Trabi-Kult Von der Pappe zum Porsche

Stotternder Motor, fehlende Federung und der Spott der Passanten: Früher oder später ist fast jeder Trabi-Fahrer auf ein echtes Auto umgestiegen. Kein Wunder, wenn man die Vorher-Nachher-Fotos sieht.
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Mein Erster, der "Schlumpf": Im Jahr 1993 verdiente ich mir mein erstes Auto durch das Verteilen von Tageszeitungen. Es hat "nur" für einen Trabi gereicht - doch neun Jahre später fuhr ich ihn immer noch begeistert. Er war blau mit einem weißen Dach, deshalb taufte ich ihn "Schlumpf". Liegengeblieben bin ich auf meinen In- und Auslandsreisen nie, denn wo wenig Technik drin ist, kann auch nicht viel kaputt gehen. 2002 habe ich geheiratet und wir zogen in die französischen Alpen - meine Frau stammt von hier. Ein Import meines Trabis war aufgrund der hiesigen Abgasnormen unmöglich, und so stieg ich auf einen zweiten Trabi um, der - kein Scherz - über einen Katalysator verfügte. Er war grün, hieß also "Frosch".
Allerdings wurde langfristig die Beschaffung selbst kleinster Verschleißteile ein immer größeres Problem. Auf den rauen Gebirgsstraßen gingen vor allem Kupplung und Lenkgestänge kaputt, und das Porto für Ersatzteile aus Deutschland war oft teurer als die Teile selbst. Als wir dann unsere Tochter erwarteten, war klar: Beim Reisen mit Nachwuchs geht Sicherheit vor. So trennte ich mich notgedrungen von Trabi Nummer zwei und stieg auf einen geräumigen VW Passat um. Viel Platz, das ist natürlich klasse. Nur bei der Parkplatzsuche in Büronähe in der Genfer Innenstadt wünsche ich tagtäglich, ich hätte noch immer meinen Trabi.

Foto: Andy Hoppe
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Mein Zweiter, der "Frosch": Das ist der Trabi namens Frosch - der Farbe wegen.

Foto: Andy Hoppe
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Umstieg auf einen Passat: Da es immer unmöglicher wurde, Ersatzteile für den Trabi zu beschaffen, stieg ich auf diesen Passat um.

Foto: Andy Hoppe
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Schorsch trifft einen BMW: Wer mit einem Trabi in der Familie aufwächst, überlegt nicht lange, wenn er vor der Wahl des ersten fahrbaren Untersatzes steht. Ich entschied mich für einen Trabant 601 S, Baujahr 1989 namens Schorsch - hier links im Bild zu sehen. Er bewegte mich täglich 80 Kilometer, und nach zwei Jahren als Alltagsfahrzeug wurde er, nicht nur aus Mitleid, von einem Daewoo Lanos abgelöst.
Schorsch war somit vom Alltags-Stress befreit und erhielt von mir eine Kur samt Sportfahrwerk und kadmiumgelber Lackierung. Verkauf oder Verschrottung ausgeschlossen. Aus Ersatzteilspendern "bastelte" ich ihm in circa drei Jahren Bauzeit ein kleines orangefarbenes Schwesterchen namens Rosi. Es ist ein Umbau auf 601er Plattform mit den Karosserieteilen eines verschrotten P60 Baujahr 62.

Foto: Mirko Ulber
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Harry und Schorsch: Den Daewoo Lanos fahre ich nun schon acht Jahre. Rechne ich dessen Werkstattkosten zusammen, könnte ich dafür drei Trabis kaufen.
Für meine Trabis, die ich nur im Sommer fahre, habe ich aufgrund der anspruchslosen und reparaturfreundlichen Technik noch nicht einen einzigen Euro in einer Werkstatt gelassen.
Sollte ich eines Tages um die Welt fahren, dann nur mit einem Trabant!
...mit meinem Trabi-Club Klappstuhl und der IFA-Pannenhilfe ;)

Foto: Mirko Ulber
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Trabi "Rosi": In drei Jahren Bauzeit entstand aus Ersatzteilen "Schorschs" kleine Schwester "Rosi".

Foto: Mirko Ulber
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Mein Feuerwehrtrabi: Meinen Trabi habe ich 1988 von meinem Vater übernommen. Er stammt aus dem Baujahr 1972 und wurde bis kurz vor der Maueröffnung neu aufgebaut. Als Zivilfahrzeug hat er seinen Dienst bis 1992 verrichtet. Danach wurde er in einer Scheune untergestellt und für das 100-jährige Jubiläum unserer Feuerwehr im Jahr 1995 als "Hingucker" umgebaut.
Nach ein paar weiteren Jahren in der Scheune entschieden wir uns, das Fahrzeug richtig und endgültig für die Öffentlichkeitsarbeit unserer Feuerwehr einzusetzen. Seit dem Jahr 2000 ist das Fahrzeug regelmäßig auf regionalen Fahrzeugtreffen, Feuerwehrveranstaltungen, Festumzügen und Ausstellungen zu sehen. Gemeinsam mit seinem "Fahrer", dem Löschflori (das ist der Eisbär), ist der Trabi immer ein Publikumsmagnet, vor allen Dingen bei den Kindern.

Foto: Holger Läntzsch
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Umstieg auf einen Honda: Vom Trabi habe ich auf einen Honda CRV, Baujahr 2004, gewechselt.

Foto: Holger Läntzsch
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Erst Zweirad, dann Vierrad: Das ist mein altes Motorrad BMW R65GS. Irgendwann brauchte ich beim Fahren ein Dach überm Kopf - also stieg ich um auf einen Trabi.

Foto: Matthias Greiling
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Das Familienauto: Irgendwann stellt man fest, dass man seine beiden Kinder nicht auf einem Motorrad jeden Morgen in die Kindertagesstätte bringen kann. Also muss das Zweit-Fahrzeug ein Dach haben. Da ich gerne einfach zu wartende Fahrzeuge habe, kam mir der abgelegte Trabant 601 eines Freundes wie gerufen. Damals hatte er noch 6-Volt-Bordspannung und Kontaktzündung. Das half beim Anschieben in der Stadt. Aber Licht lieferte das nicht wirklich. Um die Alltagstauglichkeit herzustellen, baute mir eine Freundin hinten für die Kindersitze 3-Punkt-Gurte ein und ich gönnte mir eine Kennfeldzündung.
Jetzt schwimmt der Trabi im Düsseldorfer Berufsverkehr mit. Dass bei dem Umstieg die Kubikzentimeter-Klasse nicht verlassen wurde, hat sicher auch ökonomische Gründe - aus ökologischen Gründen hoffe ich, dass der Entwickler meiner Kennfeldzündung nächstes Jahr eine Einspritzanlage eintragungsreif macht, mit der die Kriterien von Euro 1 eingehalten werden können.

Foto: Matthias Greiling
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Nestwärme: So nutzt man Trabis in Neuruppin.

Foto: REUTERS
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Bessere Zeiten: Blick auf versandfertige Trabis vor den Sachsenring Automobilwerken in Zwickau. Im April 1991 wurde die Produktion nach insgesamt 3,7 Millionen Exemplaren eingestellt.

Foto: dpa
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Der Allerletzte: Im Trabant-Werk in Zwickau verließ dieser rosafarbene Trabi im April 1991 als Letzter das Band - nach 3,7 Millionen Exemplaren. Der erste Trabi wurde am 7. November 1957 der Öffentlichkeit vorgestellt.

Foto: ECKEHARD SCHULZ/ AP
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Ostalgie: Ein Besucher des 14. Internationalen Trabantfahrer-Treffens auf dem Flugplatz in Zwickau bewundert mit einem Foto des einstigen Staatsratsvorsitzenden der DDR, Erich Honecker, unterm Arm die angereisten Trabis.

Foto: dpa
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Siamesischer Zwilling: Der mit 2,85 Metern breiteste Trabant der Welt beim 10. Internationalen Trabantfahrer-Treffen in Zwickau

Foto: ddp
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Eierlikör, Rocker und Trabi: Der deutsche Rocker Udo Lindenberg posiert vor dem Hotel Atlantic in Hamburg mit einer Zigarre und einer Flasche Eierlikör neben seinem goldenen Trabant 444.

Foto: dpa
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Trabi Deluxe: Ein 5,40 Meter langer Trabant auf dem Ausstellungsgelände des 13. Internationalen Trabantfahrer-Treffens in Zwickau

Foto: DDP
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Grenzübergang Helmstedt-Marienborn: BRD-Grenzbeamte begrüßen nach der Öffnung der deutsch-deutschen Grenze am Grenzübergang Helmstedt die Neuankömmlinge aus dem Osten, angereist im mintfarbenen Trabi.

Foto: Holger Hollemann/ DPA
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Camping mit Trabi: Ein Trabi auf einer Postkarte von einem bulgarischen Campingplatz.
Der Text auf der Karte lautet:
"Hallo Ihr alle! Viele Grüße aus Primorsko sendet Euch Carola. Flug war gut, Wetter ist sehr heiß. Vorsicht Sonnenbrand. Schwarz sind wir schon. Hoffentlich hält sich die Bräune, da wir ja eine Woche dann woanders sind."

Foto: Georg Keim
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Deutsch-Deutsch: Irgendwie doch ein Lieblingsgefährt... Der zum Thema Wiedervereinigung lustig besprühte Trabant kurz vor seiner Fahrt in das Rostocker Theater zur Uraufführung "Deutsch-Deutsch" von Werner Müller.

Foto: joe brockerhoff
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Hochzeitswagen: ...ein Lieblingsfahrzeug auch noch im 21. Jahrhundert. Es muss ja nicht das schnellste sein. Anlässlich einer TV-Sendung haben wir einen Trabi innerhalb eines Tages zu diesem plüschigen und rosigen Hochzeitswagen veredelt.

Foto: joe brockerhoff
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Besser als Porsche: Ich besitze einen Trabant 601 s de luxe, der hier in Oberschwaben sehr beliebt ist. Ich würde das Fahrzeug nicht tauschen - auch nicht gegen einen Porsche. Mag sein, dass der Porsche mehr PS hat, aber achtet mal drauf: Nach einem Trabi drehen sich viele Leute um - nach einem Porsche fast keiner.

Foto: Peter Thurner/Magnus Thurner
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Trabi Safari: Begeisterte vorübergehende Trabi-Fahrer

Foto: Ariane Israel
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Trabi Safari: Zwischenhalt der Berliner Trabi-Safari an der Siegessäule.

Bei der Trabi-Safari kann jeder, der im Besitz eines gültigen Führerscheins ist, 90 Minuten lang selbst Trabi im Konvoi fahren. Über Funkgeräte sind die Fahrzeuge miteinander verbunden und ein Guide erklärt die Sehenswürdigkeiten und die Geheimnisse des Trabis.

Foto: Ariane Israel
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Trabi Safari: Hier ein kleiner Teil der Fahrzeugflotte von Trabi Safari Berlin

Foto: Ariane Israel
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Trabi Safari: Ein Trabi-Kübel voller holländischer Mädels geht auf Safari durch Berlin.

Foto: Ariane Israel
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Mit dem Trabi durch die Mauer: Für viele Bürger der DDR bot der Trabi eine eigene "kleine" Freiheit, als die Mauer fiel brachte er sie dann auch raus in die Welt, daran erinnert dieses Gemälde auf einem Teilstück der Mauer in der "East Side Gallery" in Berlin. Das 1,3 Kilometer lange Kunstwerk wurde 1992 unter Denkmalschutz gestellt.

Foto: Tim_Brakemeier/ dpa
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Trabis auf dem letzten Weg: Abtransport von Trabant-Fahrzeugen im Frühjahr 1991 auf einem Mercedes-Benz-Lastwagen zur Verschrottung. Ein typisches Bild nach der Wiedervereingung auf den Straßen Berlins.

Foto: Christian Hajer
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