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Zu viel Nitrat im Wasser: Deutsches Düngerecht ist der EU zu lasch
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Noch immer landet über den Dünger zu viel Nitrat im Grundwasser, das schadet Pflanzen und Tieren. Das ärgert die EU - auch die Spannungen zwischen der deutschen Umwelt- und Agrarministerin nehmen zu.

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gruj1 25.03.2019, 07:25
90. Böden "filtern" Nitrat, indem

Zitat von Klaugschieter
Beim hohen Nitrateintrag durch die Landwirtschaft besteht das Dilemma, dass die Böden nur in begrenztem Rahmen in der Lage sind, Nitrat zu filtern und vom Grundwasser fernzuhalten. Das hängt ganz davon ab, wieviel Pyrit, eine mineralartige Form des Eisens, im Boden vorhanden ist. Pyrit kann Nitrat aufnehmen, ist danach aber verbraucht. Besonders gefährlich ist Nitrateinlass dort, wo nur noch wenig Pyrit vorhanden ist und die Wasserwerker "junges Wasser" verarbeiten, dass vom Regen bis zum Einsickern ins Grundwasser aufgrund der Beschaffenheit der Erdschichten nur wenige Jahre hat.
es abgebaut oder adsorbiert wird. Nitrat wird nur in geringem Maße von festen Bodenbestandteilen adsorbiert, weil es nur schwache Bindungen ausprägen kann (und stärker bindende Spezies in der Bodenlösung vorhanden sind). Wieviel Pyrit im Boden ist, ist dafür unerheblich. Pyrit ist ein Eisen-Schwefel-Mineral (FeS2). Es kann Nitrat zu N2O oder N2 reduzieren (nicht "aufnehmen"). Das Ganze funktioniert nur in Abwesenheit von Sauerstoff, ist also in landwirtschaftlich genutzten Oberböden irrelevant, allein schon deshalb, weil dort so gut wie kein Pyrit vorhanden ist, weil O2 vorhanden ist. Pyrit findet sich in nennenswertem Maße nur in O2-freien Unterböden (auch nicht der Normalfall). Der im ursprünglichen Beitrag angedeutete Prozess führt dazu, dass O2-frei Grundwässer nitratfrei sind. Ausbringen von Pyrit zur Nitratreduktion sollte man übrigens vermeiden. Ber der Oxidation von Pyrit entsteht ein Fe-Hydroxid und Schwefelsäure. Kein Landwirt wird sich gern selbst seine Flächen versauern.

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fleischwurstfachvorleger 25.03.2019, 07:54
91. Ursache und Wirkung

Sage mir was du subventionierst und ich sage dir, wo wir Probleme kriegen werden.

Das Hauptproblem in Deutschland ist die Massenproduktion. Viel zu viele Hühner und Schweine werden mit importierten Gen-Soja, für das Regenwälder abgeholzt werden, auf engstem Raum, mit Antibiotika gesund gehalten. Gesund ist das allerdings weder für Mensch und Tier. Multiresistente Keime sind ein Ergebnis davon. Man geht davon aus, dass man im Jahr 2050 wieder an einer simplen eitrigen Mandelentzündung sterben kann. Frauen werden wieder am Kindbettfieber sterben. Routineoperationen werden zur Frage über Leben und Tod. Schöne Aussichten. Das Alles, damit 30 % des Fleisches aus Massentierhaltung größtenteils nach Afrika exportiert werden, um dort regionale Märkte zu zerstören. Wir entziehen der dortigen Bevölkerung die Lebensgrundlage und beschweren uns, wenn die sich mangels Perspektive für sich und ihre Familie, auf den Weg nach Europa / Deutschland machen.

Als Ergebnis der Massentierhaltung wird auch jede Menge CO² freigesetzt, mit globalen Folgen.

Der Staat fördert Biogasanlagen. Leider hat man die Folgen zu wenig bedacht. Maismeere, die der Bauer mit Pestiziden erfolgreich gegen Unkraut und Ungeziefer verteidigt. So erfolgreich, dass dabei Insekten haufenweise sterben und die Vögel zu wenig Nahrung finden und dadurch sich deren Population auch wesentlich verringert. - Die Rückstände der Biogasanlage, landen natürlich zusammen mit der Gülle aus der Massentierhaltung und der importierten Gülle aus den Niederlanden auf Äckern und Wiesen. Ergebnis: das Grundwasser wird verseucht. Und die aufwändige Aufbereitung zahlt nicht der Verursacher, sondern der Verbraucher. Verkehrte Welt.

Es geht auch nicht um den Kleinbauern, sondern um die Agrarfabriken und die industrielle Landwirtschaft, mit riesigen Flächen, die vom Staat geschützt und subventioniert werden. Der Bauernverband verhindert, dass Wanderschäfer gefördert werden, weil das aus dem Subventions-Topf der Großbauern fließen würde.

Das kommt also dabei heraus, Frau Klöckner, Herr Altmaier, Herr Lindner, Herr Scheuer, wenn Profis an Themen herangehen, die einen Interessenskonflikt zwischen Industrie und Natur / Bevölkerung in sich bergen. Warum nennen Sie sich nicht ehrlich Industrievertreter, sondern lassen sich als Volksvertreter wählen?

Ich denke, die DUH sollte einfach vor deutschen Gerichten, die Einhaltung geltendes Rechtes einfordern.

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unaufgeregter 25.03.2019, 08:14
92. Geld regiert die Welt

Die deutsche Poltik ist in Sachen Nitratbelastung sehr zurückhaltend. Das hohe Nitratwerte gesundheitsschädlich sind, ist unbetritten. Die Folgen müssen wir später tragen. Es wird - wie so oft - Politik gegen das eigene Volk gemacht.

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demokrat2 25.03.2019, 08:31
93. CDU-Klöckner missbraucht ihr Amt ......

..... gezielt gegen die Bevölkerung, gegen den Umwelt- und Artenschutz. Sie macht bewußt Politik allein für die Agrarlobby und verseucht unsere Umwelt. Die Klein- und Bio-Bauern werden von ihr vernachlässigt. Eine genau so unrühmliche Rolle spielt sie bei der Lebensmittelkennzeichnung im Interesse der Verbraucher. Gesunde Ernährung scheint ihr nicht wichtig. Da geht es nur mit Trippelschritten voran. Ihr Credo ist die Selbstverpflichtung der Hersteller und Produzenten. So macht sich Frau Klöckner bei den Agrarfabrikanten auf Kosten der Umwelt und der Bevölkerung beliebt und will sich so ihre Wiederwahl sichern. Das ist verantwortungslos und schändlich, ein kriminelles Verhalten, für das wir noch Strafen an die EU zahlen müsssen..

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hobbyastronaut 25.03.2019, 08:36
94.

Zitat von paul.baumann
...Arbeitnehmers in Deutschland im Jahr 2017 bei ca. 3.770 Euro, während laut "gehaltsvergleich.com" ein Landwirt in 2017 im Schnitt 2.426 € brutto im Monat verdient hat. Finde den Fehler ...
Vielleicht sollte man an dieser Stelle noch erwähnen, dass ein erblicher Anteil dieser Einnahmen aus Subventionen besteht. Bezahlt also die Allgemeinheit.

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bauer51 25.03.2019, 09:23
95. Messstellen Fläche und Arbeitsverweigerung im Umweltbundesamt

Die Kritik der EU bezieht sich unter anderem auf die mangelhafte Messstellenzahl der Bundesrepublik. 142 Messstellen sollen repräsentativ für die ganze BRD sein!!! Wir Bauern weisen seit vielen Jahren darauf hin dass dies zu wenig ist, doch das UBA mauert. Würde doch dabei herauskommen dass die Rot/Grüne Regierung sammt Anhang im UBA damals der "Einfachheit" halber nur schlechte Messungen übermittelt hat und behauptet hat dies sei ein Belastungsmessnetz. Über 11000 andere Proben wurden unter den Tisch gekehrt. Keine Maßnahmen bei belasteten Probestellen, keine wirkliche Ursachenforschung. Auch Stadtwerke halten die Suppe immer schön am kochen, ja nicht messen nach Kläranlagen oder unter ihren seit Jahren verrottenden Kanälen. Und keinesfalls an Grundbesitzer bei Brunnen für Bewirtschaftungsauflagen bezahlen wollen. Warum bohrt auch keiner nach wenn es wegen zu starker Grundwasserentnahme zu sogenannten Grundwassertrichtern und ihren Folgen bei der natürlichen Wasserreinigung kommt?

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halverhahn 25.03.2019, 09:52
96. Leute, bleibt doch mal beim Thema!!

Welchen NO3-Grenzwert im Trinkwasser gibt die EU vor?
Welcher gilt in Deutschland?! 50 mg/L?

Und wo wurde lt EU zuviel NO3 im deutschen Trinkwasser gemessen bzw wie hoch war dort der genaue Nitrat-Gehalt??

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Goldwin 25.03.2019, 09:58
97. Es setzt sich fort...

Es setzt sich bei der Diskussion um die Düngeverordnung fort, was auch in vielen anderen Bereichen Mode ist: Vereinfachen!

Es mag schön einfach sein aus komplexen Zusammenhänge einzelne "Fakten" heraus zu greifen und mit diesen zu argumentoeren. Noch dazu, wenn es in die eigene Weltanschauung passt. Allerdings ist die Welt eben nicht so einfach wie es uns die Popilisten weiß machen wollen.

Beleiben wir mal beid en Fakten: Es gibt in Deutschland Grundwasserkörper, bei denen die Nitratbelastung zu hoch ist. Das ist nicht weg zu diskutieren. Die meisten grundwasserkölrper haben jedoch kein Problem mit Nitratwerten. Auch das sollte man berücksichtigen wenn man über Problemlösungen diskutiert. Man darf hier nicht das System der Sippenhaft nutzen.
Dann ist die Frage warum manchen Grundwasserkörper zu hoch mit Nitrat belastet sind. Die Antwort der Populisten ist kalr: Schuld ist die Landwirtschaft (wie nahezu bei jedem problem in Deutschland). Aber auch hier ist die Antwort in Wahrheit komplexer. In manchen regionen ist die Landwirtschaft schuld. Das ist richtig. Und da muss man ansetzen. Es gibt aber eben auch recht viele Regionen mit hohen Nitratgehalten im Grundwasser, in denen es kaum Landwirtschaft gibt.

Man macht es sich etwas zu einfach immer pauschal auf DIE Landwirte zu schimpfen. Es gibt Regionen, da müssen Verbesserungen in der Landwirtschaft umgesetzt werden. Keine Frage. Aber eben nicht nur. Und politishc und medial werden NUR landwirtschaftlcihe Themen diskutiert.

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Boone 25.03.2019, 10:10
98.

Das Ausmaß mit denen die 3 den Weltmarkt beherrschenden Chemiekonzerne, Bayer/Monsanto, Dupdond, Syngenta die Umwelt und den Menschen vergiften hat apokalyptische Ausmaße. Diese Firmen haben zu anderen Zeiten Zyklon B und Agent Orange produziert, jetzt produzieren sie Glyphosat u.Ä. und gleichzeitig auch die Medikamente gegen all die Krankheiten, wie beispielsweise MS und anderen seltsame Nerven- und Organkrankheiten, die diese Giftstoffe langfristig hervorrufen. Unsere Landwirtschaft muss - und zwar schon gestern - vollständig auf ökologische Landwirtschaft umgestellt und vom Einfluß der Chemiekonzerne befreit werden.

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TamTam 25.03.2019, 10:10
99. Gülle ist Dünger, kein Abfall

Ich bin einigermaßen entsetzt über den Hass und die Unwissenheit der meisten Foristen hier. Wie kann man denn bitte als aufgeklärter Mensch nicht wissen, dass Gülle als wichtiger Dünger dient und nicht in erster Linie Abfall ist? Die die Erträge vielerorts in Deutschland sind nur deswegen so hoch wie sie sind, weil die Bauern über Generationen hinweg hart daran gearbeitet haben. (Nicht umsonst findet man Mastbetriebe oft in Gegenden, wo die Bodenqualitäten eben nicht den Anbau von Brotgetreide ermöglichen.) Wer daher Bauern pauschal mangelnde Nachhaltigkeit bei ihrer Tätigkeit vorwirft, macht sich lächerlich.

Zugegeben wurde in der Vergangenheit bei der Genehmigung von Ställen geschlampt. Regionen wie der Großraum Vechta haben mehr Viehbestand entwickelt als Flächen in unmittelbarer Nähe für die Ausbringung der Gülle vorhanden sind. Mittlerweile gehört der Nachweis über ausreichend Grünland zu den Mindestanforderungen für den Bautrag eines neuen Stalles. Und Besitzer bestehender Ställe müssen Sorge dafür tragen, dass die Gülle notfalls weiträumig verteilt wird. Jeder erwerbsmäßige Bauer muss jährlich nachweisen, wie viel Gülle und andere Düngerarten er auf seine Felder ausgebracht hat. Werden die bestehenden Grenzwerte überschritten, winkt es empfindliche Kürzungen bei Subventionen. (Das gleiche gilt übrigens auch bei Spritzmitteln.) Außerdem gibt es strikte Regelungen dafür wann und wie Gülle ausgebracht werden darf: Nicht im Winter oder bei Frost; zur Vorbeugung von Auswaschung muss die Gülle angemessen in den Boden eingearbeitet werden usw.

Was bei der ganzen Nitratdiskussion nie erwähnt wird, ist, dass das Trinkwasser in Deutschland so gut wie gar nicht nitratbelastet ist. Die Zahlen, die nach Brüssel gemeldet werden, sind in hohem Maße irreführend und stammen von einer sehr selektiven Auswahl spezieller Testbrunnen, die deutlich weniger tief gebohrt sind als die Trinkwasserbrunnen. Außerdem korrelliert die Nutzviehdichte eben _nicht_ mit dem Nitratgehalten im Grundwasserkörper. Da ich selber keine Experte dafür bin, möchte ich dazu auf den Essay "Gespensterdebatten um das Nitrat im Grundwasser" von Georg Keckl hinweisen.

Ziel muss es also sein, sicherzustellen, dass genau so viel Dünger ausgebracht wird, wie die Pflanzen ihn aufnehmen können. Dafür wird bereits sehr viel Sorge getragen. Die Neuerungen der Düngemittelverordnung werden daher nicht zur Verbesserung der Wasserqualität beitragen, sondern nur dafür sorgen, dass die Erträge bei gleichem finanziellem Aufwand sinken werden, und dass immer weniger Bauernfamilien von ihrem Acker leben können werden.

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