Das allererste deutsche Fernsehen Zwischen Toast Hawaii und Pappmaché-Baum

Die Glaswolle rieselte von der Decke, die Ansagerin wurde halbohnmächtig: Am 25. Dezember 1952 nahm das deutsche Fernsehen seinen regulären Sendebetrieb auf. einestages über die ersten Stunden eines neuen Mediums - und den Aufstieg einer jungen Schauspielerin zu Deutschlands erster Tele-Ikone.
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Premiere: Eine Familie sitzt am 25. Dezember 1952 vor dem Fernseher, um der ersten Ausstrahlung des regulären Fernsehprogramms des NWDR beizuwohnen. Ihr Fernseher ist der erste Fernsehempfänger der Firma Grundig, vorgestellt 1951.

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Tele-Ikone bei der Arbeit: Ein Maskenbildner schminkt die Fernsehansagerin Irene Koss für eine Sendung. Ihre erste Ansage im regulären Programm des NWDR wurde mit dem Sendestart am 25. Dezember 1952 ausgetrahlt.

Foto: DDP
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Das Fräulein Irene: Die 24-jährige Irene Koss erhielt bereits wenige Wochen nach dem Start des regulären Fernsehprogramms des Nordwestdeutschen Rundfunks säckeweise Fanpost und mehrere Heiratsanträge. Die Frau ohne Unterleib beeinflusste mit ihrem feschen Kurzhaarschnitt, den sie sich wegen der anfänglichen Hitze im Studio zulegte, sogar die Frisurenmode im Nachkriegsdeutschland der fünfziger Jahre. Die Jugendzeitschrift "Bravo" verlieh ihr 1961 und 1962 den Silbernen Otto.

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Sexy Stimme: Die Fernsehansagerin Angelika Feldmann war neben Irene Koss Moderatorin der ersten Stunde beim NWDR. Hier sagt sie 1952 im ersten Studio des NWDR-Fernsehens eine Sendung an, neben ihr die Kulisse zu "Was ist los in Hamburg?".

Foto: NDR
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Zweites Studio: Der NWDR zog mit seinem Fernsehstudio schon bald nach Sendestart von dem großen Bunker auf dem Hamburger Heiligengeistfeld in diesen gegenüber gelegenen, etwas kleineren Bunker um. Hier gab es immerhin eine vernünftige Belüftungsanlage, außerdem größere Räume, die zudem technisch besser ausgestattet waren. Der sogenannte Fernsehbunker, hier 1952, ist inzwischen abgerissen.

Foto: Max Ehlert/DER SPIEGEL
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"Bitte vollkommene Ruhe": Im Tonstudio des NWDR wurde Fernsehpionierarbeit geleistet. Durch die Scheiben sieht man die über dem Fernsehstudio hängenden Scheinwerfer.

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Erstes Signal: Am 12. Juli 1950 wird von der Sendeantenne des großen Luftschutzbunkers auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg dieses Testbild des NWDR-Fernsehens ausgestrahlt. Es ist das erste Fernsehsignal, das nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Hamburg wieder empfangen werden kann.

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Fernsehstudio: So sah Fernsehen Anfang der fünfziger Jahre hinter den Kulissen aus - die Ansagerin stand inmitten eines herrschaftlichen Wohnzimmers, und das Rauchen im Studio war "polizeilich verboten".

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TV-Aufzeichnung: Am 12. Dezember 1952 wird im Studio des NWDR in Hamburg eine Diskussionsrunde zum Thema "Bauen wir die Slums von morgen?" aufgezeichnet.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Benno Wundshammer
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Toast Hawaii im Fernsehen: Clemens Wilmenrods Karriere als Schauspieler verlief eher mittelmäßig, bis ihn der NWDR als Fernsehkoch für die Sendung "Clemens Wilmenrod bittet zu Tisch" engagierte. Daraufhin versorgte der Laienkoch ab dem 20. Februar 1953 die Nachkriegshausfrau alle zwei Wochen in seiner 15-minütigen Sendung mit kulinarischen Kreationen wie Toast Hawaii, gefüllte Erdbeeren, Würstchen mit Austern oder arabisches Reiterfleisch, die es allesamt zu Kultstatus brachten.

Foto: Max Ehlert
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Dreimal Nachrichten - pro Woche: Das Logo der Nachrichtensendung wurde in dieser Version ab 1952 verwendet. Ihre Premiere erlebte die "Tagesschau" am 26. Dezember 1952 - mit zunächst nur drei Sendungen pro Woche am Montag, Mittwoch und Freitag. Während es damals nur etwa tausend Zuschauer waren, die die Sendung erreichte, sind es inzwischen bis zu zehn Millionen.

Foto: NDR/ dpa
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Live-Übertragung: Am 2. Juni 1953 wird Elizabeth II. in der Londoner Westminster Abbey gekrönt. Das Ereignis war im deutschen Fernsehen live mitzuerleben, das königliche Protokoll zwang sogar den Kameramann, Frack zu tragen.

Foto: dpa
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Wettervorhersage: Nach dem Start des regelmäßigen Fernsehprogramms sah die Wetterkarte des NWDR noch etwas improvisiert aus, rechts auf dem Requisitentisch ein Pappmaché-Baum mit einem Schild "Regen".

Foto: NDR
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"Was bin ich?": Das berühmte Fernsehquiz mit Robert Lembke wurde von 1955 bis 1958 im TV ausgestrahlt. Eine zweite Staffel lief von 1961 bis 1989. Hier hat Robert Lembke Schauspielerin Ruth Leuwerik zu Gast.

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"Internationaler Frühschoppen": Die Talkshow am Sonntagvormittag, hier um 1953, mit Gastgeber Werner Höfer, Dritter von links, und internationalen Journalisten, war seit Aufnahme des regulären Fernsehprogramms 1952 eine der beliebtesten Sendungen des deutschen Fernsehens und wurde 1987 vom "Presseclub" abgelöst.

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Sendepause: In den Anfangsjahren des NWDR wurde zwischen einzelnen Sendeteilen tagsüber dieses Pausenzeichen gezeigt.

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Gründungsstunde: Im großen Sendesaal des NWDR in Hamburg wurden dem Sender am 30. Dezember 1947 durch den politischen Berater des britischen Militärgouverneurs die neuen Satzungen feierlich übergeben. Der Vorsitzende des Hauptausschusses des NWDR, Präsident Kieselbach, nahm sie entgegen. Der NWDR war damit ab 1. Januar 1948 eine Körperschaft des öffentlichen Rechts - und der erste unabhängige deutsche Sender.

Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-2005-0802-513

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Neues Studio: Am 23. Oktober 1952 legte der Generaldirektor des NWDR, Adolf Grimme, rechts, den Grundstein für das neue Fernsehstudio des Senders in Hamburg-Lokstedt. Der etwas abwesend dreinblickende, junge Mann mit Mikrofon ist der damalige Reporter und spätere bekannte Regisseur Jürgen Roland.

Foto: dpa
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Erstes Studio: Im obersten Stockwerk des großen Bunkers auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg befand sich ab dem 27. November 1950 das erste Fernsehstudio des NWDR - zunächst nur für den Testbetrieb, bis Weihnachten 1952 das reguläre Programm gestartet wurde. Doch das massive Bauwerk erwies sich als vollkommen ungeeignet für die Nutzung als Studio. Die winzigen Räume des Bunkers und eine schlechte Belüftung führten zu Temperaturen von weit über 40 Grad im Studio.

Foto: dapd
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Bekanntes Gesicht: Angelika Feldmann, hier ein Foto vom 11. Januar 1995, zog es als ausgebildete Schauspielerin nach ihrer Karriere als Ansagerin wieder auf die Bühne. So war sie in Serien wie "Großstadtrevier" oder in Theaterrollen zu sehen. Sie starb im Jahr 2000.

Foto: dpa
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Irene Koss: Die erste Ansagerin im deutschen Fernsehen war gelernte Schauspielerin. Die Hamburgerin war von der ersten Stunde des deutschen Fernsehens an mit von der Partie und bis 1962 beim NDR-Fernsehen. Danach ging sie mit ihrem Mann Sammy Drechsel, Gründer der Lach- und Schießgesellschaft, nach München und war nach seinem Tod 1986 für das Archiv des Kabaretts aktiv. Irene Koss starb 1996 in ihrer Wahlheimat.

Foto: ddp images
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