehrern. Die sind eigentlich immer auf der anderen Seite geblieben, nur dürfen sie jetzt zu Baguette und Käse Rotwein trinken.

Kritisch wird es bei den Sportlehrern (insbs. männliche). Bierbauchtragend picken sie sich sicher einen aus der Klasse raus, der den gerade aktuellen Sportunterricht übernehmen kann, weil der das im Verein sowieso besser beigebracht bekommen hat.

Aber jetzt ernst zu den Mathelehrern:
In all den Jahren mit meinen Kindern und schon in meiner Schulzeit herrschte in Mathe ein anderes Klima. Niemand schwätzt rum, keiner macht nebenher Hausaufgaben, kein Gebrülle. Und das Erstaunliche, oft sind diese Lehrer nach außen hin eher die ruhigen, unscheinbaren Typen, die Respekt nicht durch ihr Auftreten per se einfordern. Die dennoch eine enorme Ausgeglichenheit und Disziplin in die Klasse bringen. Und das, obwohl einige Schüler mit der Mathematik Probleme haben.

Liegt es daran, das in der Mathematik nicht so viel geschwafelt werden kann, feste Regeln schon gegeben sind?

(Liebe Lehrer, dies ist nur eine satirische Pauschalisierung. Ich habe tolle und weniger anregende Lehrer in allen!!! Fächern, auch in Mathe, erlebt!)

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knarfe 07.07.2006, 08:31
263.

Zitat von adsum
Die Mathematik, genauer die Geometrie machte mich zum absolut überzeugten Katholiken. ...Wenn es nur eine wahre Religion gibt, dann kann es nur die katholische Kirche sein. So dachte ich damals als 17-jähriger und das mit Hilfe der Mathematik anhand der Geometrie. Gruß adsum
Klarer Fall von Mißbrauch der Mathemathik ;-)

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VEB Meinung 07.07.2006, 08:35
264.

Die Mathematik und ich haben uns nach heftigen Auseinandersetzungen mit einigen Schwerverletzten darauf geeinigt, dass wir uns grösstmöglich aus dem Weg gehen.

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knarfe 07.07.2006, 09:17
265.

Zitat von ios
... Mathelehrer sind anders. (Bitte nicht ganz ernst nehmen;-)) ... Liegt es daran, das in der Mathematik nicht so viel geschwafelt werden kann, feste Regeln schon gegeben sind? ...
Gibt doch den schönen Spruch "Lehrer haben vormittags Recht ..." Im Gegensatz zu den meisten anderen können Mathelehrer das im Zweifelsfall sogar beweisen ;-)

PS. Hatte, muß so 7./8. Klasse gewesen sein, eine recht seltsame Mathelehrerin, die hat die Ergebnisse offenbar demokratisch ermitteln lassen. Richtig war, was die meisten raus hatten. Da mußte ich dann hinterher manchmal reklamieren und beweisen, das mein Ergebnis richtig war ;-) Auch ein Vorteil von Mathe, da geht das! Können das ja mal bei einem Geschichts- oder Deutschaufsatz probieren.

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adsum 07.07.2006, 10:43
266.

Zitat von knarfe
Klarer Fall von Mißbrauch der Mathemathik ;-)
Naja, mir hat dies sehr gefallen.

Mit Atheisten, Agnostikern, Gläubigen anderer Religionen und sonstigen Freigeistern konnte ich ganz gut leben, aber die Protestanten oder andersgläubige Christen bekamen immer eins auf den Deckel.
Der geometrische Beweis, dass es nur eine Wahrheit gebe, führte dazu, dass ich sie für inkonsequent hielt, weil sie mathematisch gesehen nicht die richtigen Schlüsse zogen.
Hätten sie gesagt, dass Jesus kein Gottessohn sei, sondern dass man dies nur symbolisch, also mehr im Sinne einer Metapher meinte, wäre das auch noch in Ordnung gewesen.

Aber ohne "Wenn" und "Aber" zu glauben, dass Jesus tatsächlich ein Gott in Menschengestalt war und dann nicht sofort wieder zurück in den Schoß der Mutterkirche, der "una sancta catholica" zurückzukehren, war für mich undenkbar.

Ausgerechnet verliebte ich mich über beide Ohren in ein
Mädchen, deren Familie erzprotestantisch war. Der Vater hatte Deutsch und evangelische Religion an einem Gymnasium unterrichtet und er war erst wenige Wochen vorher verstorben als ich seine Tochter kennen lernte.
Pietätvoll hielt man sich beiderseitig zurück, wie es mit uns einmal weitergehen sollte.
Dann kamen die Fragen: Welche Trauung? Welche Kindererziehung?
Da flogen dann die Fetzen.

Katholiken seien scheinheilig, pflegen heidnische Bräuche wie Weihwasser, Weihrauch, dann noch die Marienverehrung oder -anbetung usw. die Unfehlbarkeit der Päpste, die selber Verbrecher waren usw.

Ja, so war das früher in der guten alten Zeit.

Heute kann ich nur noch über den Streit um des Kaisers Bart bis tief in die Nacht schmunzeln.

Naja. Die Mathematik bzw. die Geometrie war nicht alleine schuld, aber das wäre jetzt ein anderes Thema. :-)))
Gruß
adsum

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fpa 07.07.2006, 12:18
267.

Zitat von adsum
Ausgerechnet verliebte ich mich über beide Ohren in ein Mädchen, deren Familie erzprotestantisch war. Der Vater hatte Deutsch und evangelische Religion an einem Gymnasium unterrichtet und er war erst wenige Wochen vorher verstorben als ich seine Tochter kennen lernte. Pietätvoll hielt man sich beiderseitig zurück, wie es mit uns einmal weitergehen sollte. Dann kamen die Fragen: Welche Trauung? Welche Kindererziehung? Da flogen dann die Fetzen. Katholiken seien scheinheilig, pflegen heidnische Bräuche wie Weihwasser, Weihrauch, dann noch die Marienverehrung oder -anbetung usw. die Unfehlbarkeit der Päpste, die selber Verbrecher waren usw. Ja, so war das früher in der guten alten Zeit. Heute kann ich nur noch über den Streit um des Kaisers Bart bis tief in die Nacht schmunzeln.
Und? Was sagen Sie und Ihre Schwieger-Familie heute? Auf der einen Seite der Niedergang der Protestantischen Kirchen, und auf der anderen die Renaissance der Katholischen.

Wäre übrigens auch mal eine spannende Aufgabe, dass zu modellieren, dürfte durchaus die Komplexität von Wetter- oder Börsenmodellen erreichen, obwohl die Betrachtungsintervalle auf der Zeitachse hier viel größer sind.

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wolfgang0907 07.07.2006, 13:04
268.

Zitat von hjm
Sehen Sie, das ist nämlich genau die falsche Vorstellung von Mathematik, die durch die Welt geistert. Die "Axiome" sind nämlich von Menschen gemacht, und genau das sind sie, die großen "Kunstwerke" der Mathematik und damit die Schöpfungen der großen Mathematiker.
Dem kann ich nur zustimmen. Dahinter steckt ja die große Frage nach der Beziehung von Mathematik und Natur. Warum kann man Naturzusammenhänge mathematisch beschreiben ? Ein Frage, über sich schon die größten Geister den Kopf zerbrochen haben.

Für mich gibt es nur eine Antwort: Weil wir Menschen gar nicht anders können, Mathematik ist eines der Funktionsprinzipien unseres Verstandes. Mathematik ist nicht "draussen" in der Welt, sie ist ausschließlich in unseren Gehirn. Mathematik liefert mehr oder minder gute abstrakte Modelle und numerische Näherungen. Wobei die Näherung schon mal total sein könnte, z.B. bei Elementarteilchen und ihren Wechselwirkungen. Das ändert aber nichts am Charakter der Mathematik. Man sollte sie nicht überschätzen, sie ist ein, allerdings phantastisches Sandkastenspiel.

Physik ist was anderes, das ist Naturwissenschaft, ihr Gegenstand ist die "krumme", "knorrige" Welt. Ohne empirisches Feeback kann man da nicht weiterkommen. Allerdings scheinen manche Physiker das zu vergessen, wenn sie etwa in der Superstringtheorie in Ermangelung experimenteller Befunde Hypothese auf Hypothese stapeln. Sowas hat noch nie geklappt. Wenn Wolfgang Pauli noch leben würde, würde er sicherlich auf die "reinen Mathematiker" unter seinen Kollegen wettern, wie er immer getan hat.

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Bernd Schlüter 07.07.2006, 13:34
269. Unterschiedliche Rezeption der Mathematik

Zitat von VEB Meinung
Die Mathematik und ich haben uns nach heftigen Auseinandersetzungen mit einigen Schwerverletzten darauf geeinigt, dass wir uns grösstmöglich aus dem Weg gehen. Les sanglots longs Des violons De l'automne Blessent mon coeur D' une langueur Monotone.
Jaja, die Politiker schauen nur gelangweilt zu, wie unsere Rechenkünstler mit den Zahlen jonglieren, um UNSER Geld bei der Gesundheitsreform zu verplanen.
Verlaine ahnte schon damals, welche Zeiten auf uns zukommen.

Abgeändert signalisierten die Verse die bevorstehende Invasion in der Normandie durch das BBC.

Wir sind einfach zu gleichgültig, auch, wenn unsere Politiker gegen die Regeln der Mathematik bei der Gesundheitsreform verstoßen. Dort hat die Falschaussage eigentlich nichts zu suchen, da man potentiell den Staatsbankrott daraus ableiten kann.

Le menteur blesse mon coer!

Bernd Schlüter

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