Aussiedler und Alkoholismus Der Suff zieht mit

Sie haben in Russland getrunken, und in Deutschland saufen sie weiter: 140.000 Aussiedler sind nach Schätzungen vom Experten alkoholkrank. Russische Sucht-Hotlines und Spezial-Kliniken haben sich auf die Klientel eingestellt.
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Der alkoholkranke Sergej aus Odessa hat acht Entgiftungen und einen Selbstmordversuch hinter sich. Er will nie wieder ein Delirium Tremens erleben und lobt trotz zahlreicher persönlicher Rückfälle die Therapieeinrichtungen in Deutschland: "Sie sind das Beste, was einem Süchtigen passieren kann. Ich hab nach langer Zeit erst hier verstanden, dass ich Alkoholiker bin."

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Todesursache Alkohol: Laut einer von der Fachzeitschrift "The Lancet" in Auftrag gegebenen Studie gehen 43 Prozent der Todesfälle unter russischen Männern zwischen 25 und 54 Jahren auf Alkohol zurück. Experten schätzen die Zahl der behandlungsbedürftigen alkoholabhängigen Aussiedler in Deutschland auf bis zu 140.000.

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"Ich habe erst nur eine Flasche Wodka am Tag getrunken, aber dann wurden es immer mehr", sagt der 35-jährige Wolodja aus Kasachstan. Wie es so weit kommen konnte? Er war allein in einem fremden Land. Keine Arbeit, keine Freunde. Dann warf ihn seine Frau aus der gemeinsamen Wohnung. Wolodja zog in ein Obdachlosenheim und trank noch mehr. Aber er wollte nicht sterben und handelte selbst. Seit einem Monat wird er nun stationär in der vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe getragenen Klinik Warstein in Westfalen behandelt.

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Die Klinik Warstein in Westfalen. Seit Mitte der neunziger Jahre hat sich die vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe getragene Anlaufstelle für Suchtkranke auf Patienten aus den GUS-Staaten spezialisiert.

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Marina Krawtschenko von der Drogenberatungsstelle Kodrobs in Hamburg-Wilhelmsburg. Die 30-Jährige betreut seit Juni 2006 eine russischsprachige Hotline für Suchtkranke aus den GUS-Staaten. "Unser Angebot, sich anonym, per Telefon und in der Muttersprache beraten zu lassen, hat die Hemmschwelle merklich gesenkt", berichtet Krawtschenko.

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"Gerade bei Patienten aus Russland kommt es immer wieder vor, dass sie Alkoholismus nicht als Krankheit begreifen, sondern als normales Trinken. Der Kontrollverlust danach wird als Schwäche ausgelegt", sagt Thomas Heinz, Chefarzt der Abteilung Sucht und Rehabilitation der Klinik Warstein.

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Die 29-jährige Irina aus Sibirien lässt sich seit vier Wochen in Warstein behandeln. Vor der Entgiftung trank sie bis zu fünf Flaschen Wein am Tag. Sie ist arbeitslos und hat drei Kinder, die in Pflegefamilien leben.

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Viel Geduld auch mit therapieresistenten Patienten: Joanna Jarzombek aus der Klinik Warstein liegt vor allem die sprachliche Weiterbildung der Aussiedler am Herzen. "Mangelnde Sprachkenntnisse sind die größte Hürde für ein normales Leben in Deutschland."

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