2. Juni 1967 Der vertuschte Mord am Studenten Benno Ohnesorg

1968, das Jahr der Studentenrevolte, begann schon am 2. Juni 1967: am Tag, als Benno Ohnesorg starb. In einem Berliner Hinterhof schoss Polizist Karl-Heinz Kurras dem Studenten in den Kopf.
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Tödlich getroffen: Im Hof des Berliner Hauses Krumme Straße 66/67 schoss ein Polizist Benno Ohnesorg in den Kopf. Hier kümmert sich Friederike Hausmann (damals Dollinger) um den schwer verletzten Studenten. Unter seinem Kopf liegt sein Transparent mit der Aufschrift "Autonomie für die Teheraner Universität". Ohnesorgs Tod am 20. Juni 1967 veränderte Deutschland.

Foto: Henschel/ dpa
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Rettungsversuch: Der schwer verletzte, aber noch lebende Benno Ohnesorg wird im Hinterhof auf eine Trage gelegt. Rechts im Bild der Sanitäter Gerhard Gritzka, der sich am nächsten Tag bei der Witwe Benno Ohnesorgs für die Umstände des Transports entschuldigte.

Foto: HERR/ AP
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Das Opfer: Benno Ohnesorg mit seiner Frau Christa im Frühling 1967 - sie haben Ende April 1967 geheiratet, Christa ist schwanger. Sie schenkte ihm im Mai das rote Hemd, das er am 2. Juni zum ersten Mal trug.

Foto: privat
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Der Täter: Kriminalobermeister Karl-Heinz Kurras, hier umringt von Fotografen zum Prozessbeginn am Morgen des 3. November 1967 im Berliner Landgericht. Unter seiner Jacke trug er eine, wie er selbst ausführte, von den Alliierten lizensierte Waffe.

Foto: Chris Hoffmann/ picture-alliance/ dpa
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Jagd auf Studenten: Am 2. Juni 1967 flüchteten Demonstranten gegen 20.30 Uhr in Panik auf den Hof des Hauses Krumme Straße 66/67. Einsatzkräfte der Polizei setzten mit gezückten Schlagstöcken nach und knüppelten sie nieder. Dabei kam es zum Schuss auf Ohnesorg.

Foto: Uwe Dannenbaum
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Die letzte Aufnahme vom noch unverletzten Benno Ohnesorg im Hof des Hauses Krumme Straße. Sekunden später versuchte er, wieder auf die Straße zu gelangen. Polizisten hielten ihn fest, prügelten auf ihn ein, dann kam Kurras hinzu und schoss.

Foto: Uwe Dannenbaum
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"Knüppel frei!" Im Vordergrund schlagen uniformierte Beamte auf den Medizinstudenten Götz Friedenberg ein, im Hintergrund bearbeiten Polizisten in Uniform und Zivil Benno Ohnesorg. Deutlich zu erkennen ist hier ein Fuß Ohnesorgs in den seinerzeit "Jesuslatschen" genannten Sandalen.

Foto: Uwe Dannenbaum
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Höchstwahrscheinlich ist dies der Moment, in dem Kurras schießt: Das Foto zeigt die Schläge der Polizisten auf Götz Friedenberg aus etwas anderer Perspektive. Im Hintergrund sieht der Beamte der Politischen Polizei, Schulz, in die Kamera. Auf ihn stützt sich Kurras. Sein rechter Arm ist ausgestreckt - wahrscheinlich mit seiner gezogenen Dienstwaffe, einer Walther PPK.

Foto: Heinrich Burger
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Kurz nach dem Schuss: Götz Friedenberg (im hellen Pullover), der noch wenige Sekunden zuvor auf dem Boden liegend verprügelt worden war, wird vom Hof des Hauses an der Krummen Straße gejagt. Auf dem Bild direkt rechts neben dem Ellenbogen Friedenbergs, im Hintergrund: Karl-Heinz Kurras. Er starrt auf den Boden vor sich. Dort liegt Ohnesorg (nicht im Bild), auf den er soeben geschossen hat.

Foto: BPK / Bernard Larsson
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Ohnesorg liegt mit Kopfschuss am Boden, bei ihm Erika Hörning (damals Schneider) und zwei Polizisten der Abteilung 1 (Politische Polizei). Rechts im Bild der Polizist Hans Kaiser, der abends seiner Frau berichtete, Ohnesorg habe ihm "das Leben gerettet" - weil Kaiser dem Todesschützen Kurras genau gegenüberstand und selbst hätte getroffen werden können.

Foto: Uwe Dannenbaum
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Um den schwer verletzten Benno Ohnesorg kümmerten sich Friederike Hausmann sowie in heller Bekleidung die Lehrerin Christa Selicke (Mitte) und Erika Hörning.

Foto: Paul Georg Hermann
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Tatort-Skizze eines Zeugen: Der teilweise überbaute Hinterhof an der Krummen Strafe wurde zur tödlichen Falle für Benno Ohnesorg. Der Schuss fiel im Getümmel, andere Polizisten und Vorgesetzte deckten den Todesschützen Kurras.

Foto: Peter Wensierski
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Was zuvor geschehen war: Der Schah von Persien auf Staatsbesuch - am Morgen des 2. Juni 1967 kam Reza Mohammed Pahlavi auf dem Flughafen Tempelhof an. Auf diesem Foto schreitet er die Front der Ehrenformation der Berliner Bereitschaftspolizei ab, zusammen mit Heinrich Albertz (links), Nachfolger Willy Brandts als Regierender Bürgermeister von Berlin.

Foto: Bratke/ picture-alliance / dpa
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Vor dem Rathaus Schöneberg versammelten sich Demonstranten und Zuschauer. Der Besuch des Schahs und seiner Gattin Kaiserin Farah Diba, die für 24 Stunden nach West-Berlin kamen, löste Massenproteste und schwere Tumulte aus. Die Boulevardpresse feierte ihn als kaiserliche Hoheit, die Demonstranten sahen ihn als orientalischen Diktator, der mit Hilfe seiner Geheimpolizei Savak Oppositionelle zu Tode foltern ließ.

Foto: Chris Hoffmann/ picture-alliance / dpa
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Jubel- und Prügelperser: Etwa 150 iranische Geheimdienstler und angeheuerte Landsleute gingen, nachdem sie den Schah auftragsgemäß bejubelt hatten, mit Gewalt gegen die Demonstranten vor. Die Berliner Polizei ließ sie gewähren, schaute den Angriffen minutenlang zu, machte später selbst Jagd auf die Protestler.

Foto: A9999 DB/ dpa
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Nach den tödlichen Schüssen auf Ohnesorg: Trauerfeier im Audimax der Freien Universität Berlin - rund 10.000 Studenten begleiteten anschließend einen Autokonvoi zum Grenzkontrollpunkt Dreilinden.

Foto: BPK / Klaus Lehnartz
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Start des Autokorsos von Berlin nach Hannover: Das Foto entstand am 8. Juni 1967 in Dreilinden bei der Auffahrt auf die Transitautobahn in Richtung Helmstedt. Die DDR verzichtete auf die damals noch fällige Visagebühr und kontrollierte auch die Ausweise nicht.

Foto: BPK / Klaus Lehnartz
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Der Wagen mit dem Leichnam Benno Ohnesorgs passiert die deutsch-deutsche Grenze bei Helmstedt. Aufgebrachte Lkw-Fahrer, die wegen des Konvois stundenlang im Stau standen, bewarfen die Trauernden am Grenzkontrollpunkt mit Steinen.

Foto: Helmuth Lohmann/ AP
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"Wir trauern um Benno Ohnesorg": Es blieb beileibe nicht bei Protesten in Berlin, sofort sprang der Funke auf viele andere Städte über, wie dieses Bild aus Frankfurt/Main zeigt. Etwa 40 Prozent aller Studenten in der Bundesrepublik und West-Berlin beteiligten sich an Trauermärschen und Demonstrationen.

Foto: STR/ AP
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SED-Mitgliedsausweis von Karl-Heinz Kurras: 2009 stellte sich heraus, dass der West-Berliner Polizist bereits seit 1955 Stasi-Spitzel war. Als er mit einer Fotokopie dieses Ausweises konfrontiert wurde, gestand er ein, damals so wie in diesem Ausweis unterschrieben zu haben. Dann fragte er: "Können die mich nicht mal in Ruhe lassen nach 42 Jahren?"

Foto: Hannibal Hanschke/ picture alliance / dpa
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Karl-Heinz Kurras (hier im Jahr 2009) musste nie wegen Mordes oder Totschlags vor Gericht. Er berief sich auf Notwehr. Lediglich wegen fahrlässiger Tötung wurde er in zwei Prozessen angeklagt - und freigesprochen. Später beförderte man ihn zum Kriminaloberkommissar, im Ruhestand erhielt er eine Beamtenpension, 27 Jahre lang bis zu seinem Tod im Dezember 2014.

Foto: DB Star Press /Kirchwitz/ picture-alliance/ dpa
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Das Grab von Benno Ohnesorg und seiner Frau Christa, die vor 17 Jahren starb, auf dem Bothfelder Friedhof in Hannover. Die Vorgesetzten von Kurras, darunter frühere Mitglieder der NSDAP und der SA, bescheinigten ihm korrektes Verhalten. Beweismittel verschwanden und wurden vernichtet.

Foto: Jochen Lübke/ dpa
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Lukas Ohnesorg, der seinen Vater Benno nie kennenlernen konnte, verbirgt sich hier unter einer Papiertütenmaske mit dem Porträt des Schahs von Persien. "Jeder, der sich mit dem Fall beschäftigt hat", sagt er, "weiß, dass mein Vater ermordet wurde."

Foto: rbb/ dpa
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Die Vertuschung begann schon am Abend des 2. Juni 1967, als Benno Ohnesorg ins Moabiter Krankenhaus eingeliefert wurde. Als Todesursache steht "Schädelverletzung durch stumpfe Gewalteinwirkung" auf dem Totenschein - dabei wussten alle Beteiligten, dass ein Kopfschuss den Studenten getötet hatte.

Foto: Peter Wensierski
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Tödliches Projektil: Die Patronenhülse wurde viel zu spät am Tatort gefunden. Den Totenschein im Krankenhaus stellte ein junger iranischer Assistenzarzt auf Anweisung seiner Vorgesetzten aus - unmöglich wäre es für ihn gewesen, deren Angaben in Frage zu stellen, sagt er.

Foto: Peter Wensierski
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Präparierter Schädel: Die Kugel schlug über den rechten Ohr ein und blieb im Hirn stecken. Das konnte Ohnesorg nicht überleben.

Foto: Peter Wensierski
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Eilige Vertuschung im Krankenhaus: Wenig sorgfältig wurde ein Schädelstück rund um die Einschussstelle mit einer Zange herausgebrochen. Die Knochenteile warf man weg, nähte die Haut über dem Loch zu, legte den Todeszeitpunkt auf 22.55 Uhr fest - so ließ sich diese Behandlung des Toten als "Notoperation" am noch lebenden Ohnesorg darstellen.

Foto: Peter Wensierski