Forum: Wissenschaft
Wissensexplosion: Keine Ahnung? Ist doch keine Schande!
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Haben Sie manchmal das Gefühl, dass es einfach mehr zu wissen gibt, als Sie persönlich verdauen können? Das stimmt, aber Sie sind nicht allein.

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UlrichLamprecht 26.11.2017, 18:13
10. Interessantes Thema

Natürlich kann man bei Wikipedia zu fast jedem Thema etwas finden, zumindest etwas darüber, wie man sich das benötigte Wissen beschaffen (erkaufen) kann. Informationsfreiheit ist eine Illusion geblieben, nach wie vor bedeutet Wissen Macht und Wissen lässt man sich bezahlen. Frei verfügbar werden Häppchen die Lust auf mehr machen sollen, siehe Spiegel plus und erst recht Verfahrensbeschreibungen, Schnittstellendokumentationen etc., selbst für Bereiche in denen deren Anwendung, von unwissenden Abgeordneten abgenickt, vorgeschrieben wird, siehe DFUE in der Sozialversicherung. Kommunikation wird auf nur noch Experten verständliche Kanäle geleitet und das Ganze als Fortschritt verkauft, meine Bank hat mal eben den Preis für eine beleglose Buchung verdoppelt, dabei kostet die Bank eine solche Buchung nichts... brave new world. Das Problem besteht wirklich nicht im Fehlen von Universalgebildeten sondern im Fehlen von von auch nur rudimentär Gebildeten. Wir werden eine User-Gesellschaft, völlig abhängig vom Wohlwollen weniger Experten, und merken es nichtmal.

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robertrabe23 26.11.2017, 18:24
11. Faktenwissen vs. Bildung

Ein im Artikel durchaus berührtes Thema ist die Tatsache, dass sich heutzutage immer mehr Leute mit dem reinen Faktenwissen zufrieden geben. Wenn Leute etwas über Napoleon wissen wollen, lesen sie schnell den Wikipedia-Artikel und fühlen sich umfassend informiert. Und dadurch, dass (fast) jeder weiß, dass man diese Fakten schnell nachschlagen kann, macht sich auch fast niemand mehr die Mühe, diese Fakten ernsthaft zu prüfen und in Beziehung zu anderen Fakten zu setzen. So entsteht ein m.E. oft problematisches Bild vom eigenen Wissen (Wikipedia-Artikel über Napoleon gelesen, vielleicht noch ein Heft "Spiegel Geschichte: Napoleon" gelesen - schon fühlen sich manche Zeitgenossen umfassend informiert und sehen sich als Experten zu Napoleon). Man merkt das oft in der Schule: Die Grundlage zu einem Referat in der Oberstufe bildet oft einzig und allein der Wikipedia-Artikel, der dann meist schlicht nacherzählt wird.
Ein Bedürfnis nach Erkenntnis ist selten anzutreffen: Die Fakten liegen ja alle vor und müssen nur wiedergegeben werden. Viele fragen sich dann (m.E. zurecht): Was soll das? Wieso soll ich mich damit beschäftigen?
Das Problem ist, dass sich viele eben damit nicht beschäftigen, sondern nur das vorgefundene rekapitulieren, ohne zu versuchen, sich selbst in das jeweils mglw. interessierende Thema hineinzudenken. Wozu auch? WhatsApp / Twitter / Instagram /Facbook & Co sind schließlich viel wichtiger / interaktiver und relevanter. Bildung erscheint völlig überbewertet, grundsätzlich kommt man mit dem Vortäuschen einer solchen auch weiter...

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freigeistiger 26.11.2017, 18:38
12. Das Problem ist anders

Dass große gesellschaftliche Problem ist der Unterschied zwischen Bildung und Wissen, und einfach Faktenwissen. Bei Bildung hat man die Grundlagen, schafft Verknüpfungen und erkennt, welches Faktenwissen einem noch fehlt. Noch größer ist das Problem, einen adäquaten Gesprächspartner zu finden, mit dem inhaltliches besprochen werden kann. Durchweg trifft man auf die aggressive Verteidigung von Unwissen. ‚Kommunikation’ findet dann nur erzwungenermaßen in form von Machtkämpfen statt. ‚die allgegenwärtige Entklugung’ Dieter Hildebrandt, Udo Di Fabio

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elli1965 26.11.2017, 18:38
13. Universalgenie

Ich denke, Leonardo da Vinci war ohne Zweifel ein Universalgenie durch sein umfangreiches Wissen und seine vielfältigen Fertigkeiten als Erfinder, Bildhauer und Maler. Allerdings bezweifel ich die These, er hätte über das derzeite relevante Wissen umfänglich besessen. Einfache Beispiele von Wissen, das Leonardo vermutlich nicht oder nur in geringen Umfang hatte sind Landwirtschaft, Seefahrt und Kriegshandwerk. Zudem fehlte ihm wohl das Wissen, das andere Kulturen wie Chinesen oder Inkas besaßen. Als die Menschen sich durch Arbeitsteilung und Spezialisierung auf bestimmtes Wissen und Fertigkeiten konzentrierten dürfte auch die Möglichkeit verschwunden sein, dass ein Mensch alleine über das umfangreiche relevante Wissen der Menschheit verfügte.

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olli0816 26.11.2017, 19:07
14. Wissen verändert sich stetig

Ja, ganz richtig, es gibt viel unnützes und kurzlebiges Wissen. Das Problem dabei ist, dass man bei manchem nicht weiß, ob es kurzfristig oder in Zukunft mit zusätzlichem Wissen unnütz wird. Es gibt viel zu viel Wissen für den Einzelnen und es entwickelt sich exponentiell weiter.

Je älter man wird, desto mehr erkennt man, das man sehr wenig weiß, auch wenn man sich einbildet, dies zu tun oder viel dafür gemacht zu haben. Aber jeder, egal wie schlau und belesen er ist, kommt an jeder Ecke an seine Grenzen.

Wenn man das für sich akzeptiert hat, weiß man, dass es viele Meinungen zur Allgemeinbildung gibt und dass diese sich ständig ändern. Wer lernt heute noch Latein oder Altgriechisch? Ganz wenige und um 1900 waren das ganz wichtige Disziplinen und galten als Hort für eine gute Bildung. Dafür hat zu der damaligen Zeit kaum jemand Englisch gesprochen, was heute durchaus zur Basisbildung gehört, wenn man nicht nur lokal unterwegs ist. Andererseits: Die Technik entwickelt sich weiter und vielleicht gibt es Simultanübersetzern in 20 Jahren. Dann kann man wieder argumentieren: Wofür Englisch?

Die alten Klassiker gelesen zu haben ist durchaus eine Bereicherung, wenn man sich damit auseinandersetzen will. Aber auch die neuen Autoren schreiben gutes und werden mal Klassiker. Von daher: alles fließt.

Ich bin aber trotzdem kein Gegner des Faktenwissens. Meine Feststellung ist, dass man Dinge besser durchdenken kann, wenn man sog. Meilensteine weiß und nicht alles in Google oder Wikipedia nachschauen muss. Man sollte das Selberdenken nicht unterlassen. Es gibt sowohl in Online-Medien als auch Büchern falsche Stellen, wo einer vom anderen abschreibt. Also ist ein Prinzip der guten Allgemeinbildung: Verlass dich nicht 100% darauf, was wo steht. Denke selber darüber nach. Vielleicht kommst Du zu ganz anderen Schlüssen und erweiterst wiederum das Wissen.

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michaelpreissingg 26.11.2017, 19:24
15. Die 'Universalgenies' wussten vermutlich auch damals schon nicht mehr

Ich vermute, dass die sogenannten Universalgenies auch damals schon nicht alles 'relevante' Wissen wussten. Ich vermute, dass dies eine nicht zutreffende Überhöhung ist, die die Vielfältigkeit der Dinge in bspw. verschiedenen Berufen aber auch in verschiedenen Regionen der Welt übersieht.
Welche Pflanzen, die in Europa, Afrika, Amerika und Asien/Pazifik vorkommen sind essbar? Welche Produkte lassen sich daraus herstellen, wie baut man sie an, wie geht man konkret bei der Verarbeitung vor? Wie gehe ich mit bestimmten Tieren um? Wie überlebe ich im Dschungel, in der Wüste, in Grönland, etc.? Wie stelle ich konkret(!) einen Schuh, ein Glasfenster, eine Porzellanvase, Holzkohle, einen Pferdesattel, einen Giftpfeil, einen Bogen, ein Schiff, Seide, etc., etc. in Profiqualität(!). her? Das oftmals auch handwerkliche Expertenwissen dazu war schon sehr viel länger auf viele verschiedene Menschen verteilt und nicht mehr bei einem oder einer einzigen vereint.

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MtSchiara 26.11.2017, 19:39
16. das weiß die Biologie schon seit langem

Deswegen hat die Evolution das Gehirn als einen großen Wissensfilter entwickelt. Die meisten Dinge, die man sieht und hört, gelangen erst garnicht ins Bewußtsein - und von dem, was ins Bewußtsein gelangt, hat man das meiste nach einer Woche vergessen.

Denn das, worum es im Leben geht, ist nicht Wissen, sondern Entscheidung. Man steht im Leben permanent vor Entscheidungen, kleinen Entscheidungen und großen Entscheidungen. Um diese Entscheidungen richtig zu treffen, braucht man Wissen. Aber nicht alles Wissen, sondern das richtige Wissen mit der richtigen Deutung für die jeweiligen Entscheidungen. Deswegen muß man lernen, Wissen zu filtern und das für Entscheidungen relevante Wissen vom nicht-relevanten zu unterscheiden.

Was man also in dieser Überlutungsgesellschaft lernen muß, ist Wissen zu filtern und relevantes von nicht-relevantem für seine Entscheidungen zu unterscheiden. Dazu braucht man Basiswissen in den zentralen Disziplinen unseres Lebens und Methoden zur Wissensbewertung.

Und - nebenbei gemerkt - gibt es Wissen im eigentlichen Sinne eigentlich garnicht, sondern nur Glauben mit dem Gefühl der Gewißheit. Wissen ist Glauben, daß man für sich als Wissen akzeptiert hat. Deswegen gibt es so viele unterschiedliche Gewißheiten in dieser Welt, da Menschen sich jeweils für das Wissen entscheiden, das ihnen am meisten zusagt. Das, was man für sich als Wissen akzeptiert, spiegelt immer auch die eigene Persönlichkeit wieder.

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philosophus 26.11.2017, 20:16
17. @ WurstInspektor

Sie meinen dass Ihr stärkstes Argument und Ihre grösste Gewissheit ist die, dass Sie fast gar nichts wissen. Damit sind Sie nicht allein. Ein ganz Grosser vor Ihnen hatte es kanz kurz ausgedrückt: "ich weiss, dass ich nichts weiss"... Sokrates. Er war nämlich des Umstands bewusst, dass ihm die absolute Weisheit und ein über jeden Zweifel erhabenes Wissen, fehlte. Wie menschlich!... wenn man hypothetischerweise annimmt dass man zur einer bestimmten Zeit alles weiss, so ist es im nächsten Moment überholt. Das Wissen ist wie der Horizont: je näher man ran kommt, desto weiter entfernt er sich vom Beobachter. Das ist die Schwäche und zugleich die Grösse und die Schönheit des Menschenseins: dass man ?ber ein Instrument verf?gt womit man immer neues Wissen erlangen kann... WENN man davon Gebrauch macht!...

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az150 26.11.2017, 20:48
18. Immer langsam...

"Ein gesellschaftlicher Konsens über etwas so Fundamentales wie einen verbindlichen Bildungskanon war schon immer eine Herausforderung. In einer Zeit exponentiellen Wandels aber verwandelt sich dieser Kanon, wenn er sinnvoll bleiben soll, in ein bewegliches Ziel."
Dass der Bildungskanon veränderlich sein muss ist, glaube ich, nicht die Frage. Gewandelt hat er sich auf die eine oder andere Weise immer schon. Die Frage, die sich heute aber zunehmend stellt, ist eher, in welchem Tempo er sich wandeln sollte, und auf welche neuen Themen verstärktes Augenmerk zu lenken ist. Denn angesichts immer rasanterer gesellschaftlicher Veränderungen und technologischer Entwicklungen, droht ein "Bildungskanon" ständig den Anschluss zu verlieren. Dennoch lehrt mich die eigene Lebenserfahrung, dass Neuerungen insbesondere technischer Art von großen Teilen der diversen Fachwelten und der Presse gerne unter Betonung ihres enormen Potenzials begeistert in den Himmel gehoben werden, allzu oft am Ende von diesem Potenzial aber nur ein winziger Bruchteil tatsächlich wirksam wird, oder die Neuerung von anderen Entwicklungen bald völlig überrollt wird und wieder in der Versenkung verschwindet. Wieder andere Neuentwicklungen werden seit Jahren oder Jahrzehnten unentwegt angepriesen, aber wollen trotz aller Anstrengungen irgendwie nicht aus den Puschen kommen. Aktuelle Beispiele: Sprachcomputer und Autonomes Fahren. Verglichen mit ihrer Publicity sind die Fortschritte hier ärmlich. Daher die Überzeugung bei der Erneuerung des Bildungskanons in Bezug auf solche Dinge durchaus abwartend vorzugehen und sich das Schauspiel erstmal ein paar Jahre anzusehen, ehe man es dem Kanon einverleibt und dafür anderes altgedientes über Bord wirft.

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spon_12 26.11.2017, 21:16
19.

Zitat von MtSchiara
Deswegen hat die Evolution das Gehirn als einen großen Wissensfilter entwickelt. Die meisten Dinge, die man sieht und hört, gelangen erst garnicht ins Bewußtsein - und von dem, was ins Bewußtsein gelangt, hat man das meiste nach einer Woche vergessen. Denn das, worum es im Leben geht, ist nicht Wissen, sondern Entscheidung. Man steht im Leben permanent vor Entscheidungen, kleinen Entscheidungen und großen Entscheidungen. Um diese Entscheidungen richtig zu treffen, braucht man Wissen. Aber nicht alles Wissen, sondern das richtige Wissen mit der richtigen Deutung für die jeweiligen Entscheidungen. Deswegen muß man lernen, Wissen zu filtern und das für Entscheidungen relevante Wissen vom nicht-relevanten zu unterscheiden. Was man also in dieser Überlutungsgesellschaft lernen muß, ist Wissen zu filtern und relevantes von nicht-relevantem für seine Entscheidungen zu unterscheiden. Dazu braucht man Basiswissen in den zentralen Disziplinen unseres Lebens und Methoden zur Wissensbewertung. Und - nebenbei gemerkt - gibt es Wissen im eigentlichen Sinne eigentlich garnicht, sondern nur Glauben mit dem Gefühl der Gewißheit. Wissen ist Glauben, daß man für sich als Wissen akzeptiert hat. Deswegen gibt es so viele unterschiedliche Gewißheiten in dieser Welt, da Menschen sich jeweils für das Wissen entscheiden, das ihnen am meisten zusagt. Das, was man für sich als Wissen akzeptiert, spiegelt immer auch die eigene Persönlichkeit wieder.
Bleibt die Frage, ob Sie das wissen oder glauben...
Und ich glaube zu wissen, was das Ihnen über mich sagt - oder Sie glauben macht.

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