Auschwitz-Fotograf Brasse "Ich wusste, dass sie sterben würden"
Der "Fotograf von Auschwitz", Wilhelm Brasse, ist am Dienstag im Alter von 95 Jahren im südpolnischen Zywiec gestorben.
Der Ende August 1940 nach Auschwitz deportierte Brasse hatte beim sogenannten Erkennungsdienst des Lagers gearbeitet und insgesamt etwa 50.000 Aufnahmen von den im Lager registrierten Häftlingen gemacht.
Oft habe er sich geschämt im Angesicht der leidenden, zu Tode verängstigten Menschen, die er porträtieren musste, sagte Brasse später. Hätte er die Arbeit verweigert, wäre er jedoch unweigerlich ein toter Mann gewesen.
Eine Ausnahme in der Galerie des Grauens: Das Hochzeitsfoto von Margarita Ferrer Rey und Rudolf Friemel. Brasse nahm es im Lager Auschwitz am 18. März 1944 auf. Die Ehe wurde im lagereigenen Standesamt geschlossen, wo sonst nur Totenscheine ausgestellt wurden. Am 30. Dezember wurde der Widerstandskämpfer im Lager erschossen.
Auch die SS-Leute ließen sich von Brasse ablichten. Hier ist SS-Offizier Maximilian Grabner zu sehen. "Setzen Sie sich bequem hin, entspannen Sie sich, denken Sie an Ihr Vaterland", habe er dem Untersturmführer geraten, berichtete Brasse. Der Nazi habe daraufhin milde gelächelt. Später wurde er wegen Mordes in mindestens 25.000 Fällen zum Tode verurteilt.
Brasse 2009 in seinem Haus im polnischen Zywiec. Obwohl er kurz vor der Befreiung des Lagers im Januar 1945 den Auftrag bekam, sämtliche Materialien zu vernichten, tat er dies nur teilweise und bewahrte so die wertvollen Beweismittel.