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Wie halten Sie's mit der Mathematik?

Viele intelligente Menschen kann man mit Mathematik geradezu verscheuchen. Was haben Sie für Erfahrungen mit der Mathematik? Was fasziniert, was ärgert Sie an der Mathematik? Was halten Sie von Mathematik und Mathematikern?

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VEB Meinung 07.07.2006, 13:41
270.

Zitat von Bernd Schlüter
Jaja, die Politiker schauen nur gelangweilt zu, wie unsere Rechenkünstler mit den Zahlen jonglieren, um UNSER Geld bei der Gesundheitsreform zu verplanen. Verlaine ahnte schon damals, welche Zeiten auf uns zukommen. Abgeändert signalisierten die Verse die bevorstehende Invasion in der Normandie durch das BBC. Le menteur blesse mon coer! Bernd Schlüter
Hallo Herr Schlüter...
Im Zusammenhang mit D-day habe ich die Verse zum ersten mal gehört/gelesen (Cornelius Ryan: >Der Längste Tag<).
Ich habe sie allerdings nur in der Signatur, weil sie mir poetisch gefallen, damit ist keine politische Aussage verbunden.
:-)

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adsum 07.07.2006, 16:51
271.

Zitat von fpa
Und? Was sagen Sie und Ihre Schwieger-Familie heute? Auf der einen Seite der Niedergang der Protestantischen Kirchen, und auf der anderen die Renaissance der Katholischen. Wäre übrigens auch mal eine spannende Aufgabe, dass zu modellieren, dürfte durchaus die Komplexität von Wetter- oder Börsenmodellen erreichen, obwohl die Betrachtungsintervalle auf der Zeitachse hier viel größer sind.
Naja, die Beziehung ging damals auseinander, weil ein protestantischer Pastor den Ratschlag gab, die Verbindung mit dem katholischen Hitzkopf zu beenden.

Wer einmal katholisch ist, ist lebenslänglich katholisch verdorben.
Nun ja, heute lasse ich die Frage nach Gott offen. Es gibt so viele Wahrheiten und Überzeugungen, wie es Menschen auf der Welt gibt. Jeder soll sich nach seinem Gewissen richten. Leben und leben lassen.

Die Renaisance der Katholischen Kirche hat schon etwas Faszinierendes und zieht einen schon wieder ein bißchen magisch an. Aber das kann schon daran liegen: einmal katholisch, immer katholisch. Vielleicht hatte der evangelische Pastor doch prophetische gaben.

Was sich an Komplexität auf einer längeren Zeitachse, vergleichbar mit der Komplexität von Wetter und Börsenmodelle entwickelt, sage ich mir ganz einfach:
Sollte eine Religion tatsächlich von einem Jahwe, Gott, Allah oder einem höheren Wesen eine Offenbarung erhalten haben, dann braucht man sich um diese Religion keine Sorgen zu machen. Er wird schon sorgen, dass seine Offenbarung niemals untergeht. Andere Religionen mussten untergehen, weil sie es nicht wert waren, weiter zu bestehen. Punkt! Aus! Äpfel! Amen!
Gruß
adsum

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Lauter Heinerbach 07.07.2006, 18:52
272.

Zitat von sysop
Viele intelligente Menschen kann man mit Mathematik geradezu verscheuchen. Was haben Sie für Erfahrungen mit der Mathematik? Was fasziniert, was ärgert Sie an der Mathematik? Was halten Sie von Mathematik und Mathematikern?
Mathematik war schon immer Teufelszeuch für mich, daß ich gehasst habe und nach der Mittleren Reife froh war, daß ich diesen ganzen Dreck nicht mehr lernen mußte und schnell vergessen konnte. Habe mittlwerweile bis auf die vier Grundrechenarten mit Kußhand alles andere vergessen und für die 4 gibts Taschenrechner. Und wenn MAL irgendwas Komliziertes daherkommt gibts immer Jemanden den ich fragen kann. Satz des Pytagoras, Algebra, Bocksprung, Dreisprung, Dreisatz - alles leere Begriffe für mich, die keine Bedeutung haben, aber auch keine für mich brauchen.

Mathe hat man gemacht um die Kinder zu quälen.

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Reklov 08.07.2006, 16:48
273.

Zitat von adsum
Die Renaisance der Katholischen Kirche ...
?????? Doch wohl nur bei den "oberen Zehntausend", denn das Fußvolk muss inzwischen mit Pfarrunionen und Kirchenverkäufen zurechtkommen.

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Atkins 09.07.2006, 11:34
274. Leere Begriffe, oder Begriffsleere?

Zitat von Lauter Heinerbach
Mathematik war schon immer Teufelszeuch für mich, daß ich gehasst habe und nach der Mittleren Reife froh war, daß ich diesen ganzen Dreck nicht mehr lernen mußte und schnell vergessen konnte. Habe mittlwerweile bis auf die vier Grundrechenarten mit Kußhand alles andere vergessen und für die 4 gibts Taschenrechner. Und wenn MAL irgendwas Komliziertes daherkommt gibts immer Jemanden den ich fragen kann. Satz des Pytagoras, Algebra, Bocksprung, Dreisprung, Dreisatz - alles leere Begriffe für mich, die keine Bedeutung haben, aber auch keine für mich brauchen. Mathe hat man gemacht um die Kinder zu quälen.
Mathematik hat man gar nicht "gemacht". Mathematik ordnet und beschreibt nur die bestehende Welt. Es ist nur eine Hilfe ein exisstierendes Phänomen auf ein anderes zu übertragen. Oder meinen sie, dass die Urmenschen die vorhandenen Essensmengen nur nach dem Prinzip der stärkste in der Familie setzt sich durch aufgeteilt haben? Dann wäre die Menschheit längst ausgestorben, wenn es damals schon nicht eine Aufteilung und womöglich auch daraus resultierende Planung gegeben hätte. Wenn die Familie sich vergrössert, muss auch die heranzuschaffende Nahrungsmenge erhöht werden. Das sind die Grundlagen der Mathematik. Nicht ohne Grund benutzen wir das dezimale System (schauen sie sich doch ihre Hände und Füsse an).

Zum Glück gibt es Menschen, die sich mit dem "Dreck" schon immer gerne beschäftigt haben. Es waren fast durchweg Mathematiker, die die Entwicklung der Chemie, Physik und Philosophie schon in der Antike betrieben haben. Die mit der Zeit zunehmende abstrahierung der Mathematik, zunächst vielleicht als Spiel gedacht, ist Heute für einen Ingenieur ein Grundwerzeug. Bereits 1675 formulierte Leibnitz die Differentialrechnung, ohne jemals zu ahnen, dass er ihnen, Herr Heinerbach heute einen bequemen Flug in den Urlaub damit ermöglicht hat.

So hat es immer schon Visionäre gegeben, die ihren Taschenrechner nicht gebraucht, dafür aber entwickelt haben, und die Nutzniesser, die sie dafür in den "Dreck" ziehen.

Grüsse
Atkins

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Newspeak 10.07.2006, 02:22
275.

Zitat von wolfgang0907
Wenn Wolfgang Pauli noch leben würde, würde er sicherlich auf die "reinen Mathematiker" unter seinen Kollegen wettern, wie er immer getan hat.
Sie unterschätzen die reine Mathematik. Vieles an den mathematischen Methoden, die man heute in der Naturwissenschaft verwendet wurde von reinen Mathematikern zu völlig anderen Zwecken entwickelt, oftmals schon Jahrhunderte im Voraus. Im übrigen ist es ein leichtes zu begründen, warum die Natur mit Hilfe mathematischer Formeln beschrieben werden kann. Das liegt einfach daran, daß Mathematik ganz allgemein Muster beschreibt und die Beziehungen zwischen ihnen und auch daran, daß Mathematik einfach extrem reichhaltig ist, sehr viel reichhaltiger als die zur Beschreibung natürlicher Vorgänge in erster Näherung verwendeten Gesetze es sind. Die Superstringtheoretiker haben ihre Berechtigung, weil bestimmte Aspekte ihrer Theorien durchaus schon zu experimentell nachprüfbaren Resultaten führen, daß man von einer so umfassenden Theorie die gerade noch im Entstehen ist, noch nicht dieselbe Belastbarkeit einzelner Ergebnisse erwarten darf ist selbstredend, das behauptet aber auch kein ernstzunehmender String-Theoretiker. Das war aber bei der Atomhypothese und den Anfängen der Quantenmechanik und bei dem von Ihnen zitierten Pauli auch nicht anders.

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adsum 10.07.2006, 12:02
276.

Zitat von Newspeak
Sie unterschätzen die reine Mathematik. Vieles an den mathematischen Methoden, die man heute in der Naturwissenschaft verwendet wurde von reinen Mathematikern zu völlig anderen Zwecken entwickelt, oftmals schon Jahrhunderte im Voraus. Im übrigen ist es ein leichtes zu begründen, warum die Natur mit Hilfe mathematischer Formeln beschrieben werden kann. Das liegt einfach daran, daß Mathematik ganz allgemein Muster beschreibt und die Beziehungen zwischen ihnen und auch daran, daß Mathematik einfach extrem reichhaltig ist, sehr viel reichhaltiger als die zur Beschreibung natürlicher Vorgänge in erster Näherung verwendeten Gesetze es sind. Die Superstringtheoretiker haben ihre Berechtigung, weil bestimmte Aspekte ihrer Theorien durchaus schon zu experimentell nachprüfbaren Resultaten führen, daß man von einer so umfassenden Theorie die gerade noch im Entstehen ist, noch nicht dieselbe Belastbarkeit einzelner Ergebnisse erwarten darf ist selbstredend, das behauptet aber auch kein ernstzunehmender String-Theoretiker. Das war aber bei der Atomhypothese und den Anfängen der Quantenmechanik und bei dem von Ihnen zitierten Pauli auch nicht anders.
Also mir macht es auch Spaß mal wieder ein Reagenzglas in die Hand zu nehmen und aus einer Mischung der verschiedensten Kationen und Anionen nach alter Analysenkunst diese zu trennen und zu bestimmen.

Aber es macht mir auch Spaß mal wieder ein Mathematikbuch in die Hand zu nehmen und ein paar Differentialgleichungen verschiedenen Grades zu lösen. Nur einfach als Spaß an der Freude.

Meine Enkelkinder schlagen die Hände über den Kopf zusammen, und fragen sich, wie man so etwas freiwillig tun kann.

Chemische Experimente Ja, aber trockene Mathematik niemals.
Nun ja arbeitsmäßig ist letzteres nicht so aufwendig. Ein Stück Papier, ein Stift, ein Taschenrechner und Schreibtisch reichen aus.
Gruß
adsum

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Silvia 15.07.2006, 09:49
277.

Zitat von Atkins
Mathematik hat man gar nicht "gemacht".
Ach doch, je nachdem, wie man es beleuchtet. Zumindest das Abbilden von Handlungen und Vorgängen in mathematische Formeln ist gemacht und der Wunsch, möglichst viel in mathematischer Sprache abzubilden, ist groß. Das hat aber seine Grenzen und es geschehen erstaunliche Verrenkungen, siehe z. B. Statistik, die viel aussagt, nur nicht über den Einzelnen.

Ich bin keine Mathematikerin, habe mich aber von einem belehren lassen, dass es in der Mathematik Bereich ohne irgendeinen praktischen Nutzen gibt. Das würde bedeuten, dass diese Bereiche nur aus dem Wunsch nach Zahlenspielereien "gemacht" wurden.

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Atkins 15.07.2006, 14:23
278.

Zitat von Silvia
Ach doch, je nachdem, wie man es beleuchtet. Zumindest das Abbilden von Handlungen und Vorgängen in mathematische Formeln ist gemacht und der Wunsch, möglichst viel in mathematischer Sprache abzubilden, ist groß. Das hat aber seine Grenzen und es geschehen erstaunliche Verrenkungen, siehe z. B. Statistik, die viel aussagt, nur nicht über den Einzelnen. Ich bin keine Mathematikerin, habe mich aber von einem belehren lassen, dass es in der Mathematik Bereich ohne irgendeinen praktischen Nutzen gibt. Das würde bedeuten, dass diese Bereiche nur aus dem Wunsch nach Zahlenspielereien "gemacht" wurden.
Ich war mal aber eine Mathematikerin. Und wenn sie sorgfältig meinen Beitrag gelesen hätten, hätten sie auch den Bezug zum praktischen Nutzen von Differentialrechnung, die damals nur als "Zahlenspielerei" gemacht war. Die von ihnen genannte Bereiche sind mir ebenso aus der Vergangenheit vetraut und in der Tat, habe ich mich schon öfters gefragt, wozu denn algebraische Ringe denn gut sein sollten. Womöglich sind wir aber noch nicht so weit, um es zu erkennen.

Und fragen sie einen Ingenieur, ob er einen Integral lieber "zu Fuss" berechnen möchte, oder mit Dankbarkeit auf eine Formel zurückgreift.

Und was die Statistik angeht...haben sie noch nie in ihrem Leben einen ähnlichen Satz wie "die meisten Menschen, die ich kenne...",oder "der Sommer vor X Jahren war sehr heiss" gesagt? Allein das ist eine Statistik, wenn auch sehr ungenaue und es besagt Nichts über die einzelnen Menschen oder Tage.

Mathematik ist nicht nur wunderschön, wenn man sich in ihren Räumen bewegen kann. Mathematik erweitert auch Horizonte ebenso, wie eine Sprache, die auch ein abstraktes Gebilde ist und doch die Welt beschreibt (oder meinen sie, dass alle Wörter die wir benutzen einen materiellen Bezug haben?). Genausogut könnten sie den Sinn der Dichtung angreifen, wie den Wunsch nach Zahlenspielereien.

Hier noch zu Erheiterung:

Ein Kubikmeter genügt

Ein Mathematiker hat behauptet,
das es allmählich an der Zeit sei,
eine stabile Kiste zu bauen,
die tausend Meter lang, hoch und breit sei.

In diesem einem Kubikkilometer
hätten, schrieb er im wichtigsten Satz,
sämtliche heute lebenden Menschen
(das sind zirka zwei Milliarden!)Platz!

Man könnte also die ganze Menschheit
in eine Kiste steigen heißen
und diese, vielleicht in den Kordilleren,
in einen der tiefsten Abgründe schmeissen.

Da lägen wir dann, fast unbemerkbar,
als würfelförmiges Paket.
Und Gras könnte über die Menschheit wachsen.
Und Sand würde drauf geweht.

Kreischend zögen die Geier Kreise.
Die riesigen Städte stünden leer.
Die Menschheil läg in den Kordilleren.
Das wüßte dann aber keiner mehr.

Erich Kästner


Hier haben sie ihren Beweis für die Absürdität der Mathematik und der Dichtung gleichzeitig.

:-)
Atkins

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Martin Steffen 15.07.2006, 15:38
279.

Zitat von Atkins
habe ich mich schon öfters gefragt, wozu denn algebraische Ringe denn gut sein sollten. Womöglich sind wir aber noch nicht so weit, um es zu erkennen.

beruhen nicht die modernen Kryptographischen Methoden
(eingesetzt in PGP, SSL, Online-Bezahlen etc) auf
algebraischen Methoden, algebraischer Zahlentheorie?


Insofern, sogar geldwerter Nutzen :-)

Martin

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