In Kooperation mit

Job & Karriere

Ausgestorbene Berufe Einer musste den Job ja machen

Märbelpicker, Ameisler oder Kammertürke - manche alten Berufsbezeichnungen klingen heute wie Beleidigungen. In den bizarren Tätigkeiten vergangener Jahrzehnte und Jahrhunderte spiegelt sich der Wandel von Wirtschaft und Gesellschaft. Zwölf vergessene Berufe im Porträt.
1 / 13

Märbelpicker, Ameisler oder Kammertürke - manche alten Berufsbezeichnungen klingen heute wie Beleidigungen. Doch dahinter steckten einmal richtige Jobs. Die Autorin Michaela Vieser und die Illustratorin Irmela Schautz haben ausgestorbene Berufe porträtiert. Wissen Sie, welche Tätigkeiten zu welchem Job gehören? Los geht es mit dem Silhouettenschneider.  
Tätigkeit: Schattenbilder ausschneiden oder malen
Erkennungszeichen: Schere in der Hand, durchdringender Blick
Aktive Zeit: zirka 1770 bis 1790

Foto: Irmela Schautz
2 / 13

Scharfrichter:   Auch: Blutrichter, Blutscherge, Blutvogt, Böser Mann, Dehner, Fleischer, Folterer, Hautabzieher, Marterer, Quäler, Knüpfauf, Züchtiger, Meister Hans
Tätigkeit: Der Scharfrichter folterte und vollstreckte im Auftrag des Gesetzes, kümmerte sich aber auch um andere unangenehme Aufgaben, zum Beispiel: Abdeckerarbeiten, Aussätzige vertreiben, Hunde einfangen, Tiere kastrieren, Schriften verbrennen, Kloaken und Gefängnisse säubern, Galgen bauen, Dirnen kontrollieren
Erkennungszeichen: lebte außerhalb der Stadt, musste sich als Scharfrichter erkennbar kleiden, wurden gemieden
Aktive Zeit: ab dem 13. Jahrhundert. Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde unterschieden zwischen Scharfrichtern, Henkern und Schindern. Den Beruf gibt es bis heute in Ländern, in denen die Todesstrafe nicht abgeschafft wurde

Foto: Irmela Schautz
3 / 13

Rohrpostbeamtin 
Tätigkeit: Überwachte den Rohrpostverkehr
Erkennungszeichen: saubere Kleidung
Aktive Zeit: 1863 mit der Einführung der Rohrpost, zuerst in England, bis zum Versand der letzten Rohrpost in Paris 1984 (firmeninterne Rohrpostanlagen sind noch heute in Betrieb)

Foto: Irmela Schautz
4 / 13

Quacksalber:   im besten Sinne reisender Arzt oder Apotheker, im schlechtesten Scharlatan und Kurpfuscher - aber auch: Bader, Kurpfuscher, Steinschneider, Zahnbrecher, Chirurg
Tätigkeit: Sie machten so ziemlich alles, was der menschlichen Gesundheit beziehungsweise der Beseitigung von Krankheiten dienen sollte.
Erkennungszeichen: lautes Mundwerk, Wundertaten
Aktive Zeit: 14. bis 19. Jahrhundert, später übernahm der Versandhandel seine Aufgaben

Foto: Irmela Schautz
5 / 13

Paternostermacher bzw. Bernsteindreher  
Tätigkeit: Bernstein zu Gebetsketten verarbeiten. Zunächst musste der rohe Bernstein aufgrund seiner Qualität sortiert werden. Dann wurden daraus perlengroße Stücke geschnitten. Mittels eines von einer Kurbel betriebenen Schleifsteins wurde geschliffen und später poliert.
Erkennungszeichen: lebte nicht da, wo der Bernstein herkam
Aktive Zeit: ab dem 12. Jahrhundert

Foto: Irmela Schautz
6 / 13

Märbelpicker 
Tätigkeit: Kalkstein für Murmeln klopfen. Der frisch geschlagene Stein musste sorgfältig abgedeckt werden; wurde er zu kalt oder zu trocken, zerbröckelte er schnell. Im nächsten Schritt mussten aus dem Stein kleine gleichmäßige Würfel geklopft werden, die dann, um das Zählen zu vereinfachen, in eine Kiste von vorbestimmter Größe gepackt wurden. Ein geübter Märbelpicker schaffte neuntausend bis zehntausend Würfel an einem Tag.
Aktive Zeit: in Thüringen/Coburger Land von der Errichtung der ersten Märbelmühle 1769 bis nach Ende des Ersten Weltkriegs

Foto: Irmela Schautz
7 / 13

Lithograf:   vervielfältigte Bilder im großen, oft auch bunten Stil
Erkennungszeichen: Selbstbewusstsein und Akribie
Aktive Zeit: von der Erfindung der Lithografie durch Alois Senefelder 1798 bis Anfang des 20. Jahrhunderts (Ablösung durch Offset-Printverfahren)

Foto: Irmela Schautz
8 / 13

Köhler:   Mann, der Holz zu Holzkohle schwelte
Erkennungszeichen: geschwärztes Gesicht, lebte in der Abgeschiedenheit der Wälder
Aktive Zeit: seit der Bronzezeit. In Deutschland gibt es auch heute noch einzelne Köhler

Foto: Irmela Schautz
9 / 13

Kammertürken, Hofmohren, Inselindianer,  aber auch Riesen und Zwerge gehörten zur Entourage der barocken Fürstenhäuser Europas, zu den "müßigen um die Person des Regenten laufenden Leuten… die zum bloßen Überfluß gehörten". Berufsexot wäre die genauere Bezeichnung. Ihre Biografien aber sind je nach Klassifikation verschieden; damals ein Phänomen ganz nach dem Geschmack der Zeit - heute sehr schwer zu verdauen.
Erkennungszeichen
… des Kammertürken: auffallend türkische Kleidung, Lippenbart
… des Hofmohren: dunkle Hautfarbe, buntes Kostüm
… des Inselindianers: lebte auf einer Insel, trug indianische Tracht
Aktive Zeit: Barock

Foto: Irmela Schautz
10 / 13

Fullone/Urinwäscher:   Wäscher- und Walkerzunft im alten Rom, die ihr eigenes Waschmittel herstellte
Erkennungszeichen: wunde Beine
Aktive Zeit: Römisches Kaiserreich; danach nur noch vereinzelt und meist nur für die Verarbeitung von Wollstoffen, in England bis 1935

Foto: Irmela Schautz
11 / 13

Fischbeinreißer:   zerkleinerte die mannshohen Barten von Walen, ein Material, das sich durch ungeheure Elastizität auszeichnet, um diese an Kleider- und Galanterieartikelmacher zu verkaufen.
Erkennungszeichen: lebte in Hafenstädten, sonst kein besonderes Kennzeichen
Aktive Zeit: von ca. 1500 bis Anfang 20. Jahrhunderts

Foto: Irmela Schautz
12 / 13

Ameisler:   Person, meist männlich, die Ameisenpuppen sammelte, sie trocknete und als Vogelfutter oder Medizin verkaufte
Erkennungszeichen: bäuerliche Tracht, Strümpfe weit hochgezogen, um Ameisenbisse zu vermeiden
Aktive Zeit: in Mitteleuropa bis in die zwanziger Jahre, in Niederösterreich sogar bis in die siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts

Foto: Irmela Schautz
13 / 13

Michaela Vieser: Von Kaffeeriechern, Abtrittanbietern und Fischbeinreißern. Berufe aus vergangenen Zeiten.
Illustriert von Irmela Schautz.

Bertelsmann Verlag; 240 Seiten; 19,99 Euro. Einfach und bequem: Direkt bei Amazon bestellen. 

Foto: C. Bertelsmann/Irmela Schautz
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.