Anzügliche Musikvideos Wenn Britney Spears ins Schwitzen kommt

Verbotene Bettszenen mit Madonna, Björk beim Robosex und Britney Spears in der Sauna: Jeden Monat bändigt Hollow Skai auf einestages die schlüpfrige Seite des Rock- und Popgeschäfts in kurzweiligen Listen. Zum Auftakt: die zehn heißesten Musikclips.
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Eins: Madonna - "Justify My Love"

Für den Dressman Tony Ward erfüllte sich offenbar ein Traum, als er nicht nur vor der Kamera für Madonnas "Sex"-Buch und das Video "Justify My Love" mit ihr in den Nahkampf gehen durfte, sondern auch privat. Seine Freundin, die Modedesignerin Jayme Harris, fand das verständlicherweise nicht so lustig: "Er war schon immer ein Perverser. Oft mussten wir Madonna-Videos anschauen, während er mit mir schlief."

Im "Justify My Love"-Video mietet sich Madonna in eine Art SM-Hotel ein, trifft dort einen Herren (Ward) auf dem Flur und verschwindet umgehend mit ihm aufs Zimmer. Dort stößt noch das Model Amanda de Cadanet dazu. Mit ihr küsst sich die Pop-Ikone ausgiebig. Als MTV sich weigerte, den Orgien-Clip auszustrahlen, vermarktete Madonna ihn einfach selbst - und verkaufte 800.000 Exemplare.

Drei Jahre später wollte MTV diesen Fehler nicht noch einmal machen und sendete Madonnas Video zum Song "Rain" samt der darin enthaltenen Strip-Szenen. Verblüfft stellte ein Sprecher fest, dass dem Sender "keine Reaktion des Publikums" bekannt sei und "wirklich kein einziger Anruf" bei MTV eingegangen sei.

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Foto: Warner Music Group
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Zwei: Britney Spears - "Womanizer"

In diesem Video rekelt sich Britney Spears unter anderem singend und schwitzend in einer Sauna. Offenbar zu heiß für YouTube in den USA. Dort konnte der Clip nur von Usern angesehen werden, die bereits volljährig waren.

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Foto: Sony Music
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Drei: Björk - "All Is Full Of Love"

Chris Cunninghams Video zu "All Is Full Of Love" zeigt zwei Roboter beim Liebesakt und ist die erste DVD-Single, die je erschienen ist. Ähnlich abstrakt, aber genauso sinnlich ist der von Nick Knight gedrehte Clip zu "Pagan Poetry". In ihm setzte der Regisseur Björks gepiercte Nippel ins Bild.

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Foto: Vertigo FM
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Vier: Marilyn Manson - "Heart-Shaped Glasses"

In diesem Video fuhr Manson mit seiner damals 19-jährigen Freundin Evan Rachel Wood nicht nur in einem Cabrio herum, Manson wälzte sich mit ihr außerdem fast unbekleidet in einem Blutregen. Gleich am Anfang lief in der Langversion zudem eine explizite Sexszene inklusive Geräuschkulisse. Die unzensierte Fassung des Clips war im Fernsehen nur nach 22 Uhr zu sehen.

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Foto: Universal Music Group
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Fünf: 2Pac - "Temptations"

Superreiche Gangsta lassen sich gleich von mehreren Sahneschnitten einölen, gutgebaute Callboys strippen für Business-Ladys oder spielen ausgelassen Strip-Poker. Im Video zu 2Pacs "Temptations" werden sämtliche Versuchungen vorgeführt. Alles aus der Sicht eines Etagenkellners, der Blicke durchs Schlüsselloch riskiert.

In dem Video von 1995 gibt es etliche Gastauftritte von HipHop- und R'n'B-Größen wie Ice-T, Coolio, Salt-N-Peppa, Isaac Hayes und Will Smiths Frau Jada Pinkett. Nur 2Pac selbst ist nicht dabei - er saß zur Zeit des Drehs im Gefängnis.

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Foto: Universal Music Group
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Sechs: Duran Duran - "Girls On Film"

Mit suggestiven Videoclips wie "Girls On Film" übertünchte "unsere allerliebste Scheißband" (Diedrich Diederichsen) in den achtziger Jahren sehr erfolgreich ihren sturzlangweiligen Designer-Pop. Nur Morrissey war der Meinung, dass sogar "eine besoffene Ziege ein Duran-Duran-Video drehen" könne. Der Pop-Art-Künstler Andy Warhol nutzte das neue Medium hingegen auch privat und bekannte: "In der Tat - ich masturbiere zu Duran-Duran-Videos."

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Foto: EMI
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Sieben: The Prodigy - "Smack My Bitch Up"

Jonas Åkerlund hatte den Auftrag, für die britischen Electro-Punks The Prodigy einen Clip zum Song "Smack My Bitch Up" zu drehen, bereits abgelehnt, als er nach einer durchzechten Nacht in Kopenhagen doch noch eine zündende Idee dazu hatte. Der ehemalige Schlagzeuger der schwedischen Proto-Black-Metal-Band Bathory inszenierte den Song mit Mitteln des Dokumentarfilms als wüste Sauf- und Sexorgie, die zumindest ebenso kontrovers diskutiert wurde wie der Song selbst, den Feministinnen als frauenfeindlich brandmarkten. Dabei hätten die Frauenrechtlerinnen den Clip nur bis zum Ende ansehen müssen, denn "mit der letzten Einstellung bekommt das wohl größte Skandalvideo der MTV-Ära" eine intelligente Wendung, "die alles vorher Gesehene auf den Kopf stellt" (SPIEGEL ONLINE).

Das Video zu "Smack My Bitch Up" war ein Clip, den jeder sehen wollte, aber kaum jemand zu Gesicht bekam, weil MTV ihn nur spät nachts einsetzte - und auch nur in einer zensierten Version, ohne die Heroin-Injektion, die der Legende nach echt gewesen sein soll, und den Unfall mit Fahrerflucht.

Åkerlund, der zuvor hauptsächlich Werbespots, Info-Filme für die schwedische Armee über das mustergültige Verhalten von Soldaten bei einem Kampfeinsatz und diverse Videoclips für Roxette gedreht hatte, bekam daraufhin jede Menge Angebote, unter anderem von Madonna und Metallica, war aber selbst höchst unzufrieden mit dem Ergebnis: "Das hat mich zwar einigermaßen populär gemacht, aber auch viele Kunden abgeschreckt."

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Acht: Jean Park - "Soultwister"

Kein Geringerer als Russ Meyer, der Altmeister des Sexploitation-Kinos, drehte 1991 dieses Video der Düsseldorfer Band Jean Park, das zugleich eine Hommage an seinen Kultfilm "Faster Pussycat! Kill! Kill!" und eine Fortsetzung beziehungsweise eine aktualisierte Fassung davon ist - und auch Ausschnitte daraus enthält. Deutsche Fernsehsender hatten anscheinend Angst, dass dieser lustige Clip als frauenfeindlich eingestuft werden könnte, weshalb er, ebenso wie Russ Meyers Filme, nie in der Glotze zu sehen war.

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Foto: Sony Music
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Neun: Metallica - "Turn The Page"

Die sehr stimmig verfilmte Geschichte einer Mutter, die mit ihrer kleinen Tochter durch amerikanische Provinzstädte tingelt. Ihren Lebensunterhalt verdient sie mit Table-Dance-Auftritten und als Prostituierte, um "frei" leben zu können und sich nichts vorschreiben zu lassen. Zugegeben: eher düster als scharf - aber ein tolles Video.

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Foto: Mercury (Universal)
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Zehn: Revolting Cocks - "Do Ya Think I'm Sexy?"

Verglichen mit dieser Version des Nebenprojekts von Al Jourgensen (The Ministry) nimmt sich Rod Stewarts Original wie ein Kinderlied aus. Das Video setzt aber noch einen oben drauf, indem es Jourgensen, ähnlich wie Holly Johnson von Frankie Goes To Hollywood im Video zu "Relax ('Don't Do It')", allerdings sehr humorvoll, durch die Abgründe eines Hardcore-Sexclubs führt.

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Foto: Warner Bros.
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Hollow Skai ist Autor, Journalist und Chef des Punklabels No Fun Records. Er verfasste Biografien über die Scorpions, Die Toten Hosen und Rio Reiser sowie Bücher über Punk und die Neue Deutsche Welle.

In seinem Buch "Sex, Love & Rock'N'Roll" hat er sich dem Thema Sex und Liebe in der Pop- und Rockgeschichte gewidmet.

Foto: Hollow Skai
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