10 Jahre Studentenstreik Protest in der Gummizelle

Überfüllte Seminare, fehlende Bücher, überforderte Dozenten: Vor zehn Jahren führte die Misere an den Universitäten zu einem der größten deutschen Studentenstreiks aller Zeiten. Doch der Protest verpuffte - weil ihm die Gegner fehlten. Von David Frogier de Ponlevoy
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Das letzte Hemd: "Mit nackten Tatsachen" protestierten Studenten in der Kasseler Innenstadt gegen Mittelkürzungen an den Hochschulen. Die Studenten der Fachhochschule Gießen entledigten sich mitten in der belebten Fußgängerzone ihrer Kleider und zogen sich unter erstaunten Blicken zahlreicher Passanten bis auf die Unterwäsche aus.

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Studenten protestieren: Laut - aber auch wirksam? Studenten bei einer Demonstration in Bonn. Auf dem Bild große Teile der damaligen Fachschaft Geschichte aus Marburg.

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Solidarität ist nicht genug: Studenten bei einer Demonstration in Bonn, im Hintergrund ein Schild mit der Aufschrift: "Solidarität reicht nicht! Wir brauchen mehr Bücher, Professoren & Geld." Während der Proteste und Streiks war den Studenten von allen Seiten Solidarität zugesichert worden - geändert wurde jedoch wenig.

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Studentenproteste in Wiesbaden: Der Streik war für viele mehr ein lustig-buntes Happening ohne ein tatsächlich politisches Ziel.

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Vorgetäuschte Anarchie: Studenten bei der Demonstration in Bonn, links ist das Innenministerium zu sehen. Ein paar Studenten laufen über Straßenbahngleise, was aber nur nur anarchisch aussieht - die Demonstration war angemeldet.

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Nackte Tatsachen: Eine Studentin posiert am 15.12.2003 am Rande einer Flitzer-Aktion unter dem Motto "Wir geben unser letztes Hemd für die Bildung" in einem Vorlesungsraum in Berlin.

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Flitzer: Studenten der Berliner Universitäten liefen am 15. Dezember 2003 bei einer Flitzer-Aktion unter dem Motto "Wir geben unser letztes Hemd für die Bildung" nackt über den Weihnachtsmarkt am Alexanderplatz in Berlin. Mit der Aktion, an der sich rund 30 Studenten beteiligten, wollten die Studenten mit nackten Tatsachen gegen die Bildungspolitik demonstrieren.

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Demo auf der Kö: Tausende Studenten demonstrierten noch Anfang Dezember 1997 auf der Düsseldorfer Königsallee gegen den Bildungsabbau in Deutschland. In den Wochen danach machten viele davon hier ihre Weihnachtseinkäufe. Nach dem Fest war der Streik bald vergessen.

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Bücherlauf: Um ihre Meinung zu versinnbildlichen, dass Politiker die Bildung mit Füßen träten, kippten Studenten Bücher vor das Landtagsgebäude in Stuttgart und liefen darüber. Mit Plakaten und Transparenten demonstrierten die Studenten gegen die Hochschulpolitik.

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Hörsaal Uni Bochum 1997: Ein Streikposten der Ruhruniversität Bochum besetzt einen Hörsaal. Der Lehrbetrieb wurde eingestellt, die Studenten protestierten gegen überfüllte Hörsäle und die Einführung von Studiengebühren.

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Bildung zu Grabe getragen: Zwei Studenten beschriften vor der Tübinger Universitätsbibliothek Holzkreuze mit den Professorenstellen, die in den nächsten Jahren abgebaut werden sollen. Während des Streiks 1997 dachten viele, es sei ein zweites 68 - heute redet kaum noch jemand von den Protesten.

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Maulkorb für Studenten?: Einen Streik-Button mit der Aufschrift "Bildung angebrannt?" hat eine Studentin vom Streikbüro der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg am Mund. In der Saalestadt begann am 08.12.2003 eine Aktionswoche der Studenten gegen die von der Landesregierung geplanten Budgetkürzungen. An der Martin-Luther-Universität besetzten mehrere hundert Studenten ein Universitätsgebäude und traten in den Streik. In der Aktionswoche wurde jeden Tag mit weiteren Aktionen auf die Misere an den Hochschulen aufmerksam gemacht.

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Mediziner in Bonn: "Protest" hat dieser Medizinstudent der Universität Marburg auf den Mundschutz seiner Operationshaube geschrieben. Gemeinsam mit mehreren zehntausend anderen Studenten aus ganz Deutschland protestierte er in Bonn gegen die Studienbedingungen an deutschen Universitäten.

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Studentenprotest in Marburg: Einer der Türme der Marburger Phil-Fakultät mit einem riesigen Transparent "Gegen Bildungs- und Sozialabbau. Wir wehren uns." Schon von außen ist dem Gebäude seine Renovierungsbedürftigkeit anzusehen.

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Vorlesung in der U-Bahn: Eine Dozentin der Universität Bochum hielt amm 28.11.1997 ihre Vorlesung in einem U-Bahnwagen. Die Politikwissenschaftlerin unterstützte mit dieser Alternativveranstaltung den Streik ihrer Studenten gegen überfüllte Hörsäle.

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Stoffpuppen am Galgen: Mit drei Stoffpuppen von Theo Waigel, Jürgen Rüttgers und Helmut Kohl (v.l.n.r.) am Galgen marschieren Studenten am 04.12.1997 in Düsseldorf zum Landtag. Mit der Kundgebung in der Landeshauptstadt wollen die Demonstranten auf das nach ihrer Meinung unzumutbare neue Hochschulrahmengesetz aufmerksam machen.

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Bildungsbürger auf der Straße: Unter dem Motto "Zukunft für alle" protestierten am 04.12.1997 in Düsseldorf rund 20.000 Studenten gegen das Hochschulrahmengesetz. Die Studierenden waren aus ganz Nordrhein-Westfalen zu einer zentralen Kundgebung zusammengekommen.

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"Lucky Streik"-Button: Der Studentenstreik 1997 war für viele Beteiligte mehr eine lustig-bunte Party als ein ernsthaftes bildungspolitisches Anliegen.

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Unter dem Banner der Revolution: Studenten bei einer Demo 1969 mit denen sich viele im 97er Streik nur zu gern verglichen.

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Nackter Protest: Auch die sogenannten 68er schockierten gern mit nackten Tatsachen, darin standen ihnen ihre Kinder 1997 in Nichts nach.

Foto: Jochen Mönch
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Rudi Dutschke: Studentenführer Rudi Dutschke bei einer Protestveranstaltung vor dem Amerika-Haus in Frankfurt am Main.

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Benno Ohnesorg: Der Student Benno Ohnesorg wurde bei einer Demonstration anlässlich des Berlin-Besuchs des Persischen Kaiserpaares von einem Polizisten erschossen. Für viele Studenten bedeutete dieses Ereignis eine Wende.

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Studentenprotest in Frankfurt: Ein Demonstrant mit Gasmaske. Studenten und Frankfurter Bürger fanden sich im Juni 1967 zu einem Trauermarsch für den in Berlin erschossenen Student Benno Ohnesorg zusammen.

Foto: STR/ AP
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Studentenprotest in Hamburg: In vielen deutschen Großstädten begehrten in den 1960er Jahren die Studenten auf: Am 9. November 1967 störten Detlev Albers (l.) und Gert Hinnerk Behmler (r.) im Audimax der Hamburger Universität die traditionelle Rektoratsübergabe zu Beginn des Semesters. Mit ihrem Banner "Unter den Talaren Muff von 1 000 Jahren" wurden sie zum Symbol des Studentenprotests der 68er.

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Studentenprotest in Berlin: Nach Schüssen auf den Berliner Studentenführer Rudi Dutschke versuchen Demonstranten, einen Wasserwerfer der Polizei unter ihre Kontrolle zu bringen.

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Dutschke mit Vietcong-Flagge: Sit-in im Frankfurter Amerikahaus. Studenten des SDS sprengen die Veranstaltung, Rudi Dutschke (vierter von links) entrollt die Fahne des Vietcong.

Foto: Institut für Stadtgeschichte Frankfurt/Kurt Weiner
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Prüfungsvorbereitung Multiple Choice: Fragensammlungen zur Prüfungsvorbereitung im ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung 1986 - in ganz Deutschland bei jedem Medizinstudierenden verbreitete Exa-Med-Bücher zur rationellen Examensvorbereitung.

Foto: Andreas Heinze