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Wissenschaft absurd: Ein Datensatz - 29 Ergebnisse
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Bekommen dunkelhäutige Fußballer häufiger rote Karten als hellhäutige? 29 Forscherteams haben ein und denselben Datensatz ausgewertet - und sind zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen gekommen.

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cindy2009 08.10.2015, 17:39
20. und nochmal

Ist das nun ein Hinweis darauf, dass es die angeblichen Cluster bezüglich vermehrten Krebs bei Kindern, welche in der Nähe eines AKW Leben, gar nicht gibt? @Sysop, ich lebe neben einem AKW und habe drei Kleinkinder, die Frage ist mir also wichtig und keine Provokation.

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spon-facebook-10000012354 08.10.2015, 17:54
21. Das „wahre Modell“ in der Statistik

Hier wird wieder der Mythos ausgebreitet, dass es in der Statistik das wahre Modell gibt, das die Daten (möglicherweise die „Wirklichkeit“) abbildet. Dies ist aber nicht der Anspruch, den eine statistische Analyse hat, sondern es geht darum, Verteilungen mit Hilfe von statischen Methoden zu analysieren um eine Hypothese zu überprüfen. Bei dieser Frage sind Entscheidungen notwendig (z.B. kann die „Abstufung“ der "Hautfarbe" als nominal, ordinal oder metrisch skaliert betrachtet werden). Jede dieser Entscheidungen lässt sich – abhängig von der Genauigkeit der Messung dieser Abstufung, über die der Leser nichts erfährt – rechtfertigen und dann können in der Statistik in der Tat unterschiedliche Modelle eingesetzt werden. Die Aufgabe des Statistikers besteht darin, dass er den Weg seiner Analyse plausibel macht. Welches der Modelle das wahre Modell ist gehört eher in den Bereich der Philosophie und hat mit der statistischen Analyse im Grunde nicht zu tun. Statistische Modelle stellen unterschiedliche Betrachtungsweisen empirischer Daten dar, die weder falsch noch richtig sind (wenn die Anwendungsvoraussetzungen beachtet wurden), sie vereinfachen nur die Dinge, die man im Grunde bereits in der Datenmatrix sehen könnte.

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pauleschnueter 08.10.2015, 17:54
22. Das Ergebnis würde Sie (negativ) überraschen.

Zitat von cindy2009
Ist das nun ein Hinweis darauf, dass es die angeblichen Cluster bezüglich vermehrten Krebs bei Kindern, welche in der Nähe eines AKW Leben, gar nicht gibt? @Sysop, ich lebe neben einem AKW und habe drei Kleinkinder, die Frage ist mir also wichtig und keine Provokation.
Es ist mir nicht klar, was Sie damit meinen.

Es gibt Kraftwerke, in deren Umgebung die Menschen weniger Krebs haben als der Bundesdurchschnitt und es gibt Kraftwerke, in deren Umgebung die Menschen leicht häufiger Krebs haben.

Im Mittel ist also nichts sichtbar. Sie könnten das Krebsrisiko auch mit der Region in Deutschland und der Höhenlage bzw der Nähe zur nächsten Autobahn, und der Bodenbeschaffenheit korrelieren.

Das Ergebnis würde Sie (negativ) überraschen.

Denn: Obwohl(!) Kernkraftwerke in D in niedriger Lage gebaut sind, sind die Krebszahlen in ihrer Umgebung dennoch so hoch wie im Bundesflächendurschnitt, obwhol in D viele Wohnorte ja deutlich über Mehreshöhe haben und mithin einer erhöhten Höhenstrahlung ausgesetzt sind.

Sie sehen also: je nachdem, was man womit vergleicht ...

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agr 08.10.2015, 17:55
23. Simpson paradoxon

Zu #15 (j.vantast). Siehe Simpson-paradoxon.

So einfach ist es nicht. Es könnte z.B. sein dass in der spanischen Liga allgemein viel mehr rote Karten vergeben werden als in der englischen Liga, aber auch in Spanien mehr dunkelhäutige Spieler sind. Wenn man das nicht rausrechnet hat man schnell einen Zusammenhang der nicht existiert.

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THINK 08.10.2015, 18:09
24.

Zitat von A.Hartmann
Den Sozialwissenschaften die Wissenschaftlichkeit abzusprechen, ist grober Unfug. Auch in der Physik wird geirrt und gestritten, mal so und mal so gemessen und in der Analyse mit mehreren Methoden gearbeitet (und kommt dann zu divergierenden Ergebnissen). Trotzdem bleibt die Physik eine Wissenschaft. Was man aber an der Studie sehen kann: Statistische Analyse ist nicht trivial.
Sie kapieren offensichtlich nicht den Unterschied.

In den Naturwissenschaften geht es ausschließlich um mess- und prüfbare, also konkrete Größen, die eindeutig definiert sind.

In den Pseudowissenschaften (=Sozial- und Wirtschaftswissenschaften) gibt und kann es keine klaren Definitionen geben, da es hier fast ausschließlich um abstrakte Begriffe geht, die naturgemäß nicht definiert werden können. Folglich haben hier Streitigkeiten mehr mit Germanistik und nichts mit Logik zu tun.

Statistische Analyse IST trivial.

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Velociped 08.10.2015, 18:10
25. mal auf Genderstudies anwenden

Jede "Wissenschaft", die ein politisches Sendungsbewusstsein oder Finanzierung hat, ist da besonders anfällig. Bei Genderstudies werden auffällig viele Zusammenhänge so interpretiert, dass Frauen als benachteiligte Opfer erscheinen. Hier mal die Objektivität zu messen, wäre sehr nützlich. Würden bei den Daten Männer und Frauen vertauscht, so würde sicherlich trotzdem ein Gender Pay Gap, eine Benachteiligung an der Uni sowie dass vor allem Frauen Opfer von Gewalt seien herauskommen...

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Glasperlenspiel 08.10.2015, 18:14
26. Die Hauptgefahr ...

... vieler statistischer Arbeiten besteht darin, dass auf ein bestimmtes Ergebnis hin getestet wird. D.h. man modifiziert die Rechnung so lange, bis das gewünschte Ergebnis da ist. Da viele Statistiken Zufallszahlen sind, wird das praktisch immer erreicht. Wenn man nun nur die letzte "passende" Rechnung publiziert, dann wird ein völlig falscher Eindruck vermittelt.

Solche Herangehensweise ist eigentlich ein grobes wissenschaftliches Fehlverhalten, weil die Ergebnise letztlich nie reproduzerbar sind.

Das macht man häufig kurz vor dem Abschluß eines Drittmittel-Projektes, um Argumente für eine Verlängerung zu finden. Und in der Verlängerung wird das Meiste dann wieder zurückgenommen. Das ist Wissenschaftsbetrug, weil damit begrenzte Ressourcen falsch verteilt werden.

Früher gab es so etwas viel seltener, weil die meisten Rechenwege außerordentlich arbeitsintensiv waren. Heute - wo auf allen Schreibtischen Rechner mit den erforderlichen Anwendungen laufen - ist das überhaupt kein Problem mehr.

Unsaubere Statistik ist heute eine richtige Seuche, vor allem wenn noch fachfremde Medien über die "Ergebnisse" berichten.

Es spricht viel dafür, dass eine Reihe von politischenEntscheidungen auf solchen "getürkten" Ergebnissen basieren.

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supergrobi123 08.10.2015, 18:17
27. Komplexer Zusammenhang

Zum Glück arbeitet die Wissenschaft sauberer als die Metawissenschaft. Die Aufgabenstellung ist hochkomplex, schließlich hängt die Wahrscheinlichkeit für eine Rote Karte von eine Unzahl von Bedingungen ab. Auf welcher Position spielt der Spieler? Wie wichtig ist das Spiel und wie steht es gerade? Wie kleinlich ist der Schiedsrichter und welche Hautfarbe hat er? Resultiert der Platzverweis aus einer brutalen Tätlichkeit, einem halbwegs sinnvollen taktischen Foul oder handelte es sich gar um eine Fehlentscheidung? Geht es um die Hautfarbe als solche oder ist eigentlich die Herkunft gemeint, gelten etwa Asiaten als weiß?
Aus all diesen Fragen versuchen nun verschiedene Forscherteams schlau zu werden und sinnvolle, vergleichbare Fälle zu kreieren, denn nur so lassen sich die eigentlichen Fragen beantworten: 1.Unterscheiden sich verschiedenfarbige Menschen in Sachen Fairness? Oder 2. Werden Spieler unterscheidlicher Hautfarbe in derselben Spielsituation unterscheidlich bewertet? Wenn ja, handelt es sich um Rassismus oder andere psychologische Effekte (bekommen etwa Spieler in schwarzen Trikots ebenfalls häufiger Rote Karten zu sehen?) Und das ist eben nicht so leicht, wie die mutwillige Falschdarstellung, es handele sich um ganz einfach auszuwertende Daten, suggeriert.

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rational_bleiben 08.10.2015, 18:24
28.

Die beiden Wissenschaftler haben absichtlich ein heikles Thema gewählt, um subjektive Einflüsse beim Ergebnis zu fördern.

Das Experiment finde ich aufschlussreich. Es ist aber schon lange bekannt, dass vor allem in nicht-naturwissenschaftlichen Fächern sehr mit Statistiken geschlampt wird. Bei der Datenerhebung, bei der Berechnung und bei der Interpretation. Google: "Unstatistik des Monats" (RWI Essen).

Soziologen, Psychologen und Mediziner, aber auch Wirtschaftswissenschaflter sollten bei ihren Studien des Öfteren die Kollegen aus der Physik, Mathematik oder evtl. auch Informatik konsultieren. Deren Fakultät ist meist nur einen Gang weiter, eine Treppe runter oder über die Straße...

Was den Inhalt des Experiments selbst angeht, gibt es sehr sehr viele Interpretationsmöglichkeiten. 1) Dunkelhäutige kommen häufiger aus Problemvierteln (oder aus Afrika), wo vielleicht ein "rauerer" Fußball erlernt wird als in den ruhigeren Mittelschichts- und Nobel-Vierteln. 2) Schiedsrichter haben tendenziell Vorurteile gegen Dunkelhäutige. 3) Schwarze haben tendenziell Vorurteile gegenüber Weißen und gehen daher öfters Gegenspieler oder Schiedsrichter an. 4) Schwarze haben mehr Explosivkraft (aufgrund eines größeren Verhältnisses von schnellen zu ausdauernden Muskelfasern) und begehen daher rein physisch bedingt häufiger schwere Fouls. 5) Ein Mix aus allem. 6) etc etc ... Hier wären dann Soziologen und Psychologen gefragt...

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spon-facebook-10000012354 08.10.2015, 18:36
29. Operationale Definition

Zitat von THINK
Sie kapieren offensichtlich nicht den Unterschied. In den Naturwissenschaften geht es ausschließlich um mess- und prüfbare, also konkrete Größen, die eindeutig definiert sind. In den Pseudowissenschaften (=Sozial- und Wirtschaftswissenschaften) gibt und kann es keine klaren Definitionen geben, da es hier fast ausschließlich um abstrakte Begriffe geht, die naturgemäß nicht definiert werden können. Folglich haben hier Streitigkeiten mehr mit Germanistik und nichts mit Logik zu tun. Statistische Analyse IST trivial.
Auch die Physik hat keine direkt zugänglichen Konzepte, sondern muss sich Messverfahren bedienen, um die Konstrukte abzubilden, was man als operationale Definition bezeichnen kann. Der Begriff operationale Definition oder Operationalisierung eines Merkmals geht auf den Physiker Bridgman (1927) zurück. Die ursprüngliche, auf die Physik zugeschnittene Fassung versucht, Erfahrungsbegriffe empirisch messbar zu machen. Insgesamt versucht die operationale Definition theoretische oder abstrakte Begriffe, die im Grunde nicht direkt messbar sind, durch Zuordnung von Indikatoren eine Messung zu ermöglichen. Der ursprüngliche Begriff wird hier in einzelne Variablen zerlegt, um eine Grundlage für die Messung zu erhalten. Dabei werden oftmals Dispositionsbegriffe zu Rate gezogen, die Eigenschaften beschreiben, die nicht durch direkte Beobachtung erkennbar sind, sondern an gewisse Prüfbedingungen geknüpft sind, daher werden die meisten Definitionen als partiell bezeichnet, beispielsweise der Begriff „fettlöslich“: Die Fettlöslichkeit kann erst mittels Experiment bewiesen werden. Hier stellt nun die Vorbedingung eine Operation dar, womit man die zu definierende Eigenschaft überprüft. Die meisten Naturwissenschaften sind in dieser Beziehung etwas erfolgreicher als die Sozialwissenschaften, aber dies ist auch schon der ganze Unterschied.

https://de.wikipedia.org/wiki/Operationale_Definition

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