Tante Inges geheime Leidenschaft "Karsten soll sich um meine Fotos kümmern!"

Ihr ganzes Leben lang machte Ingeborg Loh Bilder, im Alltag und auf Reisen. Ihre Leidenschaft hielt sie geheim. Erst als die alte Dame ins Pflegeheim musste, entdeckte ihr Neffe Karsten 30.000 hinreißende Schnappschüsse.
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Spaß beim Grillabend: Dieses Bild einer Frau mit gepunktetem Turban, die an die französische Schriftstellerin Simone de Beauvoir erinnert, stammt von 1981. Die Fotografin hat sich sicher ebenso köstlich amüsiert - Ingeborg Loh machte ihr Leben lang Bilder und wünschte sich von ihrem Neffen, als sie mit über 90 Jahren ins Pflegeheim umziehen musste: "Karsten soll sich um meine Fotos kümmern!"

Foto: Ingeborg Loh/ Archiv Karsten Loh
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Dass Tante Inge gern fotografierte, wusste die Familie. Aber nicht, dass sie so viele Bilder machte und so talentiert war. "Vor uns hat sie diese Leidenschaft immer geheim gehalten", sagt ihr Neffe Karsten Loh.

Foto: Archiv Karsten Loh
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Unbestechliche Wächter: Über Jahrzehnte fing Ingeborg Loh mit der Kamera skurrile Alltagssituationen ein. Auf einer weihnachtlichen Kaffeetafel fotografierte sie im Jahr 2005 neben einem Christstern zwei rote Wichtel, deren Köpfe aus Orangen wiederum mit dem Tortenguss harmonierten. Eine Fotoausbildung hat die Chefsekretärin nie gemacht. Sie drückte einfach immer im richtigen Moment auf den Auslöser.

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Gut beschirmt: Ingeborgs Bruder Eberhard war 1970 mächtig stolz auf sein neues Auto. Kein Regentropfen sollte wohl die blank geputzte Motorhaube verunzieren. Von den Fotos, die Karsten Loh im Internet verbreitete, ist dies bis jetzt das beliebteste. Auch bei einer Ausstellung im Kornhäuschen in Aschaffenburg 2019 brachte das Bild viele Besucher zum Lachen.

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Doppelbild: Huch, was passiert da hinten? Tante Inge machte diesen Schnappschuss, als die Kuchenesserin für einen Moment neugierig nach hinten in den Spiegel schaute. Darin erkennt man das Blitzlicht des Fotoapparates.

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Ingeborg Loh, hier 1952 als flotte Mittzwanzigerin bei der Abreise von Wasserburg am Bodensee, machte früh ihren Motorradführerschein und war stets gern auf Achse, bis ins hohe Alter.

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Unterwegs mit 1 KS: Das Foto zeigt Tante Inge 1993 als Kamelreiterin in Ägypten. Reisen war ihre zweite große Leidenschaft, oft fuhr sie mit Gleichgesinnten im Hotelbus durch die Welt.

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Karsten Loh, hier 1978 als Kind, erhielt beim Sortieren von rund 30.000 Schnappschüssen ganz neue Einblicke in das Leben seiner Tante.

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Karsten kümmert sich: Als die alte Dame mit über 90 Jahren ins Pflegeheim kam, fand ihr Neffe in ihrem Haus haufenweise akkurat beschriftete Alben und Taschen mit Bildern. Gut 16.000 Fotos konnte er retten und katalogisieren. Viele davon hat Karsten Loh, von Beruf Illustrator, inzwischen über die sozialen Netzwerke verbreitet - mit großer Resonanz.

Foto: Karsten Loh
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Wie die Orgelpfeifen: Bei einem Campingurlaub in Athen 1985 posierten drei Mitreisende vor Tante Inges Objektiv - der Größe nach geordnet. Ingeborg Loh benutzte keine aufwendige Fotoausrüstung, sondern eine einfache Kamera aus dem Versandhandel.

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Gefundenes Fressen für die Lokalpresse: Bei einer Wanderung durch das Allgäu erspähte Ingeborg Loh diese Kuh, der zufällig das Autokennzeichen von Aschaffenburg eingebrannt worden war. Dieses Foto ist das einzige, das zu Lebzeiten von Ingeborg Loh veröffentlicht wurde. Offensichtlich war die alte Dame darauf stolz, denn in ihrem Nachlass fanden sich mehr als 20 Exemplare des Zeitungsausschnitts von 1992.

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Romantisches Tête-à-Tête: Ingeborg Loh liebte Blumen. Jedes Jahr besuchte sie während der Baumblüte den großen Magnolienhain in Aschaffenburg, längst auch ein Tummelplatz für Handyfotografen und Selfiejäger. Durch das Geäst beobachtete sie im Jahr 2000 ein Paar auf einer Sitzbank.

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"Wandernde Salzstange": Ältere Semester erinnern sich sicher an dieses beliebte Partyspiel. Auf dem Foto von 1984 schaut ein Mann im Hintergrund interessiert zu den beiden Frauen, die versuchen, das Knabbergebäck geschickt im Mund zu balancieren.

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Verwirrende Perspektiven: Die Familie ahnte nichts von ihrem Talent. Denn Tante Inge hielt die meisten ihrer Aufnahmen unter Verschluss. Auf diesem Stillleben von 1994 vereinen sich der Blumenstrauß in der Vase und sein Spiegelbild mit dem Muster der Tapete.

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Ausgelassene Modenschau: Neben dem Fotografieren war Reisen Ingeborg Lohs große Leidenschaft. 1989 fuhr sie mit einer Gruppe nach Südfrankreich. Zum Abschied entstand diese Aufnahme in Estézarques, bei der auch ein Damenschlüpfer präsentiert wurde.

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Achtung, Kriminelle: In Wuppertal fiel Tante Inge ein von Demonstranten beschriebenes Pappschild auf. "Dieses Frühstück ist nach der neuen Straßenverordnung verboten", ist darauf zu lesen. Der Schnappschuss entstand 1982 in der Fußgängerzone. Die Fotografin mag sich bei dem Besuch im Bergischen Land an ihre eigene Jugend erinnert haben, denn sie kam 1926 im nahegelegenen Schwelm zur Welt.

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Mustermix: Auf diesem Foto aus Ingeborg Lohs Wohnort Goldbach bei Aschaffenburg lassen die Siebzigerjahre grüßen. Das grafische Muster auf dem Kleid ihrer Freundin Uschi setzt sich andersfarbig auf der Tischdecke fort. Ihr Mann Friedhelm präsentiert sich mit einer coolen dunklen Brille. Die Fotos zeigen nicht nur Verwandte und Bekannte. Seit Karsten Loh die Bilder ins Internet stellt, melden sich auch immer wieder Leute aus dem In- und Ausland, die sich auf Schnappschüssen wiedererkennen.

Foto: Ingeborg Loh/ Archiv Karsten Loh
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Menschen im Café: Die drei Frauen und der Mann, die Tante Inge 1981 ins Visier nahm, könnten der "Factory" des Pop-Art-Künstlers Andy Warhol entsprungen sein.

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Elend in Florenz: Nicht nur lustige Bilder finden sich im Nachlass der Tante, die im Januar 2019 starb. Sie wollte offenbar das gesamte Leben um sie herum dokumentieren und hielt diese Straßenszene mit einer Bettlerin und ihrem weinenden Kleinkind bei einem Italienurlaub 1981 fest.

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Foto vom Fotografen: Mehrmals hat Ingeborg Loh andere Leute abgelichtet, während sie gerade selbst auf Motivjagd gingen. In Kanada, wo ein Teil der Familie Loh lebt, stellte sie sich hinter einen Amateurknipser.

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Geburtstags-Blues: Ganz zum Feiern scheint den beiden Männern 1976 bei Herberts Wiegenfest nicht zumute gewesen zu sein. Oder lag das am Alkoholpegel zu vorgerückter Stunde? Tante Inge fing auch diesen Moment mit ihrem fotografischen Blick ein.

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Fernweh: Ingeborg Loh unternahm insgesamt 22 Reisen durch verschiedene Kontinente und brachte viele Schnappschüsse mit nach Hause. An ihrem Arbeitsplatz, wo eine große Weltkarte hing, konnte sie sich schon mal auf den nächsten Urlaub einstimmen. Diese Aufnahme entstand 1972.

Foto: Ingeborg Loh/ Archiv Karsten Loh
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Temperamentvolles Duo: Zwei Männer bei einem improvisierten Auftritt am Silvesterabend 1972. Bei solchen Gelegenheiten wurden oft Wanderlieder gesungen. Im Familienkreis galt Tante Inge immer als besonders korrekt und seriös, mit ihren Freunden konnte sie dagegen auch herumalbern.

Foto: Ingeborg Loh/ Archiv Karsten Loh
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Im Bann des Objektivs: 1972 fotografierte Karsten Lohs die in Kanada lebende Cousine Susan, die wiederum bei einem Besuch der Tante in Goldbach einen Hund fotografierte. So erschien das treu zu ihr aufblickende Tier gleich auf zwei Aufnahmen.

Foto: Ingeborg Loh/ Archiv Karsten Loh
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Familienbild mit Kuscheltier: Ebenfalls 1972 knipste Ingeborg Loh den ernst dreinblickenden Sohn eines Bekannten, der in der Küche mit seinem Goldhamster vor der Kamera posierte.

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Zwei Künstler am Werk: 1965 besuchte Tante Inge Paris. Im beliebten Touristenviertel Montmartre fotografierte sie diesen Maler vor seiner Staffelei. Zu Hause sammelte sie mit Begeisterung Kunstbände - ihr absoluter Liebling war Vincent van Gogh.

Foto: Ingeborg Loh/ Archiv Karsten Loh
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