Sport und Krieg Pumpen hinter der Front

In Baku feiert Aserbaidschan mit Bombast seine Europaspiele - an der Grenze mit Armenien schlagen die Kugeln der Scharfschützen ein. Der Konflikt um eine kleine, wertvolle Bergregion überschattet die Wettkämpfe. Eindrücke aus einer zerrissenen Region.
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Fitness an der Straßenecke: Männer haben sich in Jerewan, der Hauptstadt Armeniens, zum Trainieren getroffen. Vor den Europaspielen im benachbarten Aserbaidschan hatte es im Land eine hitzige Debatte gegeben. Sollte man Athleten zu dem Turnier schicken? Schließlich gibt es seit Jahrzehnten schwere Spannungen zwischen beiden Nationen. Hauptstreitpunkt: Berg-Karabach. Von 1992 bis 1994 kam es wegen der Zwergrepublik sogar zum offenen Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan. Feindseligkeiten gibt es noch heute.

Foto: Jacob Balzani Lööv
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Alltagsleben in dem Grenzdörfchen Berkeber im Norden von Armenien: Jenseits des Sees liegt Aserbaidschan - und immer wieder gibt es von beiden Seiten aus Schüsse. Nicht selten geraten Zivilisten zwischen die Fronten.

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Der Ort Chinari liegt nicht weit entfernt: Auch hier fliegen immer wieder Geschosse über die armenisch-aserbaidschanische Grenze. Hier zeigt ein Bewohner Munition, die er in seinem Garten entdeckt hat. Der Konflikt spielt auch bei den pompösen Europaspielen in Baku eine Rolle.

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Baku, Aserbaidschan: Der letzte Fackelträger erreicht das Olympiastadion der Hauptstadt. In seinem Heimatland kennt man Ilham Zakiyev als Sportler - und wegen seiner Beteiligung im Konflikt um Berg-Karabach. Als Soldat der aserbaidschanischen Armee diente Ilham Zakiyev an der Frontlinie - bis ihm im Jahr 1999 ein armenischer Scharfschütze in den Kopf schoss.

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Vom Krieg gezeichnet: Zakiyev überlebte die schwere Verletzung, ist aber seitdem komplett blind. Trotzdem kämpft er bei paralympischen Turnieren erfolgreich als Judoka. Über seine Rolle in Baku sagte er: "Mein Auftritt sollte eine Anklage sein, weil 20 Prozent meines Landes von den Armeniern besetzt gehalten werden."

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Der Konflikt beeinflusst den Sport auf größter Bühne - aber auch im ganz kleinen: Hier machen sich armenische Kinder in dem Grenzdorf Voskevan auf zu einem Fußballspiel. Doch einfach so drauflos kicken können sie nicht. Ihr Platz liegt im Schussfeld der Scharfschützen. Vor dem Spiel müssen die Kinder bei ihren Eltern oder dem Militär nachfragen, wie sicher die Lage gerade ist.

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Auch hier hat der Disput um Berg-Karabach seine Spuren hinterlassen: Ein Schüler im Sportstudio von Felix Alijew nahe der armenischen Hauptstadt. Alijew stammt aus Aserbaidschan, trägt den selben Nachnamen wie der dortige Alleinherrscher Ilham Alijew. Trotz der Spannungen ist er in Armenien geblieben. Während des Krieges schoben die Schüler vor dem Haus des Trainers Wache. Heute lebt Alijew in Frieden, wie er sagt - obwohl beide Länder weiter überkreuz liegen.

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Nicht nur symbolisch, sondern ganz handfest sind die Spuren in Koti in Nordost-Armenien. In zahlreichen Häusern klaffen die Einschusslöcher der aserbaidschanischen Scharfschützen. Trotz der Gefahr spielt auch in Koti der Sport eine wichtige Rolle, vor allem für die jungen Menschen. Hier trainiert eine Gruppe von Taekwondo-Schülern.

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Der aserbaidschanische Einfluss ist nicht zu übersehen in der Sportszene Armeniens. Das gilt auch für Vovik Khojanyan (r.), der seine Schüler in dem Kampfsport Sambo drillt. Dabei handelt es sich um eine Kombination verschiedener Kampfkünste, die ursprünglich von der sowjetischen Armee entwickelt wurde. Auch Khojanyans Familie stammt aus Aserbaidschan, lebt aber schon lange in Armenien.

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Große Show, große Symbole: Die Eröffnungsfeier der Europaspiele in Baku. Im Stadion öffnete sich unter anderem das Modell eines riesigen Granatapfels und entließ hunderte Ballons in den Abendhimmel. Granatäpfel wachsen sowohl in Aserbaidschan, als auch in Armenien - und werden in beiden Staaten als nationales Symbol betrachtet.

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Gegen den Erzfeind möglichst gut aussehen: Armenien hat schließlich doch noch Athleten nach Baku geschickt - hier ringt Roman Amojan gegen Elman Mukhtarow aus Aserbaidschan. Für Amojan hat sich die Reise nicht gelohnt: Er musste sich geschlagen geben.

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Widerwillig zusammen auf dem Podium: Bei diesen Athleten aus Armenien (l.) und Aserbaidschan (2.v.r.) musste der russische Goldmedaillengewinner für das Foto offensichtlich etwas nachhelfen. Sport und Politik sind eben doch eng verbunden, wie die Beispiele des Turniers von Baku und des Berg-Karabach-Konfliktes zeigen.

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