Achim und Sohn auf Tour Fahrrad, Zelt und Kompensationsbier

Zwei Fahrräder, ein Zelt, die Schönheit der Natur und nichts als tolle Gedanken? Von wegen. Wer mit dem Nachwuchs auf Radtour geht, sollte sich von seinen romantischen Vorstellungen schleunigst verabschieden. Doch kaum ist die Qual vorbei, will man auch schon wieder los.
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Nun, mein Sohn, hier siehst du die Energiewende, also den Teil vor der Wende. Nachdem wir tagelang im Schatten von Windrädern und durch Meere von Solarpanelen gekreuzt sind, begegnen wir kurz vor Schweinfurt dem Grundlastgiganten Grafenrheinfeld. Wir atmen flacher, gucken aufmerksam, ob die Kühe auf wackeligen Beinen stehen und treten unmerklich ein wenig kräftiger in die Pedale.

Foto: Achim Achilles
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Neben Mücken und Atomkraftwerken gehören Rentner auf E-Bikes zu den größten Angstmachern auf Deutschlands Radwanderwegen. Schutz und Ruhe vor Horden heizender Senioren bietet vor allem der Friedhof.

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Von wegen blühende Landschaften. In Thüringen sagen sie, wie's ist: Einheit ist nicht Streichelzoo, sondern Kampfbahn.

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Machen wir uns nichts vor: Ein Zelt ist und bleibt eine Notunterkunft, die Nächte sind lang, aber ungemütlich, morgens rumoren die Wohnmobilisten ringsum, und billig ist es auch nicht, wenn man die Kosten für Ultraleicht-Equipment, Kompensationsbier und Bandscheibenvorfälle wie Speichenbrüche durch Monstergepäck einrechnet. Dafür riecht es komisch.

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Machen wir uns nichts vor: Wer als Veganer   auf eine Radtour geht, sollte sich seine Mahlzeiten am besten direkt am Wegesrand  zusammensammeln. Die Verpflegungsstationen an Radwanderwegen unterscheiden sich kaum von Autobahnraststätten: Es regieren Fett und Kohlehydrate. Wenn man sich einbildet, dass Frittierfett eine schmierende Wirkung hat, vergisst man die Ekzeme im Sitzbereich für ein Weilchen.

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Für Abwechslung im Speiseplan sorgen bisweilen die Obststände am Straßenrand. Erdbeeren, Schokolade  und Radkarte – das ist unser Triathlon.

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Endlich mal ein überschaubarer Kostenposten: 50 Cent kostet die Mainfähre, die man alle fünf Kilometer benutzen kann, auch wenn es keinen großen Sinn macht, sich Zickzack fortzubewegen.

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Manchmal radeln wir durch solch verwunschene Ufergegenden, dass es kaum überraschen würde, wenn Huck Finn plötzlich aus dem Ufergestrüpp auftauchte. Die Kühltürme des Atomkraftwerks Grafenrheinfeld muss man sich einfach wegdenken.

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Die Beschilderung rund um Schweinfurt ist optimierungsbedürftig. Ohne Sebastian, der uns in der Abenddämmerung auflas, hätten wir Deutschlands sympathische Hauptstadt der Kugellager nie gefunden. Danke dafür.

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Bisher war uns Franken vor allem wegen Lothar Matthäus ein Begriff. Nun wissen wir: Im unteren Teil des Mains liegt Weinfranken, wo der Bocksbeutel zu Hause ist; im oberen Teil des Flusses herrscht der Bierfranke, der die Gläser leider nicht ganz groß genug konstruiert hat, als dass man mit dem Kopf vollständig hineinkäme.

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Endlich geschafft, nach zwölf Tagen, 600 Kilometern und unmenschlichen Entbehrungen. So müssen sich die ersten Siedler gefühlt haben, als sie die Westküste erreicht hatten. Kalifornien war damals allerdings etwas ruhiger.

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Der Schorf von den Sturzverletzungen ist abgefallen, frisches Spielzeug erfreut die Jungenseele. Doch der nächste Anschlag auf das Kindswohl ist bereits geplant.

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Wenn der kleine Mann wüsste. Vorm Legoland lauerte die Mutter im Auto, für die Fahrt Richtung Alpen. Zur Regeneration  werden jetzt noch ein paar Viertausender erklommen.

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