Fotoserie aus Moldau Gaga-wo?

Die autonome Region Gagausien in Moldau ist kleiner als das Saarland und vielen nicht bekannt. Der Fotograf Alessandro Vincenzi hat mehrere Wochen die Menschen dort porträtiert.
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Schon mal von Gagausien gehört? Die autonome Region, gesprochen Gaga-usien, innerhalb der Republik Moldau ist winzig - und vielen nicht bekannt. Hier gibt es weder Berge, Strände noch bedeutende Sehenswürdigkeiten, dafür aber eine vielfältige Kultur, riesige Felder und Weingüter. Der Fotograf Alessandro Vincenzi  hat mehrere Wochen dort verbracht und den Alltag der Menschen in der Region dokumentiert.

Foto: Alessandro Vincenzi / CAPTA
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Eine Gruppe von Kindern spielt Fußball in Beshalma. Die Stadt gilt als das kulturelle Zentrum von Gagausien: Hier steht ein ethnografischen Museums über die Traditionen der Region, das 1966 gegründet wurde. Rund 160.000 Einwohner leben in Gagausien, sie haben eine eigene Regierung und Verwaltung. Die Gagausen sind ursprünglich ein Turkvolk, doch diese Herkunft spürt man laut Vincenzi meist nur, wenn um ein traditionelles Essen geht.

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Nach dem Ende des Kommunismus haben sich die Gagausen mit der Regierung des moldawischen Mutterlandes arrangiert - und sind seit 1994 eine weitgehend selbstständige Region. Der Lebensstil der Menschen wäre noch der gleiche wie der ihrer Großeltern, sagt Vincenzi: "Die Gagausen fühlen sich aber sehr mit der ehemaligen Sowjetunion verbunden. Dieses Erbe ist in ihrem Alltag immer noch sehr präsent." Hier tragen junge Mädchen traditionell gagausische Kleidung - der Selfie-Kult ist aber auch hier schon angekommen.

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Sprachkurs am Comrat Regional Lyceum Gaidarji: Die Region hat mit Gagausisch auch ihre eigene Sprache. Aber auch Rumänisch und Russisch sind offizielle Amtssprachen.

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Die achtjährige Anastasia tanzt Ballett. Sport, Kunst und Musik werden in Gagausien als Erbe der Sowjetunion sehr ernst genommen - die Aktivitäten gehören zum normalen und täglichen Lebens von Kindern. Vincenzi verbrachte insgesamt fünf Wochen in der Region.

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Während des gagausischen Nationalfeiertags Kasym feiern und essen 1300 Menschen in dieser Halle in Ceadîr-Lunga. Die Einwohner waren Vincenzi gegenüber sehr offen: "Nur die Grenzpolizei war etwas skeptisch, aber nach 15 Minuten haben sie mich reingelassen."

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Der Weintag gehört zu den wichtigsten Feierlichkeiten für Gagausien und findet normalerweise in der ersten Novemberwoche statt. An diesem Tag wird kostenfrei Wein an die Bevölkerung verteilt - die Produktion gehört zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen der Region.

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Vincenzi durfte auch bei einer gagausischen Hochzeit dabei sein. Entsprechend der Tradition tragen Bräutigam und Braut eine Krone, die die Trauzeugen halten, sodass die Haare nicht durcheinander geraten. 2014 sprachen sich rund 98 Prozent der Bevölkerung Gaguasiens für eine engere Beziehung zu Russland und gegen eine Annäherung zur EU aus.

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Die Mehrheit der Bevölkerung Gagausiens gehört dem orthodoxen Christentum an. Wegen der langen Zugehörigkeit zur Sowjetunion gibt es auch eine relativ hohe Zahl an Konfessionslosen und nicht-praktizierenden Christen.

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"Der Alltag der Menschen ist sehr einfach, aber sie scheinen sich trotzdem nicht allzu große Sorgen zu machen", sagt Vincenzi. Hier begleitet er eine Familie an einen See. Als Heizmaterial verwenden sie Maiskolben - Kohle ist für die meisten viel zu teuer. Freie Tagen verbringen viele Männer und Kinder laut dem Fotografen auf einer Wiese, um sich zu entspannen.

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Diese Kolchose, in der etwa 500 Arbeiter beschäftigt sind, blieb nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion erhalten und ist wahrscheinlich eine der wenigen verbliebenen in Moldau.

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Die meisten Menschen, die nicht in der Hauptstadt Comrat leben, ernähren sich durch Landwirtschaft und Viehzucht. "Einerseits bewundere ich es, dass sie gegen alles eine Abneigung haben, was ihren Lebensstil und ihre Traditionen verändern könnte", sagt Vincenzi. "Man kann sich aber auch vorstellen, welche Nachteile das in Bezug auf den Zugang zu Kultur, Bildung, Entwicklung, Chancen und Offenheit hat." Viele junge Leute würden daher das Land verlassen und im Ausland arbeiten - so könnte die gagausische Kultur doch eines Tages bedroht sein.

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